Die Helfer des Königs der Feder.

Pilgerfahrt (Ḥaǧǧ)

Der fünfte Pfeiler ist die Wallfahrt nach Mekka, „ǧ“ genannt. Jeder Muslim, der körperlich und finanziell dazu in der Lage ist, ist angehalten einmal in seinem Leben nach Mekka zur Kaaba, dem ersten Haus Gottes, zu reisen.[1]


Inhaltsverzeichnis

  1. Verpflichtung im Heiligen Qurʾān
  2. Ablauf
  3. Philosophie
  4. Quellen

 

Verpflichtung im Heiligen Qurʾān

„Und vollziehet die Pilgerfahrt und die Umra um Allahs willen.“[2]

„In ihm sind deutliche Zeichen. Die Stätte Abrahams – und wer sie betritt, hat Frieden. Und Wallfahrt zu diesem Haus – wer nur immer einen Weg dahin finden kann – ist den Menschen eine Pflicht vor Allah. Wer aber ablehnt (möge bedenken), dass Allah sicherlich unabhängig ist von allen Geschöpfen.“[3]

„Und verkündige den Menschen die Pilgerfahrt: Sie werden zu dir kommen zu Fuß und auf jedem hageren Kamel, auf allen fernen Wegen.“[4]

 

Ablauf

Die ǧ findet im islamischen Monat ḏū l-ḥiǧǧa statt, der zwei Monate nach dem ʿīdu l-fiṯr kommt und der zwölfte und letzte Monat des islamischen Kalenders ist. Folgende Rituale werden während der ǧ durchgeführt:

  1. ḏū l-ḥiǧǧa: Das Eintreten in den iḥrām-Zustand (Zustand des Pilgers während der Pilgerfahrt) durch das Anziehen von zwei ungesäumten weißen Tüchern. Dies wird an vorbestimmten Orten in der Nähe von Mekka durchgeführt.
  2. Das ständige Wiederholen der talbiyya (Bereitschaftsbekundung für die Pilgerfahrt) beginnend an dem Ort, an dem der iḥrām angezogen wird. Die talbiyya lautet:

لَبَّيْكَ اللَّهُمَّ اللّٰہُمَّ  لَبَّيْكَ ، لَبَّيْكَ لَا شَرِيْكَ لَكَ لَبَّيْكَ ، اِنَّ الْحَمْدَ وَالنِّعْمَةَ لَكَ وَالْمُلْكَ لَا شَرِيْكَ لَكَ

Labbaika llāhumma labbaik, labbaika lā šarīka la-ka labbaik, inna l-ḥamda wa-n-niʿmata la-ka wa-l-mulka lā šarīka la-k.

O Allah, hier bin ich –Deinem Ruf folgend–, ich befolge (ihn), ich befolge –Deinen Ruf–, O Du, Dem niemand beigesellt ist. Aller Lobpreis, alle Wohltaten und die Macht gehören Dir. Niemand ist Dir beigesellt.

  1. Beim Betreten der heiligen Moschee in Mekka beginnen die Pilger mit dem ersten ṭawāf, welches die siebenmalige Umkreisung –gegen den Uhrzeigersinn- der ka‘aba beinhaltet.
  2. Nach dem ṭawāf vollziehen die Pilger den saʿī (rituelles schnelles Gehen) zwischen den beiden Hügeln aṣ-ṣafā und al-marwa, die sich in der Nähe der ka‘aba befinden.
  3. Nachdem saʿī begeben sich die Pilger nach Mina, etwa fünf Kilometer östlich von Mekka und verbringen die Nacht dort.
  4. Am nächsten Tag, am ḏū l-ḥiǧǧa, begeben sich die Pilger zum Berg ʿArafāt, etwa zwanzig Kilometer östlich von Mekka. Sie kommen am frühen Abend dort an, verrichten das ẓuhr und ʿaṣr-Gebet und hören einer Ansprache des Imams zu. Sie verweilen in der ʿArafāt-Ebene bis zum Sonnenuntergang. Diese Ebene ist dieselbe, in der der Heilige ProphetSAW seine Abschiedsansprache hielt.
  5. Nach dem Sonnenuntergang verlassen die Pilger ʿArafāt und kehren zu einem Ort zurück, der sich Muzdalifa nennt. Im Heiligen Qurʾan wird dieser Ort als al-mašʿar al-ḥarām (das heilige Monument) bezeichnet. Nach der Ankunft in Muzdalifa verrichten die Pilger das maġrib– und ʿišāʾ-Gebet und verbringen die Nacht dort. Morgens, nach dem faǧr-Gebet, kehren die Pilger nach Mina zurück.
  6. Die Pilger erreichen Mina am zehnten Tag des ḏū l-ḥiǧǧa. Dieser Tag erhält viele Rituale. Als erstes werden kleine Steine auf drei Säulen geworfen, dass das Abwerfen des Teufels symbolisiert.
  7. Der zehnte Tag des ḏū l-ḥiǧǧa ist der Tag, an dem die Pilger Tiere opfern. Weltweit wird dieser Tag von Muslimen als ʿīdu l-aḍḥā
  8. Nach dem Opfern lassen sich die Pilger ihr Haar schneiden. Danach trennen sie sich von dem iḥrām-Zustand, indem sie wieder ihre alltägliche Kleidung anziehen.
  9. In ihrer Alltagskleidung führen die Pilger wieder einen ṭawāf um die kaʿaba durch. Dieser ṭawāf wird ṭawāf az-ziyāra
  10. Bevor der zehnte ḏū l-ḥiǧǧa endet, führen die Pilger einen weiteren saʿī zwischen den Hügeln ṣafā und marwa
  11. Danach kehren die Pilger noch einmal zurück nach Mina, wo sie bis zum zwölften oder dreizehnten Tag des ḏū l-ḥiǧǧa Während dieser zwei oder drei Tag bewerfen die Pilger die Säulen.
  12. Am Abend des zwölften oder dreizehnten ḏū l-ḥiǧǧa kehren die Pilger zurück nach Mekka, wo sie das letzte Ritual der Pilgerfahrt durchführen. Dieses Ritual besteht aus dem Abschieds-ṭawāf der ka‘aba. Damit endet die Pilgerfahrt.

Abgesehen davon besuchen viele Pilger die Prophetenmoschee in Medina, wo sich auch das Grab des Heiligen ProphetenSAW  befindet. Dieser Besuch gehört aber nicht zu den Ritualen der Pilgerfahrt.

Zusätzlich gibt es noch den kleinen ḥaǧǧ (ʿumra genannt), den man zu einer beliebigen Zeit durchführen kann.

Philosophie

Für die Pilgerfahrt nach Mekka ist eine besondere Zeit festgesetzt, die zugleich an das Opfer Hadhrat IbrahimsAS erinnert, als er in einem Traum sah, dass er seinen Sohn IsmailAS opfert, um Gottes Wohlgefallen zu erlangen. Allah deutete ihm dann, dass dieser Traum nur symbolisch gemeint war, und dass er anstelle seines Sohnes ein Tier opfern solle. In Erinnerung daran und als Symbol für das „Töten“ niederer Begierden schlachten die Muslime, soweit für sie möglich, am letzten Tag der ǧ, dem Fest „ʿīd al-aḍḥā„, ein Tier.

Die „ ḥaǧǧ “ ist nicht nur ein überwältigendes Erleben für die Seele, die zur Vereinigung mit Gott nach Mekka auszieht, sie ist auch ein soziales Ereignis von höchstem Rang, da sich zu ihrer Gelegenheit Millionen von Muslimen aus aller Welt an einem Ort versammeln und so die Möglichkeit haben, die unterschiedlichen Aspekte der Völker und Kulturen kennenzulernen.

 

Quellen

http://www.ahmadiyya.de/islam/fuenf-pfeiler-des-islam/hadsch-die-pilgerfahrt/

https://www.alislam.org/library/articles/hajj-pilgrimage/

[1] Sūra 2 Vers 197.

[2] Ebd.

[3] Sūra 3 Vers 98.

[4] Sūra 22 Vers 28.


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