Die Helfer des Königs der Feder.

Ahmadiyya

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat ist die von Mirza Ghulam Ahmadas 1889  gegründete Gemeinde. Diese glaubt, dass der erwartete Verheißene Messias und Imam Mahdi in der Person erschienen ist. Sie gilt weltweit als die größte islamische Gemeinschaft unter den organisierten Muslimen. Sie ist in 210 Staaten vertreten und hat mehrere zehn Millionen Anhänger. Sie wird vom fünften Khalifen der Gemeinde, Hazrat Mirza Masroor Ahmadaba, geleitet. Die Bezeichnung Ahmadiyya basiert auf den zweiten Namen des Heiligen Prophetensaw.


Inhaltsverzeichnis

  1. Hintergrund
  2. Glaubensgrundlagen
  3. Grundlegende Unterschiede zu anderen Muslime
  4. Geschichte
  5. Khalifen der Ahmadiyya
  6. Organisationsstruktur
  7. Quellen

Hintergrund

Der Heilige Prophetsaw prophezeite in mehreren Überlieferungen über die Herabsendung Jesuas, dem Sohn von Maria sowie das Erscheinen des Imam Mahdi zur Endzeit zur Reformation der Menschheit im Allgemeinen und der Muslime im Speziellen. Daraus leitete sich unter den Muslimen der Glaube ab, dass der gleiche Jesuas, der vor mehr als 2000 Jahren lebte, wiederkehren und der Imam Mahdi auch erscheinen würde. Außerdem entwickelte sich aufgrund christlichen Einfluss die Vorstellung, dass Jesusas nicht am Kreuz gestorben wäre, sondern lebendig gen Himmel empor gehoben wurde, dort seit jeher lebt und am Ende der Zeit wiedererscheinen wird. Doch diese Vorstellung wurde mit dem Erscheinen Mirza Ghulam Ahmadsas widerlegt, der aufgrund von Offenbarungen Gottes den Anspruch erhob, der Verheißene Messias des Islam und von allen großen Religionen erwartete Reformer der Endzeit zu sein. Demnach erkannte er nach dem Koran (35:25) auch die ursprüngliche Wahrheit der großen Religionsstifter einschließlich Zarathustraas, Abrahamas, Mosesas, Jesusas, Krishnaas, Buddhaas, Konfuziusas, Lao Tzuas und Guru Nanakas an und erklärte, wie diese Lehren im Islam zusammenfließen.

Grundlage seines Anspruchs stellen die Prophezeiungen des Heiligen Propheten Muhammadsaw dar, der die spirituelle Wiederkunft Jesuas bzw. des Imam Mahdi angekündigt hatte. Seinen Anspruch, ein von Muhammadsaw untergeordneter Prophet ohne eigenes Gesetzbuch zu sein, unterstrich er durch den Koran (4:70) und den Nachweis, dass Muhammadsaw nicht der letzte, sondern der „beste und größte aller Propheten“ war (Khatam un Nabiyyin). Als Beweis für seine Wahrhaftigkeit machte er unzählige Prophezeiungen, die deutlich in Erfüllung gegangen sind.

Mirza Ghulam Ahmadas belebte den Islam aus einer tiefen Depression wieder und legte die Wahrheit und Schönheit des Islam in über 80 Büchern auf Urdu, Arabisch und Persisch dar.

Eras warnte die Muslime vor einer irrationalen Interpretation des Korans und der falschen Anwendung des islamischen Rechts. Eras erklärte, dass die Sprache des Korans zahlreiche Metaphern und Gleichnisse enthält und nicht immer wortwörtlich ausgelegt werden darf.

Mirza Ghulam Ahmadas erklärte, dass die Vorstellung, bestimmte Verse des Korans seien aufgehoben (Abrogation), auf einem Irrtum beruht. Weiterhin erklärte eras deutlich, dass den Lehren des Islam zufolge der Gebrauch von Gewalt in Fragen der Religion absolut verboten sei.

Eras betonte die Gleichwertigkeit von Frau und Mann und befreite so das weibliche Geschlecht von ihrer passiven Rolle, die sie in vielen islamischen Gesellschaften wegen der falschen Auslegung des Heiligen Koran und patriarchalischer Machtstrukturen einnehmen musste.

Durch die Gründung der AMJ und der Begründung des rechtgeleiteten spirituellen Khilafat legte eras darüber hinaus die Basis für eine friedliche Verbreitung der unverfälschten Lehre des Islam in allen Teilen der Welt.

 

Glaubensgrundlagen

Die Lehre der Ahmadiyya basiert auf dem Koran, der Sunna und den Hadith. Die Ahmadis unterscheiden zwischen Sunna und Hadith, wobei Sunna als die Praxis gilt, die die Gefährten des Heiligen Propheten übernahmen und ihre Nachkommen sie nachahmten und dadurch auf praktischer Weise übertragen wurde. Ahadith, die Aussprüche des Heiligen Propheten, wurden anfangs nur mündlich tradiert und erst ca. 200 Jahre nach dem Ableben des Heiligen Prophetensaw gesammelt verschriftlicht. Hierbei bildet die Sunna nach dem Koran die höchste Quelle gefolgt vom Hadith. Daneben haben aber auch die Schriften des Mirza Ghulam Ahmadas eine große Bedeutung, vor allem bei der Auslegung von Koran und Hadith. Die zentralen Werte des Islam (Gebet, Almosen, Fasten, …) werden geteilt. Insbesondere die Frage, ob es weitere Propheten nach Mohammedsaw geben kann, spaltet orthodoxe Muslime und Ahmadiyya.

 

Grundlegende Unterschiede zu anderen Muslime

Obwohl die zentralen Werte des Islam (Gebet, Almosen, Fasten, …) und die Sechs Glaubensgrundsätze geteilt werden, unterscheidet sich die Ahmadiyya-Lehre von der islamischen Orthodoxie in Folgendem:

  • Abrogation: Der Koran enthält keine Widersprüche und es sind keine seiner Verse aufgehoben, der Koran hat Vorrang über Hadith und Traditionen. Das bedeutet, dass kein Koranvers einem anderen widerspricht und kein Hadith kann Versen des Korans widersprechen. Hadithe, die im Widerspruch zum Koran stehen, werden von der Ahmadiyya nicht akzeptiert, da sie im Gegensatz zum Koran nicht als Gottes Wort gelten.
  • Dschihad: Der (kriegerische) Dschihad darf nur zur Verteidigung in extremen Situationen von religiöser Verfolgung, nicht aber als politische Waffe oder als Vorwand für die Eroberung fremder Territorien geführt werden. Die Auswanderung ist dem Kampf vorzuziehen. (Sure 8:73, 22:59)
  • Isa ibn Maryamas: Jesus Christus, der am Kreuz hing, habe überlebt und sei in einer Grabkammer genesen. Unter dem Namen Yuz Asaf sei er daraufhin nach Kaschmir emigriert, wo er die „Verlorenen Stämme Israels“ gesucht habe. Nach einer langen Lehrtätigkeit sei er eines natürlichen Todes gestorben. Das Grab von Yuz Asaf befinde sich in Srinagar, der Hauptstadt Kaschmirs. Eras habe auch die Ankunft des Propheten Mohammedsaw vorhergesagt, was Christen als „Heiliger Geist“ missverstanden hätten.
  • Mahdi: Der „Messias“ und „Mahdi“ sind ein und dieselbe Person und der Islam wird den Anti-Christ (Daddschāl) besiegen in einer ähnlich langen Zeitspanne, die das werdende Christentum brauchte, sich zu etablieren (300 Jahre). Muslime glauben, dass Jesus leibhaftig in den „Letzten Tagen“ vom Himmel steigen wird, um „das Schwein zu töten und das Kreuz zu brechen“ – und dies in wörtlicher Weise –, um den Islam wiederzubeleben. Ahmadis glauben, dass die „Wiedergeburt“ des Islam durch eine spirituelle Erneuerung stattfindet (Töten des Schweins) und der Sieg über das Christentum durch die Kraft der Argumente (Brechen des Kreuzes) erreicht wird.
  • Prophetentum: Für die islamische Orthodoxie wurde das Prophetentum durch Mohammedsaw Die Ahmadiyya Muslim Jamaat glaubt, dass Mohammedsaw das Prophetentum zur Perfektion gebracht habe und der letzte „gesetzbringende“ Prophet sei, die Vervollkommnung der spirituellen Entwicklung des Menschen. Trotzdem hält die AMJ weitere Propheten für möglich, allerdings seien diese Mohammedsaw untergeordnet und können ihnsaw weder überragen noch seinesaw Lehren verändern noch ein neues (göttliches) Gesetz bzw. Religion bringen. Die AMJ sieht Mirza Ghulam Ahmadas als einen Mohammedsaw untergeordneten Propheten an.
  • Offenbarung: Die Ahmadiyya glaubt an den Fortbestand „göttlicher Offenbarung“. Obschon der Koran als die letztgültige Botschaft Gottes an die Menschheit gilt, besitze Gott weiterhin die Eigenschaft, sich auserwählten Individuen zu offenbaren, so wie man glaubt, dass er es immer getan habe. Alle göttlichen Attribute gelten als ewig. Die AMJ schreibt die Fähigkeit, „göttliche Offenbarungen“ zu erhalten, vor allem ihrem geistigen Oberhaupt, dem Khalifat ul-Massih, zu.
  • Idschtihad: Die islamische Orthodoxie hat die „Tore des Idschtihad“ im vierten oder fünften Jahrhundert islamischer Zeitrechnung für geschlossen erklärt. Das „Schließen der Tore des Idschtihad“ wird zwar kontrovers diskutiert und oft ihre Wiedereröffnung vorgeschlagen oder sogar tatsächlich von einigen in der Praxis geöffnet, was aber weder im fundamentalistischen noch im konservativen Islam bisher anerkannt ist. Die Ahmadiyya versteht sich u.a. deshalb als „Reformgemeinde“, weil sie die selbstständige Interpretation der Rechtsquellen (Idschtihad) für geboten und erlaubt hält und davon auch in der Fiqh-e-Ahmadiyya Gebrauch macht.

 

Geschichte

Mirza Ghulam Ahmadas gründete mehrere Zeitschriften, um seine Lehre zu übermitteln, so 1897 al-Hakam und 1902 al-Badr auf Urdu und 1902 als erste englischsprachige Zeitschrift The Review of Religions. Mit dieser Missionstätigkeit hatte die Ahmadiyya zunächst vor allem in Britisch-Indien Erfolg. Bis zur Teilung des indischen Subkontinents befanden sich etwa 74 % der indischen Ahmadiyya-Gemeinden auf dem Gebiet des heutigen Staates Pakistan. Die bisherige Zentrale der AMJ in Qadian verblieb in Indien, weswegen sie nach der Unabhängigkeit ihr Zentrum verlassen musste. Zum Schutz ihrer Institutionen, Lehranstalten, Bibliotheken, Druckereien, des Friedhofs und weiterer Immobilien ließen sie 313 Ahmadis, genannt Derwischan-e-Qadian, zurück. Das Hauptzentrum wurde vorübergehend nach Lahore verlegt. Von der pakistanischen Regierung kaufte die Bewegung ein Stück Ödland, wo sie am 20. September 1948 den Grundstein für die Stadt Rabwah legte. Im September 1949 wurde der Hauptsitz schließlich nach Rabwah verlegt. Wegen der sich verschärfenden Verfolgungssituation in Pakistan verlegte Mirza Tahir Ahmadrh den Sitz 1984 nach London.

Die Alphabetisierung der etwa vier Millionen in Pakistan lebenden männlichen und weiblichen Ahmadis ist mit etwa 100 % deutlich höher als der nationale Durchschnitt von 54,9 %. Damit machen die Ahmadis zwar knapp 2 % der Gesamtbevölkerung aus, doch sie repräsentieren etwa 20 % der gebildeten Bevölkerung. Folglich waren viele Ahmadis in hohe Posten der Verwaltung und bei den Streitkräften tätig, was allerdings die Missgunst einiger Gruppierungen erweckte. Der erste Außenminister Pakistans und der einzige pakistanische Präsident des Internationalen Gerichtshofs, Muhammad Zafrullah Khan, sowie der bislang einzige pakistanische und erste muslimische Nobelpreisträger in Physik, Abdus Salam, waren Mitglieder der Ahmadiyya.

1974 wurde die Ahmadiyya von der pakistanischen Regierung zu Ungläubigen erklärt. Ebenso wurde die Ahmadiyya in Saudi Arabien zu Ungläubigen erklärt. Daraufhin wurde es den Ahmadis per Gesetz verboten, die Pilgerfahrt nach Mekka zu unternehmen.

1984 verschärfte der Militärdiktator Zia ul Haq die Gesetze gegen die Ahmadis in Pakistan. Zu dieser Zeit wanderten viele Ahmadis nach Europa und Nordamerika aus, wo ihnen Asyl gewährt wurde. Von Zeit zu Zeit etablierten sich Gemeinden in Europa und Nordamerika.

Nach 1984 wurden die Ahmadis massiv verfolgt und werden bis heute aufgrund ihres Glaubens ermordet. 2010 drangen Terroristen in zwei Moscheen der Gemeinde in Lahore ein und ermordeten knapp 100 Mitglieder der Gemeinde während des Freitaggebets.

Heute ist die Ahmadiyya Gemeinde in den meisten westlichen Staaten etabliert. Seit 2013 genießt sie in Hessen und seit 2014 in Hamburg den Körperschaftsstaus des öffentlichen Rechts als erster islamischer Verband überhaupt.

 

Khalifen der Ahmadiyya

Nach dem Ableben des Verheißenen Messias 1908 wurde der erste Nachfolger ernannt. Es war Hakeem Maulvi Noor ud Dinra, der bis 1914 der Khalifat ul Massih war. Ihm folgte Mirza Bashir ud Din Mahmood Ahmadra, dem Sohn des Verheißenen Messias, der bis 1965 Khalif war. Der dritte Khalif war Mirza Nasir Ahmadrh, der bis 1982 die Gemeinde leitete. Der vierte Khalif, Mirza Tahir Ahmadrh leitete die Gemeinde bis 2003. Seit 2003 wird die Gemeinde von Mirza Masroor Ahmadaba, dem fünften Khalifen von London aus geleitet. Seine Freitagsansprachen werden jeden Freitag von dem Gemeindeeigenen Fernsehsender MTA ausgestrahlt.

 

Organisationsstruktur

Die Ahmadiyya Gemeinde hat mehrere Unterorganisationen, die für die Anbelange ihrer Mitglieder zuständig ist. Es gibt Ansarullah (über 40 Jährige), Khuddam ul Ahmadiyya (männliche Jugendliche zwischen 15 und 40 Jahren) unter ihr agiert die Atfal ul Ahmadiyya (7-15 Jährige), dann gibt es die Frauenorganisation Lajna Imaillah und die Mädchen Organisation Nasirat ul Ahmadiyya.

Die Ahmadiyya Gemeinde wird rein durch Spenden finanziert. Jedes Mitglied spendet monatlich für die Gemeindearbeit und für die Hilfe der bedürftigen Menschen.

Die Gemeinde beteiligt sich weltweit an karitativen Zwecken durch ihre eigene Hilfsorganisation Humanity First.

Ebenso betreibt die Gemeinde in mehreren Ländern ein eigenes Imam Ausbildungsinstitut, die Jamia Ahmadiyya.

 

Quellen

http://www.ahmadiyya.de/ahmadiyya/einfuehrung/

https://de.wikipedia.org/wiki/Ahmadiyya

https://de.wikipedia.org/wiki/Ahmadiyya-Lehre


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