Die Helfer des Königs der Feder.

Alkoholverbot

Alkohol (aus dem Arabischen: الكحول , al-kuḥūl) sind organische chemische Verbindungen. Diese Verbindungen kommen vielfältig in der Natur vor und sind als solche auch Teil lebendiger Organismen. Als chemisches Mittel finden Alkohole auch Verwendung als Lösungsmittel, beispielsweise in der Pharmaindustrie und sogar im Haushalt.
Im alltäglichen Sprachgebrauch und umgangssprachlich werden mit dem Begriff allerlei alkoholische Getränke bezeichnet, die als Genussmittel verwendet werden. In vielen Religionen und Traditionen wird der Konsum von Alkohol missbilligt, durch Vorgaben streng reguliert oder, wie im Falle des Islam, sogar verboten.


Inhaltsverzeichnis

  1. Hintergrund
    1. Alkohol als Genussmittel
  2. Alkohol in der Medizin
  3. Ahadith über Alkohol
  4. Khulafa-e-Ahmadiyyat über Alkohol
  5. Siehe auch

 

1. Hintergrund

Grundsätzlich richtet sich der Islam bei Verboten nach der Maxime: Alles, was einen größeren Schaden als Nutzen in sich trägt, ist verboten. So heißt es auch im Speziellen über den Alkohol als Genussmittel im Heiligen Qur‘an:

یَسۡـَٔلُوۡنَکَ عَنِ الۡخَمۡرِ وَ الۡمَیۡسِرِؕ قُلۡ فِیۡہِمَاۤ اِثۡمٌ  کَبِیۡرٌ  وَّ مَنَافِعُ  لِلنَّاسِ ۫ وَ اِثۡمُہُمَاۤ  اَکۡبَرُ مِنۡ نَّفۡعِہِمَا

„Sie fragen dich über Wein und Glücksspiel. Sprich: „In beiden ist großes Übel und auch Nutzen für die Menschen; doch ihr Übel ist größer als ihr Nutzen.““ (2:220)

 

„Ihr Übel ist größer als ihr Nutzen“ reflektiert genau dieses Prinzip. Etwas sollte nicht allein deswegen übernommen werden, weil es einige Vorteile enthält, noch sollte etwas verurteilt werden, nur weil es in gewisser Hinsicht schadenbringend ist. Beide Seiten sollten sorgfältig abgewogen werden. Man sollte immer dann etwas vermeiden, wenn dessen Schaden den Nutzen überwiegt.

Der Islam ist die einzige Religion die ein striktes Alkoholverbot lehrt. Dem überall vorhandenen Übel der Gesellschaft entgegenzutreten, hat Allah der Erhabene einen weisen Weg der Erziehung und Bildung angewandt, der es schrittweise verboten hat. Zuerst untersagte Er den Menschen das Gebet in betrunkenem Zustand zu verrichten. Dann machte er sie -wie bereits oben schon erwähnt- einsichtig, dass der Schaden des Weintrinkens größer als der Nutzen ist und schließlich offenbarte Er die folgenden Verse der Sura al-ʾida, die es vollkommen und entschieden verbaten:

(۹۰) ٰۤاَیُّہَا الَّذِیۡنَ اٰمَنُوۡۤا اِنَّمَا الۡخَمۡرُ وَ الۡمَیۡسِرُ وَ الۡاَنۡصَابُ وَ الۡاَزۡلَامُ رِجۡسٌ مِّنۡ عَمَلِ الشَّیۡطٰنِ فَاجۡتَنِبُوۡہُ لَعَلَّکُمۡ تُفۡلِحُوۡنَ

(۹۱) اِنَّمَا یُرِیۡدُ الشَّیۡطٰنُ اَنۡ یُّوۡقِعَ بَیۡنَکُمُ الۡعَدَاوَۃَ وَ الۡبَغۡضَآءَ فِی الۡخَمۡرِ وَ الۡمَیۡسِرِ وَ یَصُدَّکُمۡ عَنۡ ذِکۡرِ اللّٰہِ وَ عَنِ الصَّلٰوۃِ ۚ فَہَلۡ اَنۡتُمۡ مُّنۡتَہُوۡنَ

O die ihr glaubt! Wein und Glücksspiel und Götzenbilder und Lospfeile sind ein Gräuel, ein Werk Satans. So meidet sie allesamt, auf dass ihr Erfolg habt.

Satan will durch Wein und Glücksspiel nur Feindschaft und Hass zwischen euch erregen, um euch so vom Gedanken an Allah und vom Gebet abzuhalten. Doch werdet ihr euch abhalten lassen? (Der Heilige Qur’an Sure 5 Vers 91-92)

1.1. Alkohol als Genussmittel

Das Problem, welches Alkohol als Genussmittel im Lichte des Islam disqualifiziert, ist eine Wirkung, die es mit anderen Rauschmitteln gemein hat: Der Konsum wirkt betäubend und berauschend und benebelt somit die kognitiven Fähigkeiten und das Urteilsvermögen desjenigen, der das Rauschmittel konsumiert. Diese Wirkung steht der islamischen Philosophie insofern diametral entgegen, als dass diese von den Gläubigen erwartet, dass sie sich stets über ihre Worte und Handlungen bewusst sein sowie die Verantwortung für die Folgen dieser tragen sollen. Mit dieser Verantwortung sind die Gläubigen nicht nur ihrem sozialen Umfeld, sondern v.a. Gott gegenüber Rechenschaft schuldig. Die Gläubigen können dieser Verantwortung jedoch nur dann gerecht werden, wenn die Selbstreflexion und Kontrolle über die eigenen Worte und Handlungen stets gewährleistet sind und nicht – beispielsweise durch Rauschmittel, aber auch durch extreme negative Emotionen wie Wut – untergraben werden.

Der Schaden, den der Konsum von Alkohol oder der Konsum von anderen Rauschmitteln verursachen kann, weist ein breites Spektrum auf und steigt mit der konsumierten Dosis. Auf individueller und spiritueller Ebene verhindert der Rausch die Verbindung mit Gott, wie sie beispielsweise während des rituellen Gebets (alāt, Namāz) durch eine Phase höchster Konzentration und Fokus unterhalten wird. Hierzu lesen wir im Heiligen Quran:

O die ihr glaubt! Wein und Glücksspiel und Götzenbilder und Lospfeile sind ein Gräuel, ein Werk Satans. So meidet sie allesamt, auf dass ihr Erfolg habt. Satan will durch Wein und Glücksspiel nur Feindschaft und Hass zwischen euch erregen, um euch so vom Gedanken an Allah und vom Gebet abzuhalten. Doch werdet ihr euch abhalten lassen? (5:91-92)

Doch auch über das individuelle Maß hinaus birgt der Konsum Gefahren: Rauschmittel senken das Urteilsvermögen und die Hemmschwelle des Konsumenten über ein Maß hinab, ab dem man irgendwann die Zurechnungsfähigkeit verliert, und nicht nur sich selbst, sondern auch sein Umfeld in Gefahr bringen kann. So entstehen jährlich große materielle und gesundheitliche Schäden durch Unfälle, Gewalttaten und Todesfälle, die unmittelbar mit Alkoholkonsum im Zusammenhang stehen. Aus medizinischer Sicht ist exzessiver Alkoholkonsum und Alkoholismus ein Risikofaktor für vielfältige, tödlich ausgehende Erkrankungen.

2. Alkohol in der Medizin

Alkohole stellen als chemische Substanz nicht nur ein wichtiges Mittel zur Desinfektion in der Medizin dar, sondern sind darüber hinaus auch wichtige Lösungsmittel in der Pharmazie und finden deshalb in gewissen Konzentrationen auch Verwendung in diversen Medikamenten. Der Islam erlaubt die Verwendung von Alkohol für medizinische Zwecke, da hier der Nutzen im Vordergrund steht, und keinerlei Rausch bezweckt wird.  Es ist quasi unmöglich, sich am Alkoholgehalt in Medikamenten – sei es in Form von Tinkturen, Säften oder Infusionen – zu berauschen, da man den Nebenwirkungen einer Überdosis des medizinischen Wirkstoffes tödlich erlegen würde, ehe der Rausch erst überhaupt eintritt.

3. Ahadith über Alkohol

In den Überlieferungen des Heiligen Propheten MuhammadSAW finden sich ebenfalls Aussagen bezüglich des Alkoholverbotes. So lesen wir beispielsweise:

حَدَّثَنَا مُحَمَّدُ بْنُ بَشَّارٍ، حَدَّثَنَا غُنْدَرٌ، حَدَّثَنَا شُعْبَةُ، عَنْ مَنْصُورٍ، عَنْ أَبِي الضُّحَى، عَنْ مَسْرُوقٍ، عَنْ عَائِشَةَ ـ رضى الله عنها ـ قَالَتْ لَمَّا نَزَلَتْ آخِرُ الْبَقَرَةِ قَرَأَهُنَّ النَّبِيُّ صلى الله عليه وسلم عَلَيْهِمْ فِي الْمَسْجِدِ، ثُمَّ حَرَّمَ التِّجَارَةَ فِي الْخَمْرِ‏.‏

Hadhrat AischaRA berichtete:

„Als die letzten Verse der Sura al-Baqara offenbart wurden, rezitierte sie der ProphetSAW in der Moschee und verbot anschließend den Handel mit dem Alkohol.“

(كتاب البيوع، باب آكِلِ الرِّبَا وَشَاهِدِهِ وَكَاتِبِهِ)

(Saḥīḥ al-Buḫārī, Kapitel 32/Hadith Nr. 2084)

Der offene und zügellose Alkoholkonsum wurde auch als ein Zeichen der Endzeit genannt:

حَدَّثَنَا عِمْرَانُ بْنُ مَيْسَرَةَ، قَالَ حَدَّثَنَا عَبْدُ الْوَارِثِ، عَنْ أَبِي التَّيَّاحِ، عَنْ أَنَسٍ، قَالَ قَالَ رَسُولُ اللَّهِ صلى الله عليه وسلم ‏ „‏ إِنَّ مِنْ أَشْرَاطِ السَّاعَةِ أَنْ يُرْفَعَ الْعِلْمُ، وَيَثْبُتَ الْجَهْلُ، وَيُشْرَبَ الْخَمْرُ، وَيَظْهَرَ الزِّنَا ‏“‏‏“

Hadhrat AnasRA berichtete, dass der Gesandte AllahsSAW sagte:

„Zu den Vorzeichen der Stunde gehört, dass das (göttliche) Wissen verschwindet, die Unwissenheit herrscht, der Alkohol gewöhnlich getrunken und die Unzucht (Zina) offenkundig wird.“

(صحیح بخاری ، کتاب العلم، باب رَفْعِ الْعِلْمِ وَظُهُورِ الْجَهْلِ)

(Saḥīḥ al-Buḫārī, Kapitel 3/Hadith Nr. 80)

4. Khulafa-e-Ahmadiyyat über Alkohol

In seinem Werk „Islam – Antwort auf die Fragen unserer Zeit“ schreibt Hadhrat Mirza Tahir AhmadRH, Khalifatul Massih IV. über dieses Thema:

Beides, Trinken und Glücksspiel, sind volkswirtschaftliche Übel. Der Betrag, der in Großbritannien an einem Tag für das Trinken ausgegeben wird, reicht aus, um die von Hungersnot heimgesuchten Massen Afrikas für viele Wochen zu versorgen. Trotzdem wird Trinken in den von allergrößter Armut heimgesuchten Ländern Afrikas und auf anderen Kontinenten nicht als ein Luxus betrachtet, den sich die Menschen nicht leisten können. Darin gescheitert, die lebensnotwendigen Bedarfsgüter zu besorgen und für die Erziehung ihrer Kinder zu sorgen, gibt es Millionen von Afrikanern, die trotzdem immer noch Zugang zum Genuss von Alkohol haben. Im armen Süden Indiens, wo es überhaupt keinen fabrikmäßig hergestellten Wein gibt, dient selbstgemachter

Palmwein als Ersatz. Gleichwohl schreckt die Armut die Verbreitung der „Mutter allen Übels“ bis zu einem gewissen Grad ab. Steigt das Pro-Kopf-Einkommen, so tun es die Ausgaben für das Trinken. Bis jemand nicht zum Alkoholiker wird, scheint das niemanden allzu sehr zu kümmern. (Islam – Antworten auf die Fragen unserer Zeit, Seite 196)

Ferner schreibt er:

Alkoholismus hat schwerwiegende wirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen zur Folge, wie vom Magazin Scientic American aufgezeigt. Aufgrund des Wegfalls von Hemmungen unter dem Einfluss von Alkohol gibt es, abgesehen von häuslicher Gewalt, Kindesmisshandlungen, Inzest und Vergewaltigungen sowie das tödliche Alkoholsyndrom.

(Islam – Antworten auf die Fragen unserer Zeit, Seite 199)

5. Siehe auch

Die DHS, Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., gibt eine kleine Tabelle preis, die verdeutlicht, wie fatal sich der negative Alkoholkonsum auf die Gesellschaft ausübt.

alkohol

Statistik von Deutsche Hauptstelle von Suchtfragen

14 551 Tote durch Alkoholkonsum – fast viermal so viele wie durch Verkehrsunfälle WIESBADEN – Im Jahr 2012 verstarben in Deutschland 14 551 Personen (10 922 Männer und 3 629 Frauen) an den Folgen übermäßigen Alkoholkonsums. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anlässlich des Internationalen Weltdrogentages am 26. Juni 2014 weiter mitteilt, kamen damit fast viermal mehr Menschen durch die legale Droge Alkohol als durch einen Verkehrsunfall (insgesamt 3 827 Personen) ums Leben. Haupttodesursachen der in Folge Alkoholkonsums Verstorbenen waren die Alkoholische Leberkrankheit (beispielsweise Leberzirrhose) mit 8 319 Fällen sowie die Psychischen und Verhaltensstörungen durch Alkohol (beispielsweise durch das Abhängigkeitssyndrom) mit 4 991 Fällen. (Statistisches Bundesamt Pressestelle, 65180 Wiesbaden Deutschland)

In Deutschland werden die meisten Gewalttaten aufgrund von Einfluss des Alkohols verübt. Die Vergewaltigung, Totschlag, Häusliche Gewalt, Ehekrise, Depressionen, Raubüberfälle all diese Problematiken entstehen in den meisten Fällen aufgrund von Alkoholeinfluss. Dies zeigt für wie wahr sich die Aussage des Heiligen ProphetenSAW erwiesen hat, dass der Alkohol „ام الخبائث“  (Mutter aller Sünden) ist.

Kontrollierte randomisierte Studien konnten zeigen, dass eine Alkoholkarenz bei Patienten, die an Vorhofflimmern leiden, das Auftreten von Phasen mit Herzrhythmusstörung verringert (Quelle: Voskoboinik: Alcohol Abstinence in Drinkers with Atrial Fibrillation. In: New England Journal of Medicine (NEJM). Band 382, 2020, doi: 10.1056/NEJMoa1817591, S. 20–28.).
Das Auftreten paroxysmalen Vorhofflimmerns im Rahmen von Alkoholexzessen ist seit der Erstbeschreibung 1978 als Holiday-Heart-Syndrom bekannt (Quelle: Ettinger et al.: Arrhythmias and the “Holiday Heart”: Alcoholassociated cardiac rhythm disorders. In: American Heart Journal. Band 95, Nummer 5, 1978, doi: 10.1016/0002-8703(78)90296-x, S. 555–562.).

Eine weitere Studie, die sog. MACH15-Studie, die erstmals in Form einer größeren randomisierten Studie etwa 7.800 Probanden hinsichtlich des Effektes von moderatem Alkoholkonsum untersuchen sollte, brach das US National Institutes of Health jedoch ab, nachdem sich deutliche Verbindungen zwischen dem Studienleiter und Herstellern alkoholischer Getränke zeigten. Es gibt somit weiterhin keine Evidenz aus einer randomisierten kontrollierten Studie für moderaten Alkoholkonsum. (siehe hierzu: http://amboss-studientelegramm.amboss.com/m/11349856/526762-a4f386f2f25187fbd54261268047999b)

Die aktuellsten Entwicklungen im Bereich Verträglichkeitsgrenze zeigen, dass bis dato angenommene Mengen viel zu hoch eingeschätzt wurden, wie die u.g. Studie zeigt: https://doi.org/10.1016/S0140-6736(18)30134-X


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