Die Helfer des Königs der Feder.

Allah

Allah (arab.: الله‎) bezeichnet im Arabischen den Eigennamen Gottes im Islam, mit welchem Er sich dem Heiligen Propheten Muhammadsaw offenbarte. Der Glaube an Allah ist einer der fünf Grundpfeiler und damit fester Bestandteil des Islam.

Das Wort wird ebenso von arabischsprachigen Juden und Christen als Gottesbezeichnung gebraucht und wird daher auch in arabischen Bibelübersetzungen verwendet. Nach islamischem Glauben haben alle Menschen nur einen Gott.


Inhaltsverzeichnis

  1. Wortherkunft
  2. Der Eigenname Gottes
  3. Attribute Allahs im Koran
  4. Rolle im Islam
  5. Argumente für die Existenz Allahs
  6. Die Theodizee-Frage
  7. Lebendige Beziehung zu Gott

 

Wortherkunft

Die Bezeichnung „Gott“ ist kein Eigenname an sich, sondern vielmehr ein „Gattungsbegriff“ wie etwa Mensch oder Tier oder Pflanze, von dem es eine weibliche und eine männliche Form sowie einen Plural gibt. Von dem Wort gibt es diese Formen indes nicht. Es ist auch nicht, wie fälschlicherweise oft behauptet wird, ein zusammengesetztes Wort, das „Der Gott“ (Al + ilah) bedeuten würde, vielmehr ist es ein Eigenname.

 

Der Eigenname Gottes

Allah ist der eigentliche oder persönliche Name des göttlichen Wesens. Ein Eigenname trägt nicht notwendiger Weise eine Bedeutung in sich, aber weil Allah der Eigenname des göttlichen Wesens ist, umfasst er alle Attribute, die im Einzelnen in den verschiedenen Namen Gottes, die Seine speziellen Eigenschaften bezeichnen, enthalten sind, wie sie im Heiligen Koran in unterschiedlichen Zusammenhängen angeführt werden (siehe 3. Attribute Allahs im Koran).

Ein grundlegendes Gotteskonzept wird in Sura 112 des Heiligen Koran vermittelt- in dieser sagt Gott, dass er der Einzige, Unabhängige und von allen Angeflehte ist; er zeugt nicht, noch wurde er gezeugt und keiner ist ihm gleich.

 

Attribute Allahs im Koran

Die Eigenschaften Gottes werden im Heiligen Koran erwähnt oder können aus den entsprechenden Versen abgeleitet werden. Die Namen bzw. Eigenschaften Allahs kann man in drei Kategorien unterteilen:

1) Die Eigenschaften, die Gott besonders und ohne Beziehung zu Seinen Geschöpfen besitzt (z.B. Al-Haii, der Lebendige; Al-Quddus, der Makellose, Der Heilige; Al-Madschid, der Glorreiche, usw.)

2) Die Eigenschaften, die sich auf die Schöpfung beziehen und Gottes Verhältnis und Stellung zu Seinen Geschöpfen bezeichnen (z.B. Al-Khaliq, der Schöpfer; Al-Malik, der König usw.)

3) Die Eigenschaften, deren Wirkung durch gute und schlechte Handlungen jener Geschöpfe Gottes ausgelöst wird, denen ein eigener Wille verliehen worden ist (z.B. Ar-Rahim, der die guten Taten reichlich und immer wieder belohnt; Malik-e-Yaum-al-Din, der Herr über den Tag des Jüngsten Gerichts, Ar-Ra’uf, der Mitleidige, usw.)

Es erfolgt eine Auflistung aller bekannten Attribute Allahs[1]. An dieser Stelle ist anzumerken, dass es sich hierbei nur um die bekannten Attribute Gottes handelt, es gibt außer diesen noch unzählige dem Menschen unbekannte Attribute Allahs:

 

1 Allah Der Eigenname Gottes
2 Ar-Rahman Der Gnädige
3 Ar-Rahim Der Barmherzige
4 Al-Malik Der König, der Herrscher
5 Al-Quddus Der Makellose, Der Heilige
6 As-Salam Die Quelle des Friedens
7 Al-Mo’min Der Verleiher und Bewahrer der Sicherheit
8 Al-Mohaymin Der Beschützer
9 Al-Aziz der Allmächtige, alle Macht geht von Ihm aus

 

10 Al-Dschabbar Der Unterwerfer
11 Al-Muttakabir Der Vornehme, der Erhabene
12 Al-Chaliq Der Schöpfer
13 Al-Bari Der Erschaffer aus dem Nichts
14 Al-Musawwir Der Gestalter
15 Al-Ghaffar Der große Verzeiher
16 Al-Qahhar Der, dem sich niemand widersetzen kann
17 Al-Wahhab Der Gewährende, Der Schenkende, ohne zu rechnen
18 Ar-Razzaq Der Versorger
19 Al-Fattah Der Öffner Der Türen
20 Al-‚Alim Der Allwissende
21 Al-Qabiz Der Abmessende, der Gaben nach seinem Ermessen zurückhält
22 Al-Basit Der Zuteilende, der Gaben nach seinem Ermessen gibt
23 Al-Chafiz Der Erniedriger der Hochmütigen
24 Ar-Rafi Der Erhörer der Demütigen

 

25 Al-Mu’izz Der Ehre-Verleihende
26 Al-Muzill Der Demütiger von Unterdrückern ihrer Mitmenschen
27 As-Sami Der Allhörende
28 Al-Basir Der Allsehende
29 Al-Hakam Der weise Richter
30 Al-‚Adl Der Gerechte
31 Al-Latif Der Feinfühlige, der Scharfsinnige, der das Feinste in allen Dimensionen erfasst
32 Al-Chabir Der Kundige, der um die kleinsten Rechnungen des Herzens weiß
33 Al-Halim Der Nachsichtige, Mitfühlende
34 Al-‚Azim Der Großartige, Erhabene
35 Al-Ghafur der immer wieder Verzeihende
36 Asch-Schakur der Dankbare, Belohnende
37 Al-‚Aliyy Der Hohe
38 Al-Kabir Der unvergleichlich Große
39 Al-Hafiz Der Bewahrer, Erhalter

 

40 Al-Muqit Der Alle-Ernährende
41 Al-Hasib Der genau Berechnende, Garant
42 Al-Dschalil Der Majestätische
43 Al-Karim Der Ehrenvolle, Großzügige
44 Ar-Raqib Der Wachende, der Wachsame, dem nichts entgeht
45 Al-Mudschib Der Erhörer der Gebete
46 Al-Wasi‘ Der Alles Umfassende
47 Al-Hakim Der Allweise
48 Al-Wadud der Liebevolle, dessen Liebe jedes Ding umfasst
49 Al-Madschid Der Glorreiche
50 Al-Baais Der Erwecker, der die Menschen am jüngsten Tage wieder zu Leben erwecken wird
51 Ash-Shahid Der Zeuge
52 Al-Haqq Der Wahrhaftige
53 Al-Wakil Der Helfer und Bewacher
54 Al-Qawii Der Allmächtige, der Starke

 

55 Al-Matin Der Dauerhafte, der einzig wirklich Starke
56 Al-Walii Der Schutzherr eines jeden, der Schutz und Leitung braucht
57 Al-Hamid Der Preiswürdige, dem aller Dank gebührt
58 Al-Muhsi Der Zählende, der Alles Aufzeichnende
59 Al-Mubdi Der Beginnende, der Urheber alles erschaffenen aus dem Nichts
60 Al-Mu´id Der Wiederholende, der alles wieder zum Leben erwecken wird
61 Al-Muhyi Der Lebenspendende
62 Al-Mumit Der, in dessen Hand der Tod ist
63 Al-Haii Der Lebendige, Der aus sich selbst Seiende
64 Al-Qayyum Der Ewige
65 Al-Wadschid Der Finder und Entdecker, Der Alles Bekommende
66 Al-Madschiid Der Ruhmvolle
67 Al-Qadir Der zu Allem Fähige, Besitzer aller Macht und Autorität
68 Al-Muqtadir Der Alles Bestimmende
69 Al-Muqaddim Der Voranstellende

 

70 Al-Mu’achir Der Aufschiebende
71 Al-Awwal Der Erste, ohne Anfang
72 Al-Achir Der Letzte, ohne Ende
73 Az-Zahir Der Offenbare
74 Al-Batin Der Verborgene, den niemand wirklich vollständig begreift
75 Al-Wali Der Einzige und absolute Herrscher
76 Al-Muta’ali Der Hohe, Der Reine, Besitzer vorzüglicher Eigenschaften
77 Al-Barr Der Gute
78 At-Tawwab Der die Reue seiner Diener annehmende
79 Al-Mun’im Der Gunstverleiher
80 Al-Muntaqim Der gerechte Vergelter
81 Al-Afwu Der Vergeber der Sünden
82 Ar-Ra’uf Der Mitleidige, der Mitleid hat
83 Malik-ul-Mulk Der Inhaber aller Reichtümer
84 Al-Muqsit Der unparteiische Richter

 

85 Al-Dschaami‘ Der Versammelnde, der alle Menschen am Tage des Gerichts versammeln wird
86 Al-Ghani‘ Der Reiche, der niemanden braucht
87 Al-Mughni‘ Der Verleiher von Reichtum
88 Al-Maani Der Zurückweisende
89 As-Zarr Der Schaden zufügende
90 An-Naafi‘ Der Vorteil gebende
91 An-Nuur Das Licht
92 Al-Hadi‘ Der Leitung gebende
93 Al-Badii´ Der Schöpfer Des Neuen
94 Al-Baaqi Der Überlebende
95 Al-Waris Der Einzige Erbe (denn außer ihm ist nichts beständig)
96 Ar-Raschid Der Führung gibt
97 As-Sabur Der Geduldige
98 Zhul-Arsh Der Herr des Thrones

 

99 Zhul-Waqar Der Besitzer von Würde und Ruhe, der alles mit Verstand und zur Erfüllung eines gewissen Zwecks macht
100 Al-Mutakallim Der Sprechende
101 Asch-Schaafi Der Heiler
102 Al-Kaafi Der Genügende
103 Al-Ahad Der Einzige
104 Al-Wahid Der Eine
105 As-Samad Der Unabhängige
106 Zul-Dschalali-wal-Ikram Derjenige, dem Majestät und Ehre gebühren

Vier grundlegende Eigenschaftes Allahs

Die Eigenschaften Gottes, mit denen alle anderen göttlichen Attribute verknüpft sind, werden gleich in der ersten Sure (1:1-4) genannt:

Rabb ul-Alamin

Dies wird meistens mit „Herr der Welten“ übersetzt, aber gemäß der koranischen Ausdrucksweise bedeutet es, dass Allah der Schöpfer und Erhalter aller Welten und Wesen ist und sie Schritt für Schritt zur Vollkommenheit führt. „Rabb“, also Wegbereiter zur Vollkommenheit in jedem Bereich, ist somit eines der wichtigsten göttlichen Attribute. Das Wort „Rabb“ enthält darüber hinaus eine weitaus größere Idee, nämlich die Idee der unbegrenzten Liebe des Schöpfers dieses Universums, Der nicht nur jedes Ding in den Zustand seiner Existenz gebracht hat, sondern Der darüber hinaus Vorsorge getroffen hat, um die gesamte Schöpfung in jeder Hinsicht mit Nahrung zu versorgen, die schrittweise zur Vollendung führt.

 

Ar-Rahman

Der Gnädige, Der Vorsorge getroffen hat zur Erfüllung des Zwecks der Schöpfung des Menschen und der Universen. Ohne dass seitens Seiner Geschöpfe irgendeine Anstrengung unternommen werden müsste, versorgt Er sie mit allem, was notwendig ist für ihre Entwicklung und ihren Fortschritt und stellt jedem, ob gläubig oder nicht, die Schätze der Natur zur Verfügung.

 

Ar-Rahim

Der Barmherzige, Der Seine Wohltaten denjenigen gewährt, die der Leitung folgen und rechtschaffene Taten vollbringen. Ar-Rahim ist eine Form der Barmherzigkeit Gottes, die wir durch unsere eigenen Anstrengungen auf uns lenken. Ar-Rahman und Ar-Rahim stammen von derselben Wortwurzel ab: Rahama, was die Ausübung von Wohltätigkeit erfordert und somit die Vorstellung von Liebe und Gnade enthält. Dass die Namen Ar-Rahman und Ar-Rahim jede Sure des Heiligen Korans eröffnen, zeigt deutlich welche große Rolle das Thema der Gnade des Allmächtigen im Heiligen Koran einnimmt.

 

Maliki-yaumid-Din

Der Meister des Gerichtstages. Allah ist also nicht nur Richter. Der wesentliche Unterschied zwischen einem Richter und einem Meister ist der, dass ersterer daran gebunden ist Gerechtigkeit auszuüben und diejenigen, die schlechte Taten vollbracht haben, bestrafen muss, während der Meister mit Umsicht und nach seinem Ermessen (auch als Allwissender) vorgehen kann und den Übeltäter entweder bestrafen oder aber ihm verzeihen kann.

 

Rolle im Islam

Nicht nur im Islam, auch in allen anderen monotheistischen Religionen, gilt es, Gott zu erreichen. Gott zu erreichen wird im Koran nämlich als Sinn der Schöpfung bezeichnet.

„Und wir haben die Dschinn und die Menschen nur darum erschaffen, dass sie mir dienen“ (51:57)

Gott hat keine Gestalt, Er ist einzig und alleinig in der islamischen Lehre. Keiner ist Ihm gleich. Er zeugt nicht, noch wurde Er gezeugt. Er hat Macht über alle Dinge und vermag zu tun, was Er will. Er ist der Allsehende, der Allhörende und gleichzeitig der Allvergebende gegenüber Seinen reuigen Diener. Gott ist Ursprung aller Dinge. Es ist in der Pflicht des Menschen, Dankbarkeit gegenüber Ihm zu zeigen.

 

Argumente für die Existenz Allahs

Im Heiligen Koran heißt es an zwei verschiedenen Stellen

„Wir sind ihm näher als der Halsader“ (50:17)

und

„Blicke können ihn nicht erreichen, Er aber erreicht die Blicke. Und Er ist der Gütige, der Allkundige.“ (6:104)

 

Im Folgenden soll eine stichpunktartige Auflistung der Argumente für die Existenz Gottes erfolgen, die primär den Büchern „Das Wesen Gottes“ und „Unser Gott“ entnommen sind:

  • Alle Völker haben eine mehr oder weniger deutliche Vorstellung von Gott. Selbst die meisten Atheisten gestehen ein, dass Annahme und Anerkennung Gottes ein sehr starkes Argument für die Existenz Gottes sind. Das, was von nahezu der ganzen Welt geglaubt wird, muss notwendigerweise einen gemeinsamen Ursprung, eine gemeinsame Quelle, haben.
  • Im ganzen Universum gibt es nichts Vollkommenes, alles ist in irgendeiner Form von einer anderen Sache abhängig, egal, wohin man schaut. Selbst Bäume, die den für den Menschen notwendigen Sauerstoff als Abbauprodukt der Photosynthese herstellen, sind abhängig von Boden, Wasser und Temperaturbedingungen. Einzig und allein Gott ist es, Der von allen Dingen unabhängig ist (siehe Sura Al-Kauthar). Er ist einzig und ist Ursprung aller Dinge.
  • Der dritte Beweis für die Existenz Gottes und seine lebendige Wirklichkeit schließt die atheistische Evolutionstheorie selbst ein. Man untersuche nur den Menschen und seine stammesgeschichtliche Entwicklung, man wird schnell sehen, dass der Mensch einen Vorfahren hatte, doch woher kam dieser. Selbstverständlicherweise wurde dieser erschaffen aus einem Wesen, das diesem vorausging und so weiter. Führt man diese Kette fort gelangt man schließlich an einen Ursprung, bei dem alles angefangen hat. Dieser kann sich unmöglich selbst erschaffen haben, sondern brauchte einen Schöpfer, einen Bildner, einen Gestalter, gleichsam einen Ingenieur, der den Bauplan umsetzt in eine funktionierende Maschine. Schmeißt man nämlich ein Rad, ein paar Scheiben und einen Motor mit Wasser und Öl auf einen Haufen, wird unmöglich ein funktionierendes Auto daraus, es bedarf eines Herstellers, der die einzelnen Bestandteile in perfekter Ordnung zusammenbaut, dass sie miteinander interagieren können. Dieser Schöpfer kann kein anderer sein als Gott, der Allmächtige, selbst.
  • Gott kann man nicht sehen so wie es auch andere Dinge gibt, die den menschlichen Sinnen verborgen bleiben, etwa Sauerstoff, Düfte oder elektromagnetische Wellen. Keiner wird ihre Existenz leugnen, zeigen sie doch ihre Existenz durch ihre Wirkung und offenbaren sich durch verschiedene Hilfsmittel. Genauso ist Gott nicht durch das Auge sichtbar, vielmehr durch das seelische Auge und das Herz. Er zeigt sich durch seine Taten, jedes Mal in einem neuen Glanz und einer neuen göttlichen Glorie.
  • Das Erscheinen von Propheten und deren gesegnetes Leben sind eigentlich Beweis genug, um einen Gott anzuerkennen. Zahlreiche Prophezeiungen, über die der Mensch zu jenen Zeiten nicht einmal die geringste Vorstellung haben konnte, gingen in Erfüllung, auch Jahre später. Wenn man das Leben der Propheten studiert, kommt man zwangsläufig zu dem Schluss, dass sie gottgesandt sein müssen, denn ohne eine treibende Kraft dahinter wären ihre Aufträge fehlgeschlagen und sie hätten nicht erreicht, wofür sie geschickt wurden. Nur dank göttlicher Unterstützung und himmlische Zeichen konnten die Menschen zu ihrem wahren Schöpfer geleitet werden.

 

Die Theodizee-Frage

Wenn wir die Geschichte der Evolution studieren, stellen wir fest, dass Evolution in ihrem gesamten Ablauf von der Triebkraft des Gewinnens und des Verlustes geprägt ist. Ohne den Wertbegriff von Gewinn oder Verlust gibt es weder Freude noch Leiden. Es ist die Evolution des Bewusstseins, die Freude und Leiden entstehen lässt. Mit dem Bewusstsein werden die es umgebenden Freuden und Leiden bewusster und bedeutungsvoller für die betreffende Person. Je höher sich das Bewusstsein entwickelt, desto stärker wird der Sinn für Verlust – genannt Leiden -, und je weniger entwickelt das Bewusstsein ist, desto weniger leidet der Mensch. Glückseligkeit und Leiden stehen in einer direkten Beziehung zueinander. Wenn wir den Pegel des Leidens senken, sinkt gleichzeitig und im gleichen Maß auch der Pegel des Glücks. Wenn man sich von dem einen befreit, müsste man auch auf das andere verzichten.

Allah wollte Glückseligkeit und Freude schaffen, nicht aber Leiden. So heißt das Fehlen von Glück oder Freude Leiden, welches ein Schatten und Gegenstück des ersteren ist. Genauso wie das Licht einen Schatten wirft, so wirft auch Freude einen Schatten, den wir Leiden nennen. Dieses Phänomen wird im Heiligen Koran in der Sure 67:2-5 erwähnt. Die Entwicklung des menschlichen Geistes und sein Fortschritt sind nur durch den Kampf zwischen den Kräften des Lebens oder dem Fehlen dieser Kräfte möglich. Es braucht eine Motivation. Es ist dieser Kampf, der für die Veredelung des Charakters verantwortlich ist und der das ganze Spektrum des Lebens beeinflusst. Ohne die Gefühle von Freude und Glück würde das Leben jeden Sinn verlieren. Das Dasein von Leiden ist die natürliche Folge des Daseins von Glückseligkeit. Ob der Mensch sich jedoch in die Richtung des Lichts oder der Dunkelheit, des Lebens oder des Todes bewegt, geschieht meistens aus seinem eigenen Antrieb.

Es gibt allerdings Fälle, wo die leidende Person offensichtlich den Weg des Leidens nicht aus eigener Wahl begeht. Dies kann im weit gesteckten Rahmen des größeren Planes vorkommen, bleibt jedoch eine Ausnahme der Regel. So sind die Menschen sich manchmal ihrer Verantwortung in Bezug auf das Leiden nicht bewusst. Es gibt ein Gesetz der Vergeltung und Wiedergutmachung durch die Natur. Fest steht jedenfalls, dass ein solches Leben ohne Leid sich nicht weiterentwickeln, sondern immer in einem Stillstand verharren würde. Wenn wir auf die Zeit der Bakterien zurückgreifen, finden wir diese als die Bakterie mit Zellkern, die Bakterie ohne Zellkern und der Pyrobakterie, geschaffen aus Feuer. Dies sind die drei frühesten dem Menschen bekannten Lebenseinheiten. Wäre von Anfang an kein Wettkampf und kein Wetteifern, kein Kampf ums Überleben – weil alle gleichmäßig versorgt wären und natürlich kein Leiden da wäre – gäbe es keine Probleme und keine Lösungen. Aber dann wäre auch der Mensch nicht geboren worden, weil das ganze System der evolutionären Entwicklung fehlen würde.

Um auf die Menschen zurückzukommen, die ohne eigene Verschuldung leiden: Diese werden von Gott nach ihren Verhältnissen beurteilt, und wenn ihr Leiden ein Ende findet, werden sie in eine neue Ära der unendlichen Glückseligkeit geführt werden, einer Glückseligkeit, die die Zeit des Leidens in ihren Augen als einen Augenblick erscheinen lassen wird. Man wendet ein, all das sei bloß ein Beruhigungsmittel und nichts weiter. Es gäbe keinen Gott, und wir sollten uns nicht mit derartigen Theorien zufrieden geben. Die ganze Frage der Philosophie des Leidens stellt sich jedoch erst, wenn man die Existenz Gottes annimmt, denn die Frage der Moral wird erst dann relevant. Wenn es keinen Gott gibt, kann auch nicht die Rede davon sein, der Religion oder der Weltanschauung die Schuld zu geben, sondern man nimmt es, wie es ist. Alles wäre nur den Gegebenheiten der Natur zuzuschreiben, und der Mensch müsste sich damit abfinden. Darüber hinaus sei noch auf folgenden Koranvers hingewiesen:

„Allah belastet niemanden über sein Vermögen. …“ (2:287)

Somit sind Menschen, denen Leid widerfährt, in gewisser Hinsicht mit einer besonderen Stärke ausgezeichnet.

Einige europäische Philosophen antworten auf die Frage, warum es so viel Leid und Unheil gibt, damit, dass Gott die Macht zur Erschaffung der Materie fehlte und aus ihr das Bestmögliche machte. Damit wird allerdings die Allmacht Gottes verleugnet – wenn auch in der guten Absicht, den oben erwähnten Einwand zu widerlegen. Andere westliche Philosophen sind der festen Überzeugung, dass es nutzlos sei, sich in eine solche Diskussion einzulassen, da es sich um eine unveränderliche Tatsache handelt und man sich nicht abzuplagen brauche, die Ursache zu eruieren.

Tatsächlich ist es so, dass nicht nur Ungerechtigkeit und Grausamkeit vorherrscht, wie etwa aus der hinduistischen Auffassung und der dargelegten Überzeugung westlicher Philosophen hervorgeht. Vielmehr sieht man tagtäglich seine wirkende Gnade. In vielen Dingen liegt es an dem mangelnden Wissen der Menschen darüber, was existiert und was nicht und was als nutzlos gebrandmarkt wird. Gott sagt im Heiligen Koran, dass er alle Dinge zum Nutzen der Menschheit erschaffen hat. Der Mensch vergisst, dass in scheinbar nur gefährlichen Tieren und Pflanzen auch gewisse Vorteile verborgen sind, die dem Menschen vorher nicht bekannt waren und viele davon immer noch nicht bekannt sind. So wirkt Schlangengift etwa oder das Fett des Löwen heilend gegen dutzende Krankheiten. Gott ist gnädig und verteilt seine Schätze in Weisheit, so kann niemand etwas dagegen einwenden, dass jemand hundert Rupien bei sich hat, davon aber nur die Hälfte an die Armen spendet. Außerdem hat er schädliche Dinge erschaffen, um Undankbare bloßzustellen. Viele rufen Gott zu Zeiten der Not und Trübsal, bei geringster Enttäuschung oder kleinen Rückschlägen jedoch klagen sie und wenden sich von ihm ab. Gott erschuf also in seiner unendlichen Weisheit schädliche Dinge, weil die menschliche Natur es so verlangt und in ihrem niederen Zustand der Furcht bedarf, um sich an Gott zu erinnern. Wenn jemand in guten wie in schlechten Zeiten Geduld und Ausdauer beweist, so werden ihm die Tore des Aufstiegs und des geistigen Fortschritts geöffnet.

 

Lebendige Beziehung zu Gott

Es ist ein islamisches Gebot, sich mit Gott zu vereinigen, indem er Ihn anruft, zu Ihm betet und alle nötigen Anstrengungen unternimmt, auf dem Wege Gottes Opfer zu erbringen und Gutes zu tun. Gott zu erreichen bedeutet alles zu erreichen. Dazu muss der Mensch gleichsam einen Tod erfahren und alles Weltliche mitsamt seiner fleischlichen Begierden aufgeben, um sich völlig und ganz seinem Schöpfer hinzugeben und Ihn anzuflehen. Dabei verhält es sich laut Zitat des Verheißenen Messiasas so wie mit dem Ausgraben eines Brunnens: Man muss beständig versuchen, eine lebendige Beziehung aufzubauen ebenso wie man sich das Ziel vornimmt, einen Brunnen zu graben. Steht man kurz vor dem Ziel, die Quelle des Wassers zu erreichen, darf man nicht aufgeben, sondern muss stets beständig bleiben. Gott ist ein Schatz, den es zu erreichen gilt. Glückselig sind jene, die diesem edlen Ziel nachgehen und unglücklich und verlassen von Lebensinhalt und wahrer Glückseligkeit jene, die ihren weltlichen Belangen frönen.

„Und wenn Meine Diener dich nach Mir fragen (sprich):

Ich bin nahe. Ich antworte dem Gebet des Bittenden, wenn er zu Mir betet. So sollten sie auf Mich hören und an Mich glauben, auf dass sie den rechten Weg wandeln mögen.“ (2:187)

[1] „Allahs sind die schönsten Namen; so rufet Ihn an mit ihnen.“ (7:181)


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