Die Helfer des Königs der Feder.

Antisemitismus

Antisemitismus, auch Judenfeindlichkeit oder Judenhass, definiert die Abneigung und Ablehnung gegen das jüdische Volk sowie die jüdische Religion. Die Entladung dieses Hasses kann von Diskriminierung und Unterdrückung bis hin zu Verfolgung und sogar Völkermord reichen. Das jüdische Volk ist im Laufe seiner Jahrtausenden alten Geschichte mit jeder der o.g. Ausdrucksformen des Antisemitismus konfrontiert gewesen, wobei der Holocaust (auf Hebräisch Schoah) in der modernen Geschichte wohl mit Abstand das grauenvollste Verbrechen in diesem Zusammenhang darstellt.

Der Antisemitismus ist — wie bereits angemerkt — weder ausschließlich in der modernen Geschichte, noch ausschließlich in Deutschland oder Europa einzuordnen. Er ist so alt wie die jüdische Gemeinde selbst und ist in der Geschichte deshalb auch überall dort anzutreffen gewesen, wo sich Menschen zum jüdischen Volk oder Religion bekannt haben.

Vielfach wird dem Islam unterstellt, dass dieser — im Heiligen Quran, in den Ahadith oder der Sunnah des Propheten Muhammad (SAW) — antisemitische Elemente enthalte oder propagiere. Auch der Jamaat Ahmadiyya wird bisweilen eine solche Position angedichtet. Doch weder der Islam, noch die Ahmadiyya, die eine vollkommene Auslegung der Lehren des Islams darstellt, vertritt antisemitische oder sonstige menschenverachtende Gedanken oder Lehren.


Inhaltsverzeichnis

  1. Aussagen des Heiligen Quran
  2. Begebenheiten aus dem Leben des Propheten (SAW)
  3. Beispiele aus der Geschichte der Ahmadiyyat
    1. Beantwortung von Vorwürfen

 

Aussagen des Heiligen Quran

Im Heiligen Quran werden die Juden neben den Christen zu den sog. Schriftvölkern gezählt (arab.   اھل الکتاب; „Ahl al-Kitab”), wodurch ihnen ein besonderer Rang zukommt: Sie sind ihrer Tradition nach, wie sich der Islam auch selbst versteht, direkt auf die Berufung des Propheten Abraham (AS) zurück zu führen und folglich allesamt abrahamitische Religionen (Siehe Artikel: Ahl al-Kitab). So stellt für die Muslime die Ankunft ihres Glaubens durch den Propheten Muhammad (SAW) kein erstmaliges Ereignis in der Geschichte der Offenbarungen dar; sie reiht sich vielmehr in einer langen Kette von Berufung von Propheten an bereits vorangegangene Religionen. Dabei ist der Kern jeder vorangegangenen Offenbarung und Religion stets derselbe geblieben, und dem Islam kommt nur dahingehend eine einmalige Position zu, dass er alle vorangegangenen Offenbarungen zu bestätigen und von allerlei Verfälschungen zu reinigen gekommen und nun für alle Zeiten und alle Völker bestimmt gewesen ist, während andere Religionen mit ihren Weisungen nur für eine gewisse Epoche oder bestimmte Völker bestimmt gewesen waren:

„Er hat herabgesandt zu dir das Buch mit der Wahrheit, bestätigend das, was ihm vorausging; und vordem sandte Er herab die Thora und das Evangelium als eine Richtschnur für die Menschen; — (Heiliger Quran 2:3)

„Und vor ihm war schon das Buch Mose, Führung und Barmherzigkeit; und dies hier ist ein Buch der Bestätigung in arabischer Sprache, die zu warnen, die freveln, und eine frohe Botschaft denen, die Gutes tun.” (Heiliger Quran 46:13)

Folglich kann dem Islam auch keine antisemitische oder antijudaistische Gesinnung angedichtet werden, da alle Propheten der jüdischen Tradition ebenfalls in der islamischen Tradition als Propheten verstanden und geehrt werden. Sie sind sogar namentlich im Heiligen Quran und den Ahadith zu finden, und keine einzige Aussage in diesen Quellen ist diffamierender oder antisemitischer Natur! Vielmehr besteht der Islam darauf, dass ein Muslim — um als Muslim zu gelten — an alle Propheten zu glauben und diese zu ehren habe, die dem Heiligen Propheten Muhammad (SAW) vorausgegangen sind.

Im Heiligen Quran finden wir an mehreren Stellen Verheißungen, die nicht auf die Muslime begrenzt sind, sondern u.a. auch die Juden betreffen:

„Wahrlich, die Gläubigen und die Juden und die Christen und die Sabäer – wer immer (unter diesen) wahrhaft an Allah glaubt und an den Jüngsten Tag und gute Werke tut –, sie sollen ihren Lohn empfangen von ihrem Herrn, und keine Furcht soll über sie kommen, noch sollen sie trauern.” — (Heiliger Quran 2:63)

So auch an anderer Stelle:

„Jene, die geglaubt haben, und die Juden und die Sabäer und die Christen – wer da an Allah glaubt und an den Jüngsten Tag und gute Werke tut –, keine Furcht soll über sie kommen, noch sollen sie trauern.” — (5:70)

Eine der jüdischen Religion feindlich gesinnte Haltung würde zudem implizieren, dass der Islam seine Anhänger dazu anstiften würde, die Praxis des Judentums überall dort zu unterbinden, wo es ihnen möglich ist. Dies jedoch widerspricht den Lehren des Islam, welcher allen Religionen tolerant gegenübersteht, v.a. den Buchreligionen. Der folgende Vers ist einer von vielen, der nicht so im Heiligen Quran stünde, wenn der Islam eine antisemitische Gesinnung propagierte:

„Erlaubnis (sich zu verteidigen) ist denen gegeben, die bekämpft werden, weil ihnen Unrecht geschah – und Allah hat fürwahr die Macht, ihnen zu helfen –, jenen, die schuldlos aus ihren Häusern vertrieben wurden, nur weil sie sprachen: „Unser Herr ist Allah.“ Und würde Allah nicht die einen Menschen durch die anderen im Zaum halten, so wären gewiss Klöster und Kirchen und Synagogen und Moscheen niedergerissen worden, worin der Name Allahs oft genannt wird. Allah wird sicherlich dem beistehen, der Ihm beisteht. Allah ist fürwahr allmächtig, gewaltig.” — (Heiliger Quran 20:40/41)

 

Begebenheiten aus dem Leben des Heiligen Propheten (SAW)

Nicht nur dem Heiligen Quran, sondern auch dem Heiligen Propheten (SAW) werden von manchen Islamkritikern antisemitische Züge angedichtet (Na’audubillah), die jedoch keiner aufrichtigen Untersuchung standhalten. So lesen wir beispielswiese in der Biographie des Propheten (SAW) von folgender Begebenheit:

Einst kam ein Jude [zum Propheten Muhammad (SAW)] und beschwerte sich, dass Hadhrat Abu Bakr (RA) seine Gefühle verletzt hatte, indem er sagte, dass Gott Muhammad (SAW) über Moses (AS) erhoben hätte. Der Heilige Prophet (SAW) ließ Hadhrat Abu Bakr (RA) zu sich kommen und fragte, was sich zugetragen hätte. Hadhrat Abu Bakr (RA) erklärte, dass der Jude damit angefangen hätte, indem er sagte, er schwüre bei Hadhrat Moses (RA), den Gott über alle Menschen erhaben gemacht hatte, und dass er selbst darauf erwidert hätte, er schwüre bei Hadhrat Muhammad (SAW), den Gott über Moses (AS) erhaben gemacht hatte. Der Heilige Prophet (SAW) sagte:

„Ihr hättet das nicht aussprechen sollen, denn die Gefühle der anderen müssen stets und unter allen Umständen respektiert werden. Niemand soll mich über Moses erheben!“ — (Bukhari, Kitab Al Tauhid)

Es sei betont, dass der Heilige Prophet Muhammad (SAW) sehr wohl um seinen eigenen Rang als Khatam-un-Nabiyyin (Siehe Artikel: Khatam-un-Nabiyyin) wusste, genau wie die Muslime. Wie sonst hätte also Hadhrat Abu Bakr (RA) den Rang des Propheten Muhammad (SAW) über den von Hadhrat Moses (RA) stellen können. Allerdings wollte der Heilige Prophet (SAW) die Gefühle des Juden — und im weitesten Sinne der jüdischen Gemeinde als Ganzes — mit solch einer Bemerkung nicht verletzt wissen. Diese Anordnung widerspricht dem Vorwurf einer vermeintlich antijudaistischen oder antisemitischen Haltung des Propheten (SAW).

In der Zeit nach der Hidschra (Siehe Artikel: Hidschra) begab es sich, dass in der Stadt Medina (zuvor Yathrib; Siehe Artikel: Medina), in der auch viele jüdische Stämme lebten, der Heilige Prophet (SAW) von allen Einwohnern zum Oberhaupt ernannt wurde. So koexistierten die Muslime friedlich mit den jüdischen Gemeinden und der Prophet Muhammad (SAW) selbst garantierte ihnen sowohl ihre bürgerlichen Rechte, als auch die Ausübung ihrer religiösen Praxis. Hätte der Islam eine antisemitische Haltung gepredigt, so hätte dieses Kapitel im Leben des Propheten Muhammad (SAW) gewiss ganz anders ausgesehen

 

Beispiele aus der Geschichte der Ahmadiyyat

Wenn man sich bewusst macht, dass laut einer Prophezeiung des Heiligen Propheten (SAW) ein Wiedererkennungsmerkmal der Gemeinde des Verheißenen Messias (AS) jenes sein wird, dass sie in die Fußstapfen des Propheten (SAW) und seiner Gefährten (RA) treten würde, so wundert es nicht, dass auch die Ahmadiyya Muslim Gemeinde u.a. mit denselben haltlosen Vorwürfen konfrontiert wird, wie der Prophet Muhammad (SAW) und seine Gefährten (RA). Eines solcher Vorwürfe lautet, die Jamaat pflege und propagiere antisemitisches Gedankengut. Der Vorwurf „Antisemitismus” ist v.a. nach der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert ein beliebtes Mittel in der westlichen geworden, um Personen oder Gruppen derart zu diffamieren, dass man abgeneigt ist sich mit ihren Gedanken und Standpunkten zu befassen; das Gegenstück hierzu in der islamischen Welt ist wohl der Vorwurf, die Jamaat glaube nicht an das Prinzip des Khatam an-Nabuwwat.

In Wahrheit vertrat der Verheißene Messias (AS) gegenüber der jüdischen Religion oder dem jüdischen Volk keinen anderen Standpunkt als das, was bereits in den islamischen Quellen niedergelegt ist. Auch in den Predigten und der Praxis der Khulafa-e-Ahmadiyyat können wir keine antisemitischen Tendenzen ausmachen, da sie jeweils als Khalifa-e-Waqt niemals von den Lehren des Verheißenen Messias (AS) und damit des Heiligen Propheten Muhammad (SAW) weichen konnten und können. Eine antisemitische oder antijudaistische Haltung geziemt sich schon deshalb nicht für den Verheißenen Messias (AS), da er gekommen war, um alle Menschen, Völker und Religionen in Liebe zu Gott zu vereinen. Hass sah Er (AS) dabei niemals als geeignetes Mittel an.

Einige Argumente aus der jüngsten Geschichte korrigieren den Vorwurf auf eindrückliche Weise:

Ende des Jahres 2014 besuchte Herr Amir Sheikh Muhammad Sharif Ode — Vorsitzende der Ahmadiyya Muslim Gemeinde in Israel — eine Synagoge in Jerusalem, die zuvor Zielscheibe eines Angriffes im Kontext des Israel-Palästina Konfliktes geworden war und bekundete:

„Ich besuchte die Synagoge in Jerusalem, die angegriffen worden war und verspürte gleich im ersten Moment einen Ärger über diese schändliche Tat, die keineswegs den Lehren unseres erhabenen Islam entsprich, sie widerspricht sogar ganz im Gegenteil seinen Prinzipien der Toleranz. Ich verurteile dieses Verbrechen auf Grundlage meines Glaubens und meines Verständnisses vom erhabenen Islam […].” — (Muhammad Sharif Ode, zitiert aus: http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/187971 aufgerufen am 01.10.2017)

Als es Anfang des Jahres 2017 im US-Bundesstaat Pennsylvania zu Angriffen auf einen jüdischen Friedhof gegeben hat, kam es infolge zu großen Schäden. Beispielsweise „[…] wurden manche der zum Teil mehr als hundert Jahre alten Grabsteine […] in zwei Teile zerschlagen.”, dabei habe […] ein Gemeindemitglied über 500 geschändete Gräber |…]” gezählt. Die lokalen Anhänger der Ahmadiyya Muslim Jamaat Philadelphia eilten zur Hilfe und boten ihre Unterstützung bei den Aufräumarbeiten an (Quelle: http://www.stern.de/politik/ausland/juedischer-friedhof-in-philadelphia-geschaendet—muslime-eilen-zu-hilfe-7345174.html Aufgerufen am 01.10.2017). Der Sprecher der Ahmadiyya Muslim Jamaat Salaam Bhatti kommentierte dieses abscheuliche Verbrechen mit folgenden Worten:

”Dieser Angriff ist nicht nur ein Angriff auf unsere jüdischen Brüder und Schwestern, sondern auf unsere gemeinsame Gemeinschaft. Wir glauben, dass wir unsere Mitmenschen vor diesem Extremismus beschützen müssen.” — Salaam Bhatti (Quelle: http://edition.cnn.com/2017/02/28/us/jewish-cemetery-muslim-help-trnd/index.htmlAbgerufen am 01.10.2017)

Mitte des Jahres 2017 wurde Herr Sheikh Muhammad Sharif Ode neben dem Christen Vater Youosef Yakoub und dem Rabbi Dov Haiyun mit dem AJC Unity Award ausgezeichnet. Verliehen wird er von der American Jewish Committee, einer jüdischen Gesellschaft, die Herrn Sharif Ode 2017 für seinen Einsatz im Rahmen des Wideraufbaus einer Synagoge in Haifa ehrte: Nach den verheerenden Waldbränden im November des Jahres 2016, bei dem 70.000 Menschen evakuiert wurden, kam auch eine Synagoge durch die Flammen zu Schaden. Die Ahmadiyya Muslim Gemeinde stellte ihre Gemeindezentren für den Aufenthalt und die Verpflegung der evakuierten Bewohner zur Verfügung, die Her Ode während der Preisverleihung als „unsere jüdischen Nachbarn” bezeichnete (Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=2vIIhrmGil4). Zudem packte neben der Ahmadiyya Muslim Gemeinde auch die christliche Gemeinde mit an, um die beschädigte Synagoge zu renovieren und organisierte in diesem Rahmen auch eine Spendenaktion. Bei der feierlichen Preisverleihung, die Vertreter aller drei abrahamitischen Religionen entgegennahmen, sprachen diese sich einander mit „Brüder” an. (Quelle: https://www.ajc.org/news/jewish-muslim-and-christian-religious-leaders-honored-with-ajc-unity-awardaufgerufen am 01.10.2017). Herr Ode beendete seine Rede passenderweise mit dem Motto der Ahmadiyya Muslim Gemeinde: „Liebe für Alle, Hass für Keinen!”.

 

Beantwortung von Vorwürfen

Zu den Kritikern der Ahmadiyya Muslim Gemeinde, welche auch den Vorwurf des Antisemitismus gegen die Jamaat aufgriff, gehörte die Erziehungswissenschaftlerin Hiltrud Schröter (1941 — Juni 2010). In einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen vom 19.01.2008 hat Prof. Dr. Mathias Rohe — Richter am OLG a.D. — Stellung zu den Vorwürfen von Frau Schröter bezogen und sagte:

AA: Die Erziehungswissenschaftlerin Hiltrud Schröter hat die Religion [Die Ahmadiyya; Erläuterung der Redaktion] als antidemokratisch, antichristlich und antisemitisch bezeichnet. Sehen Sie das auch so?

Rohe: Nein, das stimmt so nicht. Ich halte die Arbeiten von Frau Schröter für wissenschaftlich fragwürdig. Gerade diese Glaubensbewegung versucht, eine Lehre zu entwickeln, die sich anderen Glaubensgemeinschaften annähert und einen friedlichen Umgang mit ihnen propagiert.

AA: Der Religionswissenschaftler Peter Antes widerspricht Schröter, denn gerade die Ahmadiyya habe ein Bekenntnis zur Demokratie abgelegt. Was sagen Sie dazu?

Rohe: Der Mann hat Recht.

Prof. Dr. Rohe ist außerdem Islamwissenschaftler und Jurist an der Universität Erlangen-Nürnberg. Er ist Vorsitzender der Gesellschaft für Arabisches und Islamisches Recht sowie Gründungsdirektor des Zentrums für Islam und Recht in Europa an der Universität Erlangen-Nürnberg. Als Islamismus-Experte berät Rohe zudem den Verfassungsschutz.
(Quelle: http://www.ahmadiyya.de/ahmadiyya/persoenlichkeiten-ueber-die-ahmadiyya-muslim-jamaat/)


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