Die Helfer des Königs der Feder.

Berlin: Von Grausamkeit gesteuert

Mit Fassungslosigkeit und Bestürzung vernahmen Menschen aller Welt die Nachricht aus Berlin:

Am Montagabend raste ein Mann mit einem mutmaßlich entführten Lastkraftwagen am Breitscheidplatz vor der Gedächtniskirche in die Menschenmenge am Berliner Weihnachtsmarkt. Mindestens zwölf Menschen starben bei diesem Anschlag, etwa 50 Personen wurden teils lebensgefährlich verletzt. Nun hat Daesh (IS) den Anschlag für sich reklamiert.

Die Reaktionen sind die unterschiedlichsten: Von Ahmadi-Musliminnen und -Muslimen, die solche barbarischen Untaten seit jeher aufs Schärfste verurteilen und daher auch am Ku’damm zusammen mit den Menschen vor Ort der Opfer gedenken bis hin zu Reaktionen von AfD-Politikern nebst anderen, die die Betroffenheit der Stunde ausnutzend Parolen und politische Schuldzuweisungen twittern. Woanders sind es wieder die Flüchtlinge. Dann gibt es noch stets diese Stimmen, die die Gelegenheit beim Schopfe packend Angst verbreiten, Zwietracht säen oder mit anti-islamischer Polemik glänzen und wie wild Spekulationen um sich werfen. Doch haben all diese zuletzt genannten Dinge eins gemeinsam: Sie sind fehl am Platz. Sie werden weder den Angehörigen der Opfer des Anschlags Trost spenden, noch ihnen ihre Geliebten und Nächsten zurückbringen, noch den Verletzten in irgendeiner Form nützen. Ein Ausdruck der Solidarität, Anteilnahme angesichts dieser -von der Ahmadiyya-Gemeinde in einer Pressemitteilung zurecht- als „menschliche Tragödie“ bezeichneten Untat, kurzum, ein Ausdruck der Verbundenheit in dieser Stunde der Trauer tut jetzt not. Mitgefühl, und, wenn es denn geht, ein bisschen Menschlichkeit.

Doch es wird sie immer geben: Jene, die inmitten solcher schweren Stunden ihre Stammtischparolen und grotesken Forderungen wie „Islam verbieten!“ oder „Der Islam ist nicht mit dem Grundgesetz vereinbar!“ oder „Der Islam muss ausgerottet werden!“ zur Hand haben und diese gebetsmühlenartig abspulen. Jene, die, wenn Daesh (IS) wieder einen Anschlag für sich reklamiert hat, statt ihre Verachtung gegenüber dieser Untat und ihren Verursachern kundzutun, absurderweise beginnen, auf jenen Muslimen rumzuhacken, die sich ausdrücklich von Daesh und seiner verqueren, menschenverachtenden Ideologie zu distanzieren suchen. Jene Leute, die „den Muslimen“ als Kollektiv gerne schweigsame Mitschuld unterstellen. Der Journalist Nicolas Hénin, der zehn Monate lang vom IS als Geisel in Syrien gehalten wurde, bestätigte nachdrücklich, dass „denen der Islam völlig egal ist“. Fest steht: Der Terrorismus hat keine Religion. Terror trifft jeden. Niemand hat sich dafür zu „rechtfertigen“ und doch brauchen einige Menschen immer wieder Klarstellungen in Form von Aufklärung.

Auf die Frage hin, wieso man sich von einem Täter distanziere, mit dem man vermutlich nur die Religion gemeinsam habe, antwortete Herr Majoka, Sprecher der Ahmadiyya-Gemeinde in Deutschland: „Weil in den Köpfen vieler Menschen ein Zusammenhang zwischen dem Islam an sich und Terrorismus besteht. Zwar setzt die Erwartung, dass sich muslimische Gemeinden von Terrortaten distanzieren sollten, stillschweigend eine Nähe zu den Tätern voraus. Von einem Hindu-Verband würde man niemals erwarten, dass er sich von solch einer Tat distanziert. Tatsache ist aber, dass diese Nähe in den Köpfen besteht. Deshalb ist es unsere Pflicht aufzuzeigen, dass diese Zusammenhänge unserer Meinung nach nicht existieren“. Die Gründe hinter Terrortaten im Namen des Islam seien politischer, wirtschaftlicher oder sozialer Art, so Herr Majoka, und auch der Eindruck, dass der Terror sich überwiegend gegen den Westen oder das Christentum richte, sei deswegen falsch, da die überwiegende Mehrheit der Opfer Muslime im eigenen Land seien, zum Beispiel im Irak, in Syrien oder Pakistan.

Völlig zurecht untermauert Jürgen Kaube in seinem Artikel in der FAZ „Dringend verdächtig“ vom 21.12.2016, dass jene, „die jetzt von ‚Merkels Toten‘ sprechen und den Ausnahmezustand als Schlüssel zur Wirklichkeit begrüßen, den IS als den wahren Repräsentanten der muslimischen Welt“ anerkennen würden. Muslime unter Generalverdacht zu stellen, und sie auf diese Weise zu Merkmalsträgern zu reduzieren, sei „absurd und verlogen“.

Wir werden nicht müde, immer und immer wieder zu betonen: Die wahre Lehre des Islam fordert von Muslimen, anderen Menschen gegenüber stets Güte zu zeigen, die Rechte der Menschen zu achten und zu schützen und jede einzelne Person von Unterdrückung zu befreien – unabhängig von der Religionszugehörigkeit. Dies ist für Ahmadi-Muslime eine Selbstverständlichkeit und gelebte Wirklichkeit. Zu dem Schmerz über die Ereignisse und Opfer selbst gesellt sich für friedliebende Muslime die Betrübnis darüber, dass ein irregeleiteter Einzelner ohne Skrupel im Namen ihrer Religion versucht hat, durch diese Morde an Unschuldigen Hass aufleben zu lassen und die Gesellschaft und den gesellschaftlichen Frieden nachhaltig zu spalten. Das Beste, was wir tun können, ist, ihn in diesem seinem Vorhaben nicht auch noch erfolgreich sein zu lassen. Denn dieser Angriff war ebenso gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung und die Werte des Islams gerichtet.

„Mit aller Härte muss die Staatsgewalt gegen diese hasserfüllten und hinterlistigen Anschläge vorgehen, um die gesellschaftszersetzende Wirkung von Anschlägen und Terror einzudämmen. […] Wir hoffen und beten, dass diese Ereignisse für die Bemühungen um den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Integrationsarbeit in Deutschland keinen Rückschritt darstellen“, heißt es weiterhin in der Pressemitteilung der AMJ. Es gilt das Koran-Wort:

„Wenn jemand einen Menschen tötet, so soll es sein, als hatte er die ganze Menschheit getötet; und wenn jemand einem Menschen das Leben erhält, so soll es sein, als hätte er der ganzen Menschheit das Leben erhalten.“(5:33)

Das weltweite Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Gemeinde betont seit vielen Jahren durch zahlreiche Reden und Ansprachen auf Basis islamischer Quellen, u.a. im Capiton Hill in Washington und im Europäischen Parlament in Brüssel, die Wichtigkeit von Gerechtigkeit durch die Staatsoberhäupter zur Etablierung des Weltfriedens. Lassen Sie uns einige Worte eurer Heiligkeit Mirza Masroor AhmadABA in Erinnerung rufen:

„Es ist unsere Mission, Frieden, Liebe, Mitgefühl und Versöhnung auf jeder Ebene der Gesellschaft und in jedem Teil der Welt zu verbreiten. Wir werden nicht aufhören, ehe nicht jede Form von Hass sich in Liebe und Barmherzigkeit gewandelt hat“

„Wenn eine Kirche oder irgendeine andere Gebetsstätte unseres Schutzes bedarf, werden sie uns mit ihnen Schulter an Schulter stehend finden.“

„Jene, die Kriege im Namen der Religion führen, liegen falsch, wenn sie sagen, dass sie aufgrund ihrer Beziehung zu Gott kämpfen.“

„Dies sind militante Gruppen, keine Anhänger der wahren Religion, und wir werden ihnen immer entgegenstehen.“

„Ich kenne lediglich jenen Islam, dessen Lehren auf seinem Namen beruhen. Die wörtliche Bedeutung des Wortes ‚Islam‘ ist Frieden, Liebe und Harmonie und all seine Lehren basieren auf diesen noblen Werten.“

„Es ist  äußerst bedauerlich und Grund zur Betrübnis, dass, statt die Menschen zu vereinen und Liebe untereinander zu verbreiten, die Welt der Verbreitung von Hass, Grausamkeit und Ungerechtigkeit weit mehr Aufmerksamkeit gewidmet hat.“

Gott weiß, dass wir diesen Anschlag und auch alle anderen, sowie die dahinterstehende menschenfeindliche, rein politische, Ideologie unter dem Deckmantel der Religion immer aus der Tiefe unseres Herzens und mit all unserer Glaubenskraft auf Schärfste verurteilen und verurteilen werden. Wir trauern um die Opfer. Unser Mitgefühl und unsere Gebete sind ebenso mit den Angehörigen der Opfer in Berlin.

 

 

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