Die Helfer des Königs der Feder.

Der barmherzige Prophet des Islam

Nach den Anschlägen in Paris in der Nacht vom Freitag, den 13.11.2015, sowie dem Anschlag auf Touristen in Istanbul Anfang Januar 2016 und der mittlerweile zur Gewohnheit gewordenen terroristischen Operationen des „Islamischen Staats“ im Irak und in Syrien stellen sich Menschen aus aller Welt einmal mehr die Frage, wie es zu diesen Untaten kommen konnte und um was für eine Art von Menschen es sich bei den Attentätern handelt? Maßlose junge „Muslime“, die keinen Zugang in die westliche Gesellschaft gefunden hatten und sich dann radikalisierten? Oder vielleicht gefährliche Fanatiker, die zur Umsetzung eigener Ideologien jegliche Hemmschwellen überschritten haben, um letztendlich den vermeintlichen Seelenfrieden im Paradies zu finden? Welche Zwecke nun auch immer hinter diesen Taten verborgen sind, fest steht, dass sie ihre Taten im Namen Gottes rechtfertigen und sich dabei auf die Lehre des Propheten des Islam beziehen; den Heiligen Propheten Muhammadsaw als Vorwand benutzen, um ihrem inhumanen Begehren und dem verzweifelten Wunsch nach einem irrealen Ziel nachzukommen.

Sind solche Taten also ein Ausnutzen der Religion, um persönliche Interessen zu verfolgen oder handelt es sich hierbei tatsächlich um standfeste bedingungslose Überzeugung, um den vermeintlichen Willen Gottes zu etablieren?

Wäre letzteres der Fall, so müssten sich „die Kämpfer im Namen Gottes“ der Frage stellen, welche Botschaft sich denn hinter diesem Vers aus dem Heiligen Koran verbirgt:

„Wenn jemand einen Menschen tötet, (…) so ist es, als hätte er die ganze Menschheit getötet.“ (Sure 5, Vers 33)

Muslime glauben daran, dass der Koran die Worte Gottes an den Propheten Muhammadsaw darstellen. Der Prophet hat die Worte der heiligen Schrift nicht über Dritte, sondern als Offenbarung auf unmittelbarem Wege von Gott empfangen. Auffällig ist, dass eine große Mehrheit der Muslime, so auch die vermeintlichen „Krieger Gottes“, jedes Wort dieser Schrift als wahr und unverfälscht ansehen und diese Ansicht ausnahmslos verfolgen.

Wie also kann es sein, dass die selbsternannten vermeintlich etablierten Muslime diesem Vers keine Beachtung schenken? Sie sind im Sinne des Islams also keineswegs rechtgeleitet, noch besitzen sie die Fähigkeit, Menschen ins Paradies zu führen, geschweige denn zu Gott.

In den Tagen nach den Pariser Anschlägen haben sich Anschuldigungen gegenüber dem Islam verdichtet und die Pegida und rechtsorientierte Parteien haben wieder einen deutlicheren Zulauf bekommen. Die Angst vor dem Islam ist wieder präsent wie nie zuvor. Es handelt sich hier nicht um einen Zustand, der die westliche Gesellschaft nach den Ereignissen in Paris in ihrer Allgemeinheit beschreibt, dennoch ist es Fakt, dass die Abneigung gegenüber dem Islam insgesamt zugenommen hat.

 

Die Lehre und der Charakter des Propheten des Islams

Betrachtet man nun das Leben und den Charakter des Heiligen Prophetensaw , auf welchen sich die mutmaßlichen Terroristen beziehen, so stellt man schnell fest, dass diese und das Leben des Prophetensaw kaum Gemeinsamkeiten verbinden.

Nachdem der Heilige Prophetsaw in seiner Heimatstadt Mekka verlauten ließ, dass es einen einzigen Gott gebe (und nicht etwa mehrere Götter, wie die Mekkaner glaubten) und er von Gott zum Propheten ernannt worden sei, wurde er dreizehn Jahre lang in Mekka aufs Grausamste und Schärfste verfolgt, ehe er in die 350km entfernt gelegene Stadt Medina auswanderte und dort herzlich empfangen wurde. In der Zeit im Exil musste er jedoch mehrere Verteidigungskriege führen, denn nun lag die Gefahr nicht im eigenen Wohnort, die Muslime wurden stattdessen von außerhalb Medina aus verschiedensten Regionen Arabiens angegriffen. Beide Zeiten überstanden die Muslime tapfer und mit viel Geduld. Im achten Jahr des Exils gelang es dem Heiligen Prophetensaw nun gemeinsam mit den Muslimen in seine Heimatstadt Mekka zurückzukehren und die dortige Führung zu übernehmen.

Die Geschichtsbücher berichten über folgende Begebenheit kurz nach der Übernahme:

„Als die Riten und Pflichten verrichtet waren, wandte der Heilige Prophetsaw sich an die Mekkaner und sagte: ‚Ihr habt jetzt gesehen, wie sich die Versprechen Gottes als wahr erwiesen haben. Jetzt lasst mich wissen, welche Bestrafung Euch für die Grausamkeiten und Ungeheuerlichkeiten zusteht, die ihr gegen jene unternahmt, deren einziger Fehler es war, Euch zur Anbetung des einen und einzigen Gottes einzuladen.‘

Die Mekkaner antworteten: ‚Wir erwarten von Euch, dass Ihr uns behandelt wie Joseph seine verirrten Brüder behandelte.‘ (Anm. : Obwohl Joseph aus Kanaan, heutiges Israel, in der Jugend von seinen Brüdern in einen Brunnen geworfen und von Dritte gerettet wurde, vergab er den Brüdern einige Jahrzehnte später, als er im alten Ägypten zu einer Machtstellung befördert wurde; seine ruchlosen Brüder nahm er erneut herzlich in seine Familie auf).

Als er die Bitte der Mekkaner vernahm, erklärte der Heilige Prophetsaw sofort:

‚Gott sei mein Zeuge, keine Strafe soll heute auf Euch kommen und kein Vorwurf!'“ (Hadhrat Mirza Bashir ud-Din Mahmood Ahmadra: Muhammadsaw – Das Leben des Heiligen Propheten. Frankfurt am Main [u.a.]: Verlag Der Islam, 3. überarbeitete Auflage, 2013, S. 252 – 253)

 

Terroristische Gottesvorstellung – Wo die Psyche versagt

Sicherlich stellt sich die Frage, was die Terroristen trotz des deutlichen Vorbilds des Heiligen Propheten Muhammadssaw dazu veranlasst, in Sphären hineinzudringen, die der Islam für seine Anhänger nie vorgesehen hat? Wie kommt es dazu, dass vermeintliche Muslime sich dennoch radikalisieren und eben solche Untaten vollziehen, wie die von Paris? Um der Antwort dieser Frage gerecht zu werden, wird es nötig sein, in das Umfeld dieser Menschen, aber insbesondere in ihre Köpfe und Ideologien zu blicken.

Können solche Menschen, die von psychisch zerrütteten Zuständen getrieben sind, im Namen Gottes kämpfen und als verifiziertes Abbild des Islam wahrgenommen werden? Die Analyse ihrer Vorgehensweisen reicht aus, um zu verstehen, dass der Islam den mutmaßlichen Terroristen als Vorwand dient, um krankhaften Begierden nachzugehen. Allein nachfolgender Koranvers enthält eine ausreichend nachdrückliche Botschaft für die Muslime:

„Und tötet euch nicht selber. Siehe, Allah ist barmherzig gegen euch.“ (Sure 4, Vers 30)

Eben der Verstoß gegen jenes Verbot, vor 1400 Jahren von Gott selbst in der Heiligen Schrift verordnet, ist unter den islamistischen Terroristen zum Trend geworden, um vermeintlich als Auserwählte, die Möglichkeiten des wissenschaftlichen Fortschritts nutzend, dem Islam zu dienen. Ist ein Dienst an der Religion von Gott erwünscht oder gar möglich, wenn man zugleich die religiösen Gebote und Verbote gänzlich vernachlässigt? Nach den zuletzt genannten Aufführungen kommt man nicht an der einfachen Tatsache herum, dass Islamisten kaum Kenntnis über die Religion besitzen.

Im Weltbild der Terroristen und in ihrer Ideologie sind außerislamische und abergläubische Vorstellungen mit Kenntnissen über Riten, deren eigentliche Essenz kaum verstanden wird, vermischt. Dabei ist das Phänomen durchaus nicht selten, ja eher allgegenwärtig, dass Koranverse aus dem Zusammenhang gerissen oder beliebig zitiert werden, ohne dass ihr wahrer Kern oder Sinn begriffen wurde. Es scheint leider so, als bekämen jene, die sich als Terroristen ausbilden lassen, nur auszugsweise und stark verzerrt ein wenig von dem mitgeteilt, oder besser gesagt eingetrichtert, was die Bedeutung des Islam ausmacht.

 

Der kleine Djihad in Form des Verteidigungskriegs

Um auf die letztgenannte Verzerrung des Islambildes einzugehen, wird folgender Koranvers exemplarisch betrachtet:

„Und kämpfet für Allahs Sache gegen jene, die euch bekämpfen, doch überschreitet das Maß nicht, denn Allah liebt nicht die Maßlosen. Und tötet sie, wo immer ihr auf sie stoßt, und vertreibt sie von dort, von wo sie euch vertrieben; denn Verfolgung ist Ärger als Totschlag. Bekämpft sie aber nicht bei der Heiligen Moschee, solange sie euch dort nicht angreifen. Doch wenn sie euch angreifen, dann kämpft wider sie; das ist die Vergeltung für die Ungläubigen. Wenn sie jedoch ablassen, dann ist Allah allvergebend, barmherzig. Und bekämpfet sie, bis die Verfolgung aufgehört hat und der Glauben an Allah (frei) ist. Wenn sie jedoch ablassen, dann (wisset), dass keine Feindschaft erlaubt ist, außer wider die Ungerechten.“ (Sure 2, Verse 191 – 194)

Sich diesen Auszug aus dem Koran vorzunehmen und diesen nicht in seiner Gänze zu betrachten, ist offensichtlich fatal – im wahrsten Sinne des Wortes. Tatsächlich muss ein solcher Auszug nicht nur in seinem satzinternen Kontext untersucht werden, auch der situative Kontext spielt hier eine wohlbestimmte Rolle.

Schenkt man diesen Versen nur wage Aufmerksamkeit, so liest man aus diesem Auszug heraus, dass das Töten der Ungläubigen eine heilige Pflicht für alle Muslime sei. Und oft ist es so – sowohl im Falle der Islamisten als auch der destruktiven Islamkritiker – ,dass man solchen Versen gezielt kaum Aufmerksamkeit schenkt oder eben Letzteres doch tut und das Wissen, das man erworben hat, der zu beeinflussenden Anhängerschaft – also den jungen islamistischen Schülern bzw. den sich an Kritik erfreuenden westlich orientierten Massen – vorenthält und diese so sehr manipuliert, dass sie bereit sind, für den Islam zu sterben – oder aber eben den Islam selbst zu töten.

Wenn man nun den satzinternen Kontext dieser Verse unter die Lupe nimmt, erkennt man bereits im ersten Satz deutlich, dass ein Kampf voraussetzt, dass die Muslime ‚bekämpft‘ werden. Der defensive Charakter des Djihad ist klar vorgeschrieben. Das Wort „Djihad“ ist arabisch und hat keine signifikant deutlichere Übersetzung als das einfache „Eifern“. Gemeint ist hier das Eifern auf dem Wege Gottes auf verschiedene Art und Weisen. Fälschlicherweise wird dieser Begriff jedoch ohne jegliche Skrupel mit dem Krieg im Islam gleichgesetzt. Dem defensiven Charakter wird im weiteren Text erneut Nachdruck verliehen, wenn es heißt, dass die Muslime die Angreifer von dort vertreiben sollen, wo sie siedeln, nachdem diese die Muslime von dort vertrieben haben. Die Kriegsverhandlungen sind aber unverzüglich und unmittelbar einzustellen, wenn die Feinde vom Kampf ‚ablassen‘. Wenn die Verfolgung durch jene, die die Muslime vernichten wollen, aufhört, dann ist Frieden zu schließen. Wenn es keine Verfolgung gibt, ist der Glaube frei. Eine Anweisung so lange zu kämpfen, bis die Gegner zum Islam übertreten, findet sich hier nicht. Zudem wird im letzten Vers dieses Auszugs Wert darauf gelegt, dass die Muslime um die Freundschaft mit ihren Feinden bemüht sind, wenn sie erkennen, dass sie gerecht sind. An keiner Stelle in den zitierten Versen ist gesagt, dass ein heiliger Krieg gegen die Ungläubige mit der Zielsetzung erklärt werden soll, sie zum Konvertieren und Übertreten in den Islam zu zwingen.

Untersucht man nun den situativen Kontext dieser Verse, so wird schnell festgestellt, dass diese Verse um die Zeit der Schlacht bei Badr im Jahre 624, also zwei Jahre nach der Auswanderung aus Mekka, offenbart wurden. Zugleich handelt es sich hier um die allererste Präventionsschlacht, die die Muslime überhaupt gegen einen Gegner führten. Es handelt sich hier um die erstmalige Gelegenheit, dass die Gefolgschaft Muhammadssaw die Erlaubnis bekam, die islamischen Regeln einer Kriegssituation beachtend sich, nach 14-Jahre andauerndem Ärger und grausamer Verfolgung, zu verteidigen und eben darum geht es – um das Verteidigen. Lebten die Muslime in Mekka zwar in Unruhe und wurden täglich individuell verfolgt und entehrt, so wurden sie nun, obwohl sie ihre Heimatstadt verlassen hatten, bis nach Medina verfolgt und als Gemeinschaft mit kriegerischen Mitteln bekämpft. Welch ein unbarmherziges Wesen wäre Gott gewesen, wenn in dieser Situation die Erlaubnis zum Verteidigungskrieg nicht verordnet worden wäre?

 

Die islamische Kriegsführung – Das Ende der Angriffskriege

Der Prophet des Islams ordnete die Muslime in Kriegen zu Folgendem an: Sie sollten tapfer aber menschlich kämpfen. Sie dürften weder Priester, Mönche noch sonst eine Person, die sich mit Gottesdienst oder Gebetsstätten befasste, belästigen. Frauen, Kinder und alte Menschen oder Behinderte sollten verschont bleiben. Kein Baum durfte gefällt und kein Gebäude abgerissen werden. Man kann sich nun selbst ein Bild darüber machen, ob dies die Lehre eines machtgierigen „Gotteskämpfer“ darstellt, welcher versucht, seinen Glauben mit kriegerischen Mitteln zu verbreiten oder etwa eines weisen Königs, welcher durch seine Lehre Herzen gewinnt und im Interesse des gemeinschaftlichen Schutzes gezwungen ist, zu kämpfen, um so friedliche Verhältnisse wiederherzustellen.

Der Islam setzte dem Angriffskrieg ein Ende und gestattete nur den Krieg zum Zweck der Verteidigung, nachdem alle anderen Möglichkeiten zur Erhaltung des Friedens ausgeschöpft waren und dem muslimischen Staat der Krieg durch den Feind aufgezwungen wurde. Ein solcher Krieg ist gestattet, ja er wird zur Pflicht, um Frieden zu schaffen.

Würde man aus dem oben betrachteten Vers allein folgenden Satz herausgreifen, diesen in keinerlei Kontext setzen, so könnte man durchaus davon ausgehen, dass der Islam eine Gewalt fördernde Religion sei:

„Und tötet sie, wo immer ihr auf sie stoßt“ (Sure 2, Vers 192)

Doch spätestens dann, wenn man sich die vielen anderen Stellen aus dem Koran vor Augen hält, in welchen die auf Frieden bedachte Lehre des Islam zum Ausdruck gebracht wird, gerät man mit der Auffassung, welche man aus der kontextlosen Betrachtung des Verses 192 der Sure 2 gewonnen hat, ins starke Wanken.

Man braucht lediglich den folgenden kleinen, aber feinen, diesen unterschwelligen, aber umso bedeutungsschweren und unmissverständlichen Vers zu betrachten, um der auf Destruktion bedachten Islamkritik ein Bein zu stellen:

„Es soll kein Zwang sein im Glauben.“ (Sure 2, Vers 257)

Der Verheissene Messiasas  äußert sich zum Heiligen Koran wie folgt:

„Der Koran hatte eine großartige Aufgabe: die Wilden als Menschen zu zivilisieren, sie dann die Moral zu lehren und schließlich die moralischen Menschen auf den höchsten Gipfel der Entwicklung zu leiten und sie zu gottnahen Menschen zu machen.“ (Ahmadas, Mirza Ghulam Ahmad: Die Philosophie der Lehren des Islam. Frankfurt am Main [u.a.]: Verlag Der Islam, 6. überarbeitete Auflage, 2013, S. 67)

Der fünfte Nachfolger des Verheissene Messiasas, Hadhrat Mirza Masroor Ahmadatba, erläuterte diesen Koranvers in einer Rede an das Britische Parlament, The House of Commons, im Oktober 2008 wie folgt:

„Dieses Gebot begegnet nicht nur der Anschuldigung, dass der Islam durch das Schwert verbreitet worden sei, sondern sagt auch den Muslimen, dass die Annahme des Glaubens eine Sache zwischen Mensch und seinem Gott ist, und dass sie diese Beziehung auf keine Weise stören sollten. Jedem ist es erlaubt, entsprechend seiner Glaubensvorstellung zu leben und seine religiösen Rituale zu vollziehen. Wenn jedoch irgendeine Handlungsweise im Namen der Religion anderen Schaden zufügt oder sich gegen die Gesetze des Landes richtet, dann dürfen die Gesetzesvertreter des Staates zur Tat schreiten, denn wenn irgendein grausames Ritual von irgendeiner Religion praktiziert wird, dann kann dies nicht die Lehre eines Propheten Gottes sein. Dies ist ein grundlegendes Prinzip, um Frieden sowohl auf lokaler, als auch auf internationaler Ebene zu bewirken.“ (Ahmadatba, Hadhrat Mirza Masroor: Die Weltkrise und der Weg zum Frieden – Ansprachen und Briefe des Kalifen. Frankfurt am Main [u.a.]: Verlag Der Islam, Erste Auflage, 2012, S.33)

 

Der Urspruch des „Heiligen Krieges“.

Falls der Angriffskrieg im Islam unterbunden worden sei, wieso dann ist die Verwendung des Begriffs „Heiliger Krieg“ so gängig, und in Bezug auf den Islam in aller Munde?

Tatsächlich ist dieser Ausdruck nicht eine Erfindung des Islam und findet weder im Koran noch in den Überlieferungen des Propheten Erwähnung. Dass im Islam die Zusammensetzung von „heilig“ mit „Krieg“ fremd ist, mag einen schon fast verwundern, ob der Selbstverständlichkeit, mit der dieser Ausdruck vielerorts verwendet wird. Zum ersten Mal taucht dieser Ausdruck in der Bibel auf. Im Buch Joel des Alten Testaments, das etwa im 4. oder 5. Jahrhundert v. Chr. entstanden ist, heißt es:

„Ruft den Völkern zu: Ruft den Heiligen Krieg aus! Bietet eure Kämpfer auf! Alle Krieger sollen anrücken und heraufziehen. Schmiedet Schwerter aus euren Pflugscharen und Lanzen aus euren Winzermessern! Der Schwache soll sagen: Ich bin ein Kämpfer.“ (Die Bibel, Joel, 4: 9 – 10)

Der Terminus „heiliger Krieg“ beschreibt in seiner ursprünglichen Funktion die Kreuzzüge, in welche Christen mit dem Ruf „Gott will es!“ gegen die Muslime auszogen, um das „Heilige Land“ und in erster Linie Jerusalem von den Ungläubigen, sprich den Muslimen, zu befreien. Durch den medialen Einfluss wird dieser Begriff heutzutage jedoch nur verwendet, um islamistisch motivierten Terrorismus zu beschreiben.

 

Wer war der Prophet MuhammadSAW eigentlich?

Um sich ein Bild eines Menschen zu machen, unabhängig davon, ob es sich um eine historische Schlüsselfigur handelt oder um einen „Normalsterblichen“, ist es von außerordentlichem Vorteil, zunächst die Entwicklungsphase seiner psychologischen, emotionalen und kognitiven Haltung, sprich seine Kindheit und Jugend zu betrachten.

Muhammadsaw neigte von Kindheit an zum Nachdenken und Meditieren. In Bezug auf den Propheten des Islam fällt eine berühmte Begebenheit aus seiner Jugend besonders auf:

„Es wird berichtet, dass einige aus den Stämmen in und um Mekka, alle ihrer endlosen Blutrache müde geworden, entschieden eine Vereinigung zu bilden mit dem Zweck, Opfern ungerechter und aggressiver Behandlung beizustehen. Als der Heilige Prophetsaw davon hörte, trat er begeistert bei. Die Mitglieder dieser Vereinigung verpflichteten sich zu folgenden Bedingungen:

‚Sie werden diejenigen, die unterdrückt werden, helfen und ihre Rechte wiederherzustellen versuchen, solange noch ein Tropfen Wasser im Meer ist. Wenn ihnen das nicht gelingen sollte, so werden sie die Opfer aus ihrem eigenen Besitz entschädigen.‘ (Sirat Ibn Hisham; Ahmadra, Mirza Bashir ud-Din Mahmood: Muhammadsaw – Das Leben des Heiligen Propheten. Frankfurt am Main [u.a.]: Verlag Der Islam, 3. überarbeitete Auflage, 2013, S. 30)

Im Jahre 610 war es dann soweit: Muhammadsaw ließ verlauten, dass Gott ihn als Propheten auserwählt habe und er die Aufgabe habe, diese Botschaft an die Menschen weiterzubringen. Hatte er bis jetzt noch das Ansehen des „Zuverlässigen“, des „Treuen“ (arab. Al-Amin), des „Wahrhaftigen“ und des „Ehrlichen“ unter den Mekkanern genossen, so wurde er schnell zur am meist entehrten und verachteten Person Mekkas. Wohin er sich begab, wurde er beschimpft; aus benachbarten Häusern wurde er mit Steinen beworfen. Küchenabfälle und Abfälle von geschlachteten Tieren wurden in seine Küche geschüttet; oft wurde mit Staub nach ihm geworfen, während er Gebete leitete; dennoch blieb der Prophet die Ruhe in Person, beschwerte sich nicht, geschweige denn setzte er etwas den Mekkanern entgegen. Einige Jahre nach seiner Berufung begab er sich in Begleitung seines Anhängers Zaid (ra) in die etwa 60 Meilen von Mekka entfernte Stadt Ta’if, um den Menschen dort die Botschaft Gottes mitzuteilen. Folgendes geschah dort:

„Sie (Anm.: die Bürger von Taif) schickten Vagabunden und Gassenjungen hinter ihm her, die ihn mit Steinen bewerfen sollten, bis er aus der Stadt hinausgetrieben war. Zaid (ra) wurde verwundet und der Prophetsaw blutete stark. Doch die Verfolger ließen diese zwei Hilflosen erst in Ruhe, als sie sich mehrere Meilen außerhalb Ta’ifs befanden.“ Betrübt und niedergeschlagen verneinte Muhammadsaw die Nachfrage der Engel, ob er diese Verfolger vernichtet sehen wolle, stattdessen antwortete er folgendes in bitterem Schmerz, ob der grausamen Verfolger:

„Ich hoffe, dass diesen Folterern Nachkommen geboren werden, die den Einen wahren Gott anbeten werden.“ (Bukhari, Kitab Bad‘ Al-Khalq)

(…) Nach diesem Treffen (wandte) der Prophetsaw sich an Allah und betete:

‚Allah, Ich breite meine Klage vor Dir aus. Ich bin schwach und ohne Mittel. Mein Volk verachtet mich. Du bist Herr der Schwachen und Armen und Du bist mein Herr! Wem willst Du mich preisgeben – Fremden, die mich herumstoßen oder dem Feind, der mich in meiner eigenen Stadt verfolgt? Wenn Du nicht verärgert bist über mich, der Feind kümmert mich nicht. Deine Gnade erflehe ich. Ich nehme Zuflucht im Licht Deines Angesichts. Du bist es, der Dunkelheit aus der Welt vertreiben und allen Frieden bringen kann, in dieser und in der nächsten Welt. Lass nicht Deinen Ärger und Deinen Zorn über mich kommen. Du bist nie erzürnt, außer Du bist bald danach zufrieden. Und es gibt keine Macht und keine Zuflucht außer Dir.“ (Sirat Ibn Hisham und Tabari; Ahmadra, Mirza Bashir ud-Din Mahmood: Muhammadsaw – Das Leben des Heiligen Propheten. Frankfurt am Main [u.a.]: Verlag Der Islam, 3. überarbeitete Auflage, 2013, S. 61 – 63)

Um das Wohl seiner Mitmenschen – sei es das körperliche Wohl oder das seelische, sei es das Wohl seiner Anhänger oder gar seiner Kritiker und Feinde – kümmerte sich Muhammadsaw besonders. Es wird folgendes über ihn berichtet:

„Er (…) pflegte zu sagen, dass eines Mannes Essen immer genug für zwei sein solle. Wenn immer etwas Besonderes in seinem Hause gekocht wurde, pflegte er vorzuschlagen, dass etwas davon als Geschenk zu seinem Nachbarn geschickt werden sollte; Geschenke von Essen oder anderen Dingen gingen fortwährend von seinem Haus zu Häusern der Nachbarn. (…) Er versuchte immer, von den Gesichtern seiner Begleiter abzulesen, ob jemand Essen brauche. (…)

Die Menschen waren zwar generell bedacht, die Gefühle ihrer Freunde und Verwandten nicht zu verletzen, doch der Heilige Prophetsaw war außergewöhnlich genau in dieser Beziehung, selbst wenn es sich um Leute handelte, die ihm widersprachen. Einst kam ein Jude zu ihm und beschwerte sich, dass Hadhrat Abu Bakrra (Anm.: ein Anhänger und guter Freund Muhammadssaw) seine Gefühle verletzt hätte, indem er sagte, dass Gott Muhammadsaw über Mosesas erhoben hätte. (…) Hadhrat Abu Bakrra erklärte, dass der Jude damit angefangen hätte, indem er sagte, er schwüre bei Mosesas, den Gott über alle Menschen erhaben gemacht habe, und dass er selbst darauf erwidert habe, er schwüre bei (…) Muhammadsaw, den Gott über Mosesas erhaben gemacht hatte. Der Heilige Prophetsaw sagte: ‚Ihr hättet das nicht aussprechen sollen, denn die Gefühle der anderen müssen stets und unter allen Umständen respektiert werden. Keiner soll erklären, ich sei erhabener als Moses!“ (Bukhari, Kitab Al Tauhid; Ahmadra, Mirza Bashir ud-Din Mahmood: Muhammadsaw – Das Leben des Heiligen Propheten. Frankfurt am Main [u.a.]: Verlag Der Islam, 3. überarbeitete Auflage, 2013, S. 301 & 329)

Auf welchen Propheten berufen sich nun also die mutmaßlichen Terroristen, die Kämpfer auf dem Wege Gottes, die Krieger im Namen des Islams? Auf jenen Propheten, dem es missfiel, dass man die Gefühle von Menschen anderen Glaubens auch nur minimal verletzte? Auf jenen barmherzigen Propheten, der mit äußerster Wehmut und innerem Schmerz Gebete für seine bittersten Verfolger und Feinde sprach? – Mitnichten, auf diesen Propheten sicherlich nicht!

 

Rana Walied Ahmad Janjua

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