Die Helfer des Königs der Feder.

Der Kalif des Islam

Es ist Freitag, 14:00 Uhr. Weltweit lauschen nun viele Haushalte auf der ganzen Welt den bezaubernden Worten des Kalifen der Zeit während seiner Freitagsansprache. Doch welch unantastbare Macht verbindet diese Menschen mit ihrem Kalifen, wo doch der Begriff „Kalif“ in der heutigen westlichen Gesellschaft, welche stark von den Medien beeinflusst wird, negative Assoziationen hervorruft? Umgehend hat man das Bild eines fanatischen Gewaltpredigers von Daesh vor Augen. Doch eins vorweg: Das wahre Kalifat, eine rein religiöse Institution, ist strengstens von der Diktatur zu unterscheiden, denn dies sind zwei Welten, die ferner voneinander nicht liegen können. Sei es Paul Kagame, Präsident der ostafrikanischen Republik Ruanda, der im Jahr 1994 durch den Völkermord an der Volksgruppe der Tutsi mit 800.000 Todesopfern internationales Entsetzen hervorgerufen hat, Kim Jong-un, der für Menschenrechtsverletzungen oder öffentliche Hinrichtungen in Nordkorea bekannt ist oder Adolf Hitler, der 1933 seine Schreckensherrschaft in Deutschland errichtete und 1939 den Zweiten Weltkrieg entfesselte, bei dem fast 60 Millionen Menschen getötet wurden. All diese haben ein vorrangiges Ziel gemeinsam – ihre absolute Macht mit allen möglichen Mitteln zu erlangen. Während das Wort „Diktator“ aus dem lateinischen „dictatura“ stammt und eine unbeschränkte politische Macht auszeichnet1, wird das Wort „Kalif“ aus dem arabischen „ḫilāfa“ abgeleitet und bezeichnet  einen „Nachfolger“ oder „Stellvertreter des Gesandten Gottes“.2

 

Woher rührt das Kalifat?

Nun stellt sich die Frage, was hat es mit dem Kalifen auf sich? Wer war der erste Kalif und was sind eigentlich seine Aufgaben? Gibt es heute vielleicht auch so etwas wie ein religiöses Oberhaupt der Muslime, einen Kalifen? Ein Blick zurück auf die Geschichte: Nie waren die Muslime in einem größeren Zustand der Angst, als der Heilige Prophet Mohammad (Frieden und Segen Allahs seien auf Ihm) verstarb. Er sagte, dass es nach seinem Tode ein Kalifat geben werde, womit gemeint ist, dass „Stellvertreter “ (Kalifen) aus den Reihen der Muslime gewählt würden, die den Gläubigen die notwendige Leitung wären. Allah erwählte Hadhrat Abu Bakr Sadiq (Gott möge an Ihm Gefallen finden), um die Muslime aus diesem Zustand der Angst und Resignation zu einem Zustand der Sicherheit und Geborgenheit zu führen. Die Aufgaben des Heiligen Propheten (Frieden und Segen Allahs seien auf Ihm) wurde von den vier Kalifen Hadhrat Abu Bakr Sadiq, Hadhrat Umar, Hadhrat Usman  und Hadhrat Ali (Gott möge an Ihnen allen Gefallen finden) fortgesetzt, die als die vier rechtgeleiteten Kalifen (Nachfolger) bezeichnet werden. Innerhalb von dreißig Jahren wurde die Anbetung eines Gottes nicht nur in Arabien, sondern auch in fernen Ländern etabliert. Nach dem Märtyrertum von Hadhrat Ali (Gotte möge an Ihm Gefallen finden) endete die Epoche der vier rechtgeleiteten Kalifen, während all die selbsterklärten Kalifen danach politisch motiviert waren und weltlichen Ambitionen nachgingen. Muslime verloren zu diesem Zeitpunkt dieses Geschenk des Kalifats und wurden Opfer innerer Uneinigkeiten und Seelenunruhe. Ein verlängerter Zustand der Angst folgte und dauerte ein ganzes Millennium an, in welchem muslimische Sekten sich gegenseitig als Ungläubige deklarierten. Muslime bekämpften sich gegenseitig, es blieb lediglich der Name „Islam“, fern von Rechtleitung und Spiritualität, im Munde der Muslime als Floskel bestehen. In den ca. 1400 Jahren, die folgten, sind unglücklicherweise die reinen und wahren Lehren des Islams, die auf noblen Werten des Friedens, der Liebe und Harmonie aufbauten, verlorengegangen. Die muslimische Gesellschaft fiel der Dekadenz anheim.

 

Prophezeiungen und Überlieferungen über Muslime

Doch all dies geschah durch göttliche Vorsehung und war bereits durch den Heiligen Propheten Muhammad (Friede und Segen Allahs seien auf ihm) mit folgenden Worten prophezeit worden:

 

„Das Prophetentum wird unter euch weilen, solange Allah es will. Dann wird Allah es hinwegnehmen. Dann wird ein Kalifentum folgen, und zwar auf der Grundlage des Prophetentums, das so lange andauern wird, wie Allah es will. Dann wird Allah es hinwegnehmen. Ihm wird ein Königtum der Unterdrückung folgen, das so lange andauern wird, wie Allah es will. Dann wird Allah es hinwegnehmen. Danach wird es (wieder) ein Kalifentum geben auf der Grundlage des Prophetentums. Danach schwieg der Prophet.“

(Hadith: Mishkat, Bab-al-Anzar-wa-Tahzir, Ahmad Ibn Hanbal, Band 4, S. 273, Nr. 17680, Tirmizi Babul Ilm)

Wie würden sich die Muslime nach dem Ableben des Propheten Muhammad (Frieden und Segen Allahs seien auf Ihm) verhalten und was würde aus ihnen werden? Dazu traf der Heilige Prophet (Friede und Segen Allahs Seien auf Ihm) folgende Prophezeiung:

 

„Allah wird das Wissen von den Menschen nicht auf einmal und plötzlich hinwegnehmen. Was wirklich passieren wird, ist, dass dann, wenn ein Gelehrter stirbt, es keinen geben wird, der ihn ersetzt. Die Menschen werden unwissende Leute zu ihren Führern wählen und sie um Lösung ihrer Probleme angehen. Jene werden sie leiten, ohne selbst (den Islam) zu kennen. Somit werden die Führer fehlgeleitet sein, und sie werden die Menschen irreleiten.“

(Hadith: Muslim, The Book of Knowledge (Kitab Al-`Ilm), Chapter 5, Book 034, Nr. 6462 & Bukhari, Knowledge (Kitabul Ilm), Volume 1, Book 3, Nr. 100)

 

Schließlich, so teilte Allah dem Heiligen ProphetenSAW mit, würde der Glaube einen solchen Niedergang erleiden, dass die Religionsgelehrten „die schlimmsten Geschöpfe unter dem Himmelszelt“ sein würden. Erst dann würde JesusAS, der Sohn der Maria, wiederkommen.

Dieses sinistre Bild, das der Prophet von dem Zustand der Muslime zeichnete, wurde an das Erscheinen dieses Messias verknüpft, der den Islam von seinem Elend befreien, die Muslime einen und die wahren Lehren des Islam wiederbeleben würde. Diesem wurde in den Überlieferungen sinnbildlich der Titel Jesus, Sohn der Maria, verliehen:

„In was für einem (erbärmlichen) Zustand werdet ihr sein, wenn der Sohn Marias unter euch erscheinen wird, während er euer Imam (religiöser Führer) von euch sein wird.“

(Hadith: Muslim, The Book of Faith (Kitab Al-Iman), Chapter 72, Book 1, Nr. 290- 292)

 

Das bedeutet, den vier rechtgeleiteten Nachfolgern, also Kalifen, des Propheten würde eine Zeit des Königtums und Herrschaft, der weltlich-politisch motivierten „Kalifen“, folgen. Dies würde eine Zeit der Unterdrückung sein, die aber irgendwann ein Ende fände. Und zuletzt wurde erneut ein wahres spirituelles Kalifat auf der Grundlage des Prophetentums prophezeit. Während der erste Teil der Prophezeiung in Erfüllung ging und die Geschichte Zeugin der Erfüllung dieser Vorhersage ist, fragt sich, auf welches Prophetentum und auf welches Kalifat die letzteren Worte verweisen.

Die Antwort ist eindeutig zu beantworten. Es gibt auf der Welt kein einziges Kalifat, das auf dem Erscheinen eines Propheten fußt, außer das friedliche, rein religiöse und wahre Kalifat der Ahmadiyya Muslim Jama’at.

 

Erlösung nach einem Millenium

Allah hat, um den wahren Islam und die mit der Zeit verlorengegangenen Lehren und Werte des Islam wiederzubeleben, in Übereinstimmung mit den Prophezeiungen des Heiligen Propheten Mohammad (Frieden und Segen Allahs seien auf Ihm), Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad (Friede sei auf Ihm) von Qadian gesandt. Er beanspruchte und bewies auf beeindruckende Weise, dieser vom Heiligen Propheten (Friede und Segen Seien auf ihm) prophezeite Messias zu sein, über dessen Erscheinen sich auch in allen anderen großen Religionen Überlieferungen finden. Fortan wurde er der Verheißene Messias genannt.

 

Er gründete im Jahr 1889 die Ahmadiyya Muslim Jama’at. Seinem Ableben im Jahr 1908 folgte die Institution des Kalifat, das heute nunmehr seit mehr als 100 Jahren Bestand hat. Dieser Grundstein bildet heute in über 204 Ländern mit vielen Million Mitgliedern für jeden Einzelnen Einheit, Führung, Segen, Sicherheit und Seelenfrieden. Durch die Worte des mittlerweile fünften Kalifen, die jede Woche die Menschen über die Freitagsansprache erreichen, sollen die Menschen einheitliche Leitung finden und ihnen soll kein Weg verwehrt bleiben, wahre Erkenntnis über die islamischen Lehren zu erhalten. Dass dieses Kalifat eine göttliche Einrichtung ist, entfaltet sich Tag für Tag auf mannigfaltige Art und Weise, beginnend damit, dass Allah bestimmten Menschen schon vor der Wahl des Kalifen, etwa durch Wahrträume, eröffnet hat, wer zum nächsten Kalifen gewählt werden wird. Weiterhin zeigt Gott sich denjenigen, die den Kalifen um Gebete in ihren Angelegenheit bitten, und deren Zweck auf wundersame Weise erfüllt wird. Abertausende Menschen aus der gesamten Welt sind dieser Sache ansichtig geworden und Millionen können bezeugen, dass der Kalif Ruhe, Sicherheit und innere Zufriedenheit ausstrahlt.

 

Das Kalifat ist keine politisch-weltliche Institution. Der Zweck des Kalifats ist es, den Menschen seinem Schöpfer näher zu bringen, also die Distanz zwischen Mensch und Gott zu beseitigen, die Herzen von Menschen mit Güte und Liebe zu vereinnahmen und die komplette Gemeinschaft auf den aufgezeigten Weg des Wissens und der Erkenntnis zu führen und sie mit der Philosophie und Weisheit der islamischen Lehre zu durchtränken, damit sie zu ihrem Gott wiederfinden. Diese komplexe Aufgabe erfordert einen sehr starken Anführer, einen solchen Führer, dessen geistiges Leben gesegnet ist, einen solchen Führer, dessen Leben frei von jeglichen materiellen Visionen ist und der andere ermutigt, in Tugenden und hoher Moral voranzuschreiten und Spiritualität zu entwickeln. Ein spiritueller Führer, der den Menschen dazu befähigt, sich von den latenten materiellen Zwängen loszulösen und gleichsam in die Tiefe der Sinnhaftigkeit einzutauchen.

Die Grundlage des Kalifats ist im Heiligen Koran in diesen Worten vorzufinden:

 

„Verheißen hat Allah denen unter euch, die glauben und gute Werke tun, dass Er sie gewisslich zu Nachfolgern auf Erden machen wird, wie Er jene, die vor ihnen waren, zu Nachfolgern machte; und dass Er gewisslich für sie ihre Religion befestigen wird, die Er für sie auserwählt hat; und dass Er gewisslich ihren (Stand), nach ihrer Furcht, in Frieden und Sicherheit verwandeln wird: Sie werden Mich verehren, (und) sie werden Mir nichts zur Seite stellen. Wer aber hernach undankbar ist, das werden die Empörer sein.“

Der Heilige Qur’an (24:56)

In diesem Vers überbringt Allah den aufrichtigen Muslimen die frohe Botschaft der Gründung des Kalifats, welches nur durch den Willen Allahs entsteht. Die Konsequenz daraus ist, dass der Kalif stets Gottes Beistand erhält, denn wenn Allah ihn selbst bestimmt, dann wird auch stets seine Unterstützung vorhanden sein. Das Kalifat wird den Zweck verfolgen, die Rechte gegenüber dem Schöpfer und die Rechte gegenüber der Schöpfung zu erfüllen: die Quintessenz der koranischen Lehren. Das Kalifat wird in Zeiten der Unsicherheit und Angst die Quelle der Kraft und des Friedens für die Gläubigen sein.

 

Aufgaben und Ziele des wahren Kalifats

Allah schickt Propheten, um die Menschen daran zu erinnern, dass Allah die erste und letzte Wirklichkeit ist und jeder sich ganz ihm widmen sollte. Nachdem die Propheten ihre Mission abgeschlossen haben, besteht die Herausforderung darin, die Einheit zu bewahren, denn nun ist es essentiell, die Gemeinschaft auf den richtigen Weg zu führen. Diese Aufgabe erfordert einen Führer, der eine starken Glauben und ein hohes Maß an Gerechtigkeit aufweist. Ein geistiger Anführer, der Kontinuität etabliert. Hadhrat Shah Ismail Shaheed, ein Theologe aus dem 18. Jahrhundert, legte mit diesen Worten die Definition eines Kalifen fest:

 

„Der Kalif ist der Schatten Gottes, des Herren der Welten und der Gefährte des Propheten, denn er ist Garant des Fortschritts des Glaubens; er gleicht in seiner Stellung den Engeln, die in Gottes Nähe weilen. Er ist das Zentrum jeglicher Befugnisse, der Stolz des gesamten Universums und Anführer derjenigen, die Gottes Nähe erlangen. Er ist der Führer der Menschheit, sein Herz ist der Ruhm der Manifestation Gottes, seine Brust ein endloses Meer an Barmherzigkeit. In seinem Höhepunkt spiegelt sich die Majestät Gottes, in seiner Anerkennung die Schönheit Gottes.“3

 

Der Verheißene Messias (Friede sei auf Ihm) brachte diese gesegnete Quelle der Einheit, Führung und des Segens für die Menschheit hervor. Diejenigen, die den Ursprung dieser Quelle erkannt und ihre Seelen und Geister darin getränkt haben, werden trotz der heutigen Zeit der Unsicherheit und Ängste und Sorgen, so Allah will, stets Sicherheit im Schatten des Kalifats spüren. Die fundamentalste Funktion eines Kalifen ist es, die Botschaft des Heiligen Korans und die des Heiligen Propheten Muhammad (Frieden und Segen Allahs seien auf Ihm) in die Welt zu tragen, ohne von dem wesentlichen Sinn abzuweichen. Diese Aufgabe kann am besten erreicht werden, wenn die Gemeinschaft vereint und stark ist und dies ist nur durch die Institution eines Kalifats gewährleistet. Wie würde eine Fußballmannschaft reagieren, wenn plötzlich ihr Kapitän oder Trainer nicht mehr für das Team präsent ist? Die Mannschaft stünde primär ohne eine Führung da, es existierte keine Leitung, nach der sich die einzelnen Mitglieder richten könnten. Ungewissheit und Angst über die nächste Führungsfolge verbreiteten sich im Team. Wird der neue Kapitän bzw. Trainer in der Lage sein, dass Team weiterhin zum Erfolg zu führen? Anhand dieses Beispiels erkennt man die Funktion eines Führers. Wird der nächste Kapitän gewählt, entsteht eine Vereinigung des Teams und die Angst wird durch Zufriedenheit ersetzt, falls jener ein guter Anführer ist. Wie müssen sich nun die Muslime gefühlt haben, als der Heilige Prophet Mohammad (Frieden und Segen Allahs seien auf Ihm) verstorben ist? Wie müssen sich Ahmadi-Muslime gefühlt haben, als der Verheißene Messias (Friede sei auf Ihm) verstorben ist? Es entsteht nicht nur die Traurigkeit und Leere, die diese Person durch die Trennung hinterlässt, vielmehr verbreitet sich in der Gemeinschaft Angst und Unbehagen. Wie wird nun diese Gemeinschaft die friedliche Botschaft des Islams wahren und an den Rest der Welt tragen? Doch der allmächtige Schöpfer verlässt seine gläubigen Diener nie. Er übernimmt zu diesem bitteren Zeitpunkt die Verantwortung für die Erhaltung und Verbreitung der frohen Botschaft und bestimmt einen Kalifen, den Kalifen, der nun die verlorene Gemeinschaft wie eine Kette zusammenhalten wird. Durch die Vereinigung der Gemeinschaft können alle Mitglieder ihre individuellen Talente, Fähigkeiten und Leidenschaften in die Gemeinde einbringen, welche nun durch den Kalifen geleitet und koordiniert werden.

 

Die geistigen Zustände des Menschen

An dieser Stelle könnten jedoch die Fragen aufkommen: „Warum wird ein Kalif benötigt, um Angst in Frieden zu wandeln?“, „Warum wird ein Kalif benötigt, wenn doch der Islam als Religion für den Gläubigen vervollkommnet wurde?“ , „Warum wird ein Kalif benötigt, wenn wir den Heiligen Koran, Sunna und Hadith als Richtschnur haben?“, „Warum wird ein Kalif benötigt, um Rechtleitung zu finden?“

 

Um all diese Fragen zu beantworten, ist es notwendig, die Psychologie der menschlichen Natur zu verstehen. Aus dem Koran sind drei geistig-moralische Stufen des Fortschritts des Menschen ableitbar. Der Mensch wird im unbeherrschten Zustand des „Nafs-e-ammara“ geboren, dies ist der natürliche Trieb des Menschen. In diesem Geisteszustand ist der Mensch eher zum Bösen geneigt, er geht nur seinen natürlichen Neigungen nach und ist gleich einem Tier. Die zweite Stufe ist die Quelle des moralischen Zustandes und nennt sich „Nafs-e-lawwama“ (=die sich selbst anklagende Seele), in diesem Zustand versucht der Mensch anhand der religiösen Lehren das Böse zu verwerfen, sein Leben mit hohen moralischen Grundsätzen auszustatten, aber er kann noch keinen vollständigen Erfolg erzielen, sodass er immer wieder strauchelt und sich anklagt. Der Erfolg ist erst in der dritten Stufe „Nafs-e-mutmainna“ (die zufriedene Seele) möglich. Der Zustand der beruhigten Seele befreit den Menschen von all seinen Schwächen und füllt ihn mit solchen geistigen Kräften, dass sich eine unzertrennliche Beziehung zu Gott dem Allmächtigen etabliert.4 Jeder Mensch, bewegt sich in einer dieser drei geistigen Zustände auf dem Weg seiner Entwicklung. Einige versuchen standhaft den richtigen Weg zu folgen, doch können oft nicht die Spur halten, da der Mensch durch moralische Schwächen oder weltliche Versuchungen falsche Entscheidungen trifft. Deshalb sagt Allah im Heiligen Koran:

 

„Ermahne also; gewiss, Ermahnung frommt.“

Der Heilige Qur’an (87:10)

 

Allah hat nun für den schwachen Menschen die Hilfe geschaffen, der wegen falscher Taten eine Ermahnung erhält. Diese wird in Form des Kalifen gesandt, dessen Aufgabe es ist, die Menschen an die wahren Lehren des Islams zu erinnern und uns auf den geraden Weg zu führen, damit der Mensch am Tage des Gerichts vor Allah nicht Klage erheben kann, er hätte niemanden gehabt, der ihn von seinen schlechten Taten abgeraten und ihn zum Streben nach der Vereinigung mit Gott aufgerufen hätte. Nun ist es die Aufgabe des Menschen, seine Rechte auf Leben, Freiheit und sein Streben nach Glück für Sein Wohlempfinden aufzubauen. Der Mensch ist frei, sein Schicksal zu wählen. Nur durch die ständige rechtgeleitete Führung und Ermahnung durch den Kalifen gelingt es dem Menschen, auf dem richtigen, von Allah aufgezeigten, Weg zu wandeln.

 

Gehorsamkeit gegenüber dem Kalifen

Alle Menschen in der Welt, die sich um einen sorgen, ermahnen uns auf jedem Lebensweg, der eingeschlagen wird, seien es in der Schule die Lehrer, die die Lernenden an die Wichtigkeit und Notwendigkeit und den Wert der Bildung erinnern, der gute Teamleiter einer Abteilung, der um die Weiterentwicklung der Fähigkeiten seines Mitarbeiters bemüht ist, oder die guten Eltern, die einen von Kindesbeinen an erziehen und stets ermahnen, bestimmte Werte zu internalisieren, um ein anständiger Mensch zu werden. So hat Allah auch einen Kalifen ernannt, der den Menschen ständig ermahnt, sich geistig, spirituell und moralisch zu entwickeln, um den gesellschaftlichen und persönlichen Frieden sicherzustellen und erfolgreich in das nächste Leben einzutreten. Ferner erstreckt sich die Ermahnung des Kalifen auch auf den intellektuellen Zustand des Menschen.

Der Weg muss stets in die richtige Richtung gehen, und diesen gibt der Kalif mit seinen Segnungen vor. Es ist essentiell, dass die Gemeinde in dieselbe Richtung geht, denn nur im Kollektiv ist die Erreichung der geistigen Ziele möglich. Folglich erntet nicht nur die Einzelperson die Früchte dieser Rechtleitung, vielmehr erntet die gesamte Gemeinschaft die süßen Früchte des Kalifats. Allah sagt im Heiligen Koran:

 

„Denen aber, die rechtgeleitet sind, mehrt Er die Führung und verleiht ihnen Rechtschaffenheit.“

Der Heilige Qur’an (47:18)

 

Das irdische Leben gleicht einer ungewissen Reise, die eine vertrauenswürdige Führung und absolute Gehorsamkeit der Reisenden benötigt. Der Kalif übernimmt gewissermaßen die gesamte Verantwortung für jeden Einzelnen von ihnen, da er nun das Erbe des Propheten darstellt und dessen spiritueller Nachfolger wird. Es liegt in unserer Verantwortung, ihm Folge zu leisten. Allah ist im Besitz der vollkommenen Quelle des Wissens und der Weisheit, deshalb verleiht er dem Kalifen das Wissen und die Weisheit, um ihn vor der gesamten Menschheit deutlich erkennbar werden zu lassen. Der beste Proviant für diese Reise ist die Integrität der Gottesfurcht, wie es in einer Überlieferung des Heiligen Propheten MuhammadSAW heißt. Während die Taten die wichtigen und notwendigen Lebensmittel darstellen, spiegelt sich im spirituellen Wasser die Rechtleitung durch den Kalifen wider.

 

Nicht für selbstverständlich halten

Der Unterschied zwischen dem Prophetentum und dem Kalifat besteht darin, dass ein Prophet zu einer Zeit gesandt wird, in der er gebraucht wird, um die Menschen zu Gott zurückzuführen, weil sich Menschen gänzlich im Strick materieller Begierden verloren und ihr gesamtes Dasein der Befriedigung vergänglichen, irdischen Glücks hingegeben und Gott verlassen haben. Dagegen ist das Kalifat vom Koran als ein Geschenk an die Gläubigen beschrieben, das keiner Notwendigkeit entspricht, sondern einzig der Gunst Gottes entspringt. Das Kalifat kann nur bestehen bleiben, wenn die Menschen diesem ihre Dienste leisten und Gehorsamkeit entgegenbringen. Es ist essentiell, dass stets Bemühungen und Anstrengungen in jeder Hinsicht unternommen werden, denn nur dann ist gewährleistet, dass die Wurzeln der Religionen gefestigt werden. Ergo werden diese Gemeinde und deren Mitglieder stets durch die Gnade Allahs umhüllt werden. Das Kalifat ist ein Garant des friedlichen Zusammenlebens aller Menschen, unabhängig von Religion, Rasse oder Nationalität. Der Heilige Prophet Muhammad (Frieden und Segen Allahs seien auf Ihm) setzte die Beziehung zwischen Allah und seinem Gesandten auf folgende Art in Verbindung:

 

„Wer mir gehorcht, hat Allah gehorcht und wer mir nicht gehorcht, hat Allah nicht gehorcht. Und wer meinem Amir (=ein Befehlshaber) gehorcht, hat mir gehorcht und wer meinem Amir nicht gehorcht hat, hat mir nicht gehorcht“5

 

Die Mitglieder der Gemeinde sind nun diejenigen, die eine lebendige Beziehung zum Kalifen aufrechterhalten müssen, denn nur diese ist der Garant für den Fortschritt und der Entwicklung eines jeden Einzelnen. Die gesamte heutige muslimische Welt muss sich auf diesen zentralen Konzentrationspunkt der Gerechtigkeit besinnen, um ihre Einheit zu erlangen. Keine politische Macht und keine Diktatur und keine Geistlichkeit kann geben, was ein Kalif, der die Unterstützung eines lebendigen Gottes erfährt, den Herzen zu geben vermag. Der Kalif wurde in einer Überlieferung des Heiligen Propheten (Friede und Segen seien auf ihm) als Schutzschild bezeichnet, hinter welchem sich jeder in Sicherheit befindet.

 

Quelle des Glücks und Erfolgs

Das Kalifat dient dem Zweck, die Menschheit zu einer Gemeinschaft zu vereinen. Im Gegensatz zu einem politischen Anführer, der sich stets der Ausweitung seiner Machtbereiche widmet, ist der Kalif der Ahmadiyya-Gemeinde Tag und Nacht um das Wohlbefinden der Menschen weltweit bemüht. Er ist stets für die Gemeinschaft da, betet für Ihre Gesundheit und die Sorgen der Gemeinde empfindet er in dem Maße, als wären es seine eigenen. Er betet für den Weltfrieden und bleibt kontinuierlich mit Wort und Tat darum bemüht. Weltweit hält er Ansprachen an Führungspersonen, um im Sinne der islamischen Lehre für die heutigen Problemstellungen und Schwierigkeiten auf der Welt Rechtleitung und Worte der Weisheit zu bieten, die, würden sie umgesetzt werden, die Welt zu einem Ort des Friedens machen würden. Die innige Liebe des Kalifen zum Schöpfer führt ihn letzten Endes zu der Liebe zur gesamten Schöpfung. Deshalb ist der Kalif stets um das Wohl aller bemüht, sei es in materieller oder spiritueller Hinsicht. Diese wunderschöne Eigenschaft war auch im Heiligen Propheten Muhammad (Frieden und Segen Allahs seien auf Ihm) sehr ausgeprägt. Der Heilige Koran beschreibt das wie folgt:

 

„Wahrlich, ein Gesandter ist zu euch gekommen aus eurer Mitte; schmerzlich ist es ihm, dass ihr in Unheil geraten solltet; eure Wohlfahrt begehrt er eifrig; gegen die Gläubigen ist er gütig, barmherzig“

Der Heilige Qur’an (9:128)

 

Der Kalif führt nun die Arbeit des Propheten weiter, und besitzt keine weltlichen oder politischen Ziele und Ambitionen. Er leitet die Gemeinde spirituell. Diesbezüglich äußerte sich Hadhrat Mirza Bashir-ud-Din Mahmud Ahmad (Gott möge an Ihm Gefallen finden), der zweite Kalif der Ahmadiyya-Gemeinde:

 

„Eines soll in Erinnerung bleiben, dass der Kalif für Fortsetzung der Arbeit seines Vorgängers verantwortlich ist. Deshalb waren die Khulafa [Plural von Kalif] des Heiligen ProphetenSAW sowohl für den Staat, als auch für die Religion zuständig, denn Allah hatte dem Heiligen Propheten SAW sowohl das religiöse, als auch das weltliche Königreich gegeben. Der Verheißene Messias aber, durch den der Heilige ProphetSAW in seiner Schönheit offenbart wurde, war nur ein religiöser König, und genau diesen Status werden daher auch seine Khulafa innehaben.“ 6

 

 

Die wahren Früchte des Glücks

Das Kalifat wurde gemäß dem Versprechen Allahs errichtet, dieses System lehrt gemäß eines koranischen Gebotes keinen Zwang im Glauben. Und für die Stärkung des Glaubens gehorcht man dem Kalifen der Zeit und legt solches Verhalten an den Tag, dass man selbst als Vorbild in der Gesellschaft angesehen zu werden beginnt. Indem man dem Kalifen folgt und Gehorsamkeit erweist, versucht man die Welt und sich selbst mit allem Bemühen und Anstrengungen dahin zu bewegen, ein friedlicherer, besserer und gerechterer Ort zu werden. Wenn die wahre Gehorsamkeit aufrichtig verfolgt wird, dann verspürt auch der Mensch darin eine wahre Freude und persönliche Erfolge. Allahs Hand ist stets über der Gemeinde, denn diese Einheit, die nur für ihn lebt und handelt, diese überschüttet er mit seinen Segnungen. Glückselig sind diejenigen, die jeden Freitag keinem von Menschen, sondern dem von Gott selbst aufgestellten Imam der Zeit lauschen, dessen Ratschläge befolgen und sich voll und ganz ihm hingeben. Erfolg ist das Ziel, welches die Menschen versuchen, stets im Leben zu erreichen. Das Ziel der Ahmadiyya-Gemeinde ist kein weltliches Ziel, unser Ziel ist es die Herzen der Menschen mit der Liebe Allahs zu füllen und sie zur Flagge des Heiligen Propheten Mohammad (Frieden und Segen Allahs seinen auf Ihm) zu führen. Diese Ziele und Zielvorstellungen sind nur durch Gehorsamkeit gegenüber dem Heiligen Propheten Muhammad (Frieden und Segen Allahs seien auf Ihm) und durch den von Gott ernannten Kalifen der Zeit möglich. Lassen wir diese zu unserem festen Lebensbestandteil werden, wird jede einzelne Handlung Früchte tragen. Dies ist der Weg des Fortschritts, des Erfolges und der ewigen Zufriedenheit.

 

Das Treuegelöbnis ist nur ein Samen, dieser wird erst Früchte tragen, wenn der Boden bewässert wird und stets die richtige Fürsorge erhält. Das endgültige Ergebnis dieses Samens, hängt somit von der Sorgfalt ab. Diese Sorgfalt kann vereinfacht werden, wenn der Heilige Koran, das Leben des Heiligen Propheten Muhammad (Frieden und Segen Allahs seien auf Ihm) und die Bücher des Verheißenen Messias (Friede sei auf Ihm) als Richtschnur beherzigt werden. Die Zukunft der Ahmadiyya-Gemeinde beschreibt ihr Gründer, der Verheißene Messias (Friede Sei auf ihm), mit folgenden wunderschönen Worten:

 

„Seid versichert, dass dies ein Baum ist, der von der Hand Gottes gesetzt wurde. Er wird niemals erlauben, dass er verdorrt. Er wird nicht eher zufrieden sein, bis Er gesehen hat, wie Er seine Fülle erreicht. Er wird danach schauen, dass er gut bewässert wird und Er wird einen schützenden Zaun um ihn errichten. So wird Gott meine Gefolgsleute mit erstaunlichem Fortschritt und Wohlstand segnen. Habt ihr denn irgendetwas unversucht gelassen? Wäre es das Werk eines Menschen, wäre dieser Baum abgeschnitten und seit langem gefällt worden und keine Spur wäre von ihm übrig geblieben.“ 7

 

Mögen alle Generationen die Segnungen des Kalifats in vollumfänglichen Maße kosten. Mögen die Menschen erkennen, dass all unser Glück, unser Fortschritt als Gesellschaft und unsere Einheit einzig im göttlichen Kalifat verborgen liegen. Amin.

 

www.khalifaofislam.com 

 

Quellen:

  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Diktatur
  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Kalifat
  1. Sendung „Khuddam TV – Segnungen des Khilafats / Teil 1“
  1. Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad, „Die Philosophie der Lehren des Islams“, S. 19-22
  1. Muslim, Kitab al-Amarah, Nr. 3418
  1. Khuda ke Kam ko Kaun Rok sakta Hai, Bd. 2, Seite 13
  1. Ruhani Khazain, Auflage 2008, Band 11, Anjam-e-Atham, S. 64

 

 

 

 

 

 

 

 

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