Die Helfer des Königs der Feder.

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Der König ist gekommen

Im April 2017 beehrte das weltweite Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Gemeinde, Hadhrat Khalifat-ul-Masih V.ABA Deutschland mit einem zweiwöchigen Besuch. Zwei Wochen, so dicht an Ereignissen, Gefühlen und Segnungen, dass sie, passend zum Frühling, nicht nur Geist und Seele der Ahmadi-Muslime erquickten. Auch zahlreiche Außenstehende, von Politikern über Journalisten, bis hin zu einfachen Einwohnern, schilderten ihren Eindruck mit bewegenden Worten.

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Was ist ein Kalif?

Das Privileg, welches Deutschland durch die Präsenz von Hudhur-e-AnwarABA zuteilwurde, lässt sich in seinem Ausmaß nur dann gänzlich begreifen, wenn man über die Bedeutung und die Rolle meditiert, die unmittelbar mit der Person eines Kalifen verbunden sind. Die Nachfolgerschaft eines Propheten im Sinne seines Stellvertreters (Kalifentum) ist keineswegs ausschließlich im Islam wiederzufinden. Im Heiligen Qur’an heißt es:

„Verheißen hat Allah denen unter euch, die glauben und gute Werke tun, dass Er sie gewisslich zu Nachfolgern (Kalifen) auf Erden machen wird, wie Er jene, die vor ihnen waren, zu Nachfolgern machte […]”
— (24:56).

Das Kalifentum ist die Manifestation eben dieses Versprechens, welches Gott allen Gemeinden und Völkern gewährt hat, die an seiner Rechtleitung festhielten, nachdem sie Ihnen durch Propheten zuteilgeworden war. Eine stellvertretende Nachfolgerschaft in diesem Sinne lässt sich somit in der Geschichte aller Religionen wiederfinden, die auf Gottes Geheiß durch wahrhaftige Propheten gestiftet worden sind. Die Gemeinde des Propheten MuhammadSAW, dem Siegel aller Propheten, stellt hier natürlich keine Ausnahme dar: Die vier Rechtgeleiteten Kalifen folgten auf das Ableben des ProphetenSAW. Sie einten und führten die junge muslimische Gemeinde sowohl in spirituellen wie auch weltlichen Belangen. In Übereinstimmung mit einem bekannten Hadith (Überlieferung) des ProphetenSAW sollte dieses Kalifentum jedoch im Lauf der Jahrhunderte verkommen und der sie zierende Glanz des göttlichen Versprechens sollte allmählich verblassen. Nicht etwa, weil Gott sein Versprechen brechen würde, sondern weil die muslimische Gemeinde, mitsamt ihrer Gelehrten und Führer nicht länger den Bedingungen dieses Versprechens gerecht würden. Der einst so ehrbare Rang des Kalifen verkam somit zu einem bloßen Herrschertitel, wie er von gewöhnlichen Königen genutzt wurde — einem Gewand zur Legitimation der Machtansprüche — ohne dass diejenigen, denen er zuteilwurde, sich in irgendeiner Form als der Nachfolge des Propheten MuhammadSAW würdig erwiesen hätten.

 

Das Kalifat der Ahmadiyya — Erfüllung einer Prophezeiung

Das Kalifentum ist auch stets der Spiegel des Gesamtzustandes der muslimischen Gemeinde gewesen. Diese war, ebenso wie der Titel des Kalifen selbst, im Lauf der Jahrhunderte einem steten Prozess der Degeneration erlegen, auf dessen Höhepunkt der Heilige Prophet MuhammadSAW mit folgenden Worten prophetisch hinwies:

In was für einem Zustand werdet ihr sein, wenn der Sohn Marias unter euch erscheinen wird, während er euer Imam (religiöser Führer) sein wird?“
(Hadith: Muslim, The Book of Faith (Kitab Al-Iman), Chapter 72, Book 1, Nr. 290- 292).

Hier deutet der Heilige ProphetSAW auch auf die Lösung dieser Misere hin: Das Erscheinen des Verheißenen Messias und Mahdi (Friede sei auf ihm) und die durch ihn eingeläutete Renaissance des Islam. Zahlreiche Überlieferungen befassen sich mit dem Leben und Wirken des erwarteten Messias, der für eine gewisse Zeitspanne unter den Menschen weilen würde, bevor seine Seele — wie die jedes anderen Gesandten auch — ebenfalls den Tod kosten sollte, wie es im Heiligen Qur’an heißt (Vgl. 3:186). In dieser Zeitspanne sollte es ihm gelingen, auf Gottes Geheiß den Samen einer Erneuerung des islamischen Glaubens und der Reform der Muslime zu säen. Wie viele Generationen von heiligen und frommen Menschen doch in Erwartung dieses Messias dahingingen, ehe er letztlich erschien. Der Verheißene MessiasAS, Begründer der Ahmadiyya-Gemeinde, schreibt hierzu:

„Ich kam, nur um einen Samen zu säen, und diesen Samen habe ich gesät. Jetzt wird er wachsen und blühen, und niemand wird ihn vernichten können.“
— (Tazkirah, Seite 462-463).

Der Samen war gesät, keimte und erfreute sich durch Gottes Gnade eines prächtigen Wachstums: 1889 legte der Verheißene MessiasAS den Grundstein der Ahmadiyya Muslim Jamaat, die bis zu seinem Ableben im Jahre 1908 zur dynamischsten Reformbewegung des Islam anwuchs. Der Beistand Gottes sollte aber fortwähren, indem Gott auch nach dem Ableben des Verheißenen MessiasAS Auserwählte ernannte, die den gesäten messianischen Samen in Zukunft gießen und pflegen würden, um seine Früchte für alle kommenden Generationen zu sichern. Der Verheißene MessiasAS füllte nämlich die Herzen seiner Anhänger mit einer derart lebendigen Bindung zu Gott, der Liebe zu seinem GesandtenSAW und mit Wissen und Weisheit, dass eine Jamaat (Gemeinde) entstand, in der Gott das Geschenk des wahren Kalifats etablierte.

Diese wundersame Wende in der Geschichte des Islam steht im Einklang mit der Prophezeiung des Propheten MuhammadSAW, der die gesamte Entwicklung mit folgenden Worten auf eindrückliche Weise umriss:

Das Prophetentum wird unter euch weilen, solange Allah es will. Dann wird Allah es hinwegnehmen. Dann wird ein Kalifentum folgen, und zwar auf der Grundlage des Prophetentums, das so lange andauern wird, wie Allah es will. Dann wird Allah es hinwegnehmen. Ihm wird ein Königtum der Unterdrückung folgen, das so lange andauern wird, wie Allah es will. Danach wird es (wieder) ein Kalifentum geben auf der Grundlage des Prophetentums. Danach schwieg der Prophet.“
— (Hadith: Mishkat, Bab-al-Anzar-wa-Tahzir, Ahmad Ibn Hanbal, Band 4, S. 273, Nr. 17680, Tirmizi Babul Ilm).

 

Haltet euch an ihm fest

Während Gott der Ahmadiyya Muslim Jamaat das Kalifat nach dem Ableben des Verheißenen MessiasAS zuteilwerden ließ, fand der Verfall des nunmehr über Jahrhunderte hinweg verzerrten Abbilds des Kalifentums in der restlichen islamischen Welt seine Kulmination in der Auflösung im Jahr 1924 bzw. 1925. Das auf dem Prophetentum basierende Kalifentum ist heute ein Alleinstellungsmerkmal der Ahmadiyya Muslim Jamaat und ein Garant für die Früchte, die der einst vom Verheißenen MessiasAS gesäte Samen noch immer hervorbringt. Es ist in Zusammenschau der Geschichte des Kalifentums also nicht wunderlich, dass Ahmadi-Muslime ihren Kalifen inbrünstig lieben. Wie vielen Generationen war es nach dem Ableben der Vier Rechtgeleiteten Kalifen, den Nachfolgern des Propheten MuhammadSAW, doch nicht mehr vergönnt, hinter einem wahren Kalifen Gottes zu beten, seine Ansprachen zu hören, Rechtleitung durch ihn zu erfahren und von seinen Gebeten zu profitieren. Diese Segnung stellt den größten Schatz dar, der den Muslimen von heute zuteilwerden kann. Aus diesem Grund gebot der Heilige Prophet MuhammadSAW:

„Wenn ihr seht, dass der wahre Kalif Gottes auf der Erde verweilt, dann haltet euch an ihm fest, auch wenn euer Körper deswegen zerstückelt werden sollte und ihr eures Hab und Guts beraubt werden solltet.“

Unser Gebet, so schwach und karg,
doch wenn du kommst machst du uns stark.
Jede Anstrengung für dich ist ein Erlebnis,
dich für einen Moment zu erblicken zeigt uns das Ergebnis.
Am Freitag sitzen wir an der vordersten Front,
deine Worte öffnen einen neuen Horizont.
Drum horchen wir und warten auf Befehle,
fallen auf die Knie vor Gott und spüren eine Kur für unsere Seele.
Hinter dir zu beten schafft Liebe und Harmonie,
deine Stimme hört das Herz mit einer schönen Melodie.
Das Licht Gottes dringt in unseren Körper ein,
können es nicht erklären und fangen an zu wein‘.
Deine Atmosphäre wird erhellt durch deine Spiritualität,
einen neuen Samen hast du in uns  gesät.
Khalifa-tul-Masih in unserem Land, wir feiern es wie ein Fest,
gleichzeitig kommt die Trauer hoch wenn du uns wieder verlässt.
Das Gefühl dich nicht sehen zu können lässt in uns etwas zerreißen,
wir warten auf dich, O Hudhur, und möchten dich erneut willkommen heißen.

Autor des Gedichts: Tariq Ahmad