Die Helfer des Königs der Feder.

Die gesundheitlichen Vorteile des Fastens zu Zeiten von COVID-19

Der Beitrag stammt aus der englischen Ausgabe von Al-Hakam (23.04.2020)

Erneut werden sich Muslime auf der ganzen Welt auf die einmonatige Fastenreise begeben, die als Ramadan bekannt ist. Gemäß islamischer Vorschrift werden sie einen Monat lang von morgens bis abends auf Essen und Trinken verzichten:

“ O die ihr glaubt! Fasten ist euch vorgeschrieben, wie es denen vor euch vorgeschrieben war, auf dass ihr euch schützet“ – (Surah al-Baqarah, Kapitel 2; Vers 184)

Der zentrale Zweck des Ramadan besteht darin, sich in der Spiritualität weiterzuentwickeln und Nähe zu Gott zu gewinnen. Es gibt jedoch auch unzählige physische Vorteile dieser religiösen Tradition, die Wissenschaftler kürzlich entdeckt haben. Während wir wissen, dass uns das Fasten im Ramadan hilft, unser Taqwa (Gottesfurcht) zu steigern, bietet dieser Monat auch eine gesunde Dosis körperlicher Vorteile.

Vor kurzem gab es inmitten der Covid-19-Krise eine Debatte über die möglichen gesundheitlichen Gefahren des Fastens im Ramadan, doch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und viele andere medizinische Experten haben bestätigt, dass man durch das Fasten kein erhöhtes Covid-19-Risiko eingeht. Ja, jeder, der Symptome hat oder an einer Krankheit leidet, sollte nicht fasten; was ohnehin eine Anweisung des Heiligen Qurans ist.

Im Laufe der Jahre hat die moderne Wissenschaft und Medizin kontinuierlich über die Vorteile des intermittierenden Fastens berichtet; es war ein beliebtes Thema für Gesundheitsberufe, Prominente und wurde sogar in den bekanntesten Podcasts diskutiert.

Im Jahr 2018 machten Wissenschaftler eine bemerkenswerte Entdeckung, als sie erfuhren, dass Fasten für nur drei Tage ein ganzes Immunsystem regenerieren kann, sogar bei älteren Menschen. Wissenschaftler an der University of Southern California lernten während einer sechsmonatigen Studie, dass ein kurzzeitiges Verhungern des Körpers die Stammzellen dazu bringen kann, neue weiße Blutkörperchen zu produzieren, die für die Bekämpfung von Infektionen entscheidend sind. Sie argumentieren, dass dies bei Menschen mit geschädigtem Immunsystem wie Krebspatienten und bei älteren Menschen, deren Immunsystem mit zunehmendem Alter schwächer wird, von entscheidender Bedeutung ist. Im Wesentlichen, so die Wissenschaftler, werde durch das Fasten ein regenerativer Schalter umgelegt, der die Stammzellen dazu veranlasst, neue weiße Blutkörperchen zu produzieren, die wiederum im Wesentlichen das gesamte Immunsystem regenerieren.

„Es gibt den Stammzellen das ‚OK‘, mit der Vermehrung und dem Wiederaufbau des gesamten Systems zu beginnen“, so Professor Valter Longo, Professor für Gerontologie und Biowissenschaften an der Universität von Kalifornien.

Weiter sagte Professor Longo: „Und die gute Nachricht ist, dass der Körper die Teile des Systems, die beschädigt oder alt sein könnten, die ineffizienten Teile, während des Fastens losgeworden ist.“

Die dahinterstehende Wissenschaft besagt, dass längeres Fasten Glukose- und Fettspeicher abbaut. Gleichzeitig wird auch ein erheblicher Teil der weißen Blutkörperchen abgebaut. Dieser rasche Abbau der weißen Blutkörperchen bewirkt in jedem Zyklus von 3 Tagen die Regeneration neuer Zellen des Immunsystems. Während der Studie stellten die Forscher auch fest, dass längeres Fasten zu einer Verringerung des Enzyms PKA führt, das mit dem Altern zusammenhängt und ein Hormon ist, das das Risiko von Krebs und Tumorwachstum erhöht. (Studie von Valter Longo von der Universität von Südkalifornien, Leonard Davis School).

Eine andere Studie, diesmal im Jahr 2012, fand heraus, dass das Fasten das Ergebnis für Krebspatienten, die sich einer Chemotherapie unterziehen, verbessern könnte. Die Chemotherapie, eine schonungslose Behandlung für Krebspatienten, greift das Krebsgewebe an und tötet es ab. Leider werden bei diesem Prozess auch gesundes Gewebe eliminiert. Infolgedessen waren Forscher in den letzten Jahren auf der Suche nach einer feineren, gezielteren Behandlung. Auf der Suche danach fanden Forscher in einer Tierstudie heraus, dass kurzfristiges Verhungern – oder Fasten – bei der Behandlung von Krebs hilfreich sein kann. Die Studie fand heraus, dass bei krebskranken Mäusen das Fasten vor einer Chemotherapie zu einer stärkeren Schrumpfung des Tumors führte als eine Chemo allein. In einigen Fällen stellten sie fest, dass eine solche Kombination offenbar sogar einige Krebsformen beseitigte. Die Forscher vermuteten, dass das Fasten in Kombination mit einer Chemotherapie das Überleben dieser Krebspatienten in einem fortgeschrittenen Stadium verlängern könnte, indem das Wachstum des Tumors begrenzt und die Nebenwirkungen der Behandlung unterdrückt würden. In der Studie durften die nüchternen Mäuse Wasser trinken, erhielten aber mindestens zwei Tage lang keine Nahrung. Wenn Mäuse mit verschiedenen Krebsformen vor der Chemotherapie zwei 48-stündigen Fastenrunden unterzogen wurden, schrumpften ihre Tumore stärker als bei den Mäusen, die keiner Fastenrunde unterzogen wurden. Bei den Mäusen, die einem Fasten-Chemoplan unterzogen wurden, war die Reduktion ihrer Metastasen um 40% höher. Das Fasten schützte auch die gesunden Zellen vor der Toxizität der Chemotherapie und könnte es den Ärzten in Zukunft ermöglichen, die Wirkung von Chemotherapien zu verstärken, ohne auf eine Erhöhung der Dosierung von Medikamenten zurückgreifen zu müssen, die eine brutale Wirkung auf die Patienten haben. Einige Professoren, wie z.B. Mary Helen Barcellos-Hoff vom Langone Medical Centre der New York University, sind sogar der Meinung, dass das Fasten ein potentielles Mittel zur Vorbeugung von Krebserkrankungen ist, da es den menschlichen Körper weniger anfällig für die Krankheit macht. (Fastenzyklen verlangsamen das Wachstum von Tumoren und sensibilisieren eine Reihe von Krebszelltypen für Chemotherapie, Science Transitional Medicine, Band 4, Ausgabe 124, März 2012)

Viele Studien haben im Laufe der Jahre auch gezeigt, dass Fasten die Blutfettwerte verbessert. Eine solche Studie aus dem Jahr 1997 zeigte, dass das Fasten den schlechten „LDL“-Cholesterinspiegel um 8% senkte und den guten „HDL“-Cholesterinspiegel um 14,3% erhöhte, wodurch die kardiovaskuläre Gesundheit verbessert und das Herz geschützt wird, indem das Risiko einer Herzerkrankung oder eines Herzinfarkts gesenkt wird. Ein Grund, der eine solche Veränderung erklären könnte, sind unsere Essgewohnheiten während des Ramadans, die sich ganz erheblich von normalen Tagen unterscheiden.

Während dieses heiligen Monats neigen die Menschen dazu, gesündere Lebensmittel wie Datteln, Nüsse und hausgemachte Mahlzeiten zu bevorzugen. Infolgedessen nimmt unsere Aufnahme gesättigter Fettsäuren gewöhnlich ab. Darüber hinaus wurde angedeutet, dass die Tarawih-Gebete tatsächlich sogar eine angemessene Menge an körperlicher Aktivität bieten können, die für manche Menschen mehr sein kann, als sie normalerweise ausüben. Ein weiterer Grund dafür ist, dass Forscher des Intermountain Heart Institute festgestellt haben, dass der Körper nach etwa 10-12 Stunden Fasten beginnt, die gewohnten Energiequellen zu erschöpfen, also nach anderen Energiequellen zu suchen, und dabei das schlechte LDL-Cholesterin aus den Fettzellen herauszieht und als neue Energiequelle nutzt.  Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass das Fasten das Potenzial hat, zu einem lebenswichtigen Hilfsmittel bei der Hilfe für Diabetiker zu werden. (Intermountain Medical Centre, „Fasten senkt den Cholesterinspiegel bei Prädiabetikern über einen längeren Zeitraum“, Science Daily, 14. Juni 2014)

Neben den gesundheitlichen Vorteilen, die in den verschiedenen oben genannten Studien erwähnt wurden, gibt es viele weitere allgemeine körperliche Vorteile, die die Wissenschaft nachgewiesen hat:

  1. Innerhalb weniger Tage nach Beginn des Fastens kommt es zu einem erhöhten Endorphinspiegel im Blut, was zu einem höheren Wachheitsgrad und einem besseren psychischen Wohlbefinden führt.
  2. Während dieses Fastenmonats werden im Körperfett gespeicherte Giftstoffe gelöst und entfernt, was zu einem natürlichen Entgiftungsprozess führt.
  3. Die Verwendung von Fett als Energiequelle während des Fastens führt zu einer Gewichtsabnahme. (https://www.ikca.org.uk/news/physical-health-benefits-fasting/)
  4. Es hat sich gezeigt, dass Fasten die Gehirnfunktion verbessert, daher sollte der Fastende diese Zeit gut nutzen. Sie ist geeignet um bspw. Stellen aus dem Heiligen Quran auswendig zu lernen, oder sich mit der Literatur des Verheißenen MessiasAS (https://shinedrink.com/blogs/brainbites/the-effects-of-intermittent-fasting-on-brain-function)
  5. Fasten kann sogar helfen, die Haut zu klären und Akne vorzubeugen. Als Folge der reduzierten Verdauung kann der Körper seine regenerativen Energien auf andere Systeme konzentrieren.

 

Damit diese Vorteile zum Tragen kommen, ist es essentiell, dass der Fastende während des Ramadans eine ausgewogene und gesunde Ernährung zu sich nimmt. Wenn wir uns durch frittierte und zuckerreiche Lebensmittel pflügen, verfehlen wir den Zweck des Ramadans.

Es muss klar sein, dass Muslime nicht nur wegen dieser medizinischen Vorteile fasten, die zweitrangiger Natur sind. Sie sind lediglich das Nebenprodukt unseres wahren Ziels: Fasten um Allahs willen und des Aufbaus einer engeren Beziehung zu Ihm sowie der Erhöhung unserer Taqwa (Gottesfurcht). Dies sind nur einige der reichlichen Segnungen, die wir auf unserem Weg erlangen, während wir nach Allahs Sache streben.

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