Die Helfer des Königs der Feder.

Eine Debatte um Muslime – ohne Muslime?

Ein Kommentar zur Diskussion um die Leitkultur von Iftikar Malik.

Es ist erstaunlich, wie es einigen Persönlichkeiten gelingt, mit einer Leichtigkeit Debatten mit einer großen gesellschaftlichen Tragweite anzustoßen. Die Macht der Medien ist es, wodurch dann Themen durch ebenjene besetzt werden, die am lautesten, kontroversesten und taktischsten kommunizieren. Auf diesem Wege wird dann eine öffentliche Meinung gebildet, die Impulssetzer profitieren, bis der Diskurs von alleine wieder untergeht. Es könnte der Eindruck entstehen, dass es nicht mehr nur auf den Inhalt ankommt, sondern auf die Art und Weise, wie es dargebracht wird.

Für einen Teil der Bevölkerung hat der kurzfristige Diskurs, der medial aufgeladen und ausgetragen wird, aber nicht selten eine weitreichende Konsequenz, denn dieser Teil der Bevölkerung ist es, der sich tagtäglich mit Themen konfrontiert sieht, sich für Vorbehalte rechtfertigen muss, ohne überhaupt Einfluss auf den Diskurs als solchen nehmen zu können.

Konkret spreche ich von dem Anstoß von unserem Innenminister de Maizière in einer bekannten Zeitung, der das leidige Thema um die Leitkultur aufgerissen hat, welches alle Jahre wieder ein Dauerbrenner wird, wenn sich der Initiator profilieren mag. Und es ist offensichtlich, dass unterschwellig eine Distanz zu Muslimen, den „Fremden“, hergestellt wird.

Mich stören an dem Thema nicht die Inhalte, da sie mit einer Leichtigkeit kommentiert werden könnten, sondern der Ablauf des Diskurses, dem eine Inszenierung unterstellt werden könnte. Als ein in Deutschland aufgewachsener Muslim bin ich offen für einen kritischen Diskurs. Ich finde die Debatte aber unfair, wenn über Muslime gesprochen wird, statt mit Muslimen. Es ist eine Art, die mir in diesen Tagen nicht das erste Mal auffällt und mich zunehmend aus der Fassung bringt, da sie einer Bevormundung gleichkommt. Dasselbe Schema war erst kürzlich bei der Inszenierung eines möglichen „Islamgesetzes“ zu beobachten.

Ich wundere mich, wieso die herkömmlichen Medien so selten auf Muslime zugehen, muslimischen Experten auch einen Raum zur Stellungnahme und die Teilnahme am Diskurs anbieten. Der Einwand, dass entsprechende Persönlichkeiten gänzlich fehlen würden, zeugt lediglich von der Unkenntnis über die muslimische Zivilgesellschaft.

Zur Leitkultur halte ich mich als Muslim an die Worte der muslimischen spirituellen Führungskraft, dem Kalifen des Islam, Seine Heiligkeit Mirza Masroor AhmadABA:

„Wenn ich gesetzestreu bin und all die Gesetze eines Landes anerkenne, bin ich in der Gesellschaft integriert. Wenn ich dem Land mit all meinem Potential und meinen Fähigkeiten diene, so ist dies Integration. Wenn ich all die Pflichten gegenüber meinen Mitbürgern erfülle, so bin ich integriert. Wenn ich mich um meine Nachbarn sorge – ganz gleich, ob sie Muslime, Hindus oder Christen sind – bin ich sehr gut integriert. Doch wenn gesagt wird, dass wir all unsere religiösen Bräuche und Rituale aufgeben sollten, so ist dies keine Integration.“

Es gibt klare Positionen seitens der muslimischen Geistlichkeit, doch diesen wird nicht der entsprechende Raum wie dem Aufbauschen dieser Debatte gewährt. Dabei geht es nicht um eine Positivdarstellung und Schönfärberei, sondern um einen gleichwertigen Raum auf Augenhöhe.

Ich möchte nicht verschweigen, dass es diese Art ist, die Zweifel am gegenwärtigen journalistischen Angebot sät. Zweifelsfrei ist es wohl auch einer der Gründe, wieso ein großer Teil der Muslime in der Diaspora auffällig oft zu medienkritischen Konsumenten werden. Ein positiver Effekt dessen ist aber auch, dass (muslimische) „Nischen“-Medien entstehen, die als Alternativen zum Zug kommen. Für die etablierten Medien bedeutet es wiederum auch, dass sie für nicht-repräsentativ gehalten werden und ihre Arbeit auch entsprechend nicht bei dieser Community ankommt, da ihnen Missachtung der journalistischen Sorgfaltspflicht unterstellt wird.

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