Die Helfer des Königs der Feder.

Geschlechtertrennung im Islam

 

Am 07.10.2017 formte die Jugendorganisation der Männer der Ahmadiyya Muslim Jamaat die größte Deutschlandflagge mit über 8000 Personen und bekräftigte damit ihre Loyalität zu ihrem Heimatland, Deutschland. Aber leider schaffen es manche Unruhestifter in unserem Land immer wieder, aus jeder Loyalitätsbekundung vonseiten der Muslime einen Skandal herbeizuschreien.

Was war passiert? Wie bereits gesagt hatte die Jugendorganisation der Männer, die Khuddam-ul-Ahmadiyya Deutschland, auf ihrer jährlichen Versammlung in Mendig mit über 8000 Mitgliedern eine Deutschlandflagge geformt und von ihr Luftbildaufnahmen gemacht. Einige Pressevertreter waren vor Ort und berichteten. Sinn der Aktion war es Loyalität zu Deutschland zu bekunden. Manche Aufrührer fanden aber offensichtlich Gefallen daran, diese friedliche Aktion mit dem Argument zu kritisieren, an der Aktion wären Frauen nicht zugelassen gewesen.

Zu diesem Vorwurf braucht nicht viel mehr gesagt zu werden, als dass es sich um die jährliche Versammlung der Jugendorganisation der Männer handelte. Die Frauenorganisation namens Lajna Imaillah ist autark und hat entsprechend auch eigene Versammlungen. So hatte sie ihre diesjährige Versammlung bereits Monate vor derjenigen der Männer, wobei 8286 Teilnehmerinnen anwesend waren. Jeder, der in diese Aktion also etwas anderes hineininterpretieren möchte, sollte zunächst die Frage beantworten, warum in dem Team, das 2014 in Brasilien die Fußballweltmeisterschaft gewann, keine Frau erlaubt war? Haben die Männer, die dort mit den deutschen Nationaltrikots unser Land repräsentiert haben, etwa eine systematische Ausgrenzung von Frauen im Sinn gehabt? Natürlich nicht. Genauso wenig wie jene jungen Männer, die in Mendig die Deutschlandflagge formten, um ihre Heimatliebe und –treue zu bekunden.

Worüber man indes sicherlich diskutieren kann, ist, warum es im Islam überhaupt eine Geschlechtertrennung gibt bzw. wann eine solche vorteilhaft erscheint. Hierbei muss unterschieden werden zwischen einer Geschlechtertrennung auf religiösen Veranstaltungen und einer Geschlechtertrennung in der Öffentlichkeit. Der Islam präsentiert eine pragmatische Herangehensweise. In der Öffentlichkeit, wo Männer und Frauen gemeinsam arbeiten, im gleichen Bus unterwegs sind oder andere alltägliche Dinge erledigen müssen, gilt das Pardah-Gebot (Pardah, wörtlich: Verhüllung) für beide Geschlechter: Für Männer, die ihre Blicke zu Boden schlagen sollen, ihre Gedanken zügeln und ihre Reize nicht zur Schau stellen sollen, und auch für Frauen, die ihre Reize verbergen sollen.

Die eigentliche Geschlechtertrennung spielt indes in allen Bereichen des Lebens, in denen allein die Anwesenheit des jeweils anderen Geschlechts den Sinn der entsprechenden Versammlung mindern, ja, sogar unterminieren würde oder zu unmoralischem Handeln führen könnte, eine Rolle. Dass eine Geschlechtertrennung in der Umkleidekabine Sinn macht, würde daher kaum jemand anzweifeln. Auch beim Sport oder beim Schwimmen beispielsweise ergibt eine solche Trennung nach Geschlechtern Sinn, da es sich hierbei um körperliche Aktivitäten handelt, die mitunter die Reize des jeweils anderen Geschlechts zur Schau stellen.

Was Mendig angeht, so handelte es sich um die Jahresversammlung der Ahmadiyya Jugend -die in Deutschland seit 38 Jahren stattfindet-, auf der neben sportlichen Aktivitäten in erster Linie eine spirituelle Einkehr stattfindet. Nicht nur, dass die Vermischung der Geschlechter bei sportlichen Wettkämpfen auch in anderen Kontexten verständlicherweise vermieden wird, so etwa bei den olympischen Spielen, sondern hinzu kommt auch, wenn es in einer Versammlung um eben jene spirituelle Einkehr geht, dann spricht einiges für eine Geschlechtertrennung. Wären Männer und Frauen nebeneinander, dann wäre das Gedenken an Gott mit der Intensität, mit der die Ahmadi-Muslime dies tun, kaum möglich. Somit dient die Geschlechtertrennung neben der Minimierung des Potenzials einer Ablenkung vom Sinn und Zweck der Veranstaltung auch der Entstehung einer spirituellen Atmosphäre. Nicht umsonst galt in Kirchen bis vor kurzem ebenfalls ein gewisses Maß an Geschlechtertrennung. Die Geschlechtertrennung ist also eine Notwendigkeit für eine derartige lebendige Beziehung zu Gott.

Wenn nun eingewendet wird, dass das öffentliche Leben kein zölibatärer Kerker werden darf, so sei darauf verwiesen, dass der Islam nicht die der menschlichen Natur innewohnenden Triebe und Begierden verneint, sondern vielmehr kanalisiert, wie etwa den Sexualtrieb und den Wunsch nach Intimität im Rahmen der Ehe. Dass man der Praxis der Geschlechtertrennung mit Unverständnis begegnet, ist nicht zuletzt ein Symptom unserer übersexualisierten Gesellschaft, in der in erster Linie die Frau zu einem Objekt der Begierde degradiert wurde, ähnlich wie es vor dem Erscheinen des Islam in Arabien der Fall war. Durch die islamische Lehre der Geschlechtertrennung wurde der sexuellen Anarchie plötzlich Einhalt geboten. Eine Gesellschaft, in der diese Begierde nicht unmittelbar befriedigt wird, wird als verstörend und fremd empfunden.

Es bedeutet Frauen gegenüber Grausamkeit, wenn die vermeintliche Freiheit bedingt, dass Frauen sich zu jeder Zeit ihres Aussehens, Erscheinungsbildes sowie der Art und Weise ihrer Kleidung, entsprechend den Wünschen eines männerdominierten Gesellschaftsbildes, bewusst bleiben müssen. Weiblicher Charme wird unaufhörlich und an jeder Ecke zur Schau gestellt und Lebensweisen, die kostspielig und künstlich sind, werden als Mittel zur Verwirklichung ihrer Träume angepriesen. Die islamische Verfügung der Geschlechtertrennung entspringt gewiss nicht der engstirnigen Haltung vergangener dunkler Zeitalter. Dem Islam zufolge müssen Frauen von Ausbeutung und davon, nur eine Rolle als reine Instrumente des Vergnügens zu spielen, befreit werden.

Der Islam spricht sich gegen eine solche Form einer gesellschaftlichen Sexualisierung aus. Interessant ist, dass der Heilige Qur’an mit seiner Mahnung sich zuerst an die Männer wendet, dann erst an die Frauen:

„Sprich zu den gläubigen Männern, dass sie ihre Blicke zu Boden schlagen und ihre Keuschheit wahren sollen. Das ist reiner für sie. Wahrlich, Allah ist recht wohl kundig dessen, was sie tun“ (24:31).

„Und sprich zu den gläubigen Frauen, dass sie ihre Blicke zu Boden schlagen und ihre Keuschheit wahren sollen und dass sie ihre Reize nicht zur Schau tragen sollen, bis auf das, was davon sichtbar sein muss…“ (24:32)

In unserer westlichen Gesellschaft, in der die Abkehr von der Prüderie mit einer Befreiung von althergebrachten patriarchalischen Strukturen einherging, – eine Reaktion auf die Lehren der christlichen Kirche – und den tiefen Einfluss der christlichen Kirche auf das öffentliche Leben zum Einsturz brachte, wird jede Form einer prüden Gesellschaft verständlicherweise reflexartig abgelehnt. Es ist allerdings wichtig zu verstehen, dass die westliche Gesellschaft eine andere Geschichte als die islamische Gesellschaft aufweist.

In Bezug auf die Frauenrechte hat die westliche Gesellschaft sich im Zuge eines andauernden Kampfes der Emanzipation dem islamischen Niveau der Gleichberechtigung angenähert. Dies mag befremdlich und unverständlich erscheinen, hat die Gesellschaft in vorwiegend „islamisch“ geprägten Ländern sich von eben jenem islamischen Niveau mindestens genauso rapide wegbewegt und offenbart heute ein bedauernswertes Bild von Frauenunterdrückung und Frauenentrechtung. Das islamische gesellschaftliche Lehrgebäude der Pardah, die Trennung der Geschlechter, wird hierzulande maßlos missverstanden und fehlgedeutet, woran die heutige sogenannte islamische Welt nicht unschuldig ist, hat sie sich doch nicht minder maßlos von den Lehren des Islam entfernt. Auch das durch Medien verbreitete Bild ist schuld daran, denn es wurde üblich, alles Üble und Verrufene mit dem Islam in Verbindung zu bringen, und bei christlichen, jüdischen oder buddhistischen Verhaltensweisen von der Assoziation einer Untat mit der Religion Abstand zu nehmen.

In ihrem Kern ist also die Emanzipation im Sinne von Gleichwertigkeit der Geschlechter zu begrüßen, war doch der Prophet MuhammadSAW der größte Verfechter von Frauenrechten. Leider wurde die Emanzipationsbewegung mit zunehmender Bedeutung der Medien von einem männerdominierten Frauenbild eingenommen, sodass heute die Emanzipation in der westlichen Welt mit der Abkehr von einem prüden Gesellschaftsbild gleichgesetzt wird. Daher spiegelt die Frauenemanzipationsbewegung keineswegs eine fortschrittliche Entwicklung menschlicher Gesellschaftsform wider. Es gibt Hinweise auf vergangene Gesellschaften, in denen Frauen äußerst mächtige Stellungen innehatten. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass die Fortschrittlichkeit oder der Fortschritt von Gesellschaften mit der Abkehr von der Geschlechtertrennung hin zur ungezügelten Vermischung einherging. Die Vermischung oder Nicht-Vermischung steht in keinem Zusammenhang mit der Fortschrittlichkeit oder Rückschrittlichkeit einer Gesellschaft. Ein bedauernswertes Beispiel der Missachtung dieser Lehre ist das Bråvalla-Festival in Schweden, bei dem mehrere Frauen vergewaltigt wurden und es zu 23 Anzeigen bei der Polizei wegen sexueller Belästigung kam. Daraufhin wurde für das nächste Jahr ein Konzert ausschließlich für Frauen angekündigt, „bis die Männer gelernt haben sich zu benehmen“, so die schwedische Radio-Moderatorin Emma Knyckare. Wieso nun betrachtet man die islamische Weisung in der Hinsicht anders, die darauf abzielt, präventiv zum Schutz der Frau einzugreifen und nicht erst dann, wenn es zu spät ist?

Die Lehre der Pardah ist in diesem Kontext zu betrachten. Sie entsprang nicht etwa einer männlichen Überlegenheit, sondern dient in erster Linie dazu, der Ungezügeltheit von Begierden und Trieben Einhalt zu gebieten, die das unvermeidbare Resultat des moralischen Verfalls einer Gesellschaft infolge der Omnipräsenz von Reizen sind, d.h. sie dient dazu, dem grundlegenden Drang menschlicher Lust Mäßigung durch Zügelung und Kanalisierung beizubringen, und eine Atmosphäre zu ermöglichen, die fernab von der Anarchie der Begehren einem höheren Ziel unterstellt ist, dem Erhalt der Gottesnähe durch Selbstreflexion und Manifestation hoher moralischer Werte. Die Lehre der Geschlechtertrennung wird maßlos missverstanden, wenn man sie als die Verhängung von Beschränkungen und „Einkerkerung von Frauen“ verzerrt, während sie in Wahrheit jedoch beide Geschlechter anspricht und die Triebe nicht unterdrückt, sondern in die Schranken weist, ohne für Frauen wie für Männer der Teilnahme in allen Lebensbereichen der Gesellschaft hinderlich zu sein. Die Auffassung von Geschlechtertrennung ist einzig und allein in Zusammenhang von Maßnahmen zur Wahrung der Würde und Ehre der Frau innerhalb der Gesellschaft zu verstehen, sodass die Gefahren der Verletzung dieses Ziels minimiert werden.

Der Islam gibt eine Alternative und zeigt auf, dass eine Gleichberechtigung in einer sittlichen Gesellschaft durchaus möglich und sogar erstrebenswert ist. Das geht mit einem gewissen Maß an Geschlechtertrennung einher, ohne dabei die Rechte von Frauen oder Männern zu beschneiden. Die Etablierung des hohen Stellenwertes und der Würde der Frau: Das ist die eigentliche Alternative für Deutschland. Und dafür standen die 8000 muslimischen jungen Männer in Mendig und bekannten sich zu ihrem Deutschland.

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