Die Helfer des Königs der Feder.

Haltlose Vorwürfe der Giordano Bruno Stiftung gegen die AMJ – Die Erwiderung

Die Giordano Bruno Stiftung (GBS) sieht sich selbst als eine Organisation an, die sich für die „Werte der Aufklärung, für kritische Rationalität, Selbstbestimmung und Freiheit“ einsetzt. Was die Stiftung jedoch in ihren Kampagnen und ihrem Argumentationsstil gegen die Religion nicht miteinbezieht, ist, dass man für die Aufklärung nur in Verbindung mit der Gewährung der individuellen Freiheit zur Religionsausübung eintreten kann, dass kritische Rationalität nur mit der Akzeptanz von verschiedenen Rationalitäten einer Vernunft verstanden werden kann, dass Selbstbestimmung nur mit einer Rücksicht gegenüber den Mitmenschen funktioniert und, dass Freiheit nur mit der Zusicherung einer Auswahl aus unterschiedlichen Möglichkeiten der Lebensführung einhergeht.

Unter dem ideologischen Deckmantel eines „Evolutionären Humanismus“, tritt die Stiftung hingegen für eine Verbannung der Religion aus dem öffentlichen Raum und Diskurs ein. Die Grundwerte einer freiheitlichen Demokratie wie in etwa Toleranz, Humanität und Dialogbereitschaft werden nicht vertreten. Sensibilität im Umgang mit Überzeugungen von Menschen oder Aufgeschlossenheit gegenüber abweichenden Standpunkten sind der Stiftung und ihren Protagonisten gänzlich fremd. Stattdessen wird für einen intoleranten Atheismus missioniert, der jeden religionsfeindlichen Akt als einen gesellschaftlichen Fortschritt ansieht. So wirbt die Stiftung beispielsweise für Aktionstage, an dem Menschen „die Gelegenheit“ hätten, „den Kirchen öffentlich den Rücken zu kehren und damit ein Zeichen zu setzen“.Es gehe ihnen damit um eine „humanistische Ethik, die im 21. Jahrhundert angekommen“sei.

„Ein historischer Schritt für den Islam in Deutschland“

Da die Giordano Bruno Stiftung die Integration in Deutschland als Befreiungsprozess versteht, begreift sie jede weitere Akzeptanz der religiösen Vielfalt als rückschrittlich an. Es geht ihr nicht zuletzt um die vermeintliche Befreiung des Menschen aus den „Fängen“ der Religion. Dementsprechend steht sie in etwa der Gleichstellung einer reformorientierten muslimischen Gemeinde mit jüdischen und christlichen Gemeinden ablehnend gegenüber.

Dabei ist es ein historischer Schritt für den Islam in Deutschland als Hessen der Ahmadiyya-Muslim-Jamaat (AMJ) – als ersten muslimischen Gemeinde – den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts verleiht. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Die AMJ zählt mit mehr 35.000 Mitgliedern zu den drei größten Islamverbänden in Deutschland und ist als älteste islamische Gemeinde fest in Deutschland verwurzelt. Sie erbaute die ersten Moscheen im Nachkriegsdeutschland in Hamburg (1957) und Frankfurt (1959). Sie hat als rein-religiöse Organisation, die keinerlei politische Ziele verfolgt, ihre verfassungstreue bewiesen. Zudem ist sie als Ansprechpartner für den Staat attraktiv, da sie eine Hierarchie, eine komplexe Struktur aufweist und eine einheitliche Theologie vertritt.

Dies sind unter anderem gute Gründe für eine enge Kooperation mit staatlichen Instituionen. So bietet die Ahmadiyya Muslim Jamaat seit Beginn des Schuljahres 2013/14 als Partner des Landes Hessen den bekenntnisorientierten Islamunterricht an Grundschulen an. Der GBS ist diese Entwicklung offensichtlich ein Dorn im Auge. Daher versucht sie mit allen Mitteln gegen diese muslimische Gemeinde Propaganda zu betreiben. In ihren öffentlichen Veranstaltungen und Internetauftritten greift sie die AMJ als demokratiefeindliche Gruppierung an und fordert den Staat auf, sich von dieser Gruppierung zu distanzieren.

„Irdische Insekten, die sich im Dreck wälzen“

Der Vorwurf, den die GBS beispielsweise über soziale Netzwerke vor kurzem verbreitete lautet, dass eine zentrale Glaubenssaussage der Gemeinde sei: „Wer Gott verlässt, ist ein Insekt und kein Mensch!“ Diese Stelle wurde reißerisch aus dem Kontext gerissen und als Aussage verallgemeinert. Die Aussage allein setzt die Kenntnis über den Gesamtkontext, den Ursprung der Gemeinde und über die religiöse Terminologie voraus.

Die GBS verweist zu allererst auf die Rede des spirituellen Oberhauptes der Gemeinde, Seine Heiligkeit Hazrat Mirza Masroor Ahmad (atba), der in einer Rede über die Liebe eines Muslims zum Propheten Mohammed (saw) zu den Angriffen durch den Anti-Islam Film „Innocence of Muslims“ Stellung bezieht. Nachdem er die gewaltsamen Reaktionen einiger Krawallmacher in der islamischen Welt mit scharfen Worten kritisiert, fordert er die Intellektuellen und Würdenträger der Welt in Bezug auf die Macher des abscheulichen Films auf, darübernachzudenken, „ob sie denn nicht auch Teil der Unheilstiftung werden, indem sie gegen diese Handvoll Leute nicht mit Härte vorgehen. Die Menschen der Welt sollten sich besinnen, ob sie denn nicht auch die Zerstörung des Weltfriedens unterstützen, indem sie mit den religiösen Gefühlen anderer spielen und diesen wenigen irdischen Insekten, die sich im Dreck wälzen, Recht geben“. (Freitagsansprache: Die wahre Liebe zum Heiligen Propheten (saw), 21.09.2012 London.)

Hier fällt zum ersten Mal der Begriff „Insekten“. Seine Heiligkeit bezieht sich auf Menschen, die sich mit Handlungen schmücken, die zutiefst abscheulich und unzivilisiert sind. Es sind Menschen, die so sehr auf sich selbst fokussiert sind, dass sie in ihrem Egoismus alles um sich herum aus den Augen verlieren. Statt Rücksichtnahme und Berücksichtigung der Interessen und Gefühle der Mitmenschen, üben sie sich in Beleidigung, Ausgrenzung und Diskriminierung. Ihr Überheblichkeit und Verlust an Humanität lässt sie vergessen, so trifft es sogar die GBS selbst in ihrem Leitbild auf den Punkt, dass die Menschen im Grund genommen Produkt eines Evolutionsprozesses sind und nicht einmal ein „Staubkorn im Weltall“ darstellen.

„Bereut, damit euch Barmherzigkeit erwiesen werde“

Und eben vor diesem Hintergrund, so glauben Muslime, ist der Mensch neben dem rationalen Fundament auch auf die spirituelle Dimension, die Beziehung zwischen Mensch und Gott, angewiesen. Als Hazrat Mirza Ghulam Ahmad (as) verkündete, der Verheißene Messias zu sein, den der Prophet Mohammed (saw) vorausgesagt hatte, schlossen sich viele Muslime seiner Gemeinde an, die im Jahre 1889 in Qadian (Indien) gegründet wurde.

Der Verheißene Messias (as) sah sich, als Reformer und Prophet des Islams, vielerlei Anfeindungen ausgesetzt. Er kritisierte den verbreiteten Egozentrismus in der Menschheit, die Ungerechtigkeiten in der Welt, den Verlust an Spiritualität in den Religionen und die Heuchelei vieler Religionsgelehrten. Seine Aufgabe bestand darin, den Islam von falschen Lehrmeinungen zu befreien und den Menschen das Bild eines lebendigen und kommunikativen Gottes vor Augen zu führen. Wiederholend betonte er die Gültigkeit der ursprünglich islamischen Lehren in dieser Zeit, nämlich Barmherzigkeit gegenüber allen Menschen, absolute Gerechtigkeit, Gleichwertigkeit von Mann und Frau, Trennung von Religion und Staat und die Beendigung gewalttätiger Aktionen im Namen der Religion.

Die Giordano Bruno Stiftung verweist als nächstes im Rahmen der Rede Seine Heiligkeit, Hazrat Mirza Masroor Ahmad (atba) auf ein herangezogenes Zitat des Verheißenen Messias (as), in der er, die Menschheit mit folgenden Worten warnt und besonders diejenigen Menschen, die aufgrund ihres hochmütigen und rücksichtslosen Verhaltens im spirituellen Sinne fern von Gott sind: „Jene, die bereuen, werden Sicherheit finden und jenen, die fürchten, wird Barmherzigkeit zuteil. Denkt Ihr, Ihr wäret gegen diese Schrecken gefeit? Oder könnt Ihr Euch durch Kunstgriffe oder Pläne retten? Gewisslich nicht. […] Ich sehe Städte einstürzen und Siedlungen zur Einöde werden. Der eine und einzige Gott hat lange geschwiegen. Widerliche Taten wurden vor Seinen Augen vollbracht und Er sagte nichts. Nun aber wird Er Sein Gesicht in Majestät enthüllen, Ehrfurcht gebietend. […] Aber Gott ist langmütig in Seinem Zorn. Bereut, damit Euch Barmherzigkeit erwiesen werde. Wer Gott verlässt, ist ein Insekt und kein Mensch! Wer Ihn nicht fürchtet, ist tot und nicht lebendig.“
(Haqiqa-tul-Wahy, Ruhani Khazain Bd. 22, Seite 268, 269)

Um den Satz „Wer Gott verlässt, ist ein Insekt und keine Mensch!“ noch tiefgehender zu verstehen, muss man einen Blick auf den Koran werfen. So heißt es im Heiligen Koran: „Wahrlich, Wir haben den Menschen in schönstem Ebenmaß erschaffen. (Wirkt er) dann aber (Böses), so verwerfen Wir ihn als den Niedrigsten der Niedrigen. Doch so sind die nicht, die glauben und gute Werke üben; denn ihrer ist unendlicher Lohn.“ (Sura 95, Vers 5-7)

„Es geht um die moralische und spirituelle Evolution des Menschen“

Der vierte Kalif der Ahmadiyya Muslim Jamaat, Hazrat Mirza Tahir Ahmad (rh) erläutert diesen Vers ausführlich in seinem Werk „Absolute Justice, Kindness & Kinship“. Er betont ausdrücklich, dass unter dem „Verwerfen“ in eine niedrigere Stufe keine körperliche Rückentwicklung zu verstehen ist. Stattdessen ist der Rückfall in eine solche nichtmenschliche Stufe gemeint, die den Menschen auf eine Existenz als instinkt- und triebgesteuertes Lebewesen beschränkt. Die Aussage zielt also nicht auf den körperlichen Evolutionsprozess ab, den der Islam übrigens als abgeschlossen ansieht, sondern zielt vielmehr auf die moralische und spirituelle Evolution des Menschen ab, die Gott durch seine Propheten und ihren Lehren in Gang setzt. Hazrat Mirza Tahir Ahmad (rh) schreibt den Kontext erläuternd: „Sie (die Sura) weist explizit auf die Gefahr für den Menschen hin, dass er in seine frühere untere Stufe verworfen werden könnte, wenn er das Prinzip der Gerechtigkeit aufgibt.“

Während diese Warnung ausgesprochen wird, wird gleichzeitig ein Tor der Hoffnung weit aufgestoßen. Durch dieses Tor führt ein Pfad, auf dem den Menschen, die den festen Glauben an Gott in sich tragen und gute Werke vollbringen, ein unendlicher Lohn und Fortschritt versprochen wird. Dieser Pfad ist eine nicht-endende Reise der spirituellen Evolution, die die Menschen durch Erfahrung mit dem Schöpfer vom Zustand des Todes in die Lebendigkeit zurückholt.

Trotz aller bestehender Konfliktpunkte mit der Giordano Bruno Stiftung herrscht Konsens darüber, dass es, wie die GBS formuliert, „im Universum ‚mit rechten Dingen zugeht‘, dass weder Götter noch Geister noch Kobolde oder Dämonen in die Naturgesetze eingreifen“. Der Islam spricht von einem Gott, der nicht im Widerspruch zu den Naturgesetzen steht. Allah gilt als Ursache aller Ursachen. Am Anfang als alles „noch Nebel war“ und „Himmel und die Erde in einem einzigen Stück waren“ zerteilte Er sie durch den Urknall und setzte damit einen gesteuerten Evolutionsprozess von „sechs Zeiten“ in Gang (41:12, 21:31, 10:4). Vor diesem Hintergrund ist es umso bezeichnend, dass die GBS gerade eine religiöse Gemeinschaft kritisiert, für die absolute Gewissheit über Dogmatismus steht und eine Gemeinschaft, die keinerlei Konflikt zwischen Religion und Wissenschaft, dem Glauben und der Vernunft sieht.

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