Die Helfer des Königs der Feder.

Herrschaft des Halbmondes – eine schleichende Angst

 

Es scheint uns schon fast selbstverständlich, dass die Welt aus einzelnen Puzzleteilen besteht. Dass sich das Puzzle irgendwann einmal vervollständigt und ein gesamtes Bild anzeigt, scheint uns oft eine schwer vorstellbare Utopie zu sein. Mal werden einzelne Puzzleteile größer und fügen sich zu größeren Territorien zusammen, dann aber zersplittern sie wieder und ähneln einem Scherbenhaufen.

Wenn man die Entwicklung in der arabischen Welt und im Nahen Osten näher betrachtet, dann scheint es fast so, als wäre es ein religiös motiviertes Ziel, einen sogenannten „Islamischen Staat“ zu errichten. Die terroristische Organisation, Daesh (IS), agiert in Syrien und im Irak in einer brutalen und außerordentlich abstoßenden Weise. Allein Muslime, die ihr angehören, werden von ihr als „wahre Muslime“ und Bürger des selbstgegründeten Staates angesehen. Hierbei muss man sich vor Augen halten, dass der Staat in diesem Fall (irrsinnigerweise!) dem Kalifat (Gottesstaat) gleichsetzt wird.

Da sich Daesh auf die islamische Lehre beruft, scheint es so, als würde der Islam eine Nation bevorzugen, gar vorsehen, die Nicht-Muslime ausschließt. Weiterhin scheint die Ideologie eine Schwarz-Weiß-Welteinteilung in Gläubige und Ungläubige vorzunehmen. Es sollte jedem klar werden, dass die Ideologie von Daesh ferner vom Islam nicht sein könnte. An dieser Stelle ist vor allem jedoch die Frage von Interesse:

Wie steht der Islam wirklich zu dem Konzept des Nationalismus?

Und: Ist eine islamische Weltherrschaft das Ziel? Im heiligen Buch der Muslime, dem Quran, heißt es:

 

O ihr Menschen, Wir haben euch von Mann und Weib erschaffen und

euch zu Völkern und Stämmen gemacht, dass ihr einander kennen möchtet.

Wahrlich, der Angesehenste von euch ist vor Allah der, der unter euch der

Gerechteste ist. Siehe, Allah ist allwissend, allkundig. (49,14)  

 

So wird über die Entstehung von den Nationen gesagt, dass zu Beginn „Mann und Weib“ von einem einzigen Wesen entstanden sind und sich später zu Völkern und Stämmen entwickelt haben. Zuerst einmal wird davon ausgegangen, dass Gott für die Entstehung der Völker und Stämme zuständig war. Zu Beginn ist der Mensch aus einem Wesen entstanden, welches sich geteilt hat und somit zwei Geschlechter entstanden sind. Danach breiteten sich die Menschen auf der Erde aus und Zivilisationen entwickelten sich. Bequemlichkeit, die durch die Weiterentwicklung von Verkehrsmitteln entsteht, aus menschlicher Arbeit entstandene Transportmittel und Produktionsmengen, die Aufrechterhaltung einer inneren Ordnung, wissenschaftliche Forschung und Förderung beruflicher Ausbildungen – das alles fällt unter dem Begriff „Zivilisation“. Die Menschen gruppierten sich in etliche Völker, Stämme und Nationen.

Da jedes Volk andere Bräuche, Sitten und Traditionen im Zuge der Zivilisation und Weiterentwicklung entwickelte, wurde für jedes Volk aus ihm selbst ein Prophet auserwählt. Dieser war mit der vorherrschenden Kultur vertraut und führte die Menschen wieder zu Gott, sowie zu einem hohen moralischen Lebensstandard. Die heutigen Prinzipien, auf denen unsere Gesetzgebung schlussendlich ruht, entstammen diesen göttlich offenbarten Lehren. Der Islam schreibt keine bestimmte Regierungsform für eine Nation vor, doch er gibt vor allem moralische Prinzipien und gewisse Richtlinien vor, an denen sie sich orientieren sollte. Ein äußerst bedeutsames Gebot des Qurans ist das der Gerechtigkeit:

O die ihr glaubt! Seid standhaft in Allahs Sache, bezeugend in Gerechtigkeit! Und die Feindseligkeit eines Volkes soll euch nicht verleiten, anders denn gerecht zu handeln. Seid gerecht, das ist näher der Gottesfurcht. Und fürchtet Allah; wahrlich, Allah ist kundig eures Tuns. (5:9 )

Weiterhin erwähnt der Quran das Prinzip der gegenseitigen Beratung, so wie es etwa in Demokratien der Fall ist. Propheten kamen in Zeiten des Notstands, als sich die Menschen von der göttlichen Lehre entfernt hatten und von sittlicher Verderbtheit befallen waren. Um einige Beispiele für solche Propheten zu nennen: Hadhrat MosesAS, JesusAS, JonasAS oder AbrahamAS. Sie alle kamen zu den unterschiedlichsten Völkern zu verschiedenen Zeiten.

„und es gibt kein Volk, bei dem nicht früher schon ein Warner erschienen wäre“ (35, 25)

 

Der Islam geht davon aus, dass die Welt eine letzte Lehre gebraucht hat. Diese wurde dem Propheten MuhammedSAW offenbart, durch die er alle zersplitterten Nationen und Völker durch eine universelle, die menschliche Natur ansprechende, infolgedessen zeitlose, Lehre des ewigen Friedens vereinen sollte. Angefangen in seiner Lebenszeit schloss er zum Beispiel zwischen den verschiedenen Stämmen in der arabischen Stadt Medina einen Vertrag. Durch diesen Vertrag waren Araber, Juden und Muslime in einer gemeinsamen Bürgerschaft verbunden. Dieses Übereinkommen diente dazu, den Bürgern Sicherheit und Schutz zu garantieren. In dem Vertrag waren etwa folgende Punkte aufgeführt: Man steht gemeinsam gegen Unruhestifter auf, unabhängig ob dieser einem bestimmten Stamm angehört oder eine Religion praktiziert. Die Bedingungen reichten sogar so weit, dass man sowohl gegen den eigenen Sohn oder einen anderen nahen Verwandten handeln sollte, falls dieser den Frieden in der Gesellschaft gefährdet. Genauso hält der Quran als universales Prinzip fest:

O die ihr glaubt, seid fest in Wahrung der Gerechtigkeit und Zeugen für Allah, mag es auch gegen euch selbst oder gegen Eltern und Verwandte sein. Ob Reicher oder Armer, Allah hat über beide mehr Rechte. Darum folget nicht niederen Begierden, damit ihr billig handeln könnt. Und wenn ihr (die Wahrheit) verhehlet oder (ihr) ausweichet, dann ist Allah wohl kundig eures Tuns. (4:136)

 

Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und Wahrheit haben in der islamischen Lehre die höchste Priorität, egal, welcher Nation man angehört oder welche Kultur man vertritt. Der Islam geht von einem gerechten und allweisen Gott aus, welcher für jedes Volk und jeden Stamm die gleiche fundamentale Versorgung bereitgestellt hat. Jedes Volk zieht Nutzen aus den Elementen Wasser, Wind, Feuer und Erde, aber ebenso aus anderen Schöpfungen und Dingen, wie etwa Getreide, Früchte etc., die dem Menschen zum Überleben bereitstehen. Auch heißt es in der ersten Sure:

 „Aller [perfekter und reiner] Preis gebührt Allah [allein], dem Herrn aller Welten“ (Al-Fatiha, 2:2)

Es wird nicht von einem Gott „der Muslime“ oder einer anderen Religion, eines Volkes oder Stammes gesprochen. Der Gott des Islam ist ein Einziger; Er ist der Gott aller Welten, aller Völker, aller Nationen und seine Barmherzigkeit, wie es an einer Stelle im Quran heißt, umfasst jedes Ding. Weiterhin heißt es in der bekannten letzten Wallfahrtsansprache des Propheten MuhammadSAW, der selbst arabischer Abstammung war:

 

„Wahrlich, es gibt keine Vorzüge, die ein Araber über einen Nicht-Araber besitzt, noch ein Nicht-Araber über einen Araber. Noch gibt es (einen Vorzug) eines weißen Menschen über einen schwarzen Menschen, oder eines schwarzen Menschen über einen weißen Menschen, außer durch „Taqwa“ (unterwürfiges Gehorsam gegenüber Gott, Gottesfurcht)“

[Überliefert bei Ahmad (5/411) und authentifiziert von Ibn Taymiyyah in al-Iqtudaa, S.69]

 

Für die damalige Zeit und angesichts der Weltgeschichte, die sich nach seinem Ableben ereignen sollte, waren diese Aussagen progressiv und ihrer Zeit weit voraus. Leider sind sie selbst heute noch in einigen Teilen der Welt keine gelebte Wirklichkeit.

Aus dieser Überlieferung wird deutlich, dass der Islam jegliche Art von Rassismus und übertriebenen Nationalstolz ablehnt. Rassismus, der leider auch in unserer heutigen Zeit noch eine große Gefahr für den zwischenmenschlichen sowie weltweiten Frieden darstellt, wird im Quran mit folgenden Worten eindeutig abgewiesen und verurteilt:

 

„O ihr Menschen, fürchtet euren Herrn, Der euch aus einem einzigen Wesen erschaffen hat; aus diesem erschuf Er die Gefährten, und aus beiden ließ Er viele Männer und Frauen sich

vermehren. Fürchtet Allah, in Dessen Namen ihr einander bittet, und (fürchtet Ihn besonders in der Pflege der) Verwandschaftsbande. Wahrlich, Allah wacht über euch.“

 (Sura 4 Al-Nisa, Vers 2)

 

„O dir ihr glaubt! Lasset nicht ein Volk über das andere spotten, vielleicht sind diese besser als jene; noch Frauen (eines Volkes) über Frauen (eines anderen Volkes), vielleicht sind diese besser als jene. Und verleumdet einander nicht und gebet einander nicht Schimpfnamen. Schlimm ist das Wort: Ungehorsam nach dem Glauben; und wer nicht ablässt, das sind die Frevler.“

(Sura 49 Al-Hudschurat, Vers 12)

 

Wie jedoch definiert man Rassismus und wo liegen die Unterscheidungsgrenzen zu ähnlichen Begriffen?

„Eine Hauptschwierigkeit besteht in der Definition des Begriffs „Rassenhass“. Er kann aus unterschiedlichen Sichten anders er scheinen. Es ist schwierig, harte und saubere Trennlinien zwischen Rassenhass, Klassenbewusstsein oder religiöser Überlegenheit, Stammesgefühl, Faschismus, Imperialismus und Nationalismus zu ziehen. Die äußerst erschütternde und unmenschliche Behandlung der Juden durch die Christen in Westeuropa seit mehr als tausend Jahren mag als eine Sache der Vergangenheit angesehen werden, indes ist die noch in jüngster Zeit erfolgte viehische Behandlung der Juden durch die Nazis in den 30er und 40er Jahren zu frisch in unserer Erinnerung, als dass sie vergessen sein könnte. […]Der Kern des Rassenhasses sind Klassenvorurteile. Vielleicht ist dies die beste Begriffsbestimmung von Rassenhass. Wann immer Menschen damit beginnen, sich unter dem Vorwand ihrer eigenen Klasseninteressen gegenüber einer anderen Volksklasse abträglich zu benehmen, entrollt sich der Rassenhass und erhebt seine hässliche und vergiftende Fratze. Keine Besonnenheit kommt im Ausdruck solchen Hasses mehr zur Anwendung, kein persönlicher Verdienst wird berücksichtigt und Gemeinplätze werden zum Gesetz.“ (Islam – Antworten und auf die Fragen unserer Zeit, S. 159-160)

 

Der Islam will eine Einheit in der Welt auf der Grundlage von Verständigung und Frieden schaffen. Keine Nation hat das Recht, sich über eine andere Nation zu stellen. Doch in der heutigen Welt sehen wir genau das Gegenteil dieser Vorstellung. Wirtschaftlich starke Länder herrschen über Schwächere und beuten diese erbarmungslos aus. Unter dem Deckmantel der Friedensmission wurden jahrzehntelang Nationen ihrer Rechte beraubt. Auch heute wird wohlüberlegt von vielen ökonomisch stabilen Ländern nur solchen Nationen geholfen, die einen hohen Erdölanteil besitzen oder andere wertvolle Rohstoffe verfügen. Während reiche Länder immer reicher werden und ihre Position durch Waffen und anderes Wettrüsten sicherstellen, werden gleichzeitig sogenannte „Dritte-Welt-Länder“ weiter klein gehalten.

Der Islam fordert eine gerechte Weltordnung, bei der kein Land über einem anderen steht. Wirtschaftlich starke Nationen sollten ihr Reichtum und ihre Macht zur Unterstützung von ärmeren Ländern nutzen, nicht zur Beförderung der Waffenindustrie. Seit Urzeiten gibt es diese utopische Vorstellung, dass die Menschheit als eine große Familie irgendwann unter einer Flagge versammelt wird. Es kommt die Frage auf, ob so etwas überhaupt möglich wäre. Bedenkt man die geographische Entfernung, aber auch im weiteren Sinne die verschiedenen Kulturmuster, Verhaltensweisen und Bräuche, dann scheint es unmöglich, als eine einzige „Weltnation“ zu agieren.

Es ist fürwahr der Islam, der in jeder Faser seiner Existenz die Einheit und Eintracht unter den Menschen betont, lehrt und herbeizuführen wünscht. Der Islam geht davon aus, dass die menschliche Natur im Kern zu jeder Zeit die Gleiche war und auch in der Zukunft bleiben wird. So wird der Anspruch gestellt, dass die islamischen Lehren allgemeingültige Regeln bezüglich aller Lebensbereiche beinhalten, die eine Ordnung sicherstellen.

Der Aspekt ist nicht zu vernachlässigen, dass die ursprünglichen wahren Lehren des Islams mit der Zeit verloren gegangen sind und sich Neuerungen gebildet haben. In der heutigen Praxis sieht man in sogenannten islamischen Ländern all diese Untaten, welche durch das Erscheinen und Agieren des Heiligen Propheten MuhammadSAW bereits einmal durch hohe moralische Taten beseitigt und durch dieselben ersetzt wurden. In der frühislamischen Zeit führte das zu enormen Fortschritten in den justiziellen, wissenschaftlichen und humanitären Bereichen. Es liegt kein Zweifel darin, dass sich die Muslime auf diese Werte rückbesinnen, sie re-etablieren und daraus wieder Leitung schöpfen müssen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quellen:

Ahmad Mirza Tahir Hadhrat (1989): Der Heilige Quran, Frankfurt am Main: Verlag der

Islam.

Ahmad Mirza Tahir Hadhrat (2008): Islam – Antworten und auf die Fragen unserer Zeit,

Frankfurt am Main: Verlag der Islam.

Mirza Bashir ud-Din Mahmud Ahmad (2012): Muhammad. Das Leben des Heiligen

Propheten, Frankfurt am Main: Verlag der Islam.

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