Die Helfer des Königs der Feder.

Hölle

Die Hölle (arabisch جهنم,ǧahannamu) bezeichnet im Islam einen immateriellen Ort der Bestrafung im Jenseits, im Gegensatz zur jenseitigen Belohnung in Form des Paradieses. Die Vorstellung einer „ewigen“ Bestrafung existiert im Islam nicht.


Inhaltsverzeichnis

  1. Ist die Hölle materiell?
  2. Sinnbildliche Darstellung des Jenseits
  3. Ist die Hölle ewig?
  4. Überlieferungen zur Dauer der Hölle
  5. Was ist der Zustand der Seele nach dem Tode?
  6. Quelle

 

Ist die Hölle materiell?

Es gibt viele Muslime, die fälschlicherweise Himmel und Hölle für materielle Orte halten, in denen die im Heiligen Qur’an beschriebenen Freuden und Strafen mit dem irdischen Körper erfahren werden. Der Heilige Qur’an sagt über den Tag des Gerichts:

„Weiß der Mensch nicht, dass Wir ihn aus einem Samentropfen erschufen? … Er spricht: „Wer kann die Gebeine beleben, wenn sie vermodert sind?“ Sprich: „Er, Der sie das erste mal erschuf, Er wird sie beleben; denn Er kennt jegliche Schöpfung.“ (36:78-80)

Der Mensch wird am Tag des Gerichts Gott Rede und Antwort stehen:

„Und einem jeden Menschen haben Wir seine Werke an den Nacken geheftet; und am Tage der Auferstehung werden Wir ihm ein Buch vorlegen, das er entsiegelt finden wird. ‚Lies dein Buch. Heute genügt deine eigene Seele als Rechnerin wider dich.’“ (17:14,15)

 

Sinnbildliche Darstellung des Jenseits

Die Dinge in dieser materiellen Welt sind zeitweilig:

„Und was euch auch an Dingen gegeben ward, es ist nur ein zeitweiliger Genuss dieses Lebens und sein Schmuck; und das, was bei Allah ist, ist besser und bleibender. Wollt ihr denn nicht begreifen?“ (28:61)

Wenn das, was bei Allah ist, besser ist, kann es eben nicht das gleiche sein, was wir in dieser Welt genießen.

Der Heilige Qur’an erklärt ausdrücklich, dass das Jenseits etwas ist, was wir aus dem irdischen Leben nicht kennen. Über die Gaben des Paradieses heißt es im Heiligen Qur‘an:

„Doch niemand weiß, was für Augenweide für sie verborgen ist als Lohn für ihre Taten.“ (32:18)

Trotz der Beschreibungen des Heiligen Qur’an weiß also niemand, wie das Paradies tatsächlich aussieht. Das bedeutet, dass die Beschreibungen im Heiligen Qur’an über Himmel und Hölle sinnbildlich bzw. metaphorisch zu verstehen sind.

Sinnlos wäre es auch, wenn die Bestrafung der Hölle tatsächliches Brennen wäre. Die Insassen der Hölle werden ja dafür bestraft, dass sie auf der Erde ihre seelischen Qualitäten nicht entfalteten und sich ganz dem weltlichen Leben hingaben (46:21). Der Heilige Qur’an sagt so z.B. über das Feuer der Hölle, dass es die Herzen der Menschen betrifft (104:6-10).

Es wird also der unglückliche Zustand ihres Herzens sein, in den sie sich durch falschen Stolz, Ausschweifungen und unehrliches Verhalten gebracht haben. Diese Hölle werden jene erleben, die in ihrem irdischen Leben nur Wert auf ihre körperlichen Genüsse gelegt haben und dadurch den wahren Sinn des Lebens, die Verfeinerung der Seele, verfehlten.

Ist die Hölle ewig?

Der Heilige Qur’an sagt, dass der Zustand der Hölle so lang andauern kann, dass er wie eine Ewigkeit erscheint:

„Die aber ungläubig sind und Unsere Zeichen leugnen, die sollen Bewohner des Feuers sein; darin müssen sie bleiben.“ (2:40)

An anderer Stelle heißt es:

„Wenn jener Tag kommt, dann wird keine Seele sprechen, es sei denn mit Seiner Erlaubnis; dann sollen die einen von ihnen unselig sein und (die andern) glückselig. Was nun die betrifft, die unselig sein sollen, so werden sie ins Feuer gelangen, worinnen für sie Seufzen und Schluchzen sein wird; Darin zu bleiben, solange die Himmel und die Erde dauern, es sei denn, dass dein Herr es anders will. Wahrlich, dein Herr bewirkt alles, was Ihm gefällt. Was aber die anlangt, die glückselig sein sollen, sie werden in den Himmel kommen, darin zu weilen, solange die Himmel und die Erde dauern, es sei denn, dass dein Herr es anders will – eine Gabe, die nicht unterbrochen werden soll.“ (11:106-109)

 

Überlieferungen zur Dauer der Hölle

Darüber hinaus finden wir Ahadith (Aussprüche des Heiligen Prophet Muhammadsaw), die besagen, dass eines Tages die Hölle nicht mehr existieren wird und damit auch die Insassen der Hölle nicht mehr in ihr sein werden:

„In der Hölle wird es einen Tag geben, wenn seine Tore gegeneinanderschlagen und niemand mehr in ihr sein wird“. (Hadith: aḥīḥ muslim, ṣaḥīḥ buḫārī)

Gott selbst hat ja im Heiligen Qur’an erklärt:

„Ich treffe mit Meiner Strafe, wen Ich will; doch Meine Barmherzigkeit umfasst jedes Ding…“ (7:157)

 

Was ist der Zustand der Seele nach dem Tode?

Das Stadium zwischen Tod und Wiederauferstehung wird barzaḫ genannt; Das bedeutet wörtlich „ein Stadium, das zwischen zwei Stadien liegt“. Es ist ein Zustand zwischen Diesseits und Auferstehung, d.h. der Verstorbene wird sich in diesem Raum so lange aufhalten, bis der Tag der Auferstehung gekommen ist. Der Heilige Qur’an sagt dazu:

„Dann lässt Er ihn sterben und bestimmt ihm ein Grab; Dann, wenn Er will, erweckt Er ihn wieder.“ (80:22,23)

Dies ist das Stadium, was unmittelbar nach dem Tod folgt. In diesem Stadium zersetzt sich die vergängliche irdische Hülle und die Seele verlässt den sterblichen Körper. Die Seele verfügt nicht mehr über die Kraft, das Gute oder das Böse zu tun, wie sie es zusammen mit dem Körper vermochte.

Obwohl es zwischen der Seele und dem irdischen Körper keine Verbindung mehr gibt, bekommt jede Seele in barzaḫ vorübergehend einen neuen Körper, um sie einigermaßen die Belohnung oder die Strafe für ihre in diesem Leben begangenen Taten erfahren zu lassen.

Jene Hülle aber ist nicht wie die irdische, sondern eine helle bzw. eine dunkle Hülle, je nach den Taten des Betreffenden in diesem Leben. Mit anderen Worten, die Taten des Menschen dienen als Körper für die Seele im Jenseits[1].

Die Seele wird mit einem neuen Körper ausgestattet werden. In diesem Stadium geht der Mensch aus dem Stadium barza hervor. Durch den Aufenthalt im Stadium des barzaḥ wird die Seele für die Lebensbedingungen vorbereitet, die wir als Himmel und Hölle bezeichnen.

Durch all diese Stadien erfährt der Mensch den Zustand des Lebens nach dem Tode. Hat er eine gesunde Seele, nimmt er Freude und Seligkeit wahr und nähert sich diesen Glückszuständen. Hat er eine kranke Seele, fühlt er Qualen, Schmerzen und Bestrafung, also Ferne von Gott.

 

Quelle

[1] Hadhrat Mirza Ghulam Ahmad, Die Philosophie der Lehren des Islam, Verlag Der Islam, S. 119


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