Die Helfer des Königs der Feder.

Integration

Der Begriff Integration (abgeleitet aus dem Lateinischen ”integrare” für wiederherstellen, erneuern) stammt ursprünglich aus der Sozialwissenschaft und meint die Einbeziehung, Einbindung bzw. Eingliederung von Individuen oder sozialen Gruppen in eine bereits bestehende, (meist größere) soziale Einheit. Sie ist als ein Prozess zu verstehen, der auf die „Verbindung einer Vielfalt von einzelnen Personen oder Gruppen zu einer gesellschaftlichen und kulturellen Einheit” abzielt.

Im zeitgenössischen Sprachgebrauch fällt der Begriff Integration zumeist im Zusammenhang mit der Eingliederung von ausländischen Personen oder Gemeinschaften, die sich nach ihrer Migration in Deutschland niederlassen. In einem eher kritischen Kontext wird bisweilen die Integrationsfähigkeit und Integrationswilligkeit von Einwanderern bzw. Mitbürgerinnen und Mitbürgern, insbesondere muslimischen Glaubens, diskutiert.


Inhaltsverzeichnis

  1. Einordnung der Problematik
  2. Beziehung zwischen Islam und Kultur
  3. Integration in Deutschland und Europa
  4. Status der „Ungläubigen” und das Verbot, diese zu Freunden zu nehmen
  5. ulafāʾ-e aḥmadiyyat über Integration
  6. Weiterführende Literatur
  7. Quellen

 

Einordnung der Problematik

Es wird im Allgemeinen suggeriert, dass die Religion des Islam ein Hindernis bei der Integration seiner Anhänger darstelle. Je verbundener ein Mensch dem Islam sei, desto schwieriger gestalte sich seine Integration in der westlichen Gesellschaft. Diese Behauptung ist jedoch unbegründet und haltlos. In der Praxis ist die Integration ein Prozess, der von vielerlei Faktoren abhängt: Zum einen natürlich von der Einstellung und Bereitschaft der nativen sozialen Einheit (also der Mehrheitsgesellschaft), eine neu hinzugekommene Person oder Gemeinde einzubeziehen und in sich aufzunehmen. Des Weiteren ist auch entscheidend, was von dieser Mehrheitsgesellschaft als „erfolgreiche Integration” verstanden und definiert wird. Wird beispielsweise von der neu zugekommenen Person oder Gemeinde erwartet, sämtliche ursprüngliche geistige und materielle kulturellen Merkmalen aufzugeben und stattdessen die Gesamtheit der kulturellen Merkmale der Mehrheitsgesellschaft zu adoptieren, so spricht man nicht mehr von Integration im eigentlichen Sinne, sondern von Assimilation. Die Assimilation fordert eine Verschmelzung jeglicher Personen und Personengruppen mit der dominanten Kultur, während die Integration per Definition eine weitgehende Beibehaltung der ursprünglichen Kultur, mit Kontakt zur Mehrheitskultur unter gegenseitiger Beeinflussung meint. Ein weiterer, entscheidender Aspekt ist die Integrationsfähigkeit und -willigkeit der neu hinzukommenden Person oder Gruppe. Für diesen Aspekt lassen sich vielfältige Faktoren bestimmen, von denen der Prozess der Integration maßgeblich abhängt. So ist die Bildung ein entscheidender Faktor, der einen ungemeinen Einfluss auf die Integration hat. Sie bildet die Voraussetzung zum Erlernen der Sprache der Mehrheitsgesellschaft, die wiederum unerlässlich für die erfolgreiche Interaktion und somit Vermeidung einer (kulturellen) Isolation ist. Auch sozioökonomische Faktoren können über den Ausgang einer erfolgreichen Integration bestimmen, v.a. in Gesellschaften, in denen die Schere zwischen Arm und Reich weit auseinandergeht, kaum Chancengleichheit besteht und folglich ökonomische Verhältnisse einen großen Einfluss auf die Lebensqualität und individuelle Entfaltung nehmen. Dieser Faktor führt übrigens nicht nur bei Migranten zu Problemen, auch einheimische Bevölkerungsschichten können sozioökonomisch isoliert werden, was wiederum einen Nährboden für Radikalisierung und weitere gesellschaftliche Missstände bereitet.
 

Beziehung zwischen Islam und Kultur

Der Islam versteht sich als eine Religion, die eine Richtschnur für Menschen aller Nationen und für alle Zeiten breitstellt. Sie ist grenzen- und epochenunabhängig. Somit befreit sich der Islam auch von einer volks-, nationen- oder kulturspezifischen Assoziation und sieht sich kompatibel mit jedweder Ordnung dieser und anderer Kategorien.

Es ist also ein fundamentaler Fehler, den Islam mit einer Kultur gleichzusetzen. In der Frühgeschichte des Islam — als der islamische Raum von Spanien bis Indonesien reichte — hat der Islam als Religion niemals die Auslöschung der indigenen Kultur vorgesehen. Im Gegenteil: Unter Einhaltung der Gebote und Verbote des Islam koexistierten allerlei kulturellen Elemente, die die Menschen seit Jahrhunderten Pflegten, mit der neuen Religion. Ein Beleg hierfür ist die Tatsache, dass die ursprünglich gesprochenen Sprachen in diesen Gegenden niemals durch das Arabische ersetzt worden waren. Obwohl das Arabische als die Lingua Franca v.a. im theologischen wie wissenschaftlich- akademischen Bereich diente, erhielten sich die ursprünglichen Sprachen und entwickelten sich stets weiter. Gleiches gilt für andere kulturspezifische Merkmale, wie beispielsweise Kleidung, Künste, Architektur, Speisen, Erzählungen etc.

Viele Vorwürfe, die im Diskurs um die Integration von Muslimen aufkommen, zielen auf Verhaltensweisen oder kulturelle Merkmale ab, die selbst gar keinen Ursprung im Islam haben, sondern in den nativen Kulturen der jeweiligen Personen. Dieses Missverständnis liegt jedoch nicht nur aufseiten der Kritiker vor, auch die unter Kritik stehenden verwechseln zumeist ihre eigene Kultur mit dem Islam. Denn viele Bräuche, Traditionen und Verhaltensmuster haben sich aus vorislamischen Zeiten erhalten und widersprechen den islamischen Lehren auf eklatante weise (wie beispielsweise im Fall von sog. „Ehrenmorden”).

In Wahrheit erachtet sich der Islam — unter Achtung der religiösen Richtlinien — kompatibel mit jeglicher Kultur. Kulturen sind laut Islam nichts anderes als der Ausdruck der Schöpfung Gottes, der den Menschen selbst in verschiedenen Stämmen und Völkern schuf. Gott erwartet demnach von den Menschen, dass sie sich in gegenseitiger Achtung und Respekt kennen lernen und annähern mögen, statt sich zu isolieren oder gar einander auf Grundlage von Verachtung und Rassismus zu meiden oder bekämpfen:

O ihr Menschen, Wir haben euch von Mann und Weib erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, dass ihr einander kennen möchtet. Wahrlich, der Angesehenste von euch ist vor Allah der, der unter euch der Gerechteste ist. Siehe, Allah ist allwissend, allkundig. — (49:14)

Der Heilige Qur‘an würdigt also die Tatsache, dass Kulturen zur Lebensweise des Menschen gehören, und von diesem — sei es auf individueller Ebene, oder auf Ebene von Ethnien und Völkern — nicht zu trennen sind. Vor diesem Hintergrund erachtet der Islam alle Kulturen gleichwertig und bevorzugt keine über eine andere. Somit können sich gläubige Muslime auch jedweder Kultur zugehörig fühlen, ohne dass dies im Widerspruch zum Glauben steht.

Einige Verse zuvor heißt es zudem im Heiligen Qur‘an:

O die ihr glaubt! lasset nicht ein Volk über das andere spotten, vielleicht sind diese besser als jene; noch Frauen (eines Volkes) über Frauen (eines anderen Volkes), vielleicht sind diese besser als jene. Und verleumdet einander nicht und gebet einander nicht Schimpfnamen. Schlimm ist das Wort: Ungehorsam nach dem Glauben; und wer nicht ablässt, das sind die Frevler. — (49:12)

Eine Überheblichkeit oder Überlegenheit auf Grundlage der eigenen Volkszugehörigkeit oder Kultur werden hier missbilligt. Das gilt selbstverständlich auch für die Gläubigen auf der kulturellen Ebene. Denn der Islam versteht sich selbst nicht als Kultur, sondern ermutigt die Muslime dazu, gutes Verhalten und Tugenden aufzunehmen und zu verinnerlichen, egal in welcher Kultur oder in welchem Volk sie diese antreffen mögen. Das fünfte Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Gemeinde hat diesen Punkt sehr treffend zum Ausdruck gebracht:

Der Heilige Prophet MuhammadSAW hat Muslimen eine weitere wunderschöne Lehre für ihr tagtägliches Leben gegeben. ErSAW lehrte, dass ein wahrer Gläubiger nach all dem streben sollte, was gut und rein ist. Ersaw lehrte, dass wann immer ein Muslim auf ein Wort der Weisheit oder etwas Edles stößt, er dies als sein persönliches Erbe behandeln sollte. Folglich sollten Muslime sich mit der gleichen Entschlossenheit, mit der eine Person versucht, sein rechtmäßiges Erbe zu erlangen, bemühen, von klugem Rat und von Güte zu profitieren, wo auch immer diese gefunden wird. Was für ein schönes und perfektes Leitprinzip ist dies zu Zeiten, in denen es so viele Sorgen über die Integration von Einwanderern gibt. Muslimen wurde gelehrt, dass sie versuchen sollten, sich alle guten Eigenschaften jeder Gesellschaft, jeder Region, jeder Stadt und jedes Landes anzueignen, um sich zu integrieren und um gegenseitigen Respekt zu entwickeln. Es ist nicht genug, diese Werte nur kennenzulernen, vielmehr müssen Muslime sich anstrengen, um sich diese Werte in ihrem eigenen persönlichen Leben zu integrieren. Dies ist die Führung, die wahrhaftige Zusammengehörigkeit und einen Geist des gegenseitigen Vertrauens und der Liebe erwirkt. Gewiss, wer kann friedliebender sein als ein wahrer Gläubiger, der abgesehen vom Erfüllen der Anforderungen seines Glaubens, auch noch versucht, all die guten Eigenschaften, seiner oder jeder anderen Gesellschaft, sich anzueignen? Wer kann mehr Frieden und Sicherheit verbreiten als solch eine Person? (Q: http://www.ahmadiyya.de/bibliothek/art/koennen-sich-muslime-in-die-westliche-gesellschaft-integrieren/)

 

Situation in Deutschland

In Anbetracht der Tatsache, dass der Anteil der Muslime (auch sog. „Kulturmuslime” mit einbezogen) an der Gesamtbevölkerung in Deutschland nur ca. 6% beträgt (Referenz: Hochrechnung BAMF, Stand 12/2015; https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/WorkingPapers/wp71-zahl-muslime-deutschland.pdf?__blob=publicationFile), fällt auf, dass in Relation hierzu die Debatte um eine „problematische Integration” von Muslimen in der Öffentlichkeit und in den Medien einen unverhältnismäßigen und überproportionalen Raum einnimmt. Den Islam als gemeinsames Merkmal zu definieren, gleichzeitig aber andere Faktoren, wie sozioökonomische Verhältnisse und den Bildungsgrad auszuklammern, verzerren die Sicht auf die Realität, und täuscht eine Trivialität vor, was v.a. Scheindebatten und medialen Hypes zugutekommt. Die Frage der Relevanz dieser Zahlen beantwortet Dr. Anja Stichs, Autorin der BAMF-Studie „Wie viele Muslime leben in Deutschland”, wie folgt:

Aus Befragungen wissen wir, dass die Zahl der Muslime von vielen Menschen in Deutschland teilweise deutlich überschätzt wird. Die Bezifferung der tatsächlichen Zahl der Muslime trägt daher zu einer Versachlichung der Diskussion bei. — (https://www.bamf.de/SharedDocs/Meldungen/DE/2016/20161214-studie-zahl-muslime-deutschland.html)

Da die Zugehörigkeit zum Islam keine Nationalität oder kulturelle Identität ausschließt, steht er der Integration in die europäische Gesellschaft nicht im Wege. Sowohl im Arbeitsleben als auch bei gesellschaftlichen, politischen und anderen Aktivitäten ist es in der Regel problemlos möglich, die islamischen Ge- und Verbote einzuhalten, da der Islam eine sehr einfache Religion ist.

Muslime sollten auf ihr Umfeld Rücksicht nehmen und nicht vergessen, dass sie hierzulande in der Minderheit sind. Gleichzeitig steht auch die Mehrheitsgesellschaft in einer wichtigen Verantwortung für das Gelingen der Integration: Indem die islamischen Glaubensgrundsätze zumindest ansatzweise anerkannt und zumindest respektiert werden, wird verhindert, dass Muslime sich in die Defensive gedrängt fühlen, sich in Ghettos zurückziehen und ihren Glauben demonstrativ zur Schau stellen bzw. übermäßig streng auslegen; was schließlich zur Radikalisierung und einem Hindernis für erfolgreiche Integration führen kann. Rücksichtnahme auf islamische Speisevorschriften (bei einem hohen Anteil islamischer Schüler, Mitarbeiter usw.), ein freundlicher Gruß anlässlich des islamischen Id-Festes usw., würden sicher dankbar aufgenommen werden und stehen weder Integration, noch dem Erhalt der Kultur der Mehrheitsgesellschaft (wie auch immer diese definiert ist) nicht im Wege. Im Gegenteil helfen sie Muslimen sogar, sich mit gemeinsamen Werten der Mehrheitsgesellschaft zu identifizieren und ermöglichen ebenfalls die Annäherung an den muslimischen Teil der Gesellschaft, was dem Abbau von Ängsten und Vorurteilen auf beiden Seiten dient — all dies fördert den Prozess der Integration.
 

Die Freundschaft zu „Ungläubigen”

Islamkritiker versuchen immer wieder eine Unvereinbarkeit des Islam mit einer erfolgreichen Integration herzustellen und zu propagieren. Zu diesem Zweck scheuen sie auch nicht davon zurück, Qur’an Verse aus dem Kontext zu reißen, obgleich so nicht ein Gesamtbild der Lehre des Heiligen Qur’an wiedergegeben werden kann. Einer dieser Verse beinhalte, so die Kritiker, die Anweisung, dass Muslime die Freundschaft zu „Ungläubigen” meiden sollten. Hieraus wird der Vorwurf konstruiert, dass Muslime nicht nur in der westlichen, freiheitlichen Welt nicht zu integrieren seien, sondern darüber hinaus vom Heiligen Qur‘an ausdrücklich dazu aufgerufen werden, gar eine Diskriminierung gegenüber Ungläubige bzw. Andersgläubige zu praktizieren. Die sei unvereinbar mit der absoluten Gewissens- und Glaubensfreiheit der westlichen Gesellschaft. Folgendermaßen suggerieren sie, dass ein Muslim alle Nicht-Muslime als Ungläubige und damit minderwertig abstempele und sie so einer freundschaftlichen Beziehung unwürdig betrachte. Um mit diesem Vorurteil aufzuräumen, bietet es sich an, zunächst die Frage zu klären, wie der Begriff „Ungläubige” im Heiligen Qur‘an verwendet wird.

Das arabische Wort „Kafir“, (wörtl. Leugner), wird in der islamischen Terminologie sowohl für Ungläubige als auch für Andersgläubige, also alle Nicht- Muslime, verwendet. Aus islamischem Kontext muss damit nicht einhergehen, dass ein Kafir nicht an Allah oder eine andere Religion glaubt. Jeder, der kein Muslim ist, ist der islamischen Terminologie zufolge „Kafir“, ganz gleich, ob er einen anderen Glauben oder gar keinen Glauben hat.

Der Islam verbietet seinen Anhängern in keiner Weise, einen freundlichen Umgang mit Andersgläubigen zu pflegen. In der Frühzeit des Islam war es so, dass Andersgläubige häufig Muslime auf Grund ihres Glaubens bekriegt haben, oder ihnen gegenüber zumindest feindlich gesinnt waren. In solch einer Atmosphäre, konnte eine enge Freundschaft mit einem Andersgläubigen, der in der Regel dem Islam zu schaden trachtete, fatale Auswirkung auf die muslimische Gemeinschaft haben. In diesem Kontext sind auch Qur’an- Verse einzuordnen, in denen ausdrücklich vor einer Freundschaft mit Juden und Christen gewarnt wird. So heißt es zum Beispiel im Heiligen Qur’an:

„O die ihr glaubt! Nehmet nicht die Juden und die Christen zu Freunden. Sie sind Freunde gegeneinander. Und wer von euch sie zu Freunden nimmt, der gehört fürwahr zu ihnen. Wahrlich, Allah weist nicht dem Volk der Ungerechten den Weg.“ — (5:52)

Bei diesem und ähnlichen Versen ist nicht generell die Rede davon, dass Muslime Juden und Christen nicht zu Freunden nehmen dürfen. An anderer Stelle wird hervorgehoben, mit welcher Art von Menschen man sich nicht befreunden sollte:

„O die ihr glaubt, nehmt euch nicht die zu Freunden – unter jenen, denen vor euch die Schrift gegeben ward, und den Ungläubigen -, die mit eurem Glauben Spott und Scherz treiben. Und fürchtet Allah, wenn ihr Gläubige seid; „Die es als Spott und Scherz nehmen, wenn ihr zum Gebet ruft. Dies, weil sie Leute sind, die nicht begreifen.“ — (5:58, 59)

Eine wahre Freundschaft setzt voraus, dass man viele ähnliche Interessen hat oder dass man sich in lebenswichtigen Angelegenheiten zumindest nicht diametral gegenübersteht. Folglich wird es für einen Muslim, der sich aufrichtig zu seiner Religion bekennt, ungemein schwierig sein, jemanden zum Freund zu nehmen, der seine Religion verspottet und stets darum bestrebt ist, seine Glaubensbrüder zu schaden.

An derer Stelle hebt Allah im Heiligen Qur’an ausdrücklich hervor, dass man zu allen Andersgläubigen, die die Muslime um ihres Glaubens willen nicht bekriegen, gütig und gerecht sein soll:

„Allah verbietet euch nicht, gegen jene, die euch nicht bekämpft haben des Glaubens wegen und euch nicht aus euren Heimstätten vertrieben haben, gütig zu sein und billig mit ihnen zu verfahren; Allah liebt die Billigkeit Zeigenden. Allah verbietet euch nur, mit denen, die euch bekämpft haben des Glaubens wegen und euch aus euren Heimstätten vertrieben und (anderen) geholfen haben, euch zu vertreiben, Freundschaft zu machen. Und wer mit ihnen Freundschaft macht – das sind die Missetäter.“ — (60:9,10)

Folglich darf ein Muslim sich Andersgläubigen gegenüber nicht verschließen und sollte mit ihnen freundschaftlich umgehen.
 

hulafāʾ-e amadiyyat über Integration

Hadhrat Khalifatul Massih VABA erklärte auf die Frage nach der Integration, was als eine gelungene Integration verstanden werden kann:

„Wenn ich gesetzestreu bin und all die Gesetze eines Landes anerkenne, bin ich in der Gesellschaft integriert. Wenn ich der Nation mit all meinem Potenzial und meinen Fähigkeiten diene, so ist dies Integration. Wenn ich die Pflichten gegenüber meinen Mitbürgern erfülle, so bin ich intergiert. Wenn ich mich um meine Nachbarn sorge – ganz gleich, ob sie Muslime, Hindus oder Christen sind – bin ich sehr gut integriert. Doch wenn Sie sagen, dass wir all unsere religiösen Bräuche und Rituale aufgeben sollen, so ist dies keine Integration.“

Während einer Rede führte HudhurABA aus:

Durch die Gnade Allahs ist diese Gemeinde gewachsen und in 202 Ländern der Welt verbreitet. In jedem dieser Länder haben Einheimische verschiedenster Herkunft und Ethnien die Ahmadiyyat akzeptiert. Unabhängig davon, dass sie Ahmadi-Muslime sind, sind sie weiterhin loyale Bürger ihrer jeweiligen Länder. Es gibt keinen Widerspruch oder Konflikt zwischen ihrer Liebe für den Islam und ihrer Liebe für ihr Land. Genau genommen sind diese beiden Loyalitäten miteinander verknüpft und verbunden. Ahmadi-Muslime sind die gesetzestreuesten Bürger der gesamten Nation, wo auch immer sie wohnen. Ich kann mit Bestimmtheit und ohne den geringsten Zweifel sagen, dass die große Mehrheit unserer Gemeindemitglieder diese Eigenschaft besitzt.

Es ist auf diese Eigenschaften zurückzuführen, dass wenn immer Ahmadi- Muslime von einem in ein anderes Land auswandern, oder wenn Einheimische zu Ahmadis konvertieren, sie weder irgendwelche Bedenken hinsichtlich der Integration in einer neuen Gesellschaft haben noch besorgt darüber sind, wie sie sich bei der Förderung der umfassenden nationalen Interessen ihrer Wahlheimat einbringen können. Wohin auch immer Ahmadis gehen, sie werden ihre Länder lieben, wie alle wahren Bürger es sollten, und sie werden ihr Leben damit verbringen, aktiv Verbesserungen und Fortschritte ihrer Nation anzustreben.

Weiterhin hieß es in derselben Rede:

Ich bin sehr verwundert und betrübt darüber, wenn ich höre, dass in einigen Teilen Deutschlands behauptet wird, dass weder Muslime noch der Islam in der Lage seien, sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Sicherlich ist es wahr, dass der Islam, der durch Extremisten oder Terroristen repräsentiert wird, sich nicht in ein Land oder eine Gesellschaft integrieren kann, geschweige denn in Deutschland. Allerdings wird die Zeit sicherlich kommen, in der sich oppositionelle Stimmen gegen diese extremistischen Ideologien laut erheben werden, sogar in muslimischen Ländern. Trotzdem wird der wahre Islam, den der Heilige Prophetsaw gebracht hat, sicherlich auch immer aufrichtige und anständige Menschen anziehen. In diesem Zeitalter hat Allah den Verheißenen MessiasAS gesandt, um die ursprüngliche Lehre wiederzubeleben. Er wurde in Unterwürfigkeit zum Heiligen ProphetenSAW gesandt und seine Gemeinde praktiziert und predigt die wahre Nachricht des Islam.

Es ist eindeutig, dass niemand mit Recht behaupten könnte, dass der wahre Islam nicht in der Lage sei, sich in eine Gesellschaft zu integrieren. Der wahre Islam ist der, der Rechtschaffenheit und Tugenden verbreitet und alle Formen des Bösen und Fehlverhaltens meidet. Der wahre Islam lehrt den Muslimen, Übel und Grausamkeiten zu stoppen, wo auch immer sie auftreten. Folglich zieht der wahre Islam eine Gesellschaft auf natürliche Weise wie ein Magnet an, anstatt Fragen über mangelnde Integrationsfähigkeit aufzuwerfen. Der Islam lehrt, dass man Frieden nicht nur für sich selbst anstreben und wünschen sollte, sondern dass man den gleichen Einsatz, den man für sich selbst an den Tag legt, auch dann zeigen sollte, wenn es darum geht, Frieden und Harmonie unter seinen Mitmenschen zu verbreiten. Diese selbstlose Einstellung ist der Weg, um Frieden auf der Welt zu etablieren. Gibt es irgendeine Gesellschaft, die diese Lehren nicht schätzen würde und die einem solchen Ansatz nicht zustimmen würde? Gewiss könnte eine gute Gesellschaft sich niemals wünschen, dass die Sittenlosigkeit und das Böse sich in ihr ausbreiten und sie würde niemals ablehnen, dass die Tugend und der Friede gefördert werden.

Im letzten Teil der Rede appelliert HudhurABA nochmals an diejenigen, die einen scheinbaren Widerspruch zwischen dem Islam und einer erfolgreichen Integration sehen, mit folgenden Worten:

Sie sollten nicht der Ansicht sein, dass die Lehren des Islam für Deutschland oder irgendein anderes Land gefährlich oder bedrohlich sind. Sie sollten nicht darüber besorgt sein, ob ein Muslim sich in die deutsche Gesellschaft integrieren kann oder nicht. Wie ich bereits gesagt habe; es ist eine Vortrefflichkeit des Islam, dass er Muslimen lehrt, alle guten Dinge anzunehmen, so dass kein Zweifel bestehen kann, ob ein Muslim sich in jedwede Form der Gesellschaft integrieren und in ihr leben kann. Wenn jemand etwas Gegensätzliches tut, ist er zwar dem Namen nach ein Muslim, aber kein Anhänger der wahren Lehren des Islam. Natürlich können Muslime nicht die Anweisungen aus dem Heiligen Qur‘an in Bezug auf die Prinzipien der Bescheidenheit, der Heiligkeit von Religion oder das Handeln nach Gerechtigkeit missachten, selbst wenn sie dazu aufgefordert werden. Allerdings sind solche Angelegenheiten keine Fragen der Integration, sondern tatsächlich Fragen der persönlichen Religionsfreiheit. —[1]

Im Jahre 2011 hat HudhurABA anlässlich der jährlichen Hauptversammlung der Ahmadiyya Muslim Gemeinde in Deutschland, eine Ansprache vor rund 300 Nicht-Ahmadi Gästen gehalten, in der er die Frage „Gehört der Islam zu Deutschland?” diskutierte:

Lassen Sie mich aber hier über die Pakistaner bzw. Angehörige anderer Nationen sprechen, die aus den verschiedensten Teilen der Erde nach Deutschland gekommen sind und sich niedergelassen haben. Es besteht kein Zweifel darin, dass ihre Kinder und Enkelkinder sich ungeachtet von Hautfarbe und Ethnie mit der Zeit als wahre Deutsche betrachten und bezeichnen werden. Fakt ist, dass viele sich bereits sehr schnell in die deutsche Lebensart eingelebt und hiesige Gepflogenheiten und Essgewohnheiten angenommen haben. Mehr noch, einige sind sogar in die deutsche Armee eingetreten, um dieses Land zu schützen, während andere im Öffentlichen Dienst oder bei der Justiz tätig sind. Einige haben sich entschieden, in den verschiedenen Bereichen des sozialen Diensts zu arbeiten und wiederum andere wirken bei der Förderung des wirtschaftlichen Fortschritts mit, indem sie sich in unterschiedlichen Feldern des Handels und der Industrie betätigen. Dann sind da noch jene Migranten, die Wissenschaftler geworden sind und so zum wissenschaftlichen Fortschritt des Landes beitragen. All diese Bemühungen und Tätigkeiten bezeugen die Loyalität dieser Menschen gegenüber Deutschland und sie lassen erkennen, dass sie ein aktiver Teil der Nation sind.

Aufgrund Ihrer Beziehung zu solchen Ahmadis, die ursprünglich aus Pakistan stammen und die Sie über die vergangenen Jahre gut kennengelernt haben, sind Sie schließlich heute hierher gekommen. Ich bete zu Gott, dass Er Ihre aufgeklärte Denkweise aufrechterhalten und weiterhin damit fortfahren möge, diesen Wert in Ihnen, den Sie alle unter Beweis gestellt haben, noch weiter zu verstärken. Möge der Gedanke niemals in Ihnen aufkommen, dass diese Migranten nicht zu einem Teil der deutschen Nation werden könnten, da sie aus diesem oder jenem Land gekommen sind oder weil sie dieser oder jener Religion angehören. Ein solcher Gedanke könnte den inneren Frieden der Gesellschaft stören.

Die nächste Passage der Rede verdeutlicht, welche Auswirkungen überproportioniert aufgeblasene Scheindebatten auf den gesamtgesellschaftlichen Frieden haben können, und ist deshalb von entscheidender Bedeutung in der Frage nach Integration von Muslimen:

Behalten Sie in Erinnerung, dass diese kleinen und scheinbar bedeutungslosen Konfliktthemen sowie kleinen Vorbehalte sich letztlich zu großen Problemen weiterentwickeln, die dann nicht nur einzelnen Personen oder Gruppen schaden, sondern tatsächlich den Fortschritt des ganzen Landes behindern.[2]

 

Weiterführende Links und Literatur

 

Quellen

[1] http://www.ahmadiyya.de/fileadmin/userupload/bibliothek/hadhratmirzamasroorahmad-koennensichmuslimeindiewestlichegesellschaftintegrieren.pdf

[2] http://www.ahmadiyya.de/fileadmin/user_upload/bibliothek/hadhrat_mirza_masroor_ahmad-gehoert_der_islam_zu_deutschland.pdf


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