Die Helfer des Königs der Feder.

Khatam-e-Nabuwwat

Khatam-e-Nabuwwat bedeutet „Siegelschaft des Prophetentums“. Dieser Begriff findet seine Grundlage im Koran, wo dem Heiligen ProphetenSAW der Ehrentitel des Khatamun Nabiyin (dt. Siegel der Propheten) verliehen wird. Der Begriff wird oft fälschlicherweise als der „Letzte aller Propheten“ übersetzt, obwohl die islamischen Quellen wie der Qur’an und die Ahadith diese Übersetzung nicht zulassen.

 


Inhaltsverzeichnis

  1. Quranvers zu „Khatam-un-nabiyin“
  2. Diskussion
    1. Diskussion um die Bedeutung
    2. Sich gegenüberstehende Lehrmeinungen
  3. Geschichte
    1. Historischer Kontext zur Bedeutung von Khatam-un-Nabiyin
  4. Quranische Zeugnisse
    1. Quranverse in Zusammenhang mit Khatam-un-Nabiyin
  5. Ahadith
  6. Sprachliche Aspekte
    1. Wörtliche Bedeutung von Khatam
    2. Verwendung des Begriffs „Khatam“ im Arabischen
    3. Beispiele für die Verwendung
  7. Lehrmeinungen
    1. Propheten sind die geistigen Väter der Gläubigen
    2. Aussagen von Gelehrten
  8. Ahmadiyya
    1. Ahmadis glauben felsenfest an Khatam-e-Nabuwwat
    2. Liebe zum Khatam-un-Nabiyin
  9. Quellen

 

Quranvers zu „Khatam-un-nabiyin“

(Notiz: Der Quranvers „Bismillah“, d.h. Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen, der am Anfang so gut wie jeder Sura erscheint, wurde als Vers mitgezählt; nach anderer Zählart wäre es der 40. Vers. Im Folgenden wird jedoch die erstere Zählweise beibehalten)

Der zur Diskussion stehende Quranvers findet sich in der 33. Sura Al-Ahzâb, Vers 41. Gleichzeitig wirft dieser Vers auch Licht über die wahre Bedeutung des Wortes:

„Muhammad ist nicht der Vater eines eurer Männer, sondern der Gesandte Allahs und das Siegel der Propheten; und Allah hat volle Kenntnis aller Dinge.“

 

Diskussion

Diskussion um die Bedeutung

Es herrscht eine aufseiten vieler Muslime leider sehr emotional geführte Debatte um die richtige Übersetzung des Begriffs vor, weil davon abhängig, wie man dies übersetzt, ein ganzer Glaubensbestandteil aufgegeben werden müsste, nämlich der Glaube an die körperliche Wiederkehr Jesu. (Für die Diskussion über den Tod Jesu, vgl. Hauptartikel)

Also: Was heißt Khatam-un-Nabiyin?

Während viele Muslime der Auffassung sind, die Bezeichnung „Siegel der Propheten“ (auf arabisch Khatam-un-Nabiyin) bedeute übersetzt „Der Zeitlich Letzte Aller Propheten“, lässt sich aus den Ahadith, den Aussagen des Heiligen Propheten MuhammadSAW selbst, und aus den Aussagen vieler Gelehrter und Heiliger ableiten, dass diese Bezeichnung nicht mit „Der Letzte“ zu übersetzen ist. Und das aus gutem Grund: Die gleichen Muslime, die diesen Begriff mit „der Letzte aller Propheten“ übersetzen, glauben auf Basis der Ahadith daran, dass in der Endzeit ein Messias, ein Prophet, verheißen wurde, der kommen würde, um den Islam in seiner ursprünglichen Form wiederzubeleben. Nun ist es so: Dieser Verheißene Messias wurde in den Ahadith sowohl „Prophet“ genannt, als auch mit dem Namen „Jesus“ versehen. Wie kann man an den Propheten MuhammadSAW als zeitlich letzten Propheten glauben und gleichzeitig einen Propheten nach ihm erwarten? Das ist das Dilemma. Auf Basis dieses Dilemmas wurde von muslimischen Gelehrten eine sehr merkwürdige Antwort konstruiert, die nicht nur jeglicher Vernunft entbehrt, sondern den Islam zu einem absurden Märchen degradieren würde, wenn man daran ernsthaft festhielte. Doch leider halten immer noch viele Muslime daran fest.

Die Antwort der meisten muslimischen Gelehrten auf dieses Dilemma: Der Verheißene Prophet, also der kommende Messias, wurde Jesus genannt und das ist wörtlich zu nehmen, also kommt auch der historische Prophet JesusAS zurück. Das steht nicht im Widerspruch zu „Khatam-un-Nabiyin“, weil der Prophet JesusAS ja kein Prophet nach dem Propheten MuhammadSAW ist, sondern ein alter Prophet aus der Gefolgschaft des Propheten MosesAS. Problem gelöst! In den Ahadith steht auch, wie er zurückkommt: Getragen von Engeln würde er vom Himmel herabgeflogen kommen. Diese Überlieferung muss auch nicht interpretiert werden, es wird natürlich wortwörtlich so geschehen. Jeder wird es sehen können. JesusAS wurde nämlich nicht gekreuzigt, sondern wurde damals vom Kreuz errettet, indem Allah ihn in den Himmel hat körperlich aufsteigen lassen, wo er nun seit 2000 Jahren auf seinen Einsatz wartet, um wiederzukehren. Und seine Aufgaben sollen Folgende sein: Er würde nach seiner Rückkehr auf die Erde alle Kreuze brechen, die Schweine auf der Welt töten und mithilfe von Gewalt den Glauben verbreiten, mit der Auswahl „Islam annehmen oder sterben“. (vgl. „Die Wahrheit über den Mahdi“, S. 19-26)

Diese Interpretation der sogenannten muslimischen Gelehrten ist weder mit dem Qur‘an, der Sunna des Heiligen ProphetenSAW und seinen Ahadith vereinbar, noch haben wahre muslimische Geistesgrößen je die Meinung gehegt, dass dies der islamischen Lehre entspricht.

Gibt es also eine vernünftige Antwort auf dieses Dilemma? Eine, die auf den islamischen Quellen fußt, also auf den Qur‘an, auf Ahadith usw.? Ja, die Auffassung der Ahmadiyya Muslim Jamaat. Wer versteht, was Khatam-un-Nabiyin wirklich heißt, wird merken, dass es keinen Grund gibt, weiter an dem obigen, selbst erfundenen Märchen festzuhalten. Die Argumente im Folgenden lassen dieses Lügengebäude wie ein Kartenhaus zusammenbrechen und bringen ans Tageslicht, was die wahre Lehre des Heiligen ProphetenSAW ist.

Sich gegenüberstehende Lehrmeinungen

Welche Auslegungen dieses Verses stehen sich gegenüber?

  • Unsere Gegner sagen: In diesem Vers habe Allah den Heiligen Propheten als Khātam an-Nabiyyīn bezeichnet, also könne nun nach ihm kein Gesandter und Prophet mehr kommen. Dieser Ausdruck steht ihrer Ansicht nach für den chronologisch Letzten in der Kette der Propheten. Der Heilige Prophet MuhammadSAW sei der historisch letzte aller Propheten. Die Tür jeglicher Art von Prophetentum sei nun für immer verschlossen.
  • Ahmadi Muslime sagen: Allah hat den Heiligen Propheten MuhammadSAW als Khātam an-Nabiyyīn bezeichnet. Dieser Ausdruck drückt nicht das Ende jeglicher Art von Prophetentum aus. In diesem Vers geht es vielmehr um die Erhabenheit, den höchsten Rang, die Auszeichnung und die Vollkommenheit des Heiligen Propheten MuhammadSAW vor allen anderen Propheten. Es kann also nach ihm kein Prophet mehr kommen, der ein neues Gesetz bringtEine Tür des Prophetentums ist aber noch offen, nämlich die des vollkommenen Gehorsams zum Heiligen Propheten. Von dieser Art des Prophetentums ist die Gemeinschaft des Heiligen ProphetenSAW  nicht ausgeschlossen. Dieser Vers bescheinigt dem Heiligen ProphetenSAW, dass allein sein Siegel es ist, welches künftig Propheten und Gesandte hervorbringen kann. Es ist sein Prägestempel, welcher in jedem künftigen Prophetenamt imprägniert sein muss.

Wir möchten nun folgende Fragen beantworten: Was ist denn die wahre Bedeutung von Khātam an-Nabiyyīn? Ist die Auslegung der Ahmadiyya Muslim Jamaat etwa neu? Ist sie erfunden worden, um den eigenen Anspruch zu festigen? Erklärt denn der Heilige Quran selbst die Bedeutung dieses Wortes? Wie verstand der Heilige Prophet MuhammadSAW selbst, welcher der Träger dieses Titels ist, dieses Wort? Wie verstanden die großen Heiligen und Gelehrten des Islam in den vergangen 1400 Jahren die Bedeutung von Khātam an-Nabiyyīn?

 

Geschichte

Historischer Kontext zur Bedeutung von Khatam-un-Nabiyin

Lassen Sie uns einmal untersuchen, welcher historische Kontext dem eingangs rezitierten Vers über Khātam an-Nabiyyīn zugrunde liegt.

Als die Feinde unseres geliebten Heiligen Propheten MuhammadSAW sahen, dass der Prophet Allahs keine männlichen Nachkommen besaß, da alle seiner Söhne im jungen Alter verstarben und keine Söhne ihm nachfolgen würden, verspotteten sie ihn. Sie beschimpften ihn mit dem Wort „Abtar“, d.h. er sei jemand, der keine Nachkommenschaft habe, seine Botschaft werde deswegen zugrunde gehen und sein Name werde nicht mehr übrig bleiben. Daraufhin gab Allah Seinem Geliebten und Erhabensten unter allen Propheten die frohe Botschaft, die als Sure Al-Kauṯar im Heiligen Qur‘an verewigt wurde. Die gesamte Sure hat den folgenden Wortlaut:

Im Namen Allahs, des Gnädigen, des Barmherzigen.

Wahrlich, Wir haben dir Fülle des Guten gegeben;

so bete zu deinem Herrn und opfere.

Fürwahr, es ist dein Feind, der ohne Nachkommenschaft sein soll.

(Der Heilige Qurʾān, Sura al-kauṯar)

In diesen Versen verbirgt sich ein Versprechen Allahs an Seinen Gesandten. Allah wollte Seinen auserwählten Propheten keineswegs ohne Nachkommenschaft lassen. Seine vollkommene und universelle Botschaft sollte immer lebendig bleiben und Allah versprach ihm Al-Kauṯar (große spirituelle Schätze und Erweisung von großer Gunst) und die Feinde sollten es sein, die ohne Nachkommenschaft bleiben sollten. Allah der Allmächtige verspricht in diesen Versen, dass Er den Heiligen ProphetenSAW  mit einer spirituellen Nachkommenschaft segnen wird, welche die Früchte seiner Gebete und seiner Opfer sein werden. Um weiterhin den Spott der Feinde für immer verstummen zu lassen, offenbarte Allah dem Heiligen Propheten MuhammadSAW den berühmten, eingangs zitierten,  Vers 41 der Sure Al-ˈAḥzāb und gab auf majestätische Weise bekannt:

„Muhammad ist nicht der Vater eines eurer Männer, sondern der Gesandte Allahs und das Siegel der Propheten; und Allah hat volle Kenntnis aller Dinge.“

Das ist also der Hintergrund der Offenbarung dieses Verses, dessen zentrale Aussage in dem Wort Khātam an-Nabiyyīn gipfelt. Der Heilige ProphetSAW  ist die Quelle jeglicher Gunsterweisungen. Er ist derjenige, aus dem diese Segnungen hervorgehen. Er ist nicht jemand, der gekommen ist, um die Tür von Segnungen und Gunsterweisungen zu schließen! Die Interpretation dieses Verses einiger Muslime unterstellt dem Heiligen ProphetenSAW , dass mit ihm das Wasser des Prophetentums ausgetrocknet sei. Sie glauben, dass kein Gesandter Allahs mehr kommen könne, auch wenn er seiner Gefolgschaft angehören würde, sein Diener sein würde, seinen Anspruch auf den Heiligen Propheten MuhammadSAW berufen würde und kein neues Gesetz bringen würde und nur die Lehre des Heiligen Propheten MuhammadSAW der Welt aufzeigen würde.

 

Quranische Zeugnisse

Quranverse in Zusammenhang mit Khatam-un-Nabiyin

Dieser einzigartige Hintergrund lässt also nur die folgende Bedeutung des Verses über Khātam an-Nabiyyīn zu:

O ihr Menschen, MuhammadSAW hat zwar gemäß Gottes Fügung keine leiblichen Söhne, er ist nicht der leibliche Vater eines eurer Männer, doch er ist der Gesandte Allahs, vielmehr noch, er ist das Siegel der Propheten, also der spirituelle Vater aller Gesandten, die jemals gekommen sind oder kommen werden. Er hat also eine großartige spirituelle Nachkommenschaft und nun kann kein Gesandter mehr kommen, außer durch die Bestätigung dieses Siegels. Er ist kein gewöhnlicher Gesandter, sondern einer, auf dem alle Vorzüge und Qualitäten des Prophetentums enden, er ist also der erhabenste aller Gesandten. Allah bekundete also unmissverständlich: Der Heilige ProphetSAW wird keineswegs ohne Nachkommenschaft bleiben.

Genau diese Bedeutung folgt auch aus der Verwendung der arabischen Konjunktion ولکن (wa-lākin), die in diesem Vers zwischen zwei Aussagen steht. Gemäß der arabischen Grammatik beseitigt das Wort ولکن (wa-lākin) jeglichen Zweifel, der aus der ersten der beiden durch dieses Wort gegenübergestellten Aussagen entstehen könnte. Auf der einen Seite von dem Wort ولکن (wa-lākin) steht die Aussage über die fehlende männliche Nachkommenschaft, und auf der anderen Seite sagt Allah, dass der Heilige Prophet stattdessen nicht nur ein Gesandter Allahs ist, sondern der Khātam an-Nabiyyīn ist. Das Wort Khātam an-Nabiyyīn muss also zwangsläufig etwas aussagen, was ein Gegensatz zu den fehlenden Söhnen darstellt und als Gegengewicht dienen kann. Dieser Satz muss also dafür stehen, dass der Heilige ProphetSAW zwar nicht der Vater von leiblichen Söhnen ist, doch der Vater aller Propheten ist. Er muss für einen erhabenen Rang stehen. Er muss für die höchste Stufe unter den Propheten stehen. Er muss dafür stehen, dass er spirituelle Nachkommen haben wird, die ihm und nur ihm zugehörig sein werden. Sie werden aufgrund ihrer wahren Zugehörigkeit zur Gefolgschaft des Heiligen Propheten verschiedene Gunsterweisungen, verschiedene Huldigungen von Gott erhalten, von denen auch an anderen Stellen im Heiligen Qur‘an die Rede ist.

Weiterhin ist der Vers 70 der Sura An-Nisāˈ (4:70) ein Vers von solch wunderbarer Schönheit und voller Gnade für die Gemeinschaft des Heiligen Propheten MuhammadSAW. Darin heißt es:

„Wer Allah und dem Gesandten gehorcht, soll unter denen sein, denen Allah Seine Huld gewährt hat, nämlich unter den Propheten, den Wahrhaftigen, den Blutzeugen und den Rechtschaffenen; und das sind die besten Gefährten.“

In diesem Vers hat Allah vier Ränge erklärt, mit denen Er Seine Gunst jenen erweist, die Allah und diesem bestimmten Propheten, also dem Heiligen Propheten MuhammadSAW, gehorchen. Über diese wahren Diener des Heiligen ProphetenSAW sagt Allah, dass er sie zu nabiyyīn (Propheten)ṣiddīqīn (Wahrhaftigen), šuhadāˈ (Blutzeugen) und ṣāliḥīn (Rechtgeleiteten) macht. In einem Zug nennt Allah vier Gunsterweisungen.

Wenn an dieser Stelle angenommen wird, dass Allah hier nur eine physische Nähe zu den Propheten meint, nicht aber, dass die Muslime selbst diesen Rang bekommen können, dann erweist sich diese irreführende Übersetzung als sehr fatal. Denn wenn man diese Übersetzung wählt, nimmt man in Kauf, dass die wahren Diener des Heiligen ProphetenSAW nicht nur vom Rang des Prophetentums außen vor bleiben. Vielmehr läuft dies zwangsläufig darauf hinaus, dass in der Gemeinschaft des Heiligen ProphetenSAW nun nicht einmal Wahrhaftige geboren werden können, es kann keinen in der Gefolgschaft des Besten aller Propheten geben, den man šahīd (also Märtyrer) nennen kann, mehr noch, ein Mensch aus der Gemeinschaft des Heiligen ProphetenSAW  kann nicht einmal als Rechtgeleiteter bezeichnet werden. Sicherlich ist dies eine falsche und lächerliche Bedeutung. Das kann nicht jene Gemeinschaft sein, über die Allah im Heiligen Qur‘an sagt:

„Ihr seid das beste Volk, hervorgebracht zum Wohl der Menschheit“
Der Heilige Qurʾān, Sura āl ʿimrān (3: 111)

Warum möchte sich die Gemeinschaft des Heiligen Propheten MuhammadSAW selbst dieser Segnungen berauben? Weshalb nehmen muslimische Führer in Kauf, zu einem Volk zu gehören, das sich selbst von den Gnaden Allahs ausschließt?

Tatsache ist, dass es keinen einzigen Vers im Heiligen Qur’an gibt, der das Tor des Prophetentums nach dem Heiligen ProphetenSAW schließen lässt. Vielmehr gibt es Stellen, aus denen hervorgeht, dass diese Segnungen Allahs in der Gemeinschaft des Heiligen ProphetenSAW  nicht nur übrig bleiben werden, sondern die wahren, treuen und gehorsamen Diener des Heiligen Propheten MuhammadSAW noch viel stärker und in einer viel vollkommeneren Weise von diesen Segnungen profitieren werden, als die Völker vor dem Islam. Doch nur durch seinen Gehorsam ist diese Segnung möglich, da die Religion mit dem Islam vervollkommnet wurde und es kein neues Gesetz Gottes mehr geben kann. Jeder neue und wahrhaftige Gesandte muss somit das Siegel des Heiligen Propheten MuhammadSAW tragen.

Ahadith

Was bedeutet Khatam-un-Nabiyin? Das Urteil der Ahadith

Wie verstand der Heilige ProphetSAW  selbst seine Auszeichnung als Khātam an-Nabiyyīn? An dieser Stelle rufen wir uns die berühmten Worte des Heiligen ProphetenSAW  anlässlich des Todes seines Sohnes in Erinnerung. Der Heilige ProphetSAW  sagte:

„Wenn Ibrahim gelebt hätte, dann wäre er ein wahrer Prophet gewesen.“
(Ibn Māja – kitābu l-ǧanāʾiz – Band I, S. 237)

Nun ist es unzweifelhaft geschichtlicher Tatbestand, dass IbrahimRA ungefähr fünf Jahre, nachdem dem Heiligen ProphetenSAW  der Khātam an-Nabiyyīn-Vers offenbart worden war, verstarb. Trotz des früheren Vorhandenseins dieses Verses, verkündete der Heilige ProphetSAW  ausdrücklich und öffentlich, dass sein Sohn Ibrahim ein Prophet geworden wäre, wenn er gelebt hätte. Diese eindeutige Äußerung des Heiligen ProphetenSAW  lehnt jegliche Deutung des Khātam an-Nabiyyīn-Verses als Verschluss des Prophetentums nachdrücklich ab.

Das entspricht nicht nur unserer Sicht der Dinge; in der Tat entnimmt Hadhrat Nūr ad-Dīn ʿAlī ibn Sulṭān al-Qārī, ein anerkannter Gelehrter der Hanafi-Schule, diesem Hadith dieselbe Auslegung. Er sagt:

„Selbst wenn IbrahimRA gelebt hätte und ein Prophet geworden wäre, wäre er ein Gefolgsmann des Heiligen ProphetenSAW  geblieben. Sein Prophetentum wäre dem Titel des Heiligen ProphetenSAW  als Khatamun Nabiyyin nicht entgegengesetzt gewesen. Dem ist so, weil Khatamun Nabiyyien besagt, dass es nach dem Heiligen ProphetenSAW keinen weiteren Propheten geben kann, der ein neues Gesetz mit sich bringt, und keinen Propheten geben kann, der nicht seiner Gemeinschaft und seiner Gefolgschaft entspringt.“

(al- ʾasrāru l-marf ūʿa fī l-aḫbāri l-mauḍūʿa, S. 129.)

 Wenden wir uns jetzt einem anderen Hadith zu, demzufolge der Heilige ProphetSAW  verkündete:

„Abu Bakr ist die erhabenste Persönlichkeit in meiner Gemeinschaft, ausgenommen es erscheint ein Prophet.“ (al- ǧāmiu ṣ- ṣaġīr, Band 1, S. 6)

Aus diesen beiden authentischen Ahadith ist ersichtlich,  dass der Heilige ProphetSAW als Empfänger direkter Offenbarung und Anleitung vom Allmächtigen, die Ankunft von Propheten nach seinem Ableben verkündet hat.

Betrachten wir nun Ahadith und Überlieferungen, auf die sich die nicht-Ahmadi-Muslime zur Unterstützung ihrer Auslegung des Verses verlassen. Eines von diesen ist der Ausspruch des Heiligen ProphetenSAW  „lā nabiyya baʿdī“, welches übersetzt bedeutet: „Es gibt keinen Propheten nach mir“. Wie sind diese Worte zu verstehen? Wenn man sich nur oberflächlich mit dieser Aussage beschäftigt, könnte der Eindruck entstehen, dass tatsächlich kein Prophet mehr erscheinen könne. Doch nicht nur der Vers über Khātam an-Nabiyyīn beseitigt diesen Trugschluss. Wir finden eine entscheidende Aussage von Hadhrat AishaRA, jener heiligen Frau, welche den Titel „Mutter der Gläubigen“ trägt und die nach dem Ableben des Heiligen ProphetenSAW  in Fragen der Theologie im Islam eine einzigartige Stellung hatte und den Gefährten in diesen Fragen Rechtleitung gab. Hadhrat AishaRA sagte:

„Sagt, dass der Heilige Prophet Khātam an-Nabiyyīn (das Siegel der Propheten) ist, aber sagt nicht, dass nach ihm kein Prophet erscheinen wird.“

(durru l-Manṯūr Bd. 5, S. 386)

Diese Aussage von Hadhrat AishaRA, deren Authentizität durch eine vollständige und unanfechtbare Überliefererkette gesichert ist, hat die Frage nach der Bedeutung der letzte Prophet zu sein für immer erklärt. Sie lehrte den Gläubigen, dass sehr wohl ein Gesandter in der Gemeinschaft des Heiligen Propheten MuhammadSAW kommen kann, ohne den Rang des Khātam an-Nabiyyīn zu verletzen.

Viele große Gelehrte des Islam haben dieser Aussage von Hadhrat Aishara ebenjene Bedeutung entnommen, die das Tor des Prophetentums nicht für immer verschließt, sondern mit dem Siegel des Heiligen Propheten die Tür des ihm völlig unterstellten Prophetentums offen lässt.

Im Grunde genommen sind wir mit allen Übersetzungen des Wortes Khātam einverstanden, welche den erhabenen Rang des Heiligen Propheten darlegen. So finden wir ein weiteres Hadith, das keinen Zweifel darüber übrig lässt, was das Wort „Letzter“ denn bedeutet, wenn es in diesem Zusammenhang verwendet wird. In einem Hadith aus der authentischen Hadith-Sammlung Sahih Muslim heißt es:

فَاِنِّی آخِرُ الْاَنْبِیَاءِ وَاِنَّ مَسْجِدِیْ آخِرُ الْمَسَاجِدِ

Der Heilige ProphetSAW  sagte: „Ich bin der letzte der Propheten, und meine Moschee ist die letzte Moschee.“ (ṣaḥīḥ Muslim, kitābu l-ḥaǧǧ)

Er deutete damit offensichtlich an, dass es genauso wenig einen Propheten wie ihn geben werde, wie es keine Moschee solcher Herrlichkeit und innerer Schönheit wie seine Moschee geben werde. Zukünftige Moscheen werden nicht von gleicher Herrlichkeit sein und ein Abglanz der Moschee des Propheten sein. Die Möglichkeit, dass die Worte falsch verstanden oder falsch ausgelegt würden, wurde vollständig durch den Zusatz geklärt: ich bin der Letzte der Propheten auf die gleiche Art und Weise und in dem gleichen Sinne, wie meine Moschee die Letzte der Moscheen verkörpert. Keineswegs bedeutet dies, dass nach der Moschee des Propheten keine Moschee mehr gebaut werden kann oder dass keine Moschee nach dieser als solche bezeichnet werden kann.

 

Sprachliche Aspekte

Wörtliche Bedeutung von Khatam

An dieser Stelle sollten wir die wörtliche Bedeutung des Wortes „Khatam“ ins Auge fassen.

„Khatam“ heißt „das Siegel“, welches als ein Werkzeug bezeichnet wird, das einen eigenen Abdruck auf anderen Dingen hinterlässt. Die Hauptanwendung, einen solchen Abdruck unter Verwendung eines Siegels zu erstellen. besteht darin zu bestätigen, zu beglaubigen, oder etwas auszuhändigen, auszugeben, im Namen und im Auftrag des Siegelhalters, des Siegelbewahrers. Wörtlich gesprochen wäre daher das „Siegel der Propheten“ ein Prophet, der beglaubigt und bestätigt; der anderen den Stempel aufdrückt, das Prophetentum anderer Propheten als Beispiel, und deren vollständiger und fehlerloser Gehorsam kann einen „Abdruck des Prophetentums“ auf seinen fehlerlosen und ausgewählten Anhängern hinterlassen, ihnen „den Stempel aufdrücken ein von Gott kommender Wahrhaftiger“.

Es muss bemerkt werden, dass der Sinn „etwas verschließen“, etwas abzuschließen, der allgemein mit dem Wort Siegel in Verbindung gebracht wird, nicht die wirkliche Bedeutung oder Anwendung ist. In der Tat, das Siegel wird nicht auf einen Briefumschlag oder an einer Tür angebracht, um diese zu verschließen, sondern um den Verschluss zu bestätigen. Der Verschluss wird durch Klebstoff oder einem Schloss in den erwähnten Fällen erreicht, während das Siegel angebracht wird, um den erfolgten Verschluss als Vorgang durch den Siegelhalter zu bestätigen. Wenn so ein Siegel nicht sauber und klar erkennbar ist oder unberechtigterweise behandelt worden ist, so mag der Verschluss der Sache angezweifelt werden; denn der Zweck einer Bestätigung wurde in solchen Fällen nicht erfüllt. So bleibt der wirkliche und erstweilige Zweck des Siegels „zu bestätigen“ oder „etwas auszustellen“, „etwas auszuweisen“ durch seinen Abdruck auf anderen Gegenständen.

Verwendung des Begriffs „Khatam“ im Arabischen

Die meisten Menschen neigen dazu, die Ankunft des Verheißenen Messias aus Gründen, die widersprüchlich zur „Endgültigkeit des Heiligen ProphetenSAW“ stehen, anzuzweifeln oder gar abzulehnen. Es erscheint daher notwendig, die Bezeichnung »Khatamun-Nabiyyin« zu erklären, die zum Lob des Heiligen Prophetensaw benutzt wird, um zu sehen wie es die Ankunft einen „Propheten Messias“ im Islam beeinflusst.

Es bedingt einen kleinen Ausflug in die Gepflogenheiten des Sprachgebrauches allgemein und des Arabischen im Besonderen. Wir wissen, die Bezeichnung »Khatamun-nabiyyin«, die wörtlich übersetzt „Siegel der Propheten“ bedeutet, ist grammatisch eine Wortzusammensetzung, im arabischen auch „Murakabe-Ezafi“ (i.d. eine Genitivverbindung) genannt. Das Wort »Khatam« = Siegel, ist dabei das Grundwort, „Muzaf“ und „Nabiyyin“ = Propheten, ist das Zusatz-, das Zusammensetzwort, das „Muzaf Eleh“. Es ist natürlich eine Sache des allgemeinen Wissens, dass derartige Wortzusammensetzungen oft eine weitere Bedeutung erreichen, eine zusätzliche Bezeichnung schaffen, unabhängig von den Worten, in den meisten Fällen zwei, die diese Zusammensetzung bilden.

Zum Beispiel „Ibn“ heißt Sohn, und „Sbeel“ heißt der Weg; aber setzt man beide zusammen, um „Ibn-Sbeel“ zu bekommen, so hat man keinen „Sohn des Weges“ vor sich, sondern man bekommt einen „Reisenden“. Dieses kleine Beispiel sollte nur andeuten, dass der wirkliche Sinn einer Bezeichnung einmal durch die Grammatik bestimmt wird, zum anderen aber auch eine Frage der Anwendung der Sprache bleibt, wie ein Wort oder eine Bezeichnung im Sprachfluss und im Sinne des Zusammenhanges angewandt wird. Wir wollen nun versuchen, die wirkliche Bedeutung der Bezeichnung »Khatamun-Nabiyyin« zu finden.

Es ist eine anerkannte und unabänderliche Regel der arabischen Sprache und Grammatik, dass in Fällen, in denen das Wort „Khatam“ – Siegel – als Lob für eine Person angewandt wird und das Koppelwort, das Zusatzwort (Muzaf- Eleh), in seiner eigenen Bedeutung „eine Gruppe von begabten Leuten“ beschreibt;

Es bedeutet niemals, dass die Person, die man mit dem Titel oder Zusatz „Khatam“ erleuchtet, die letzte ist, die Endgültige im Auftritt in Beziehung zur Zeit und dem Zeitablauf. Es bedeutet immer nach Meinung des Anwenders, dass es sich hier um eine Person handelt, die durch perfekte und hervorstechende Eigenschaften aus „der Gruppe der begabten Leute“ herausragt.

Die besagte Person hat die höchste Stufe und beste Form in einer gewissen Tätigkeit erreicht. Die islamische Literatur ist voll solcher Beispiele, und es gibt kaum eine Aussage, die dagegen sprechen könnte.

Beispiele für die Verwendung

Einige dieser Beispiele sollen hier aufgeführt werden:

Khatamu-Shu’ra ist der „Khatam der Poeten“, der „Größte aller Dichter“. Es könnte kaum anders sein, weniger noch könnte es der „Letzte Dichter aller Zeiten“ heißen. Er ist der Beste, der Auserwählte, aus einer ganzen Gruppe von Poeten.

Khatamul-Mufassarin ist ein „Khatam der Kommentatoren“, ein geübter Erklärer, der Beste seiner Klasse und seines Berufes. Er ist sicherlich nicht der Letztgeborene, einmalig und endgültig, ohne jede Hoffnung, dass anderswo und nach ihm ein glänzender Kommentator seines Amtes walten kann.

Ähnlicherweise wurde das Wort „Khatam“ mit vielen anderen „Gruppen von begabten Leuten“ in Verbindung gebracht, etwa „Muhaqaqueen“ – Der Forscher, der Untersucher; „Muhadaseen“, der Hadith-Überlieferer; „Hukkam“, die Offiziere; „Mualameen“, die Lehrer; „Auliyya“, die Freunde Gottes. In keiner dieser Verbindung heißt die Bezeichnung „Khatam“ der Letzte, der je geboren wurde, oder der Letzte, der auf dieser Welt erscheint. Es bedeutet in diesen Fällen lediglich nach Meinung der Anwender, die mit Khatam bezeichnete Person ist eine der besten und begabtesten in oder aus „der Gruppe der begabten Leuten“.

In Erinnerung an die Regeln der arabischen Sprache wird es jedem wahrheitssuchenden Menschen klar, dass die Bezeichnung „Khatamun-Nabiyyin“, so wie sie als Lob des Heiligen ProphetenSAW angewandt wird, nur bedeuten kann, dass er der beste, vollständigste und hervorragendste Prophet ist, der den letzten, endgültigen und höchsten Rang des Prophetentums erlangt hatte. Kein höher stehender oder größerer Prophet kann nach ihm erscheinen; jedoch die Erscheinung eines prophetischen Messias, eines Nachfolgenden, Untergebenen, eines Dieners, kann nicht widersprüchlich zu diesem Titel und Anspruch sein. Das ist es. was der Heilige ProphetSAW sowie die Gelehrten des Islams unter der Bezeichnung verstanden.

Vom Heiligen ProphetenSAW wird berichtet, er habe zu Hadhrat Ali gesagt: »Oh, Ali, du bist der beste der Freunde Gottes (Khatamul-Auliya), so wie ich das Siegel der Propheten bin (Khatam-ul-Anbiyya). (Tafseer-Safi. Seite III)

Zweifelsohne kann diese Aussage nicht bedeuten, Hadhrat Ali sei der letzte Gottesfreund gewesen. Es kann nur bedeuten, dass er der beste Gottesfreund war, ebenso wie der Heilige ProphetSAW der Beste der Besten war.

Auch nannte er seinen Onkel Hadhrat ʿAbbāsrs „Khātamu l-muhāǧirīn“ – das Siegel der Auswanderer. Als der Gesandte Allahs von Badr zurückkam, bat sein Onkel Abbas um die Erlaubnis, nach Mekka zurückzukehren, um von dort aus zum Gesandten Allahs zu ziehen. Der Heilige ProphetSAW  erwiderte darauf: „Sei unbesorgt, Onkel, du bist genauso Khātamu l-muhāǧirīn (Siegel der Auswanderer) wie ich Khātamu n-Nabiyyīn (Siegel der Propheten) bin.“

Es sind noch etliche weitere Beispiele zu finden. Können wir nun annehmen, dass es nach diesen Menschen niemals mehr Forscher geben kann? Oder dass kein Mensch es nun wagen darf, sich als Dichter zu bezeichnen? Hat der Heilige ProphetSAW  gemeint, dass es nach Hadhrat ʿAbbāsRA keinen Auswanderer mehr geben wird?

Der Quran, die Ahadith, die Aussagen großer Heiliger und der menschliche Verstand, allesamt leugnen diese Auffassung!

 

Lehrmeinungen

Propheten sind die geistigen Väter der Gläubigen

Es muß daran erinnert werden, ein Prophet ist der „Vater“ seiner Glaubensbrüder, seiner Anhänger; denn die Frauen des Propheten werden als „Mütter“ der Anhänger im Heiligen Qurân benannt. (33:7) Mit diesen Tatsachen in Erinnerung lesen wir die Verse 33:41 nochmals und sehen, dass, als Gott sagte: »Mohammed ist nicht der Vater eines eurer Männer«, Gott dem Heiligen ProphetenSAW die körperliche Vaterschaft verneinte, jedoch glich Er diesen Verlust mit einem großen „Sondern“ wieder aus und fügte hinzu, dass der Prophet der Vater einer Nation ist als der „Bote Gottes“, der er zur gleichen Zeit war, und sogar der Vater der Propheten sei aufgrund seines Amtes als das „Siegel der Propheten“.

Das Siegel, in diesem Vers enthalten, konnte niemals der Letzte, oder das Ende heißen. Es kann nur heißen, es ist das Siegel, das Etwas hervorbringt; denn es sind die körperlichen Sprößlinge, die dem Heiligen ProphetenSAW verneint werden, in der ersten Hälfte des Verses deutlich ausgedrückt. Wodurch die zweite Hälfte des Verses notwendigerweise das Vorhandensein von „geistigen Sprößlingen“ anerkennen muss.

Was Gott aber wirklich der Menschheit sagen will, ist, obwohl Mohammed nicht der körperliche, der leibliche Vater eines Eurer Männer ist, so ist er doch der „geistige Vater“ einer Nation, und darüber hinaus ist er der „Vater der Propheten“; damit zählt er sogar andere Propheten zu seinen geistigen Söhnen.

Es sollte nochmals zur Kenntnis gebracht werden, dass jeder Prophet der Vater seiner Glaubensbrüder ist, und die Worte „Bote Gottes“ im Vers machten den Heiligen ProphetenSAW nur zum „Vater“ seiner Glaubensbrüder in Gemeinsamkeit mit den anderen Propheten. Es ist der nächste Titel, das Siegel des Propheten, der ihn über alle anderen Propheten emporhob, als den Vater oder Aussteller der Propheten.

Aussagen von Gelehrten

Ein großer Gelehrter des Islam, Abū ʿAbdullāh Muḥammad ibn ʿAlī al-Ḥakīm at-Tirmiḏī, sagt über das Wort Khātam:

„Gemäß unserer Auffassung bedeutet dieses, dass das Prophetentum im Wesen des Heiligen Propheten MuhammadSAW mit all seinen Vorzügen seine Vollkommenheit erlangt hat. Sein Herz war wie ein Behältnis für die Vorzüglichkeiten des Prophetentums, das dann mit einem Siegel versehen wurde. Die Auslegung, dass die Bedeutung von Khātam an-Nabiyyīn der letzte zu erscheinende Prophet sei, drückt doch keine Auszeichnung aus! Welche Erkenntnis steckt denn darin? Das ist zweifellos eine Auslegung der Toren und Unwissenden!“ (Kitāb Khatma l-ʾAuliyāʾ, S. 341)

Welchen Wert hat es denn überhaupt, der chronologisch Letzte zu sein? In der Tat ist eine solche fehlerhafte Übersetzung nicht nur unsinnig, sondern sie schmälert den Rang des Heiligen Propheten MuhammadSAW. Sie gibt den Feinden des Propheten weiterhin die Möglichkeit, sich in ihrem Spott bestätigt zu fühlen und steht im starken Widerspruch zum Rest des Heiligen Qur‘an.

Zum Beispiel Imam Mohamed Tahier (st. 986 H) erläuterte:

»Diese Aussage ist im Hinblick auf die Wiederkehr Jesusas zu sehen, und läuft nicht grundsätzlich zu Hadith und dem „Kein Prophet nach mir“; denn mit diesem Ausspruch meinte der Heilige Prophet, dass da kein Prophet sei oder komme, der seine Gesetze außer Kraft setze. « (Takmila Majmaal Bahar, Seite 88).

Im sechsten Jahrhundert nach der Hidschra verkündete Hadhrat Muḥyī d-Dīn Ibn ʿArabī, der weltbekannte muslimische Gelehrte und Kommentator (der im Jahre 638 nach der Hidschra verstarb), in seinem Werk al-futūḥātu l-makkiyya:

„Wir wissen mit Sicherheit, dass es in der muslimischen Gemeinschaft Personen geben wird, deren Rang Allah zufolge der eines Propheten sein wird, indes wird solch ein Prophetentum ohne ein neues Gesetz sein.“ (al-futūḥātu l-makkiyya, S. 177 ff.)

»Das Prophetentum, das mit dem Heiligen Prophetensaw endete, ist das gesetzgebende, und nicht die eigentliche Einrichtung… Und mit seinem Ausspruch „Kein Prophet nach mir“ meinte er, keiner kann kommen, der gegen sein Gesetz ist; sondern jeder Prophet der nach ihm erscheint, würde seinem Gesetz unterstehen. «

Und es wird weiterhin erklärt:

»… So wird das Prophetentum bis zum Tage des Jüngsten Gerichtes fortgesetzt werden, aber das Gesetz ist am Ende angekommen; und Gesetze zu bringen ist nur ein Teil des Prophetentums… Jesusas wird ohne Gesetz herabsteigen, doch wird er ohne jeden Zweifel ein Prophet sein. « (Fatuhale-Makia, Band 2, Seite 3,100)

 Allama Abdul Wahab She’rani (st. 972 H) schreibt:

»Nehmet zur Kenntnis, das Prophetentum ist nicht völlig beendet worden; nur das gesetzbringende ist aufgehoben …«. »Da sind Propheten in der Vergangenheit in der Welt gewesen, und es wird in Zukunft auch weitere geben, aber sie werden dem Gesetz des Heiligen Prophetensaw untergeordnet sein. Jedoch die meisten Menschen wissen das nicht. « (Alyawakit-wal-Jahawar, Band 2. Seiten 28,90)

Imam Fakharuddin Razi (st. 606 H) erklärt:

»Es ist erforderlich für „Khatam“ überragend zu sein, genauso wie der Heilige Prophet überragend erklärt wurde aufgrund seines Daseins als Prophet aller Propheten, so ist der Mensch überragend erklärt worden aufgrund seines Daseins als der Herrscher über alle Lebewesen.« (Tafseer-e-Kabir, Band 6? Seite 31)

 Maulana Mohammad Quasim Nanotovi, der Gründer der »Deobandi« Rechtsschule des Islams, erklärte das Wort „Khatam“ wie folgt:

»So wie das Siegel (Khatam) seinen Abdruck auf den Gegenständen hinterläßt, so beeinflußt die in sich strahlende Persönlichkeit seine edlen Anhänger…«

»Das Prophetentum des Heiligen Prophetensaw ist ein eigentlicher Teil seiner gesegneten Persönlichkeit, während die der anderen Propheten durch seine Einwirkungen geformt werden. Andere sind durch seine Gnade Propheten, aber er bedarf der Gnade keiner Person, um sein Amt auszuführen; und das ist die Art, wie das Prophetentum mit ihm endet. Er ist daher sowohl der Prophet Gottes als auch der Prophet der Propheten. « (Tehzir-an-nas, Seiten 3,4, 10)

Maulana Mohammad Quasim Nanotavi erklärt wiederum:

„Der Laie sagt, dass der Gesandte Allahs in dem Sinne der „Khātam“ ist, dass seine Zeit als Prophet nach allen anderen Propheten kam und er der Letzte unter den Propheten sei. Doch Menschen mit Verstand wird es sehr wohl einleuchten, dass zeitlich der Erste oder der Letzte zu sein für sich genommen nichts Vorzügliches darstellt. Wie könnten sonst die Worte „sondern (er ist)der Gesandte Allahs und das Siegel der Propheten“ denn als Ehrerweisung verstanden werden? Wenn aber angenommen werden soll, dass diese Eigenschaft nicht eine Vorzüglichkeit darstellt, dann kann Khātam als zeitliches Ende verstanden werden. Doch ich bin mir im Klaren, dass niemand unter den Muslimen bereit sein würde, diese Bedeutung zu akzeptieren.“ (Tehzir-an-nas, Seiten 2,10)

Er stellt weiter fest:

„Wenn wir annehmen, dass ein Prophet nach dem Heiligen ProphetenSAW  erscheinen wird, so wird dies nicht im Geringsten einen Einfluss darauf haben, dass der Heilige Prophet MuhammadSAW der Khātam ist.“

Maulana Shabeer Ahmad Usmani, „Sheikh-ul-Islam“, Pakistan, schreibt in seiner Übersetzung des Heiligen Qurâns, in der er den Titel „Khatam-Nabiyyin“ erläutert:

»… So können wir sagen, dass er – der Heilige ProphetSAW – das Siegel der Propheten ist in Bezug auf seinen Rang sowie auf die Zeit; und Jene, denen das Prophetentum übertragen wurde, erhielten es durch den Abdruck seines Siegels.«

Die oben angeführten Zitate sind eine sehr kleine Auswahl von hunderten aus den Schriften berühmter Heiliger und weltbekannter Reformer. Von frühester Stunde des Islam an bis hin in das 19. Jahrhundert zeigen diese auf, dass der Titel des Heiligen ProphetenSAW  als Khātam an-Nabiyyīn in keiner Weise das Erscheinen von Propheten ausschließt, die kein neues Gesetz mit sich bringen und die vollkommene Diener und Anhänger des Heiligen ProphetenSAW  sind.

 

Ahmadiyya

Ahmadis glauben felsenfest an Khatam-e-Nabuwwat

Die größte und schmerzhafteste Lüge gegen Ahmadi-Muslime lautet, sie würden dem Heiligen ProphetenSAW den Rang als Siegel der Propheten aberkennen und nicht daran glauben. Dies könnte ferner von der Wahrheit nicht sein! Ahmadi-Muslime glauben unerschütterlich und mit felsenfestem Glauben daran, dass der Heilige ProphetSAW Khatam-un-Nabiyin ist.

Der Heilige ProphetSAW  hat den Zustand der Muslime in der Endzeit sehr klar und deutlich dargelegt. Vom Quran würde nur noch die Schrift übrig bleiben, die Moscheen würden zwar voll von Menschen sein, jedoch leer vom Glauben. Der Zustand der Religion würde so schlecht sein, dass der Glaube die Welt verlassen würde.

In dieser Zeit würde der Messias kommen. Der Heilige ProphetSAW stellte klar, dass seine Gefolgschaft es sein wird, die diesen Messias und Mahdi hervorbringen wird. Er würde nicht derselbe Jesus, Sohn der Maria sein, von dem einige Muslime behaupten, er sei lebendig im Himmel.

In der authentischen Hadith-Sammlung, ṣaḥīḥ Muslim, bezeichnet der Heilige Prophet, Friede und Segen Allahs seien auf ihm, den zukünftigen Messias nicht weniger als viermal innerhalb eines einzigen Hadith als Propheten Allahs (nabīʾu llāh). Dieses Vorgehen, den zukünftigen Messias wiederholt als Prophet zu bezeichnen, diente sicherlich dazu, der Gemeinschaft zu Bewusstsein zu bringen, sich nicht in die Irre leiten zu lassen und diesen springenden Punkt mit Gewissheit zu begreifen.

Der Messias der Endzeit ist gekommen! Jener Messias, der ein vollkommener Diener des Heiligen Propheten MuhammadSAW sein sollte. Jener Messias, der aus seiner Quelle schöpfen sollte und der Menschheit die Botschaft des Heiligen Propheten mitteilen sollte, er ist bereits vor mehr als 120 Jahren erschienen.

Er ist erschienen in Person von Hadhrat Mirza Ghulam AhmadAS aus Qadian. Jede Prophezeiung des Heiligen Qur‘an über die Endzeit und alle Vorhersagen der Ahadith haben sich in seiner Person erfüllt. Er ist der Mensch, der von seinem Meister den Titel „Prophet“, Messias und Mahdi erlangt hat. Er ist jener Messias, der aus der Gemeinschaft des Heiligen Propheten kommt und unmittelbar den Segen des Heiligen Propheten erlangt hat. Es wäre absurd zu behaupten, eine Person eines anderen Volkes würde in die Gemeinschaft des Heiligen Propheten MuhammadSAW erscheinen, um diese Aufgabe zu erfüllen. Gottes Wille war es, dass Er den verheißenen Messias selbst aus dem gesegneten und besten aller Völker erscheinen lässt, anstatt eines fremden Messias, welcher vom Himmel herunterkommen würde.

Den einzig noch offenen Weg des Prophetenamtes erläuternd schreibt der Verheißene MessiasAS:

„Wir haben ehrlichen und vollen Glauben in den Vers: Und er ist der Gesandte Allahs und das Siegel der Propheten. Dieser Vers verkörpert fürwahr eine Prophezeiung, von der unsere Gegner keine Vorstellung haben. Die Prophezeiung ist die, dass nach dem Heiligen ProphetenSAW  alle Türen der Offenbarung nunmehr geschlossen sind, geschlossen bis zum Tag des Gerichts. Unmöglich ist es für einen Hindu, Juden, Christen oder einen sich so bezeichnenden Muslim, sich selbst als Prophet zu beweisen, da alle Fenster zum Prophetentum geschlossen sind. Nur ein Fenster ist offen. Und das ist das Fenster wahrer Gefolgschaft, der Selbstauflösung im Heiligen ProphetenSAW . Demjenigen, der Gott durch dieses Fenster erreicht, wird als Widerspiegelung der Mantel der Prophetenschaft Muhammads verliehen. Sein Prophetsein verletzt in keiner Weise die Ehre. Denn er erlangt nichts durch sich selbst. Vielmehr schöpft er von der Quelle seines Meisters, dem Heiligen Propheten. Und die Erlangung dessen zeichnet nicht ihn selbst aus, sondern den Heiligen Propheten. Deswegen erlangte er die Namen Muhammad und Ahmad im Himmel… Kurz gesagt, mein Prophetsein entspringt der Tatsache, dass ich eine vollkommene Widerspiegelung von Muhammad und Ahmad bin. Ich besitze es nicht aufgrund meiner selbst. Ich habe die Namen Muhammad und Ahmad wegen meiner selbstaufgehenden Hingabe an den Heiligen Propheten verdient.“

Der Verheißene MessiasAS sagt weiter:

„Diese Ehre wurde mir nur verliehen, weil ich ein wahrer Gefolgsmann und Diener des Heiligen Propheten, Friede und Segen Allahs seien auf ihm, bin. Hätte ich nicht seiner Gemeinschaft angehört und wäre ich nicht sein Gefolgsmann gewesen, dann hätte ich niemals die Ehre des Zwiegesprächs mit Gott erhalten, selbst wenn meine Dienste so gewaltig und groß wie alle Berge dieser Welt gewesen wären. Dies ist wahr, da nunmehr alle Pforten zum Prophetentum geschlossen sind, ausgenommen die Pforte und das Prophetentum des Heiligen Propheten. Nach ihm kann es keinen Propheten mit einem neuen Gesetz geben. Die einzige Art von Prophetentum, die jetzt noch bestehen bleibt, ist jene, welche ohne ein neues Gesetz daherkommt und Bestandteil der wahren Gemeinschaft ist. In diesem Sinne bin ich sowohl ein Gefolgsmann als auch ein Prophet. Mein Prophetentum, nämlich das göttliche Gespräch, ist eine Widerspieglung des Prophetentums des Heiligen ProphetenSAW . Ohne diese ist mein Prophetentum nichts weiter. Es ist das Prophetenamt MuhammadsSAW, das sich in meiner Person widerspiegelt.“ (In: taǧalliyāt-e ʾilāhiya)

Liebe zum Khatam-un-Nabiyin

Der Heilige Prophet MuhammadSAW hatte jene Zeit vorhergesagt, in der das „khilāfatun ʿalā minhāǧi n-nabuwwa“ – das Khilafat auf der Grundlage des Prophetentums – wieder etabliert werden würde. Wer kann sich heute damit auszeichnen, Diener dieses gesegneten göttlichen System zu sein? Wer ist es, der diese göttlichen Segnungen und Gunsterweisungen durch das Khilafat erfährt? Es ist einzig und allein die Jamaat (Gemeinde) des Verheißenen MessiasAS. Er hat durch sein völliges Aufgehen in seinem Meister, dem Heiligen Propheten MuhammadSAW, einen solch großen Schatz hinterlassen, welcher seine Segnungen aufgrund des Segens des heiligen Propheten MuhammadSAW in der ganzen Welt verbreitet.

All dies sind Segnungen, welche der Jamaat des Verheissenen MessiasAS zuteilwurden,  durch den Segen des Khātam an-Nabiyyīn. Nur wenn wir die wahre Bedeutung von Khātam an-Nabiyyīn verstehen, ist es möglich an den Segnungen von Khatme Nabuwwat teilzuhaben. Lassen Sie uns die Tür des Prophetentums aufgrund des völligen Gehorsams zum Heiligen ProphetenSAW offen, sonst werden wir von diesen Segnungen außen vor bleiben. Kein fremder Messias wird vom Himmel herabsteigen. Der vom Heiligen Propheten MuhammadSAW vorhergesagte Messias ist gekommen, völlig versunken in der Liebe seines Meisters, um die Schätze des Heiligen ProphetenSAW  zu verbreiten.

Der Verheißene MessiasAS schrieb in völliger Liebe und Hingabe zu seinem Meister, dem Heiligen Propheten MuhammadSAW:

لَا شَکَّ اَنَّ مُحَمَّدًا خَیْرُ الْوَرٰی

رَیْقُ الْکِرَامِ وَنُخْبَﺔُ الْاَعْیَانٖ

تَمَّتْ عَلَیْہِ صِفَاتُ کُلِّ مَزِیَّﺔٍ

خُتِمَتْ بِہٖ نَعْمَاءُ کُلِّ زَمَانٖ

Ohne Zweifel ist Muhammad der Beste der Schöpfung

Der Höchste unter den Angesehenen, und Auserwählter unter den Anführern.

Die Attribute jeglicher Form von Erhabenheit fanden in ihm ihre Vervollkommnung,

Die Gnaden jeder Zeit fanden in ihm ihre Vollendung.

 

Quellen

Modifiziert nach: https://muslimischefeder.de/die-wahre-bedeutung-von-khatam-an-nabiyyin/

http://www.ahmadiyya.de/ahmadiyya/prophezeiungen-ueber-die-ahmadiyya-muslim-jamaat/der-messias-und-die-endgueltigkeit-des-heiligen-propheten-saw/

[Letzter Zugriff: 17.08.2017]


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