Die Helfer des Königs der Feder.

Kreuze brechen und Schweine töten?

 

„Theepochtimes.deutsch“ bringt einen Artikel heraus. Über Ahmadis. In dem heißt es – Achtung –:

Artikeltitel: Grundlos wird von einer sogenannten „Islam-Expertin“ versucht, Stimmungsmache zu betreiben.

Artikeltitel: Grundlos wird von einer sogenannten „Islam-Expertin“ versucht, Stimmungsmache zu betreiben.

Begründer wolle mit dem „Kreuz brechen” und das „Schwein vernichten”. Ich bin praktizierender Ahmadi-Muslim, aber: Vernichtung der Christenheit im Sinn? Nicht wirklich. Facebook-Freund Patrik Di Clemente ist beispielsweise ein Christ, wieso sollte ich ihn vernichten wollen? Wir kennen uns schon eine Weile, ich habe viele christliche Freunde. Bisher habe ich noch nicht das Bedürfnis gehabt, ihre Kreuze zu brechen. Ich war auch schon des Öfteren in einer Kirche, hatte auch hier und da mal ein Kreuz in der Hand, ohne mir jedoch daran die Finger zu verbrennen.

Als Muslim liebe ich meine christlichen Geschwister! Tatsache ist, um den Autor mal auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen: Da hat wohl jemand seine Hausaufgaben als Journalist bzw. Journalistin nicht gemacht. Da fragt man sich doch echt, was die Herren und Damen sich dabei denken? In dem Text geht es erst einmal um den Besuch der Bundeswehr in der Moschee der Ahmadiyya Muslim Jamaat in Hannover. Im Netz schrien die selbsterklärten Islamversteher: „Unsere Bundeswehr wird islamisiert! Rette sich, wer kann!“ Nebenbei bemerkt, die Bundeswehr war heute auch in Koblenz.

So, liebe selbsterklärte Islamkenner, liebe Islamkritiker und liebe Islamhasser (Achtung, Sarkasmus!):

Wir und die Bundeswehr haben beschlossen, das Land zu übernehmen. Wir werden alle Menschen, ob sie wollen oder nicht, islamisieren. Alle bekommen von uns eine Packung Islam in die Hand gedrückt, mit den herzlichsten muslimischsten Grüßen aus Islamistan -äh pardon- Deutschland und auch leckeres pakistanisches Essen, damit auch der Magen islamisiert wird, denn Liebe geht ja bekanntlich durch den Magen!

… So leid es mir tut, aber so oder so ähnlich ist das Denkniveau derjenigen, die von der „Islamisierung“ der Bundeswehr sprechen, wenn diese auch nur einen Fuß in eine Moschee setzt. Am liebsten hätten jene Leute, die solche Behauptungen aufstellen, keinen Austausch, keinen Dialog und würden am liebsten das „Wir“-gegen-„Die“-Denken für immer zementieren und konservieren.

Wie dem auch sei. Man kommt heutzutage sehr leicht an Informationen heran, vorausgesetzt, man weiß, wo man (nicht!) zu suchen hat. Der Begründer der Ahmadiyya Muslim Jamaat, Seine Heiligkeit Mirza Ghulam AhmadAS, ist bereits im Jahr 1908 (n.Chr.) verstorben. Wenn man mit dieser Information ausgestattet den Titel nun liest „Begründer will mit dem „Kreuz brechen” und das „Schwein vernichten”“, dann versteht man auch, dass es unkundigen Lesern das Gefühl einer akuten Gefahr vermitteln soll und man begreift, wieso Leser, die die Ahmadiyya-Lehre kennen, sich nur an den Kopf fassen können und stöhnend sagen müssen: „Qualitätsjournalismus“ mal wieder!

Nun kommen wir zum nächsten Teil des Satzes: „Das Schwein vernichten“. Eine überspitzte Kalkulation schafft Abhilfe: Der weltweite Schweinebestand im Jahr 2017 beträgt 769 Millionen*. Wenn man für die „Vernichtung“ eines Schweins nur 5 Minuten bräuchte und pausenlos eins nach dem anderen vernichten könnte, dann wären das 3.845.000.000 Minuten und das sind mehr als 7315 Jahre pausenloses Schweineschlachten am Stück. Da ich bislang zumindest keinen Ahmadi habe jemals ein Schwein schlachten sehen, wird es also wohl noch etwas dauern, bis diese Warnung der „Epoch Times“ eintrifft. Analog übrigens mit der Unzahl an Kreuzen, die es auf der gesamten Welt gibt. Die Mühe macht sich keiner, das kann ich Ihnen getrost versprechen. Die Wahrheit sieht nämlich so aus, dass sich hinter dem „Kreuz brechen“ und „Schwein töten“ gänzlich andere –nicht  wortwörtlich auszulegende– Bedeutungen verbergen.

Sie machen sich mit diesen billigen Versuchen von Stimmungsmache nur selbst lächerlich. „Ahmadi Muslime wollen mit dem Kreuz brechen“, so die Zusammenfassung. Die Wahrheit ist, dass diese Zitate gar nicht so ausgelegt werden können, wie Sie es uns weismachen wollen. Stellt sich die Frage, liebe Redaktion, was genau wollen wir mit dem Kreuz brechen? Etwa unser Fasten? Es hätte ausgereicht, wenn man diese Phrase „Kreuz brechen Ahmadiyya“ in eine Suchmaschine (etwa Google) eingegeben hätte und nicht (!) auf den Link „Feindbild Christentum – Ahmadiyya-Islam – Dr. Hiltrud Schröter*“ geklickt hätte, sondern auf den ersten Link der ahmadiyya.de Webseite!

(*Einige nette Infos zu Frau Schröter: “In einer Anhörung beim Bauausschuss in Hannover warf der Religionswissenschaftler Peter Antes Schröter vor, unwissenschaftlich und mit nicht belegten Unterstellungen zu arbeiten. Er betonte, dass ihre Ausführungen keine verwertbaren Quellen enthielten und gerade die Ahmadiyya-Gemeinde sich als islamische Gemeinschaft zur Demokratie bekenne.”)

 

Sogar eine faire Google-Suche bringt ergiebigere Ergebnisse.

Sogar eine faire Google-Suche bringt ergiebigere Ergebnisse.

Dann hätte man plötzlich folgende, in Klammern geschriebene, Erklärung und Auslegung des Satzes gefunden, der eine Prophezeiung des Propheten MuhammadSAW darstellt:

 

Auslegung der zitierten Stellen vonseiten der Ahmadiyya (gefunden über eine einfache Google-Suche)

Auslegung der zitierten Stellen vonseiten der Ahmadiyya (gefunden über eine einfache Google-Suche)

Dort heißt es, dass die Wiederkehr Jesu in der Endzeit, der Verheißene MessiasAS, der der Begründer der Ahmadiyya Muslim Jamaat zu sein beanspruchte, das „Kreuz brechen“ werde, also die christliche Überzeugung vom Kreuzestod Jesu argumentativ widerlegen und „das Schwein töten“, d.h. die Unsittlichkeit bekämpfen würde. Nun kann mir keiner erzählen, dass Religionen und Reformer nicht kommen, um Unsittlichkeit zu bekämpfen. Das ist buchstäblich ein Hauptanliegen der Religion, den Menschen von Unreinheit und Unrat (=Schwein) hin zu einem lauteren und reinen Leben der Gottesbindung (=Mensch) zu führen. Wenn also ein Prophezeiter Reformer und Messias erscheint, dann gewiss nicht, weil die Gesellschaft bereits sittsam und paradiesisch ist und Frieden herrscht, sondern weil die Menschen sich arg weit von ihrer Lehre entfernt haben und Unfriede herrscht. Dann erst ergibt das Erscheinen eines Reformers und Messias nämlich Sinn. Und was das mit dem Kreuzestod Jesu angeht, so ist das eine separate Debatte, die hier nicht zur Diskussion steht. (Wie wäre es mit einer Google-Suche? Ein Tipp: Hier klicken)

Dass ich mit meinen christlichen Geschwistern debattiere und auch mit ihnen über den Kreuzestod von JesusAS nicht einer Meinung bin, wissen sie. Aber das hält uns nicht davon ab, miteinander in Frieden und Harmonie zu leben, obwohl wir kontroverser Meinungen sind. So tun das nämlich Erwachsene. Vor allem muslimische Erwachsene, die sich an den Quran halten, denn der Quran fordert eine friedliche Diskussionskultur mit „Weisheit“ und „schöner Ermahnung“, ausgetragen „auf die beste Art“ (Sure 16, Vers 126).

Wenn also der bildhafte Vergleich “Kreuz brechen” Unbehagen bei Ihnen auslöst, liebe Redaktion, dann fühlen wir Muslime uns von dem Satz, dass JesusAS am Kreuz starb, ebenso verletzt, denn der Kreuzestod galt als verfluchter Tod. Dies können wahre Muslime JesusAS, den sie als Propheten wie die Propheten aller Religionen in Ehren halten, unmöglich zuschreiben. Es ist eine historische Tatsache, dass JesusAS nicht am Kreuz starb, genauso wie es auch ein Märchen ist, dass er in den Himmel aufstieg. Vielmehr wurde er in einem Zustand der Bewusstlosigkeit vom Kreuz abgenommen. Er wanderte aus und sein Grab befindet sich in Srinagar in Kaschmir und kann auch heute noch dort besichtigt werden.

Theologische Standpunkte hin oder her, aber deswegen stacheln wir uns nicht gleich gegenseitig mit schlechtem Journalismus auf, sondern kommen trotz unserer verschiedenen Standpunkte miteinander wunderbar aus. Wie das klappt? Sich gegenseitig zuhören und verstehen lernen.

Richtige Infos finden sich auf http://www.ahmadiyya.de/ oder man fragt bei Unklarheit einfach nach! Gewisse Leute waren ja derart entsetzt, wieso die Bundeswehr bei den Ahmadi-Muslimen in der Moschee war. Der Grund: Um „Hallo“ zu sagen und loyale Staatsbürger, die Muslime sind und sich wie du und ich zum Grundgesetz bekennen, kennenzulernen! Solltest du auch mal machen.

 

 

Fußnote:

*https://de.statista.com/statistik/daten/studie/28799/umfrage/schweinebestand-weltweit-seit-1990/; Stand: 30.11.17

 

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