Die Helfer des Königs der Feder.

Mit dem Schleier die Freiheit

Fanatismus. Gewaltbereitschaft. Benachteiligung der Frau. 1
Die Assoziationen der deutschen Bevölkerung zum Islam sind so negativ besetzt wie nie zuvor, wobei vor allem Letzteres – die Stellung der Frau im Islam – wiederholt hitzige Diskussionen anfacht, wie auch zuletzt anlässlich der Düsseldorfer Islamausstellung der Ahmadiyya Muslim Gemeinde – „Eine Reise durch die islamische Zeit“ – die Unterstellungen von der lokalen CDU Fraktion ein Abbild davon sind, wie viel heutzutage in den Islam, besonders in die muslimische Frau, hineinprojiziert wird.
Als praktizierende Muslimin und als aktives Mitglied der 1922 gegründeten unabhängigen Frauenorganisation der Ahmadiyya Muslim Gemeinde – die Lajna Imaillah – empfinde ich es als obligatorisch, zu dieser Gelegenheit im Lichte der wundersamen und schönen Lehre des Islam den wahren Rang der Frau hervorzuheben.

 

Geschlechtergleichwertigkeit
Der erste Vorwurf, der erhoben wird, bezieht sich auf folgende Aussage hinsichtlich des Zwecks des Kopftuchgebotes, „dass sie [d.h. die Muslima] nicht flirten will und keine sexuellen Beziehungen zu fremden Männern haben möchte“. Daraus wurde bedauerlicherweise der konsekutive Fehlschluss gezogen, „dass eine (muslimische) Frau, die kein Kopftuch trägt, fremde Männer öffentlich zum Sex einlädt.“
Sehr geehrte lokale CDU Fraktion, beabsichtigt etwa auch ein auf Kipp gelassenes Fenster eine öffentliche Einladung zum Diebstahl? Gewiss nicht. Die Philosophie hinter dem Stück Stoff ist derart, dass jeder – vorausgesetzt, dass er es verstehen möchte – die tiefe Weisheit dahinter erkennen kann, die fundamentale Rahmenbedingungen für die Geschlechtergerechtigkeit schafft.
Der Schleier, der von einer Muslima für gewöhnlich selbstbestimmt und reflektiert getragen wird, ist ein Ausdruck ihrer Gottergebenheit und impliziert, dass die Liebe zu Gott größer ist als zu weltlichen Vergnügen. Er ist eine Form des Feminismus, denn die Frau bestimmt selbst, wer wie viel von ihrem Körper sieht. Er ist eine Art, um den Respekt gegenüber dem Körper der Frau zu lehren.
Der Trugschluss, dass eine Frau, die kein Kopftuch trägt, zur Unsittlichkeit einlädt, zeugt von einem würdelosen Bild der Frau und einer vermeintlichen männlichen Überlegenheit, was völlig konträr zur islamischen Lehre ist. Der Islam lehrt nämlich Keuschheit, aber adressiert in der Hinsicht primär den Mann, sekundär die Frau.2 So werden im Koran, noch bevor die Frauen adressiert werden, zuallererst die Männer zurechtgewiesen:

Sprich zu den gläubigen Männern, dass sie ihre Blicke zu Boden schlagen und ihre Keuschheit wahren sollen. Das ist reiner für sie. Wahrlich, Allah ist recht wohl kundig dessen, was sie tun. (24:31)

Der Gründer des Islam, der Heilige Prophet MohammadSAW , verlangte, dass die Männer aufhören sollen, sich darin hineinzusteigern, wie eine Frau sich zu verhalten oder anzuziehen hat.3 Die Heilige Schrift des Islam, der Quran, admoniert Frauen, sich den Fußstapfen Marias, Mutter JesuAS, folgend bescheiden anzuziehen4 und mahnt jedoch in erster Linie die Männer, ihre Blicke niederzuwerfen – gleich dessen, wie eine Frau sich entscheidet, zu kleiden.
Es geht folglich keineswegs um die Demonstrierung einer vermeintlich männlichen Dominanz, sondern das Gebot der Verschleierung gebietet, Liebe vor Profanisierung zu schützen und die Verantwortung für Familie und verbindliche Beziehungen zu betonen.
Mit einer Verschleierung sendet eine Muslimin in der heutigen Gesellschaft, die sich durch die unaufhörliche Zurschaustellung des weiblichen Charmes, beispielsweise in der Werbeindustrie, fortwährend als oberflächliche, materiell orientierte Gesellschaft darstellt, eine klare Botschaft aus. Sie schafft eine „reizarme“ Umgebung, wie es Publizistin Khola Maryam Hübsch formuliert, in der stärker die Person eines jeden Individuums in den Vordergrund tritt.5 Folglich betrachten wir den peripheren Blick abschaffend die Menschen mit anderen Augen, einem Blick, der auf würdevolle Weise gebührlichen Wert auf das Innere der Menschen legt.
Der vierte Kalif der Ahmadiyya Muslim Gemeinde, Mirza Tahir AhmadRH, sagte:

„Die einzige Sache, die der Islam nicht gutheißt, wäre, Frauen zu einem Spielzeug zu machen, ausgebeutet oder der Gnade männlicher Unsittlichkeit überlassen. Islam unterstützt derlei Verhalten gegenüber Frauen nicht.“6

Sprich, die Würde einer Frau, die kein Kopftuch trägt, muss ebenso geachtet werden, wie die einer verschleierten Muslimin. Der Islam hat als erste Religion den Rang der Frau derart hochgesetzt und ihr einen solchen Stellenwert eingeräumt, dass beispielsweise – gemäß einer Aussage des Propheten des IslamSAW – die Hälfte des Glaubens von Hadhrat AishaRA gelernt werden kann.

 

Recht auf Erbschaft einer Muslimin
Die zweite, viel Weisheit in sich hegende Aussage, die paradoxerweise auf kritische Stimmen gestoßen ist, ist folgende: Frauen haben „das Recht, von Eltern und Verwandten zu erben, aber da ihre Ehemänner beauftragt sind, die Familie zu ernähren, während sie von dieser Verpflichtung befreit sind, gebührt ihnen weniger“.
Zunächst einmal muss klargestellt werden, dass in der präislamischen Zeit – einer von Morallosigkeit und Grausamkeit geprägten Zeit – die Araber derart sittlich verfallen waren, dass eine Frau gar nicht als Mensch wahrgenommen wurde, sondern selbst die eigene Mutter als Erbstück objektiviert und in einigen arabischen Familien sogar die neugeborene Tochter lebendig begraben wurde.7 Dahingegen wurde der Frau im Islam derselbe Rang wie dem Mann anerkannt und diese Rang- und Rechtgewährung erfolgte nicht nur in spiritueller Hinsicht, -denn so wie der Mann ein Wesen Gottes ist, so ist auch eine Frau ein Wesen Gottes und kann folglich durch Rechtschaffenheit ebenso wie ein Mann ins Paradies eintreten-, sondern geschah auch in weltlicher Hinsicht, was z.B. die Etablierung des Erbrechts für die Frau porträtiert.
Somit ist die erste Religion, die der Frau das Erbrecht zuspricht – und dies bereits vor 1400 Jahren –der Islam, wohingegen für Frauen in Europa Verfügungen über Eigentum erst nach einigen Jahrhunderten möglich waren.
Tatsache ist nun, dass der Frau beim Erbrecht die Hälfte dessen zugesprochen wird, was dem Mann zusteht. Zunächst einmal widerspricht dieser Sachverhalt keinem deutschen Gesetz, denn ein Vererbender kann im Rahmen der Möglichkeiten des Gesetzes autonom entscheiden, das Erbe durch Schenkung beispielweise nur einem Kind oder einem Bekannten und nicht den Kindern zuzuschreiben. Der zweite zu beachtende Aspekt ist jener, dass im Islam dem Mann die Versorgungsplicht seiner Familie auf die Schulter gelegt wird, was eine Entlastung für die Frau darstellt.8 Ein Mann muss dafür sorgen, dass eine Familie ernährt wird, während jedoch eine berufstätige Muslima frei nach ihrem Willen entscheiden kann, wofür sie ihr Einkommen ausgibt, d.h. sie ist nicht dazu verpflichtet, den Haushalt mit ihrem Geld zu führen.
Der Wert der Bildung einer Muslimin
Des Weiteren hat die lokale CDU Fraktion politisch angetriebene Kritik bezüglich folgender Aussage geäußert: „Eine Frau sollte „ihrem Mann eine liebevolle und loyale Partnerin sein und nicht gegen ihn opponieren. […] Sie soll ihre Natur nicht verleugnen und sich nicht weigern, eine Zeit ihres Lebens ihren Kindern zu widmen, nur, weil ihr vordergründige Freuden und Ziele einer Karriere oder Vergnügungen wichtiger erscheinen.
Dieses aus dem Zusammenhang gerissene Zitat impliziert nicht im Geringsten, dass die Erziehung eines Kindes nur einem Elternteil, der Mutter, obliegt, sondern dass natürlicherweise nicht nur die Mutter, sondern auch der Vater für die Nachwuchsaufbringung verantwortlich ist.
Es wird sich nirgends eine derartige Quelle finden lassen, die die fälschliche Vorstellung unterstützt, dass Frauen zu Hause einzusperren sind. Der Islam lehrt keineswegs, dass beispielsweise eine Muslimin ihre individuellen Talente und Fähigkeiten verschwenden müsse, sondern vielmehr betont der Islam, dass Frauen Bildung erlangen und Ärztinnen oder Lehrerinnen, Ingenieurinnen oder Mathematikerinnen, Architektinnen oder Programmiererinnen werden sollen.

„Strebe nach Wissen, selbst wenn du zu diesem Zweck bis nach China gehen müsstest.“ (Muslim)

So lautet eine Aussage des Gründers des Islam, dem Heiligen Propheten MohammadSAW, die zu solch einer Zeit gemacht wurde, als China als eines der entferntesten Länder galt, dessen Reiseweg mit Gefahren und Strapazen, sowie immensen Kosten verbunden war. Dennoch ist der Wissenserwerb prioritär. Dieser Wert der Bildung gilt jedoch nicht allein für Männer, sondern ebenso auch für Frauen, denn der Prophet MuhammadSAW sagte:

„Das Erlangen von Wissen ist eine Pflicht für jeden Muslim und jede Muslima“

– Eine Pflicht also, unabhängig vom Geschlecht.
Nach dem islamischen Frauenbild sollen aber Frauen gleichzeitig die Verantwortung gegenüber ihren Kindern und Familien nicht vernachlässigen, sondern ihre Zeit effektiv nutzend darauf Acht geben, dass ihre Kinder eine gute Erziehung genießen. Die aus der Aussage hervorgehende Betonung der Pflicht der Mutter ergibt sich automatisch aus der Tatsache, dass sie diejenige ist, die das Fundament für eine immerwährende Menschlichkeit, Tugendhaftigkeit und Frieden unter den kommenden Generationen legt.
Polygamie im Islam
Schließlich haben sich die von dem persönlichen Dialog fernbleibenden Kritiker über folgendes Zitat beklagt: „Unter Umständen, etwa, wenn durch Krieg viele Frauen Witwen geworden und ihnen und den Waisenkindern eine Familie fehlt, ist es dem Mann erlaubt, mehrere (bis zu vier gleichzeitig) Frauen zu heiraten, aber nur, wenn er in der Lage ist, zwischen ihnen vollkommene Gerechtigkeit walten zu lassen.“
Der Islam verkörpert jene vollkommene und universelle Lehre, die selbst Regelungen für Ausnahmesituationen nicht unerwähnt lässt. Während das präislamische Arabien eine Brutstätte der Misogynie, der Gewalt gegen Frauen und der Ungerechtigkeit war, hat der Islam als Erretter der Frauen die Anzahl der Ehen begrenzt und eine Vielehe unter Berücksichtigung besonderer Notstände des Menschen nur unter der Prämisse der Gleichberechtigung, etwa im Kontext einer Kriegssituation, zur sozialen Absicherung erlaubt, sodass dies ein Garant dafür ist, dass die Gesellschaft nicht der moralischen Dekadenz anheimfällt.
Vergegenwärtigen wir uns mal die bittere Versorgungskrise in der Nachkriegszeit, bei der die jungen Kriegerwitwen die Verantwortung der Familienerhaltung auf ihren zarten Schultern tragend sich in solch einer miserablen sozialen Lage befanden, dass sie gezwungen waren, eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen, um ihren hungrigen Kindern, die als sich selbst überlassene Halbwaisen in Abwesenheit der schwerarbeitenden Mutter mit den mannigfachen psychischen Folgen des Krieges zu kämpfen hatten, eine Kleinigkeit an Essen bieten zu können. Ist es bei einem derart mühsamen Leben am Existenzminimum aufgrund des Männermangels nicht eine Erleichterung für die Familien, wenn einem Mann unter der Voraussetzung des Waltens von absoluter Gerechtigkeit die Erlaubnis zuteilwird, sich maximal bis zu vier Ehefrauen zu nehmen und die Unterhaltspflicht zu tragen?
An dieser Stelle sei es nochmal deutlich formuliert, dass es keineswegs obligatorisch ist, zwei, drei oder vier Ehen einzugehen. Die Norm unter den Muslimen ist die Monogamie. Zudem besitzt die Frau das Recht, im Ehevertrag das Eingehen einer weiteren Ehe auszuschließen.

Wie könnte es also sein, dass, während doch der Heilige Prophet MuhammadSAW verkündet hat, dass das Paradies unter den Füßen der Mutter liegt, die muslimische Frau in irgendeiner Weise diffamiert oder unterdrückt würde? In Wahrheit fordert der Islam seit jeher die Geschlechtergleichwertigkeit. Dieses islamische Frauenbild wird wunderbar in einer Aussage von Seiner Heiligkeit, Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA, dem weltweiten Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Gemeinde, widergespiegelt:

„Lass es kristallklar sein, dass in keinerlei Hinsicht der Rang einer Frau geringer ist als der eines Mannes.“

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1 https://de.statista.com/statistik/daten/studie/563145/umfrage/umfrage-zu-assoziationen-zum-islam/
2 Heilige Quran, Sura 24, Verse 31 – 32
3 Muhammad – Das Leben des Hl. Propheten, Seine Heiligkeit Mirza Bashir – du – Din Mahmud Ahmad ra, S. 276 – 277
4 Heilige Quran, Sura 66, Verse 12 – 13
5 Unter dem Schleier der Freiheit, Khola Maryam Hübsch
6 http://www.ahmadiyya.de/islam/die-frau-im-islam/etablierung-der-frauenrechte-durch-den-islam/
7 Muhammad – Das Leben des Hl. Propheten, Seine Heiligkeit Mirza Bashir – du – Din Mahmud Ahmad ra, S. 26 – 29
8 Heilige Quran, Sura 4, Verse 35

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