Die Helfer des Königs der Feder.

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Muslime zeigen Flagge!

Appell der Bundeskanzlerin

Kein anderes Thema dominiert die Nachrichtenwelt seit der Jahrtausendwende so sehr, wie die Angst vor Terror. Gemeint ist in den aller meisten Fällen allerdings eine bestimmte Spielart des Terrorismus, nämlich die, die von vermeintlich religiös motivierten Anhängern des Islams ausgeführt wird. Längst haben die Anschläge auch Europa erreicht und seine Bürgerinnen und Bürger in Angst und Schrecken versetzt. Auch Deutschland blieb vor dieser entsetzlichen Erfahrung nicht verschont, wie der Vorfall vom Berliner Weihnachtsmarkt auf traurige Weise demonstriert. Damit war ein Punkt erreicht, wo die Forderung der Mehrheitsgesellschaft nach einer Distanzierung vonseiten der friedfertigen Muslime deutlicher denn je durch den öffentlichen Diskurs hallte. Auch Bundeskanzlerin Merkel richtete nach dem Anschlag in Berlin einen Appell an die weltweiten muslimischen Autoritäten, sich in aller Entschiedenheit von den terroristischen Akten der Gegenwart zu distanzieren und den Islam vom Terrorismus abzugrenzen.

„Ich erwarte mir von den religiösen Autoritäten des Islam klare Worte über die Abgrenzung zwischen friedfertigem Islam und dem Terrorismus im Namen des Islam.“

Die Ahmadiyya Muslim Gemeinde eifert diesem Ziel nicht etwa erst seit diesem Aufruf, sondern schon seit Jahrzehnten nach —  in Deutschland und weltweit — und distanziert sich so nicht nur von terroristischen Akten in aller Welt, sondern stellt außerdem die wahren Lehren des Islams in den Mittelpunkt, die ausschließlich auf Prinzipien wie Friedensstiftung und Gerechtigkeit aufbauen. Die Kommunikation dieser Aspekte ist ein wichtiger Teil der Aufklärung über den Islam, ohne die der Radikalisierung v.a. jugendlicher Muslime, aber auch dem Aufkeimen anti-islamischer Ressentiments, kaum adäquat vorgebeugt werden kann. Der Appell der Bundeskanzlerin ist also ein willkommenes Signal für hiesige muslimische Gemeinden, mit ihren Mitbürgern in Dialog zu treten und die Berührungsängste zu Muslimen abzubauen. Der Politik kommt damit eine ebenso bedeutende Rolle zu, wenn es darauf ankommt, innergesellschaftliche Fronten abzubauen und die Identifikation aller Bürger der Bundesrepublik, ungeachtet ihrer Religion oder sonstiger persönlicher Merkmale mit Deutschland zu fördern.

 

Wenn Politik Brücken abreißt

Indes ist die Entrüstung groß, wenn auf der anderen Seite selbst hochrangige Politiker einen Kurs anstreben, der den Ausbau der Distanz zu muslimischen Mitbürgern fördert und Ressentiments und Vorurteile nicht nur salonfähig, sondern zum Mittelpunkt öffentlicher Scheindebatten werden lässt. Scheindebatten nicht zuletzt deshalb, weil der Gegenstand des Diskurses einen Sachverhalt aufgreift (z.B. die Burka, die nicht einmal von einem Bruchteil der in Deutschland lebenden Muslimas getragen wird), der in keiner Weise im Verhältnis zu den wirklich wichtigen politischen Herausforderungen, sozialen Problemen und ökonomischen wie ökologischen Missständen steht, die einige Politiker allzu gerne ausblenden und den „heiligen Zorn” der Gesellschaft stattdessen auf greifbarere, einfache Sachverhalte gelenkt wissen möchten, seien sie noch so trivial und irrelevant für den Fortschritt unserer Gesellschaft.

Komplexe Sachverhalte, die eigentlich einer gründlichen Recherche bedürfen, werden so auf etwas völlig Unbedeutendes aber eben Einfaches reduziert, um sie in Form von Scheindebatten diskutabel zu machen. Themen, die den Islam beinhalten, sind diesbezüglich momentan im Trend, da das Framing des Islam in den Medien die perfekte Vorlage bietet, um hierüber seine eigene mediale Präsenz auszubauen und sich und das eigene politische Programm zu profilieren — wichtig vor allem im Wahljahr 2017! Ausgetragen wird dieses Kalkül allerdings auf dem Rücken der muslimischen Minderheit. Ja, Minderheit, denn das vergessen wir allzu gern während einer Leitkultur-Debatte, in der der muslimische Anteil der deutschen Gesellschaft überproportioniert wahrgenommen und als solcher verkauft wird! Diese Minderheit, konfrontiert mit einer scheinbar gesamtgesellschaftlichen Aversion gegen ein privates Merkmal von ihr (dem islamischen Glauben nämlich), fühlt sich zu eben dieser Gesellschaft immer weniger zugehörig und sieht sich immer weiter entfremdet. Vor allem für Jugendliche aus bildungsfernen Schichten und angesichts einer immer weiter voranschreitenden Chancenungleichheit mündet diese Entwicklung oft in eine Identitätskrise, die sich in einigen Fällen durch einen affektiv gesteuerten Kompensationsmechanismus zu lösen versucht: Die Identifikation mit dem, für was man sowieso gehalten wird, einen Extremisten — aus Trotz! Hier schließt sich dann der Kreis; Scheindebatten führen dazu — einer selbsterfüllenden Prophezeiung gleich —, dass die präsentierten Probleme damit erst an Tragweite gewinnen statt sie durch Aufklärung und Dialog einem konstruktiven Prozess zuzuführen — ein Teufelskreis!

 

Wir sind alle Deutschland!

Vor diesem Hintergrund möchte die Ahmadiyya Muslim Gemeinde mit der Kampagne „Wir sind alle Deutschland” ein wichtiges Zeichen setzen. Das Bekenntnis zu Deutschland ist der größte gemeinsame Nenner zwischen allen Bürgerinnen und Bürgern dieses Landes. Wir alle sollten uns auf diesen berufen und uns zu ihm bekennen, und zwar ungeachtet unseres Glaubens oder sonstiger privater Merkmale. Die Ahmadiyya Muslim Gemeinde sieht einen größeren Nutzen und konstruktiveren Ansatz darin, das einende Band zwischen den Mitgliedern unserer Gesellschaft zu stärken, als diese entlang willkürlicher Merkmale (wie die Religionszugehörigkeit) zu spalten. Eine Leitkultur — wie auch immer diese aussehen mag — ist nämlich niemals das Ergebnis einer willkürlichen Definition, sondern unterliegt einem kontinuierlichen Gestaltungsprozess, an dem alle Mitglieder einer Gesellschaft teilhaben. Diese Teilhabe ist das Recht eines jeden, der sich zu Deutschland bekennt — daran werden auch Scheindebatten nichts ändern!

 

Machen Sie mit!

Mit dieser Ansicht stehen wir sicherlich nicht alleine in der Bundesrepublik dar. Dennoch ist es uns ein wichtiges Anliegen, v.a. in der heutigen Zeit, diese in der Öffentlichkeit zu kommunizieren und uns mit unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern für gemeinsame Werte und gegen eine Spaltung zu positionieren. Unter dem Hashtag #MuslimeFürDeutschland finden Sie uns auch in sozialen Netzwerken; ein Motto, welches sich direkt aus den Worten des Propheten MuhammadSAW ableitet, der uns lehrt, dass Heimatliebe und Loyalität gegenüber dem Land, in dem man lebt, Teil des Glaubens sind.

Mit unserem Bekenntnis zu Deutschland möchten wir als Muslime also mit gutem Beispiel vorangehen. Schließen auch Sie sich uns an und bekennen Sie sich mit uns zu Deutschland! Lassen Sie uns Hand in Hand ein wichtiges Zeichen für ein Miteinander in unserer Gesellschaft und gegen ihre Spaltung setzen; ein Zeichen für ein gemeinsames Deutschland, denn: Wir sind alle Deutschland!