Die Helfer des Königs der Feder.

Mythos 08 – Der Heilige Prophet MuhammadSAW forderte die Abschlachtung der Mekkaner

Hat MuhammadSAW ein Massaker an den pluralistischen Mekkaner gefordert?

 

Der Historiker Ibn Ishaq zeichnet die Hintergründe dieses Vorwurfs wie folgt auf:

Als die Quraish durch die Unruhen, die durch die Feindschaft zwischen ihnen und dem Gesandten und denen ihres Volkes, die seine Lehre annahmen, verursacht wurden, hetzten sie törichte Männer auf ihn, die ihn einen Lügner nannten, beleidigten und ihn beschuldigten, ein bloßer Dichter, Hexer, Wahrsager und Besessener zu sein. Doch der Gesante verkündete weiterhin, was Gott ihm befohlen hatte zu verkünden, ohne etwas zu verbergen und erregte ihre Abneigung, indem er ihre Religion verurteilte, ihre Ideale verwarf und sie ihrem Unglauben überließ.“[1]

 

Wir sehen also, dass das einzige „Verbrechen“, das dem Propheten MuhammadSAW angelastet wird, darin besteht, seinen seinen Glauben offen zu predigen. Es werden keine Klagen gegen ihn erhoben, weil er gewalttätig ist oder Gewalt anzettelt – vielmehr gab es Klagen, weil der Prophet Mohammed die Götzenanbetung desavouiert hat. Ibn Ishaq berichtet, dass „törichte Männer“ gezielt aufgehetzt wurden, den Propheten MuhammadSAW als Lügner zu bezichtigen — hier wird deutlich, dass die Weisen und Gebildeten gut verstanden, dass der Prophet Muhammad das genaue Gegenteil dessen war.

 

Yahya bin Urwa bin al-Zubair berichtet (sich auf seinen Vater berufend), dass Abdullah b. Amr b. Al-As berichtete:

„Während sie [die Mekkaner] […] über ihn [MuhammadSAW] sprachen, kam der Gesandte auf sie zu und küsste den schwarzen Stein, dann passierte er sie, als er um den das Heiligtum [Ka’aba] herumging. Als er an ihnen vorbeiging, machten sie einige beleidigende Bemerkungen über ihn. Das konnte ich an seinem Ausdruck erkennen. Er fuhr fort und als er ein zweites mal an ihnen vorbeikam, griffen sie ihn nochmal auf dieselbe Weise an. Das konnte ich ebenfalls an seinem Ausdruck erkennen. Dann passierte er sie das dritte Mal und sie taten dasselbe. Er blieb stehen und sagte: „Hörst du mir zu, O [Stamm des] Quraisch? Ich schwöre im Namen dessen, der mein Leben in Seiner Hand hält, ich bringe ich dir die Schlachtung [„Dhabh“].“ Diese Aussage nahm die Leute so sehr mit, dass sie still standen und wie gefesselt waren. Selbst einer, der bis dahin einer der gewalttätigsten gewesen war, sprach zu ihm auf die gütigste Weise und sagte: „Gehe fort, o Abu’l-Qasim [2], denn bei Gott, du bist nicht der Gewalttätigen einer.“ So ging der Gesandte fort … „[3]

 

Die Berichte zeigen ganz klar, dass der Prophet MuhammadSAW geduldig wiederholte Beleidigungen ertrug, während er friedlich zu Gott betete. Seine angeblich gewalttätige Aussage war vielmehr reaktionär. Vielmehr war es nur eine Widerspiegelung dessen, was Propheten für gewöhnlich tun: Ihr Volk verwarnen, Beschimpfungen und Beleidigungen zu unterlassen. Tatsächlich ist die Aussage des Propheten MohammadSAW nicht anders als die des Propheten MosesAS, der erklärt: „Denn ich will in derselben Nacht durch Ägyptenland gehen und alle Erstgeburt schlagen in Ägyptenland unter Mensch und Vieh und will Strafgericht halten über alle Götter der Ägypter, ich, der HERR.“[4] Genauso gibt es eine Aussage von JesusAS: „Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.“[5] Das wichtigste Zeugnis ist schließlich das der Leute, die den Propheten Mohammed beleidigten, sie selbst erklärten:“ O [Mohammed], bei Gott, du bist nicht der Gewalttätigen einer!“

 

Was für ein bemerkenswertes Zeugnis! Dieselben Leute, die laut Kritiker die Opfer einer angeblichen Tyrannei des Propheten MuhammadSAW gewesen sein sollen, beleidigen den Propheten MohammadSAW nicht nur öffentlich und ohne Angst vor Vergeltung, sondern erkennen an, dass was immer er mit dem Wort „Schlachtung“ gemeint hat, eines war gewiss: Bei Gott, der Prophet MuhammadSAW ist nicht gewalttätig. Menschen, die einen Tyrannen vor sich haben, beleidigen ihn nicht noch vor seinen Augen und schwören dann, dass der angebliche Tyrann nicht gewalttätig ist. Vielmehr sehen wir ein Volk, das den Propheten MuhammadSAW aggressiv angriff, ihn wiederholt beleidigte und dennoch erkannten sie an, dass er vor allem eins war, nämlich ein friedfertiger Mann.

 

Yahya bin Urwa bin al-Zubair berichtet weiter, dass, nachdem der Prophet MuhammadSAW friedlich die Gesellschaft derer verlassen hatte, die ihn beleidigten, die mekkanischen Götzenanbeter am nächsten Tag versuchten, den Propheten MuhammadSAW ohne jeglichen Anlass zu ermorden:

 

„… [Die mekkanischen Führer] versammelten sich im Hijr, ich war auch dort und sie fragten sich gegenseitig, ob sie sich daran erinnerten, was zwischen ihnen und dem Gesandten vorgefallen war, damit sie ihn, falls er öffentlich etwas Unangenehmes sagte, ihn künftig in Ruhe ließen. Während sie redeten, erschien der Gesandte und sie sprangen ihn an, umringten ihn und sagten: „Bist du es, der so und so gegen unsere Götter und unsere Religion gesprochen hat?“ Der Gesandte sagte: „Ja, Ich bin derjenige, der das gesagt hat.“ Und ich sah, wie einer von ihnen sein Gewand ergriff. Dann ging Abu BakrRS weinend dazwischen und sagte: „Werdet ihr etwa einen Mann dafür töten, dass er sagt, Allah ist mein Herr?“. Dann verließen sie ihn … Abu BakrRS kehrte an diesem Tag mit ausgerissenen Haaren zurück, weil sie ihn an seinem Bart (über den Boden) schleiften. „[6]

 

Die Mekkaner griffen also ohne jegliche Rechtfertigung an und versuchten, den Propheten MuhammadSAW zu ermorden, auch nachdem sie bei Gott geschworen hatten, dass er kein gewalttätiger Mann sei. Der Angriff war so bösartig, dass man sogar Abu BakrsRS, Gefährte und erster Khalifa des Propheten MuhammadSAW, buchstäblich die Haare und den Bart aus dem Gesicht gerissen hatte, als er versuchte, den Propheten MuhammadSAW vor dem sicheren Tod zu bewahren.

 

Bezeichnender ist vielleicht, dass Abu BakrRS das „Verbrechen“ des Propheten MuhammadRS verkündete, für das sie ihn zu töten versuchten – nämlich die bloße Verkündung, dass Allah sein Herr sei. Das Verbrechen des Propheten MuhammadSAW, für das die Mekkaner versuchten, ihn zu ermorden, war die Ausübung seiner Redefreiheit. Zu keiner Zeit behaupteten irgendwelche Feinde des Propheten MuhammadSAW, dass ihr Wunsch, ihn zu töten, auf eine Ungerechtigkeit oder auf irgendein Unrecht beruhte, das er begangen hätte, oder weil er irgendeine Person verletzt hätte.

 

Prophet MuhammadSAW war alles andere als ein Verfolger. Vielmehr war er ein Modell des Mitgefühls auf einer so tiefgründigen Ebene, dass sogar seine schlecht gesonnensten Feinde nicht anders konnten, als bei Gott zu schwören, dass er kein gewalttätiger Mann war. Die Zeitgenossen des Propheten Muhammad – Kritiker und Freunde gleichermaßen – bestätigten immer wieder diese Tatsache.

 

Prophet MuhammadSAW war alles andere als ein Verfolger. Vielmehr war er ein Vorbild des Mitgefühls auf so grundlegender Weise und mit solch weitereichender Wirkung, dass selbst seine ärgsten Feinde nicht anders konnten, als bei Gott zu schwören, dass er kein gewalttätiger Mann war. Die Zeitgenossen des Propheten MuhammadSAW – Kritiker wie Freunde – bezeugten diese Tatsache uneingeschränkt.

 


[1] Alfred Guillaume, The Life of Muhammad – A Translation of Ishaq’s Sirat Rasul Allah 131 (Oxford University Press, 1955).

[2] Gemäß arabischer Tradition wurde man mit dem Titel als der Vater seines Sohnes angesrpochen. Der Prophet MuhammadSAW wurde auch Abu al-Qasim (Abu’l Qasim) genannt, also „Vater von Qasim“ im Bezug auf seinen Sohn Qasim, der schon in sehr jungen Jahren starb.

[4] Exodus 12:12.

[5] Matthew 10:34

[6] Alfred Guillaume, The Life of Muhammad: A Translation of Ishaq’s Sirat Rasul Allah, 131 (Oxford University Press, 1955).

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen