Die Helfer des Königs der Feder.

Mythos 02 – Der Prophet MuhammadSAW erlaubte den Muslimen, zu lügen (Taqiyya), um den Islam zu verbreiten

Hat der Prophet Muhammadsaw Muslime gelehrt, zu lügen, um den Islam zu verbreiten?

 

Das Konzept von Taqiyya oder Lügen unter besonderen Umständen hat keine Grundlage im Islam. Bevor wir dieses Konzept direkt ansprechen, weisen wir den Leser auf drei Dinge hin.

Erstens ist das Taqiyya-Argument das ultimative „Ausweich-Argument“. Es sagt im Grunde: „Du irrst dich und selbst wenn du beweist, dass du Recht hast, lügst du, also bist du falsch.“ Mit anderen Worten ist dieses Argument kein Beweis, sondern eine völlig haltlose Unterstellung gegen den Islam. Man kann dies mit einem Sportereignis vergleichen, bei welchem der Gewinner schon feststeht, bevor das Spiel überhaupt gespielt wurde. Dies ist eine verabscheuungswürdige Strategie, die jeder aufrichtige Wahrheitssuchende im praktischen Leben fürchten sollte, wann auch immer dieser über intellektuelle Angelegenheiten diskutiert.

 

Zweitens sollte man bedenken, dass selbst die erbittertsten Feinde des Propheten Mohammadsaw, wie Abu Jahl, Abu Sufyan, Umaiyya und seine Ehefrau [3], anerkennen mussten, dass der Prophet Muhammadsaw niemals gelogen hat. Denn als der Prophet Muhammadsaw zum ersten Mal sein Prophetentum an die Mekkaner verkündete, bat er sie, seine Wahrhaftigkeit anzuerkennen – was die gesamte Gemeinschaft tat [4]. Die Verbundenheit zur Wahrheit beim Propheten Muhammadsaw war so streng, dass er seine Anhänger anwies, nur dann zu scherzen, wenn im Witz keine Lüge vorlag [5]. Man beachte auch, dass der Heilige Qur‘an es als religiöse Pflicht betrachtet, die Wahrheit zu sagen [6] und betont, in jeder Situation Wahrheit und Gerechtigkeit zu beachten – selbst wenn man gegen sich selbst aussagt [7]. In einer bekannten Begebenheit wollten die Mekkaner wissen, ob der Prophet Muhammadsaw derjenige war, der gegen ihre Götzen sprach. Unter dieser Todesdrohung, wäre es womöglich verständlich gewesen, sich auf das angebliche Taqiyya einzulassen. Doch der Prophet Muhammadsaw  tat genau das Gegenteil und zögerte nicht im Geringsten die Wahrheit auszusprechen. Dieses Beispiel und das Zeugnis seiner Feinde sollten ausreichen, um als gerechter Mensch anzuerkennen, dass Lügen keinen Platz im Islam haben.

Drittens erscheint das Wort Taqiyya kein einziges Mal im Qur‘an oder in den Überlieferungen (Ahadith) des Propheten Muhammadsaw. Wie der Islam für ein Konzept verantwortlich gemacht werden kann, das es in der islamischen Rechtsprechung nicht gibt, ist uns unerklärlich. Mit diesem wichtigen Kontext weisen wir gezielt Vorwürfe zurück, die Islamkritiker treffen, um ihre Doktrin von Taqiyya zu unterstützen.

Zunächst zitieren Kritiker oft die Sura 16: 107 aus dem Qurán. Der Vers lautet:  „Wer Allah verleugnet, nachdem er geglaubt – den allein ausgenommen, der gezwungen wird, indes sein Herz im Glauben Frieden findet – jene aber, die ihre Brust dem Unglauben öffnen, auf ihnen ist Allahs Zorn; und ihnen wird eine strenge Strafe.“[8] Das entscheidende Wort ist Ukriha („gezwungen“). Seine trilaterale Wurzel kariha erscheint im Qur‘an 40 Mal. Diese bedeutet Hass gegen eine Sache, Not oder Zwang. Ein darauf folgender Vers [9] beschreibt jene, die als ein Individuum „gezwungen“ werden aufgrund ihres Glaubens aus ihren Häusern zu emigrieren. Diesen ist es erlaubt, wenn sie Hass und/ oder einer Verfolgung gegenüberstehen, ihrem Glauben abzuschwören, sofern sie die Verfolgung nicht ertragen können. Dies, also das öffentliche Nichtbekennen seines eigenen Glaubens und es für sich zu behalten, ist die vermeintliche „Lüge“, die der Heilige Qur‘an gestattet – unter extremem Zwang oder in einer Notlage. Selbst unter den widrigsten Umständen in Mekka verheimlichten die Muslime ihren Glauben nicht und ertrugen zwölf lange Jahre extremster Verfolgung. Wenn Taqiyya eine islamische Aufforderung wäre, so wäre die mekkanische Ära die beste Zeit gewesen, um davon Gebrauch zu machen. Es ist auch notwendig, einige Qur‘anverse zu zitieren, die zeigen, wie deutlich der Islam das Lügen verurteilt.

Im Qur‘an heißt es:

1.            „Und vermenget nicht Wahr mit Falsch noch verhehlet die Wahrheit wissentlich.“ [10]

2.            „Falschheit kann nicht daran herankommen, weder von vorn noch von hinten, Es ist    eine Offenbarung von einem Allweisen, Preiswürdigen.“[11]

3.            „O die ihr glaubt, seid fest in Wahrung der Gerechtigkeit und Zeugen für Allah, mag es auch gegen euch selbst oder gegen Eltern und Verwandte sein. Ob Reicher oder Armer, Allah hat über beide mehr Rechte. Darum folget nicht niederen Begierden, damit ihr billig handeln könnt. Und wenn ihr (die Wahrheit) verhehlet oder (ihr) ausweichet, dann ist Allah wohl kundig eures Tuns.“[12]

So zeigen diese und zahlreiche andere Verse, ohne den geringsten Zweifel, dass Lügen im Islam nirgends Platz finden.

Kritiker zitieren auch oft die folgende Hadith:„Wir waren in der Gesellschaft von Abu Musa Al-Ash’ari und es gab freundschaftliche Beziehungen zwischen uns und diesem Stamm von Jarm. Abu Musa wurde ein Gericht mit Huhn vorgelegt. Unter den Leuten saß ein rotgesichtiger Mann, der sich nicht dem Essen näherte. Abu Musa sagte zu ihm: „Komm schon (und iss), denn ich habe gesehen, wie Allahs Apostel davon (d.h. vom Hühnchen) gegessen hat“. Er sagte: „Ich sah wie es etwas (Schmutziges) aß und danach habe ich mir geschworen, dass ich es nicht essen werde“. Abu Musa sagte: „Komm schon, ich werde es dir sagen (oder es dir erzählen). Ich ging einst mit einer Gruppe von Al-Ash’ariyin zu Allahs Apostel, und traf ihn während er wütend war, einiger Kamele der Zakat verteilend. Wir baten um Reittiere, aber er schwor, dass er uns keine Reittiere geben würde, und fügte hinzu: „Ich habe nichts, was du besteigen kannst.“ In der Zwischenzeit wurden einige erbeutete Kamele zu Allahs Apostel gebracht und er fragte zweimal: „Wo sind Al-Ash’ariyin?“  Also gab er uns fünf weiße Kamele mit großen Buckeln. Wir blieben kurz (nachdem wir eine kleine Strecke zurückgelegt hatten), und dann sagte ich zu meinen Gefährten: „Allahs Apostel hat seinen Eid vergessen. Bei Allah, wenn wir Allahs Apostel nicht an seinen Eid erinnern, werden wir niemals erfolgreich sein.“ So kehrten wir zum Propheten zurück und sagten: „O Allah’s Apostel! Wir haben dich nach Reittieren gefragt, aber du hast einen Eid geschworen, dass du uns keine Reittiere geben wirst; wir denken, du hast deinen Eid vergessen.“ Er sagte: „Es ist Allah, der dir Reittiere gegeben hat. Bei Allah und Allah willens, wenn ich einen Eid ablege und später etwas anderes besser finde, dann tue ich, was besser ist, und büße meinen Eid.“[13]

Erstens sagte der Prophet Muhammadsaw  in Bezug auf Schwüre vor Gericht: „Wenn jemand in der Nähe meiner Kanzel einen falschen Eid schwört, der wird seinen Platz im Feuer einnehmen.“ [14] Wieder sagte er saw: „Soll ich euch von den größten Sünden erzählen? Es sind drei: Jemanden Allah beigesellen, den Eltern ungehorsam sein und falsches Zeugnis ablegen (oder ersaw sagte), falsch zu sprechen.“ [15]

Der Heilige Qur’an bekräftigt die Essenz dieser Aussagen.[16] Zweitens besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen einem Treueschwur und den gewöhnlichen Versprechen, die man täglich macht – und die Hadith (Tradition) bezieht sich eindeutig auf Letzteres. Auch wenn gewöhnliche Versprechen nicht gebrochen werden können, können übergeordnete Versprechen sie ersetzen. Selbst Abu Sufyan, ein damals entschiedener Feind des Propheten Muhammadsaw, konnte Herakleios Cäsar von keinem einzigen Versprechen berichten, welches der Prophet Mohammedsaw jemals gebrochen hätte. In diesem Hadith versucht Abu Musa, einen Mann zu überzeugen, das ihm servierte Huhn zu essen. Doch dieser hatte sich geschworen, dieses nicht zu essen. Die Wichtigkeit, einen Eid unter allen Umständen zu leisten und die Angst, einen zu brechen, war so tief in die Herzen der Muslime eingraviert, dass dieser Mann sich weigerte, das Huhn zu berühren. Diese Tat bestätigt nur noch mehr die Treue zur Wahrheit, die der Islam seinen Anhängern verpflichtet hat. Abu Musa zitierte das Beispiel des Propheten Muhammadsaw, der einmal versprochen hatte, keiner Gruppe von Al-Ash’ariyin Kamele zu geben. Als sich die Umstände allerdings änderten und ersaw mehr Kamele besaß, verteilte der Prophet Muhammadsaw die Kamele auch unter ihnen.

 

Letztendlich ist es entscheidend, den Vorwand zu erkennen, mit dem der Prophet Muhammadsaw seinen Standpunkt änderte – er fand „etwas Besseres“. Besser für wen? Sicherlich nicht für sich selbst. Ersaw fand eine Methode, mit der er anderen wesentlich effektiver helfen konnte. Indem er den Al-Ash’ariyin die Kamele gab, verletzte der Prophet Muhammadsaw die Rechte von niemandem, ersaw tat keinerlei Unrecht und betrog niemanden. Ganz im Gegenteil, ersaw änderte seinen Standpunkt, weil ersaw erkannte, dass die Situation es ihm ermöglichen würde, den Bedürftigen viel effektiver zu helfen. Die Handlung des Propheten Muhammadsaw war vergleichbar mit einer Person, die einem Wohltätigkeitsverein einen Euro verspricht, unerwartete Mittel erhält und daher ihr Versprechen – ihr Eid – auf 100 Euro erhöht. Kann eine solche Person als ein Lügner bezeichnet werden? Absolut nicht.

 


 

[1] Dala’il al-Nabuwwah, Baihaqi, Dar al-Kutub al-‘Ilmiyya, Beirut, Lebanon
[2] Bukhari, Vol. 4, Book 52, #191.
[3] Bukhari, Vol. 4, Book 56, #826.
[4] Muslim, Book 1, #406.
[5] Sunan Tirmidhi, Book of Righteousness.
[6] Qur’an 2:9-21; 4:70, 136; 5:9; 9:119; 33:36; 61:3-4.
[7] Qur’an 4:136.
[8] Qur’an 16:107.
[9] Qur’an 16:111.
[10] Qur’an 2:43.
[11] Qur’an 41:43.
[12] Qur’an 4:136
[13] Bukhari, Book 67.
[14] Muwatta, Book 8.
[15] Muslim, Book 1.
[16] Qur’an 3:77-78; 16:92-93.

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