Die Helfer des Königs der Feder.

Patriotismus und Islam

Der Begriff Patriotismus (zu Deutsch: „Vaterlandsliebe”) beschreibt das positive Gefühl einer Verbundenheit mit seiner Nation. Dabei bezieht es sich auf bestimmte Merkmale, welche im kollektiven Verständnis der Nation diese auszeichnen und ihre Einzigartigkeit betonen. Hierzu gehören historische, ethnische, kulturelle oder sonstige Aspekte. Abgrenzung zum Nationalismus und Chauvinismus


Inhaltsverzeichnis

  1. Der Islam zum Patriotismus, Nationalismus und Chauvinismus
  2. Weiterführende Literatur

Abgrenzung zum Nationalismus und Chauvinismus

Während der Patriotismus die emotionale Verbunden mit dem eigenen Volk und Land zum Ausdruck bringt, beziehen Nationalismus (teilweise) und Chauvinismus fremde Völker und Länder insoweit mit ein, als dass das eigene Volk und die eigene Nation als besser, überlegener und wertvoller als diese erachtet und damit über sie gestellt werden. Die Abwertung fremder Völker und Nationen ist also Teil der nationalistischen und chauvinistischen Gesinnung. Diese Differenzierung ist auch für das Verständnis zwischen Islam und Patriotismus bzw. Nationalismus wichtig.

Der Islam zum Patriotismus, Nationalismus und Chauvinismus

Der Islam hat von sich das Selbstverständnis einer Religion, die eine Richtschnur für Menschen aller Nationen und für alle Zeiten bereitstellt. Er ist grenzen- und epochenunabhängig. Somit befreit sich der Islam auch von einer volks-, nationen- oder kulturspezifischen Assoziation und sieht sich kompatibel mit jedweder Ordnung dieser und anderer Kategorien. Das heißt zunächst, dass ein Muslim sich zusätzlich und neben der Identifikation mit dem Islam auch zu jeglicher Kultur, Nation oder Ethnie zugehörig fühlen kann.

Der Heilige Qur’an zu diesem Thema

Der Islam sieht sich als eine Religion, die der Natur des Menschen entspricht, d.h. seine natürlichen Neigungen, Triebe und Anlagen — allesamt von Gott selbst in seine Natur gelegt — nicht nur achtet und berücksichtigt, sondern auch richtig zu kanalisieren versucht. Dies gilt auch für die natürliche Neigung des Menschen, sich einer Gemeinschaft zugehörig zu fühlen, mit denen er gewisse Merkmale, wie Sprache, Geschichte oder Tradition teilt. Diese Gemeinschaft, dem sich das Individuum zugehörig fühlt und in welche es sich als Teil dessen fügt, kann der eigene Stamm, das eigene Volk oder die eigene Nation sein. Welches übergeordnete System man auch wählen mag, Allah berücksichtigt es in folgendem Vers des Heiligen Qurʿān und sagt:

O ihr Menschen, Wir haben euch von Mann und Weib erschaffen und euch zu Völkern und Stämmen gemacht, dass ihr einander kennen möchtet. Wahrlich, der Angesehenste von euch ist vor Allah der, der unter euch der Gerechteste ist. Siehe, Allah ist allwissend, allkundig. — (49:14)

Das Ziel aller Völker und Nationen sollte also sein, einander in gegenseitigem Respekt zu begegnen. Die eigene Identität darf dabei jedoch nicht in Vorstellungen einer Überlegenheit und Überheblichkeit gegenüber den Identitäten anderer Völker und Nationen übergehen. Im Islam gibt es keinen Spielraum für Rassismus, oder den Gedanken einer völkischen Überlegenheit. Alle volks- und nationalspezifischen Identitäten nehmen vor Allah den gleichen Rang ein; solche Merkmale zeichnen einen Menschen oder ein Volk nämlich nicht vor anderen aus. Vielmehr ist es die Frömmigkeit, oder — wie im o.g. Vers zum Ausdruck kommt — die Gerechtigkeit, die ein Individuum, ein Volk oder eine Nation tatsächlich in den Augen Allahs vor anderen auszeichnet. Auch an anderer Stelle mahnt der Heilige Qur’an, dass die Gläubigen sich vor chauvinistischer Geisteshaltung schützen sollten:

O die ihr glaubt! lasset nicht ein Volk über das andere spotten, vielleicht sind diese besser als jene; noch Frauen (eines Volkes) über Frauen (eines anderen Volkes), vielleicht sind diese besser als jene. Und verleumdet einander nicht und gebet einander nicht Schimpfnamen. Schlimm ist das Wort: Ungehorsam nach dem Glauben; und wer nicht ablässt, das sind die Frevler. — (49:12)

Vor allem vor dem Hintergrund der stammesgesellschaftlichen Strukturen der alten arabischen Welt, in die der Prophet MuhammadSAWhineingeboren wurde, stellte diese Sicht ein Novum dar. In einer Gesellschaft, in der die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Clan und Stamm über Reichtum oder Armut, Ansehen oder Schande, Macht oder Unbedeutsamkeit entschied, fand die Lehre des Heiligen Qurʿān nicht nur viele Bewunderer, sondern — v.a. bei denjenigen, die fürchteten ihre vorteilhafte Position zu verlieren — auch Feinde. Doch es war die revolutionäre Lehre des Heiligen Qurʿān, die am Ende obsiegen und den chauvinistischen Stolz der alten Gesellschaft brechen sollte, ohne jedoch den Menschen die Liebe zum eigenen Stamm und Volk zu verbieten.

Die Lehren des Islam auf diesem Gebiet harmonieren wunderbar mit Artikel 2 (Verbot der Diskriminierung) der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, in dem es heißt:

Jeder hat Anspruch auf die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.

Des Weiteren darf kein Unterschied gemacht werden auf Grund der politischen, rechtlichen oder internationalen Stellung des Landes oder Gebiets, dem eine Person angehört, gleichgültig ob dieses unabhängig ist, unter Treuhandschaft steht, keine Selbstregierung besitzt oder sonst in seiner Souveränität. Quelle: [https://www.amnesty.de/alle-30-artikel-der-allgemeinen-erklaerung-der-menschenrechte]

Ahadith zu diesem Thema

Eine Aussage, die zum Thema Patriotismus direkt auf den Heiligen Propheten MuhammadSAW  zurückführbar ist, lautet:

„Liebe zum eigenen Land ist Teil des Glaubens”

Wie alle Inhalte des islamischen Glaubens reflektiert auch dieses Hadith die Praxis des Heiligen Propheten MuhammadSAW. Als ErSAW nach jahrelang anhaltender Anfeindung vonseiten der Mekkaner schließlich von Allah den Auftrag zur Auswanderung bekam, bereitete Ihm die Trennung von seiner Heimatstadt unsäglichen Kummer. So wird berichtet, dass der Heilige Prophet Muhammad (SAW) sich zum Zeitpunkt der Auswanderung (Siehe Artikel: Hidschra) wehmütig nach Mekka wandte und sprach:

 „Mekka, du bist mir teurer als jeder andere Ort in der Welt, doch deine Leute wollen mich hier nicht leben lassen.“

In seiner berühmten letzten Ansprache richtete der Heilige Prophet MuhammadSAW folgende Worte an die gesamte Menschheit:

„O ihr Menschen, hört mir aufmerksam zu, denn ich weiß nicht, ob ich nach diesem Jahr noch unter euch weilen werde. Deshalb hört gut zu, was ich euch zu sagen habe und überbringt diese Worte jenen, die heute nicht unter uns sind! […] Alle Menschen stammen von Adam und Eva ab, ein Araber ist in keiner Weise einem Nicht-Aber überlegen, noch ist ein Nicht-Araber einem Araber überlegen; genau so ist auch ein Hellhäutiger keinem Dunkelhäutigen überlegen, noch besitzt der Dunkelhäutige gegenüber dem Hellhäutigen irgendeine Überlegenheit, außer in die Gottesfurcht und der guten Tat”

Der Heilige Prophet MuhammadSAW hat hier unmissverständlich den Rassismus und Chauvinismus verurteilt und betont, dass alle Menschen, ungeachtet ihrer Ethnie oder Volkszugehörigkeit, ein brüderliches Band verbindet, nämlich das der Zugehörigkeit zur menschlichen Spezies. Das einzige Merkmal, in welchem sich ein Mensch gegenüber einem anderen auszeichnen könne, sei die Eigenschaft der Gottesfurcht und die gute Tat. Das Wesentliche, was den Menschen tatsächlich auszeichnet, ist das Merkmal der Moral — die dem Herzen und der Vernunft aller Menschen zugänglich ist — und nicht das starre Merkmal einer beliebigen Zugehörigkeit zu einer Ethnie oder Volk!

Aussagen des Verheißenen MessiasAS

„Ein wirklicher Muslim, dem die Lehren seines Glaubens bewusst sind, wird sich immer aufrichtig und loyal dem Land gegenüber verhalten, unter dessen wohlbehüteten Dach er in Frieden lebt!” — „Das Königliche Geschenk”

Aussagen der Khulafa-e Ahmadiyyat

Auch die Khulafa-e Ahmadiyyat haben im Einklang mit dem Auftrag des Verheißenen MessiasAS eine chauvinistische Geisteshaltung stets angeprangert, ohne jedoch die Liebe zum Heimatland zu verbieten. Im Gegenteil: Der Begriff Patriotismus ist – v.a. vor dem Hintergrund der Entstehung neuer Nationalstaaten und der Hidschra von Ahmadi-Muslimen und der Integration in neuen Gesellschaften – in der Moderne präsenter als jemals zuvor in der islamischen Geschichte. Entsprechend haben die Khulafa-e Ahmadiyyat diesen Begriff auch im Lichte der islamischen Lehren immer wieder beleuchtet und der Gemeinde den Weg gewiesen.

Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA) — Khalifatul Masih V

Wahrer Patriotismus ist keine Einbahnstraße, auf der das Individuum sich bloß in einem Gefühl der Verbundenheit zu seiner Nation schwelgt! Im Gegenteil: Wahrer Patriotismus geht einher mit Verantwortungsbewusstsein. Eine Nation kann erst durch den Beitrag und die Mitwirkung jedes einzelnen ihrer Bürger Fortschritt und Wohlstand erlangen. Deshalb steht jeder Mensch eines Landes in der Verantwortung, für diese Ziele Sorge zu tragen. Diese und viele weitere Aspekte hat Hadhrat Khalifatul Masih VABA in seiner berühmten Rede („Liebe und Loyalität zum Heimatland”) im Schulungszentrum für Innere Führung der Bundeswehr (Koblenz) behandelt (Quelle: http://www.ahmadiyya.de/fileadmin/user_upload/bibliothek/hadhrat_mirza_masroor_ahmad-liebe_und_loyalitaet_zum_heimatland.pdf). Im Folgenden sind einzige Auszüge aus dieser Rede präsentiert:

„Zunächst einmal ist es ein fundamentales Prinzip des Islam, dass Wort und Tat einer Person niemals irgendeine Form von Doppelmoral oder Heuchelei aufweisen dürfen. Wahre Loyalität erfordert eine Beziehung, die auf Ehrlichkeit und Integrität aufbaut. Sie erfordert, dass das, was eine Person nach außen sichtbar macht, dem gleich ist, was sie im Innern trägt. Diese Prinzipien sind hinsichtlich Fragen der Nationalität von größter Bedeutung. Deswegen ist es für die Staatsangehörigen jedes Landes unentbehrlich, eine Beziehung von einzigartiger Loyalität und Treue zum eigenen Land aufzubauen. Dabei spielt es weder eine Rolle, ob man von Geburt Staatsangehöriger ist oder ob die Staatsangehörigkeit später erlangt wurde, noch ist es wichtig, ob man sie durch Einwanderung erlangt hat oder durch andere Mittel und Wege.”

Der letzte Aspekt spiegelt sich auch im Leben des Heiligen Propheten MuhammadSAW wieder: Nach der Hidschra erwählte ErSAW Medina als seine neue Wahlheimat, auch wenn sich diese Stadt von den klimatischen und sonstigen Bedingungen her sehr stark von Mekka unterschied. Infolge dessen war das Einleben in Medina für viele Muslime u.a. auch gesundheitsschädlich und viele von ihnen — daruter auch Hadhrat Abu BakrRA und Hadhrat BilalRA — erkrankten sogar. Der Heilige Prophet MuhammadSAW wandte sich deshalb schmerzerfüllt an Allah mit folgendem Bittgebet:

„O Allah, lass uns Medina lieben, so wie wir Mekka lieben — oder noch mehr! O Allah gib Segen in den Mengen unserer Nahrungsmittel und mache das Klima Medinas geeignet für uns!”.

Infolge der Erfüllung dieses Gebets besserte sich nicht nur der Gesundheitszustand der zuvor an mekkanische Verhältnisse gewohnten Muslime, sondern sie entwickelten allesamt eine Liebe zu der neuen Wahlheimat. Allen voran der Heilige Prophet MuhammadSAW, der — nachdem die Muslime sieben Jahre später siegreich in die zuvor befeindete Stadt Mekka einzogen — seiner Wahlheimat Medina jetzt nicht etwa den Rücken kehrte, um wieder zurück nach Mekka, seiner ehemaligen Heimat zu ziehen; vielmehr sah erSAW sich Medina und seinen Menschen treu verbunden und lebte bis zu seinem letzten Atemzug unter den Menschen Medinas.

Hierin ist auch eine Lehre für Muslime der Gegenwart, die aus Gründen der Verfolgung oder anderen Motiven in ein fremdes Land ziehen und es als ihre neue Wahlheimat auswählen, dieser in Treue und Loyalität verbunden zu sein.

Weiterhin beleuchtete Hudhur-e AnwarABA in seiner Rede, dass Loyalität als Teil des Patriotismus auch die Erfüllung von Gelöbnissen und Verpflichtungen beinhaltet:

„Nach den Lehren des Islam ist die Definition und wahre Bedeutung von „Loyalität“ die uneingeschränkte Erfüllung von Gelöbnissen und Verpflichtungen, die auf jeder Stufe und unter allen Umständen und unabhängig der erforderlichen Mühen, zu erfolgen hat. Das ist die wahre Form der Treue, die der Islam fordert. An den unterschiedlichsten Stellen im Heiligen Koran weist Gott die Muslime darauf hin, ihre Versprechen und Verpflichtungen zu erfüllen, weil sie Ihm Rechenschaft abzulegen haben hinsichtlich aller Taten, die sie begehen. Den Muslimen wurde gelehrt, all ihre Verpflichtungen zu erfüllen: Diejenigen Gott, dem Allmächtigen, gegenüber ebenso, wie alle anderen Verpflichtungen, die sie gemäß ihres jeweiligen Stellenwertes zu erfüllen haben.”

Letzteres bezieht die Verpflichtungen gegenüber dem Staat, in dem man lebt, selbstverständlich ein!

Die Beziehung eines Muslims zum Patriotismus prägnant zusammenfassend, bezog sich Hudhur-e AqdasABA auf den Heiligen Propheten MuhammadSAW, der die Muslime lehrte:

„[…] dass die „Liebe zum eigenen Land ein Teil des Glaubens ist.“ Insofern ist aufrichtiger Patriotismus eine Anordnung im Islam. Wahrhaft Gott und den Islam zu lieben erfordert, dass man sein Land liebt.”

Hadhrat Mirza Tahir AhmadRT — Khalifatul Masih IV

Das vierte Oberhaupt der Jamaat Ahmadiyya hat seine Gemeinde durch Zeiten großer Verfolgung und letztlich auch Vertreibung geführt. Es war in seiner Ära, dass das Khilafat aus Rabwah in Pakistan nach London im Verinigten Königreich emigrieren musste, da die Anfeindungen aus den politischen und religiösen Lagern das System des Khilafat in ihrer Existenz gefährdet hätten. Hadhrat Khalifatul Masih IVRH folgte hiermit der Sunnah der Hidschra des Heiligen Propheten MuhammadSAW, wandte sich allerdings auch mit folgenden Worten an die Ahmadis, die in Pakistan verblieben waren:

„Lassen Sie es niemals zu, dass der Eifer der Liebe zur Heimat jemals verloren geht” —

Hadhrat Mirza Nasir AhmadRH — Khalifatul Masih III

Zuvor hatte das dritte Oberhaupt der Jamaat Ahmadiyya in Pakistan miterleben müssen, wie durch eine Reihe von undemokratischen und unehrlichen Prozessen seine Gemeinde per Dekret von der Nationalversammlung Pakistans zu nicht-Muslimen deklariert wurde. Sowohl davor, als auch danach hatte der blinde Hass der Mitbürgerinnen und Mitbürger soweit um sich gegriffen, dass selbst Shuhada unter den Ahmadis zu verzeichnen waren. Doch selbst nach der verachtenden Entscheidung des Parlaments pflegte Hadhrat Mirza Nasir Ahmad, Khalifatul Masih IIIRH zu seinen Anhängern zu sagen:

„Die Liebe zu unserem Land, die in unserem Herzen ist, das ist jene Liebe, die der Heilige Prophet MuhammadSAW selbst besiegelt hat.”

Weiterführende Literatur

Siehe auch

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