Die Helfer des Königs der Feder.

Noch stärker zusammengewachsen

Leserbrief von Yassar Ahmad und Najeeb Ahmad zum Angriff auf das Gebetshaus der AMJ Florstadt (veröffentlicht in Kreis-Anzeiger, am 27.02.2016)

In der Nacht zu Mittwoch haben Unbekannte das Gebetshaus der Ahmadiyya Muslim Gemeinde sowie die Flüchtlingsunterkunft in Florstadt mit Steinen beworfen. Hierbei gingen mehrere Scheiben zu Bruch.

Dieser Angriff auf das Gebetshaus richtet sich gegen jene Muslime, die sich nach dem Motto „Liebe für Alle, Hass für Keinen“ richtend, für Frieden und Toleranz einsetzen. Er richtet sich gegen jene Gemeinde, die erst im vergangenen Dezember eine Veranstaltung unter dem Titel „Muslime gegen Gewalt“ im Florstädter Saal Lux abhielt, um die jüngsten Angriffe in Paris auf das Schärfste zu verurteilen und um über den wahren, friedliebenden und toleranten Islam, der durch den Religionsstifter Muhammedsaw  gelehrt und praktiziert wurde, aufzuklären. Deutschlandweit setzt sich die Gemeinde für einen überkonfessionellen, interreligiösen Dialog ein und veranstaltet regelmäßige Informationstreffen, in denen Bürger die Möglichkeit bekommen, Antworten auf durchaus kritische Fragen zu erhalten. Als „Wutbürger“ jeden Montag in Dresden ihre Ängste vor einer Islamisierung des westlichen Abendlandes zum Ausdruck brachten, war es die Reaktion der Ahmadiyya-Gemeinde wöchentlich einen Informationsstand in der Dresdner Innenstadt aufzubauen und durch den Dialog die Ängste jener Bürger zu nehmen. Seit 2014 verteilen die Gemeinde-Mitglieder in deutschen Großstädten ihre „Muslime für Frieden“-Flyer. Die Gemeinde engagiert sich darüber hinaus auch gesellschaftlich durch Projekte wie dem alljährlichen Neujahrsputz, Charity-Walks (Wohltätigkeitsläufen), Baumpflanzungen, Altenheimbesuchen, Blutspendenaktionen und vielen weitere Aktionen.

Als nun ein Journalist nach dem Angriff auf das Gemeindehaus in Florstadt fragte, was die Reaktion von uns, also der Gemeindemitglieder hierauf sei und ob wir beunruhigt wären, so könnte eine mögliche, durchaus plausible Antwort hierauf gewesen sein, dass die Mitglieder in der Tat beunruhigt sind. Beunruhigt darüber, dass die Steine oder die Splitter der eingeworfenen Scheiben jemanden während des Gebets hätten treffen können, wenn der Angriff tagsüber verübt worden wäre. Frustriert, dass ausgerechnet wir, die wir uns für Frieden, Toleranz und Dialog einsetzen, zum Ziel eines solchen Angriffs werden. Ernüchtert, dass all die Bemühungen, Informationsveranstaltungen, Ausstellungen, ja doch umsonst gewesen wären, weil sie nichts verändert hätten.

Dies war aber nicht unsere Antwort. Unsere Reaktion jetzt, aber auch in Zukunft wird sein, dass wir statt beunruhigt, frustriert oder ernüchtert zu sein, noch viel entschlossener, entschiedener und energischer unserem Motto „Liebe für Alle, Hass für Keinen“ folgen werden. Wir werden dies nicht zum Anlass nehmen, unsere Bemühungen zu reduzieren oder einzustellen. Wir werden keine Vorwürfe gegen bestimmte Gruppen oder Parteien erheben und auch keine Protestaktionen oder -märsche abhalten. Ein solcher Angriff bietet unserer Gesellschaft die Möglichkeit noch stärker zusammenzuwachsen. Unmittelbar nach Bekanntwerden des Angriffs erhielten wir zahlreiche Mails von Florstädter Mitbürgern, die ihre Solidarität mit der Gemeinde bekundeten und ihre Abscheu vor dieser Tat zum Ausdruck brachten.

Anlässlich der Grundsteinlegung der Mubarak Moschee in Nieder-Florstadt, am 10. Oktober 2015, sagte das Oberhaupt der Ahmadiyya Muslim Gemeinde, seine Heiligkeit der 5. Khalif, Hazrat Mirza Masroor Ahmed: „Die 125-jährige Geschichte der Gemeinde bezeugt, dass von unseren Taten und unseren Worten immer Liebe und Harmonie ausging. Dies wird auch in Zukunft so sein. […] Die Ahmadiyya Gemeinde folgt der Lehre des Koran, die im Wesentlichen besagt, dass der Mensch statt eigene Rechte einzufordern, die Rechte der Mitmenschen einhalten sollte, denn nur dadurch können wahrer Frieden und Harmonie innerhalb der Gesellschaft entstehen.“

Die Ahmadiyya-Gemeinde wird auf alle Unwägbarkeiten und Hindernisse, die sie vielleicht noch in Zukunft erwarten, mit Geduld und Gelassenheit reagieren. Die Stadt Florstadt und der gesamte Wetteraukreis werden auch in Zukunft auf die Unterstützung und Mithilfe unserer Gemeinde zählen können. Sie wird stets Quelle von Frieden und Harmonie sein und jedem Hilfe zukommen lassen, der diese benötigt. Derzeit sind es die Flüchtlinge, die diese Hilfe und Solidarität am dringendsten benötigen. Der Angriff auf das Flüchtlingsheim zeugt von enorm hoher krimineller Energie der Täter. Die Täter haben mit dem Ziel gehandelt, den schlafenden Bewohnern größtmöglichen Schaden zuzufügen und sie nachhaltig zu traumatisieren. Eine solche Tat, ist ungeachtet der Herkunft der Opfer, auf das Schärfste zu verurteilen

Die Ahmadiyya-Gemeinde in Florstadt wird wie in der Vergangenheit auch in Zukunft für alle Bewohner unserer Stadt und unseres Kreises einstehen.

Florstadt, Yassar Ahmad & Najeeb Ahmad

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