Die Helfer des Königs der Feder.

Sauberkeit und Hygiene im Islam

Der Islam hat Hygiene und Sauberkeit zu einem wichtigen Aspekt im Leben eines Muslims erklärt. Dies reflektiert zum einen die Diesseits-bezogenen Aspekte des Islam, der die Natur des Menschen gebührend beachtend sich als vollkommene Religion präsentiert (Din-e-Fitrat; Din-e-Kamil). So sind beispielsweise Hygiene und Sauberkeit wichtige Voraussetzungen für die körperliche und psychische Gesundheit des Menschen. Darüber hinaus spricht der Islam ihnen auch einen wichtigen metaphysischen Stellenwert zu: „Sauberkeit ist auch ein Teil des Glaubens”, heißt es in einem bekannten Hadith zu diesem Thema (Ṣaḥīḥ Muslim; zitiert aus: „Garten der Rechtschaffenen”, Hadith Nr. 437, Seite 419). Viele islamische Gebote — beispielsweise das tägliche Gebet (ṣalāt) — setzen die Sauberkeit in Form der rituellen Waschung (Wudu’) voraus. Damit ist ein bestimmter Standard in Sachen Hygiene und Sauberkeit eine notwendige Voraussetzung für eine lebendige Beziehung zu Gott. Dieser Artikel soll einen Überblick über relevante Aspekte geben, die mit Hygiene und Sauberkeit aus islamischer Sicht im Zusammenhang stehen.

 


Inhaltsverzeichnis

 

  1. Über die Beziehung zwischen Körper und Seele
    • Stellenwert der körperlichen Reinlichkeit
    • Gepflegtes Äußeres
  2. Bedeutung für den Gottesdienst
    • Beispiel: Verunreinigung durch Urin
  3. Sexualität und Intimhygiene
    • Schambehaarung
    • Beschneidung
    • Menstruation
    • Sonstiges
  4. Toilettenhygiene
  5. Essensvorschriften und Speisegebote
    • Hygiene von Händen, Mundraum und Gesichtsbereich
    • Pflege von Bart und Schnurrbart
    • Vorwurf der hygienischen Bedenken
    • Arbeitsteilung der Hände
    • Gebote zum Schächten und Verzehr von Schweinefleisch
  6. Hunde als Haus- und Nutztiere
  7. Geschichtlicher Einfluss
    • Seifenherstellung
    • Hammame
    • Gesundheitswesen
  8. Sonstige
    • Öffentliche Plätze
    • Seuchen
      • Corona-Pandemie 2019/2020
  9. Sonstige Ahadith zum Thema

 


 

1 Über die Beziehung zwischen Körper und Seele

Der Islam misst der physischen Dimension des Menschen eine für seinen spirituellen Fortschritt äußerst wichtige Rolle bei. Körper und Seele stehen in einer engen Wechselbeziehung. So hat der physische Zustand des Menschen auch einen großen Einfluss auf seinen seelischen Zustand, und der Fortschritt der Seele kann deshalb nicht erfolgen, wenn der physische Zustand vernachlässigt wird.

Der Verheißene Messias (AS) schreibt über die Körper-Seele-Beziehung:

”So besteht eine natürliche Beziehung zwischen unserem Körper und der Seele und alle unsere Handlungen und Bewegungen wie Essen, Trinken, Schlafen, Wachen, Gehen, Ruhen, Baden usw. bewirken notgedrungen einen entsprechenden Einfluss auf unsere geistige oder seelische Verfassung. Wenn eine bestimmte Stelle im Gehirn verletzt wird, verliert man sofort sein Erinnerungsvermögen, und die Verletzung eines anderen Teils führt zur Bewusstlosigkeit. Vergiftete, verseuchte Luft beeinträchtigt zunächst rasch den Körper, dann beeinflusst sie den Geist, und binnen weniger Stunden wird das ganze System, welches das Zentrum aller moralischen Regungen ist, in Mitleidenschaft gezogen, und das arme Opfer siecht dahin wie ein Irrsinniger. Somit beweisen die körperlichen Verletzungen hinreichend, dass eine geheimnisvolle Beziehung zwischen Körper und Seele besteht, deren Umfassung weit über das hinausgeht, was der Mensch begreifen kann.” (Mirza Ghulam Ahmad (AS); Philosophie der Lehren des Islam: S. 51 f.)

Ferner schreibt der Verheißene Messias (AS):

”Es ist für uns unbegreiflich, wie die Seele, die im täglichen Leben von der geringsten Störung des Körpers beeinflusst wird, auch ihren perfekten, gesunden Zustand aufrechterhalten könnte, wenn sie vom Körper vollständig gelöst wird. Zeigt uns unsere tägliche Erfahrung nicht, dass die Gesundheit der Seele von der Gesundheit des Körpers abhängt?” — (Mirza Ghulam Ahmad (AS); Philosophie der Lehren des Islam: S. 178)

Auch in der klinischen Psychologie und Humanmedizin wird eine enge Beziehung zwischen dem Körper und der Psyche angenommen und ist Grundlage ganzer Zweige in diesem Bereich, wie der Psychosomatik und der Somatopsychologie (altgr.: soma für Körper und psyché für Seele) .

1.2 Stellenwert der körperlichen Reinlichkeit

Welchen Stellenwert die körperliche Hygiene im Islam hat, lässt sich nicht zuletzt an den umfangreichen Geboten zur Sauberkeit ermessen, die nur unter Verwendung entsprechender Mengen von sauberem Wasser zu realisieren sind. Geht man auf die frühen Jahre des Islam zurück, bemerkt man, dass Wasser ein rares und daher umso kostbares Gut im alten Arabien — dem Entstehungsort des Islam — gewesen ist. Doch der Einsatz dieser wertvollen Ressource wurde selbst zu jener Zeit und in jener kargen Region keineswegs gescheut, um im Rahmen des Sauberkeitsgebotes von Muslimen verwendet zu werden. Hieran wird der Stellenwert der körperlichen Reinheit im Islam deutlich, die selbst bei Fehlen von Wasser nicht vernachlässigt oder ausgelassen werden darf, wie wir beispielsweise im folgenden Vers des Heiligen Quran lesen:

O die ihr glaubt! Wenn ihr zum Gebet hintretet, waschet euer Gesicht und eure Hände bis zu den Ellbogen und fahrt euch über den Kopf und waschet eure Füße bis zu den Knöcheln. Und wenn ihr im Zustande der Unreinheit seid, reinigt euch durch ein Bad. Und wenn ihr krank oder auf einer Reise seid (und dabei unrein), oder wenn einer von euch vom Abtritt kommt, oder wenn ihr Frauen berührt habt, und ihr findet kein Wasser, so nehmt reinen Sand und reibt euch damit Gesicht und Hände. Allah will euch nicht in Schwierigkeiten bringen, sondern Er will euch nur reinigen und Seine Gnade an euch erfüllen, auf dass ihr dankbar seiet. — Heiliger Quran (5:7)

1.3 Gepflegtes Äußeres

Ein Gepflegtes Aussehen und gute Hygiene gehen Hand in Hand und sind vom Heiligen Propheten Muhammad (SAW) für die Muslime zur Pflicht und als Teil der religiösen Praxis erklärt worden. Im Folgenden ist ein Hadith aufgeführt, welches die wichtigsten Gebote für die Sauberkeit und Hygiene von Muslimen enthält. Auf einige Punkte aus diesem Hadith wird an anderer Stelle in diesem Artikel genauer eingegangen:

Hadhrat Aisha (RA) berichtete, dass der Heilige Prophet (SAW) Folgendes sagte:

„Es gibt zehn Merkmale, die in der menschlichen Natur liegen:

  1. Den Schnurrbart pflegen;
  2. Einen Bart tragen;
  3. Die Zähne putzen;
  4. Die Nase mit Wasser spülen;
  5. Die Nägel schneiden;
  6. Die Fingerspitzen sauber halten;
  7. Die Achselhaare entfernen;
  8. Die Schamhaare entfernen;
  9. Sich nach dem Stuhlgang und Urinlassen waschen.“

Der Überlieferer erzählte, dass er den zehnten Punkt vergessen habe. Vielleicht war dies die Mundspülung nach der Mahlzeit. — (Ṣaḥīḥ Muslim; zitiert aus: „Garten der Rechtschaffenen”, Hadith Nr. 440, Seite 420)

In einem anderen Hadith lesen wir über folgende Begebenheit:

Hadhrat Ata ibn Yasaar (RS) berichtete, dass der Heilige Prophet (SAW) sagte, dass eines Tages ein Mann, dessen Haare und Bart ungepflegt waren, zur Moschee kam. Der Heilige Prophet (SAW) erklärte ihm durch ein Handzeichen, dass er die Haare und den Bart pflegen solle. Als er mit gepflegten Haaren wiederkam, sagte der Heilige Prophet SAW:

„Ist dieses gepflegte Gesicht nicht besser als ein Ungepflegtes, das einem Teufel oder Gespenst ähnelt?“ — (Muwaṭṭa von Imām Mālik; zitiert aus: „Garten der Rechtschaffenen”, Hadith Nr. 441, Seite 420-421)

2. Bedeutung für den Gottesdienst

Die enge Beziehung zwischen Körper, Geist und Moral ist der Grund dafür, dass die Sauberkeit des Ersteren im Islam eine große Rolle spielt. Deshalb stellt die körperliche Sauberkeit eine notwendige Voraussetzung für den islamischen Gottesdienst dar. Der Verheißene Messias (AS) schreibt hierzu:

”Die Antwort lautet, dass nach dem Qur-ân der physische Zustand des Menschen eng mit seinem moralischen und geistigen Zustand verknüpft ist. Sogar die Nahrung spielt eine große Rolle bei der moralischen und geistigen Entwicklung des Menschen. Richten sich daher die körperlichen Neigungen nach dem Gesetz Gottes, werden sie zu den moralischen und geistigen Eigenschaften des Menschen — denn was immer in eine Salzgrube fällt, wird mit der Zeit zu Salz — und werden tief auf den geistigen Zustand der Seele wirken. Aus diesem Grund wird im Heiligen Qur-ân bei jedem Gebet und bei jeder Andacht sowie bei allen Handlungen, die die moralische Läuterung und Besserung betreffen, die äußerliche Sauberkeit und Ordentlichkeit verlangt, verbunden mit Reinheit und Bescheidenheit im Innern.” (Mirza Ghulam Ahmad (AS); Philosophie der Lehren des Islam: S. 50)

Diese äußere Sauberkeit wird beispielsweise durch die obligatorische rituelle Waschung (Wudhu’) erlangt.

Siehe auch Artikel: Wudhu’

2.2 Beispiel: Verunreinigung durch Urin

Die Bedeutsamkeit der körperlichen Reinlichkeit kommt u.a. im folgenden Hadith sehr gut zur Geltung:

Einmal vernahm der Heilige Prophet (SAW) beim Passieren eines Friedhofs in Medina oder Mekka die Stimme von zwei Personen, die die Qualen des Grabes erlitten. Der Heilige Prophet (SAW) sagte:

„Diese zwei Personen erleiden nicht etwa die Strafe für eine größere Sünde (die hätte unterlassen werden sollen). Der Heilige Prophet (SAW) fuhr fort: „Ja, gewiss! Einer von den beiden hat sich nie davor bewahrt, mit seinem eignen Urin beschmutzt zu werden, während der andere stets Verleumdung betrieb (um Freunde zu Feinden zu machen).”

Der Heilige Prophet (SAW) bat schließlich um ein grünes Palmenblatt, teilte es in zwei hälften und legte je eines auf die Gräber. Auf die Frage hin, wieso er das tat, erwiderte er:

„Ich hoffe, dass ihre Qual gemindert wird, bis diese ausgetrocknet sind.”. (Sahih al-Bukhari 218, Buch 4, Hadith 84)

Das Urinieren nach vollzogener ritueller Waschung (Wudu’) macht eine erneute rituelle Waschung nötig, nachdem man den Bereich der Harnröhrenöffnung mit Wasser gereinigt hat. Die Kontamination der eigenen Kleidung mit Urin macht sogar den Status jeglicher rituellen Waschung gänzlich ungültig, bis man sich umzieht. Betrifft die Kontamination zusätzlich die Körperoberfläche, so muss auch diese vor der rituellen Waschung gereinigt werden. Diese Tatsache ermöglicht eine Interpretation des oben zitierten Hadith: Im Zustand der körperlichen Unreinheit sind jegliche Akte des Gottesdienstes ungültig und somit das Streben nach Gott — ein fundamentales Ziel im Leben eines Muslims — unmöglich.

3. Sexualität und Intimhygiene

Auch im Bereich der Sexualität und in Sachen Intimhygiene setzt der Islam gewisse Standards und steht damit in derselben Tradition wie bereits zuvor geoffenbarte Religionen, beispielsweise das Judentum. Neben dem offensichtlichen Nutzen der Reinlichkeit gehen diese Gebote mit der Vorbeugung von gewissen Krankheiten einher und haben eindeutig gesundheitliche Vorteile.

3.2 Schambehaarung

Wie aus dem Hadith im Unterpunkt 1.3 Gepflegtes Äußeres ersichtlich, gehört die Entfernung von Behaarung gewisser Körperregionen ebenfalls zur Hygiene betreffenden Geboten im Islam. Gemeint ist die Behaarung jener Körperstellen, die als Teil der sekundären Geschlechtsmerkmale ab der Pubertät vorzufinden ist: Achselbehaarung und Schambehaarung. Die Haut im Bereich der Achseln und Genitalien ist im besonderen Maße bespickt mit sog. apokrinen Schweißdrüsen. Es handelt sich hierbei um große Schweiß- bzw. Duftdrüsen, die erst unter hormonellen Einflüssen ab der Pubertät aktiviert werden. Sowohl die Achseln, als auch die Leisten- und Genitalregion werden durch ihre Lage und die Kleidung relativ schlecht belüftet, wodurch die Belüftung und Verdunstung der Drüsenprodukte erschwert wird. Durch das Vorhandensein von (längerer) Behaarung in dieser Körperregion wird die Verdunstung und Belüftung zusätzlich erschwert und die Drüsenprodukte lagern sich am Haar ab, was sich wiederum negativ auf die Hygiene auswirkt. Verstopfen die Drüsen und kommen neben anderen Faktoren auch Krankheitserreger ins Spiel, kann sich hieraus u.a. eine bakterielle Infektion in Form eines Schweißdrüsenabszesses entwickeln. Eine adäquate Körperhygiene im Bereich der genannten Regionen bietet eine wirksame Prophylaxe; wobei die Entfernung der Behaarung diese Hygienemaßnahmen ungemein erleichtert und deshalb Bestandteil dieser Maßnahmen sein sollte. Die Schambehaarung (seltener auch die Achselbehaarung) ist zudem der natürliche Lebensraum der Filzlaus: Ein Parasit des Menschen, der seine Eier in der Schambehaarung ablegt, an der diese dann haften bleiben, bis sie schlüpfen. Die einfachste und sicherste vorbeugende Maßnahme ist die regelmäßige Entfernung der Schambehaarung in diesem Bereich. Dies belegen auch zahlreiche Studien, die zeigen konnten, dass der Befall der Filzlaus beispielsweise in den westlichen Ländern im Zeitraum zwischen 1997 und 2003 signifikant zurückgegangen ist, was auf den in dieser Zeit zunehmenden Trend der Achsel- und Schamhaarentfernung zurückgeführt wird (Quelle: N. R. Armstrong, J. D. Wilson: Did the „Brazilian“ kill the pubic louse? In: Sexually Transmitted Infections. 2006, Nr. 82, S. 265–266: Letter, doi:10.1136/sti.2005.018671; British HIV Association: 11th Annual Conference of the British HIV Association BHIVA with the British Association for Sexual Health and HIV BASHH. 20–23 April 2005.)

In Zusammenschau dieser Aspekte bringt die regelmäßige Entfernung der Körperbehaarung, wie sie im Islam als Gebot vorzufinden ist, ungemeine hygienische wie gesundheitliche Vorteile mit sich.

3.3 Beschneidung

Der Islam knüpft an die abrahamitische Tradition der Beschneidung an und gebietet sie in diesem Sinne allen männlichen Muslimen. Das kommt zum einen unmittelbar der Genitalhygiene und Gesundheit des Mannes zugute, da sich unter der Vorhaut unter Absonderung bestimmter Produkte von Drüsen der Haut und abgeschilferten Hautzellen das sogenannte „Smegma” bildet. Dieses in der Konsistenz schmierige Produkt bietet bei zusätzlich mangelnder Hygiene — was sich beispielsweise auch schon durch einen übelriechenden Geruch bemerkbar machen kann — diversen Pilzen, Bakterien oder Viren den Nährboden für Infektionen. Ist dies der Fall, treten Entzündung in diesem Bereich auf, weshalb Mediziner nicht-beschnittenen Männern dazu raten, v.a. den Bereich unter der Vorhaut regelmäßig und gründlich zu reinigen. Darüber hinaus konnte in einigen Studien gezeigt werden, dass die Beschneidung als Hygienemaßnahme zahlreiche Krankheiten vorbeugen kann: Beschnittene Männer erkranken somit signifikant seltener an einem Peniskarzinom; ein seltener Tumor, der insbesondere wegen mangelnder Genitalhygiene auftritt. Auch die Partnerinnen profitieren gesundheitlich von der Beschneidung ihres Ehemannes: Es konnte gezeigt werden, dass die Rate an Gebärmutterhalskrebs in muslimischen und jüdischen Bevölkerungen im Vergleich signifikant geringer ist, was auf die verbesserte Genitalhygiene des Mannes durch die Beschneidung zurückgeführt wird.

Siehe auch Artikel: Beschneidung

3.4 Menstruation

In vielen Kulturen und Religionen befolgen menstruierende Frauen gewisse Einschränkungen hinsichtlich religiöser wie auch alltäglicher Praktiken. Viele der Verbote haben historisch gesehen eine sinnvolle Funktion erfüllt, erübrigten sich allerdings im Zuge der Entwicklung immer besserer Monatshygiene und allgemeiner Hygienestandards. So galt beispielsweise im mittelalterlichen Europa ein Verbot für menstruierende Frauen, sich an der Weinherstellung zu beteiligen: Hygieneartikel waren weitgehend unbekannt, sodass das Menstruationssekret frei an den Beinen hinab zu den Füßen laufen und somit die mit baren Füßen zertretenen Weintrauben verunreinigen konnte.

Andere Tabus hingegen haben weder historisch gesehen, noch in der Gegenwart irgendeinen Nutzen. Sie stellen vielmehr einen soziokulturellen Ballast dar und führen zur Stigmatisierung von Frauen. Als Beispiel sei die hinduistische Praxis des Chhaupadi erwähnt, die v.a. in Teilen Nepals weit verbreitet ist: Menstruierenden Frauen werden als „unrein“ gebrandmarkt und ihnen wird die Partizipation am normalen familiären Leben untersagt. Unter anderem müssen sie während der Zeit ihrer Regelblutung abseits ihres Zuhauses in einer speziellen Hütte hausen (Quelle: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6287853/).

Die Weisungen des Islam zu diesem Thema haben im Vergleich dazu einen sehr konkreten Nutzen und finden sich in ähnlicher Form auch in den anderen abrahamitischen Religionen. Die Menstruation gilt im Islam als natürlicher Prozess, der keinesfalls Anlass zur Stigmatisierung der Frau bietet. Einschränkungen für menstruierende Frauen erstrecken sich hauptsächlich auf den Geschlechtsverkehr und gewissen religiösen Praktiken gibt es Erleichterungen für menstruierende Frauen. Zum Ersteren heißt es im Heiligen Quran:

Und sie fragen dich wegen der monatlichen Reinigung. Sprich:

„Das ist schadenbringend, so haltet euch fern von Frauen während der Reinigung, und geht nicht ein zu ihnen, ehe sie sich gereinigt. Haben sie sich durch ein Bad gereinigt, so geht ein zu ihnen, wie Allah es euch geboten. Allah liebt die sich Bekehrenden und liebt die sich Reinhaltenden.“— Heiliger Quran (2:223) [Anmerkung: Mit „Reinigung“ ist hier die Menstruation gemeint]

Das Verbot des Geschlechtsverkehrs während der Menstruation hat gesundheitliche Gründe. Die weiblichen Geschlechtsorgane sind während der Monatsblutung empfindlicher gegenüber mechanischen Reizen und Mikroorganismen, sodass u.a. das Infektionsrisiko durch Geschlechtsverkehr erhöht ist. Einige Studien belegen zudem dass Geschlechtsverkehr während der Regelblutung mit erhöhtem Risiko für Endometriose assoziiert ist (Quelle https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6290188/https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC6642425/). Es sei angemerkt, dass der Islam zwar den Geschlechtsverkehr, nicht jedoch jeglichen körperlichen Kontakt zu menstruierenden Frauen verbietet. Ehepaare können mit Ausnahme des Geschlechtsverkehrs sehr wohl Zärtlichkeiten miteinander austauschen, was auch der Sunnah (Praxis) des Heiligen Propheten Muhammad (SAW) entspricht. Auch sonst ist es den Frauen gestattet während ihrer Regelblutung am alltäglichen familiären und gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

Hinsichtlich religiöser Praktiken ist zu bedenken, dass der Blutfluss sowohl das Fasten als auch die rituelle Waschung (Wudu’), als Voraussetzung für das Gebet (ṣalāt), nichtig macht. Es ist den Frauen allerdings gestattet, auch während der Regelblutung den Heiligen Quran zu rezitieren, sofern auf grundsätzliche Sauberkeit geachtet und eine Beschmutzung der Heiligen Schrift mit Menstruationsfluss verhindert wird (Quelle: https://www.youtube.com/watch?v=2ENXOTobfnQ).

3.5 Sonstiges

Die Körper-Seele-Beziehung und daraus folgende Wichtigkeit der Reinlichkeit für den Gottesdienst machen in bestimmten Situationen eine ganzkörperliche Waschung nötig, die man als Ghusl bezeichnet. Ein Ghusl wird so als Hygienemaßnahme nach Abschluss der Monatsblutung oder des Wochenflusses nach Entbindung zur Pflicht und Voraussetzung für jeglichen Akt des Gottesdienstes. Selbes gilt für beide Geschlechter nach Vollzug von Geschlechtsverkehr oder für den Mann nach nächtlicher Ejakulation („feuchte Träume“).

Siehe auch Artikel: Wudu’

4. Toilettenhygiene

Die korrekte Reinigung der entsprechenden Körperöffnung nach Entleerung von Blase und Darm ist im Islam vorgeschrieben. Im Falle der Blasenentleerung hilft das Spülen der Harnröhrenöffnung mittels Wasser, Reste des Urins zu entfernen und somit die Kontamination der Kleidung und des Körpers zu verhindern. Aus genanntem Grund sollten Männer auch nicht im Stehen Urinieren, da hierbei nach Aufprall des Urinstrahls auf die Oberfläche (des Bodens oder Urinals) Spritzer entstehen, die wiederum die Kleidung und Körper des Urinierenden verunreinigen. Die im Sitzen verwendete Toilette ist bei weitem spritzärmer und sollte deshalb nicht nur für den Stuhlgang, sondern auch für die Harnentleerung verwendet werden (Siehe auch 2.2).

Nach Darmentleerung ist der Anus zu reinigen, um der Reinheit als Voraussetzung für Gottesdienst und körperliche Gesundheit entsprechen zu können. Zu Zeiten des Heiligen Propheten (SAW) wurden hierfür neben Wasser u.a. auch trockene und saubere Steine oder trockener Sand bzw. Erdklumpen verwendet – wohingegen die Verwendung von Dungklumpen oder Knochen für diesen Zweck vom Propheten (SAW) verboten wurden, da diese eine Infektionsquelle darstellen (Quelle: Offenbarung, Vernunft Wissen & Wahrheit – S. 397 ff). Als Ersatz für Steine oder Sand kommt heutzutage Toilettenpapier zum Einsatz, wobei die Reinigung mit Wasser gründlicher ist und deshalb bevorzugt werden sollte (Vgl. Hg. Quran 4:44; 5:7). Darüber hinaus ist vor der rituellen Waschung (Wudu’) die Reinigung sowohl des Harnröhrenausgangs (Siehe auch 2.2) als auch des Anus mit Wasser obligat.

Die genannten Praktiken der Toilettenhygiene sollen im Rahmen der Arbeitsteilung der Hände ausschließlich mit der linken Hand vorgenommen werden (Siehe auch 5.3).

Siehe auch Artikel: Wudu’

5. Essensvorschriften und Speisegebote

Vom gesundheitlichen Aspekt betrachtet gibt es für allerlei Schadstoffe unzählige Eintrittspforten in den menschlichen Körper, den sie nach dem Eindringen auf diverse Weisen schaden und schwächen können. Bei Missachtung von gewissen Hygienevorschriften stellt deshalb auch die Zufuhr von Nahrung eine potenzielle Gefahrenquelle dar. Aus diesem Grund finden sich in den islamischen Quellen Anweisungen, die dieses Risiko soweit es geht minimieren sollen.

5.2 Hygiene von Händen, Mundraum und Gesichtsbereich

Es gehört zu der Sunnah (Praxis) des Heiligen Propheten Muhammad (SAW), sich vor und nach dem Essen die Hände zu waschen und den Mund auszuspülen. So lesen wir in einem Hadith:

Hadhrat Anas bin Malik (RS) berichtete, dass er den Heiligen Propheten (SAW) folgendes sagen hörte:

„Wenn jemand sich wünscht, dass Allah sein Haus mit viel Segen und Wohl füllt, so sollte er vor und nach der Mahlzeit sich die Hände waschen und den Mund ausspülen.“ — (Sunan Ibn Māǧa; zitiert aus: „Garten der Rechtschaffenen”, Hadith Nr. 557, S. 496-497)

Das Händewaschen unmittelbar vor dem Speisen vermindert das Risiko einer unbeabsichtigten Aufnahme von Krankheitserregern mit der Nahrung. Das Reinigen der Hände nach dem Essen verhindert außerdem, dass sich Keime auf dem Nährboden von Essensresten vermehren können und anschließend über Kontakt an andere Menschen übertragen werden. Eine adäquate Mundhygiene ist zudem nicht nur unabdingbar für gesunde Zähne, Zahnfleisch, den Mund- und Rachenraum, sondern kommt dem Erhalt der Gesundheit des gesamten Organismus zugute.

Interessant ist, dass der Heilige Prophet (SAW) im Rahmen der Mundhygiene zudem auch seine Zähne regelmäßig zu putzen pflegte, nämlich mittels dem sog. Miswāk. Hierbei handelt es sich um einen seit dem Altertum verwendeten Zweig des sog. „Zahnbürstenbaumes” (Salvadora persica), der durch seine zahnpflegenden und antibakteriellen Inhaltsstoffe für den Erhalt einer gesunden Mundflora sorgt (Quelle: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16451373?dopt=AbstractPlus). Studien konnten nachweisen, dass das regelmäßige Benutzen des Miswāk das Auftreten von Zahnplaque, Zahnfleischentzündungen und Parodontitis vorbeugt (Quelle: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/15224592?dopt=Abstract). Der Heilige Prophet (SAW) pflegte selbst vor jedem Gebet und zu weiteren Gelegenheiten — also mehr als fünfmal am Tag — mittels Miswāk seine Zähne zu putzen. Dies tat er jedoch nicht aus einfacher Gewohnheit heraus, sondern vielmehr, weil es von ihm als Empfänger göttlicher Offenbarung eine Notwendigkeit war: Die Verbindung zwischen Körper und Seele macht es gerade für einen Propheten unabdingbar, sich um seine Hygiene und Sauberkeit zu kümmern. Wir finden hierzu zahlreiche Überlieferungen, von denen eine wie folgt lautet:

Abu Umamah (RS) berichtet, dass der Heilige Prophet (SAW) sagte:

„Der Engel Gabriel (AS) kam nie ohne mich auch zugleich aufzufordern, meine Zähne zu putzen, sodass ich befürchtete, meine vorderen Zähne zu verlieren”. — Tirmidhi

Die Wichtigkeit der Mundhygiene wurde vom Engel Gabriel (AS) dem Heiligen Propheten (SAW) gegenüber sooft betont, dass der Heilige Prophet (SAW) diese auch für die Muslime zum Ausdruck brachte:

Hadhrat Abu Huriara (RS) berichtet, dass der Heilige Prophet (SAW) sagte:

„Wäre es für meine Gemeinschaft nicht eine zu große Bürde, so hätte ich ihnen geboten, den miswāk vor jedem Gebet zu verwenden (die Zähne vor jedem Gebet zu putzen).” — Sahih al-Bukhari, zitiert aus: „Garten der Rechtschaffenen”, Hadith Nr. 197, S. 248

Die gesundheitlichen Vorteile einer guter Mundhygiene gehen weit über den Mundraum hinaus: Studien belegen beispielsweise, dass ein schlechter Zustand von Zähnen und Zahnfleisch in Zusammenhang mit Herzkrankheiten steht und eine adäquate Mundhygiene das Risiko für u.a. Herzinfarkte signifikant senkt (Quelle: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/41392/Weniger-Herzinfarkte-durch-Zaehneputzen). Auch ein Zusammenhang zwischen schlechter Mundhygiene und Frühgeburtlichkeit bzw. Fehlgeburten bei Schwangeren ist bekannt, weshalb in Deutschland die Empfehlung gilt, sich vor geplanter oder bereits eingetretener Schwangerschaft beim Zahnarzt zwecks Vorsorge vorzustellen (Quelle: https://www.kzbv.de/zahngesundheit-wahrend-der-schwangerschaft.47.de.html ; https://www.krankenkassen.de/gesetzliche-krankenkassen/leistungen-gesetzliche-krankenkassen/geburt-kinder/zahnvorsorge/)

5.2.2 Pflege von Bart und Schnurrbart

Zu der Hygiene im Mund- und Gesichtsraum gehört für den Mann außerdem die Pflege des Bartes und Schnurrbartes. Gemeint ist insbesondere das regelmäßige Trimmen des Schnurrbartes auf eine angemessene Länge (siehe Hadith im Unterpunkt 1.3 Gepflegtes Äußeres). Bei übermäßig in Richtung Oberlippe abstehenden Schnurrbarthaaren können sich Spuren von Mahlzeiten währen der Nahrungsaufnahme verfangen und u.U. das Wachstum vom Krankheitserregern begünstigen. Ein kürzerer Schnurrbart verhindert diesen unerwünschten Effekt und erlaubt zudem eine einfachere Reinigung dieser Gesichtspartie nach den Mahlzeiten. Die Pflege des restlichen Bartes ist natürlich nicht minder wichtig.

5.2.2.1 Vorwurf der hygienischen Bedenken

Bärte erfreuen sich auch aus rein modischen Aspekten (und abseits des religiösen Kontextes) seit einigen Jahren und Jahrzehnten immer größerer Beliebtheit. Je nach Trend variieren hierbei neben den Bartfrisuren auch die Länge der Barthaare. Vor allem bezüglich längerer Bartfrisuren konnte man in den Medien vereinzelt Bedenken hinsichtlich hygienischer Aspekte vernehmen, die behaupteten, dass Bärte einen Nährboden für Keime darstellten. Diese Berichte bezogen sich ihrerseits auf einen einzigen Bericht von einem US-Amerikanischen Nachrichtensender. Für den besagten Bericht fertigte der Reporter Abstrichproben von den Bärten einiger weniger Männer an und schickte diese zur mikrobiologischen Auswertung an ein Labor. Laut Ergebnis wären in 47% aller Proben mitunter Bakterien nachweisbar gewesen, die zur Flora des menschlichen Verdauungstraktes gehören. Aus diesem Ergebnis schufen viele Medienschaffende schließlich Schlagzeilen, die eine generelle Kontamination von Bärten mit Fäzes vermuten ließen und Bärte somit als unhygienisch darstellten (Quelle:

  1. https://evoke.ie/2018/07/30/life-style/alarming-beards-research
  2. https://nypost.com/2015/05/04/science-proves-that-beards-contain-fecal-matter/
  3. https://www.theguardian.com/fashion/2015/may/04/no-need-for-men-to-get-flush-faced-about-faeces-in-beards).

Diese Darstellung ist aus mehreren Gründen falsch: Zum einen stellen Bärte nicht von Natur aus einen Nährboden speziell für Keime aus der Darmflora dar, sondern werden – auch in den Fällen aus dem Bericht – erst durch mangelhafte Toilettenhygiene mit den besagten Keimen kontaminiert. Das korrekte Händewaschen nach dem Toilettengang schützt somit nicht nur den Bart, sondern jegliche Körperpartie und auch Gebrauchsgegenstände und Mitmenschen vor Kontamination und Schmierinfektionen. Jedoch können die genannten Bakterien selbst bei ausreichender Hygiene vereinzelt oder in sehr geringer Quantität (vorübergehend) in der natürlichen Hautflora des Menschen vorkommen, ohne dass dies einen pathologischen Wert besäße (Quelle: https://de.wikibooks.org/wiki/MedizinischeMikrobiologie:Einführung#DieNormalfloraderHaut). Doch selbst bei korrekter Interpretation der Ergebnisse sind die Ergebnisse selbst als strittig einzustufen, da die Erhebung nicht etwa auf eine qualitativ hochwertige wissenschaftliche Studie fußte, sondern lediglich einzelne Stichproben mit geringer Fallzahl für einen einfachen Fernsehbericht herangezogen worden waren.

Standardisierte und aussagekräftige Studien zu diesem Thema sind generell rar. Die prominenteste unter diesen stammt aus dem Jahr 2014 und wurde im Journal of Hospital Infection veröffentlicht. Hierfür wurde die mikrobielle Flora der Gesichtshaut, sowohl von barttragenden als auch bartlosen Arbeitern im Gesundheitssystem ausgewertet. Die Forscher kamen zu einem interessanten Ergebnis: Hinsichtlich der Besiedelung mit Keimen gab es keinen quantitativen Unterschied zwischen beiden Gruppen; d.h. dass die Anzahl der Bakterien bei Bartträgern und bei Bartlosen ähnlich hoch waren. Einen signifikanten Unterschied fanden die Forscher allerdings in der qualitativen Auswertung der Keime: Die Gesichtshaut von Männern mit Bart war seltener mit speziellen Keimen besiedelt, die u.a. Resistenzen gegen Antibiotika aufwiesen und mit bestimmten Infektionen assoziiert sind (Staphylococcus aureus und Methicillin-resistente Koagulase-negative Staphylokokken). Die Anzahl dieser Keime fiel bei Männern mit glattrasierter Gesichtshaut signifikant höher aus. Worauf dieser interessante Unterschied zurückzuführen ist, war jedoch nicht Gegenstand der Studie und bleibt offen. (Quelle: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24746610)

5.3 Arbeitsteilung der Hände

Ein weiteres Charakteristikum des Islam, welches dem Erhalt von Hygiene und der Vorbeugung von Krankheiten dient, ist die „Arbeitsteilung” der Hände, die aus der Sunnah (Praxis) des Heiligen Propheten (SAW) hervorgeht. So wird den Muslimen geraten, die rechte Hand für (einhändig durchführbare) Handlungen zu verwenden, die beispielsweise mit dem Essen und Trinken, aber auch zwischenmenschlichen Interaktionen (z.B. Berührungen oder Reichen von Gegenständen) zu tun haben. Mit der linken Hand hingegen sollen Handlungen begangen werden, die den Kontakt zu verschmutztem und potenziell krankheitserregendem Material beinhalten, wie z.B. die Reinigung nach verrichteter Notdurft.

Diese Praxis trägt – v.a. in Gegenden mit geringem Hygienestandard – dazu bei, das Risiko von Infektionskrankheiten und ihrer Verbreitung zu minimieren (sog. „Schmierinfektionen”).

5.4 Gebote zum Schächten und Verzehr von Schweinefleisch

In „Die Philosophie der Lehren des Islam” führt der Verheißene Messias (AS) aus, dass unsere Ernährung nicht nur einen großen Einfluss auf unsere körperliche Verfassung hat, sondern auch auf die seelische:

”Erfahrung zeigt ebenfalls, wie verschiedene Nahrung auf das Herz und das Gehirn wirkt, das heißt auf Verstand und Gemüt.” — (Mirza Ghulam Ahmad (AS); Philosophie der Lehren des Islam: S. 50)

An anderer Stelle führt der Verheißene Messias (AS) aus, warum das Schwein im Islam als „unrein” bezeichnet wird und dessen Verzehr für den Gläubigen als verboten gilt:

Ein Punkt, den es in diesem Zusammenhang zu beachten gilt: Schon in dem Namen dieses verbotenen Tieres – Khinzir, d.h. das Schwein – hat Gott von allem Anfang an einen Hinweis auf die Gründe für sein Verbot gegeben. Das arabische Wort für dieses Tier besteht aus Khinz und ara; Khinz bedeutet sehr unrein, und ara heißt ich sehe. Somit bedeutet das arabische Wort für das Tier Khinzir: Ich sehe es als unrein an. Gott gab diesem Tier schon am Anfang einen Namen, der gerade auf seine Unreinheit hinweist. Noch merkwürdiger ist, dass in der Hindi-Sprache dieses Tier Su-ar heißt; das Wort besteht wiederum aus zwei Teilen: Su und ara, d.h. Ich sehe es als sehr unrein an. Dass ein Hindi-Wort arabischen Ursprung haben kann, darf uns nicht wundern, denn, wie wir in unserem Werk Minan-ur-Rahman gezeigt haben, ist Arabisch die Mutter aller Sprachen und deren Wörter kommen in großer Zahl und sehr häug in allen Sprachen vor. Su ist daher eigentlich ein arabisches Wort, dessen Synonym im Hindi badd heißt. Daher lautet eine andere Bezeichnung in Hindi für das Schwein: Badd (d.h. schlimm oder unrein). Es scheint kein Zweifel darüber zu bestehen, dass zu der Zeit, in der Arabisch die Sprache der damaligen Welt war, dieses Tier bei uns (in Indien) unter dem arabischen Namen bekannt war, dessen Bedeutung der des Khinzir entspricht. Und der Name Su-ar ist seit jeher ein Überbleibsel davon. Es ist möglich, dass sich die Form dieses Wortes im Sanskrit verändert hat, aber zweifellos ist die Grundform arabisch, denn der arabische Ausdruck liefert gleichzeitig auch den Grund des Namens, was das Wort Khinzir klar bestätigt. Die Bedeutung dieses Wortes (Unreinheit) in Bezug auf das Schwein bedarf keiner ausführlichen Erklärung, ist doch der Schmutz und Dreck dieses Tieres wohl überall bekannt. Jedermann weiß, dass das Schwein von Dreck, Schmutz und Unrat lebt, dazu ist es das schamloseste Tier. Der Grund des Verbots ist offensichtlich. Die Kost seines unreinen Fleisches würde, dem Naturgesetz zufolge, die schädlichste Wirkung auf unseren Körper und auf unsere Seele haben, denn, wie wir bereits oben gezeigt haben, beeinflusst auch die Nahrung unweigerlich die Seele des Menschen. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, dass auch das Fleisch dieses unreinen Tieres unrein ist. Griechische Ärzte haben schon vor dem Islam festgestellt, dass das Schweinefleisch besonders Schamlosigkeit erzeugt und die Reinheit des Menschen beeinträchtigt.” — (Mirza Ghulam Ahmad (AS); Philosophie der Lehren des Islam: S. 79-81)

Der Zusammenhang zwischen dem Zustand der Nahrung und dem seelischen Zustand des Menschen ist auch die Weisheit hinter dem Gebot des Schächtens von Tieren, bei dem darauf zu achten ist, dass so gut wie keine Rückstände des Blutes im Körper des Tieres verbleiben. Das Blut von Tieren kann zudem auch Träger von Krankheitserregern sein. Die Tradition des Schächtens ist neben dem Islam auch im Judentum wiederzufinden. Wir lesen in „Der Philosophie der Lehren des Islam”:

”Aus demselben Grunde ist im Islam das Fleisch eines von selbst verendeten Tier nicht erlaubt, da solches Fleisch eine entsprechende Wirkung auf den Genießer hat: Es wirkt sich nachteilig auf die Moral aus und ist schädlich für die körperliche Gesundheit. Alle Tiere, deren Blut (beim Schlachten) nicht herausfließt, z.B. erdrosselte oder zu Tode geschlagene, gelten als selbst verendete Tiere, deren Blut im Körper gerinnt. Es ist unbestritten, dass das Blut solcher Tiere bald verdirbt, somit verdirbt auch das Fleisch. Weiter vergiften die Blutparasiten den ganzen Körper des toten Tieres, wie es die neue Forschung an den Tag gebracht hat.” — (Mirza Ghulam Ahmad (AS); Philosophie der Lehren des Islam: S. 81)

6. Hunde als Haus- und Nutztiere

In vielen weniger gebildeten muslimischen Kreisen besteht hinsichtlich Hunden der Vorbehalt, dass diese laut islamischer Lehre unrein seien. Zurückgeführt wird dies auf eine Überlieferung, die besagt, dass Häuser, in denen Hunde gehalten werden, nicht von Engeln besucht würden (Sahih al-Bukhari 3225, Buch 59, Hadith 36).

Bei näherem Studium der islamischen Quellen wird allerdings deutlich, dass die Hundehaltung als Haus- oder Nutztier legitim ist. So liest man beispielsweise im Heiligen Quran:

Sie fragen dich, was ihnen erlaubt sei. Sprich: „Alle guten Dinge sind euch erlaubt; und was ihr Tiere und Raubvögel gelehrt habt (für euch zu fangen), indem ihr (sie) zur Jagd abrichtet und sie lehret, was Allah euch gelehrt hat. Also esset von dem, was sie für euch fangen, und sprechet Allahs Namen darüber aus. Und fürchtet Allah, denn Allah ist schnell im Abrechnen.“ — Heiliger Quran (5:5)

In diesem Vers wird auf Jagdbeute eingegangen, die mithilfe von hierfür speziell abgerichteten Jagdhelfern erlegt wird. Zu solchen Jagdhelfern gehören auch Jagdhunde. Wären Hunde also unreine Wesen, so hätte der Heilige Quran nicht die von ihnen erlegte oder gejagte Beute für den Verzehr erlaubt. Auch in den Ahadith lässt findet sich dieses Urteil wieder:

Hadhrat Adi bin Hatim (RA) berichtete, dass er den Heiligen Propheten (SAW) über die Jagd von ausgebildeten Jagdhunden befragte. Er antwortete:

„Wenn du deinen Hund im Namen Allahs losschickst, so esse das, was er für dich gejagt hat. Hat er selbst aber etwas davon gefressen, so meide es, davon zu essen, weil er es für sich gefangen hat.“ Dann fragte ich: „Wenn andere Hunde sich mit ihm mischen, was ist hierbei ihre Anweisung?“ Der Heilige Prophet (SAW) antwortete: „Du hast nur deinen Hund im Namen Allahs losgeschickt, die anderen jedoch nicht.“ — (Sunan at-Tirmiḏī; zitiert aus: „Garten der Rechtschaffenen”, Hadith Nr. 563, Seite 499)

Auch als Schäfer- und Wachhunde erfüllen Hunde eine wichtige Funktion für den Menschen und der Islam gestattet in diesem Funktion auch ihre Haltung. Lediglich vom Halten von Hunden des Vergnügens halber, also als Heimtier und ohne spezifisch genutzte Funktion, wird abgeraten. Wir lesen hierzu in einem Haidth:

Hadhrat Abu Huraira (RA) berichtete, dass der Heilige Prophet (SAW) sagte:

„Wenn jemand ohne irgendeinen Grund einen Hund behält, so wird ein Karat von seinen Taten täglich abgezogen. Selbstverständlich darf man, wenn ein Bedarf besteht, einen Hund für die Überwachung der Weide oder einer Herde behalten!“ — (Sahih al-Bukhari; zitiert aus: „Garten der Rechtschaffenen”, Hadith Nr. 428, Seite 414)

Ein anderes Hadith besagt:

„Jemand, der abgesehen von Jagdhunden oder wegen der Überwachung von Weiden und Felder und Tieren einen Hund zum Vergnügen hält, dem werden täglich 2 Karat von seinen Belohnungen abgezogen.“ — (Sahih Muslim; zitiert aus: „Garten der Rechtschaffenen”, Hadith Nr. 428, Seite 414)

Diesem Verbot liegen v.a. hygienische Aspekte zugrunde, die nicht nur für den Menschen, sondern auch für Räume, in denen das Gebet verrichtet wird, gelten. Hunde besitzen andere Hygienestandards als Menschen, was ihrer Natur geschuldet ist. Aus diesen Gründen sollten Hunde hauptsächlich außerhalb der von Menschen verwendeten Wohnfläche gehalten werden, wo sie ihrer spezifischen Funktion, z.B. als Wachhunde, nachgehen können.

Auch die Aussage, dass Engel jene Häuser meiden, in denen Hunde gehalten werden, muss im Zusammenhang der oben zitierten Ahadith verstanden werden und verdient an dieser Stelle nähere Erläuterung: Das Wort „Engel“ ist hier v.a. als „rechtschaffene und fromme Menschen“ zu verstehen. Gemeint ist also, dass solche Menschen den Besuch von Häusern meiden würden, in denen Hunde als Heimtiere gehalten werden, die zudem womöglich auch wegen ihrer fehlenden Funktion als Nutztier schlechter abgerichtet oder trainiert sind und denen bestimmte sinnvolle Grenzen der Interaktion mit Besuchern nicht auferlegt worden sind. Dies gilt übrigens auch für falsch abgerichtete Wachhunde, die jeglichen Besucher als vermeintlichen Einbrecher fehlinterpretieren, sich infolge dessen falsch verhalten und eine mögliche Gefahrenquelle oder Grund zu Unannehmlichkeiten für diesen friedlichen Besucher bieten.

Laut alternativer Interpretation kann der Begriff „Hund“ hier nicht nur wörtlich, sondern auch im übertragenen Sinne als Abbild des Charakters der Hausbewohner verstanden werden. Der Heilige Quran verwendet solche Tiervergleiche, um auf gewisse negative Charaktereigenschaften von Menschen hinzuweisen (Vgl. siehe Hg. Quran 2:66; 5:61; 7:167;). In diesem Kontext ist das Wort Engel wiederum sowohl wörtlich als auch als Metapher für rechtschaffene und fromme Menschen zu verstehen.

Quellen:

https://www.youtube.com/watch?v=_Z13kXd6HHU

https://www.youtube.com/watch?v=qyuC9Vaxo5Q

https://www.youtube.com/watch?v=uXK9KSwu-Wc

https://www.youtube.com/watch?v=-iKPJvQc02I

7. Geschichtlicher Einfluss

Die Wichtigkeit für Sauberkeit und Hygiene in der islamischen Lehre spiegelt sich auch historisch in Kultur, Wirtschaft und anderen Aspekte des Lebens und Schaffens der Muslime wieder.

7.2 Seifenherstellung

Die Verwendung von Wasch- und Reinigungsmitteln ist bereits in antiken Texten dokumentiert. Im sog. „Goldenen Zeitalter der Muslime“ wurden ihre Rezepturen von Wissenschaftlern immer weiter verbessert, bis sich nicht nur ihre Beschaffenheit verbesserte, sondern sie von nun an auch mit speziellen Duftnoten versehen werden konnten. Das Resultat waren die ersten festen Seifenstücke (Kernseife). Diese wurden nicht nur innerhalb der islamischen Welt, sondern u.a. auch nach Europa gehandelt, wo feste Seifen bis dahin unbekannt waren und sich schnell großer Beliebtheit erfreuten. Es war in dieser Zeit – im Mittelalter also – dass die Produktion von Seife, wie wir sie heute kennen, erstmals ein wahrhaft industrielles Niveau erreichte und die Seifenherstellung sich als überaus lukrativer Geschäftszweig der muslimischen Welt etablierte.

Quellen:

https://en.wikipedia.org/wiki/Soap#Islamic_Middle_East

https://youtu.be/M9eLxDm7mrE?t=5453

7.3 Hammame

Schon in der Antike waren Öffentliche Bäder in größeren Städten vorhanden. Auch die Römer bauten in ihren Städten Badehäuser, die öffentlich für Bürgerinnen und Bürger zugänglich waren (sog. „Thermen“). Dieser Trend setzte sich auch in den späten Phasen des römischen Reiches fort, als Teile des vorderen Orients in byzantinischem Herrschaftsgebiet lag.

Im Islam besitzt die Körperhygiene auch eine religiöse Relevanz, wie u.a. im folgenden Hadith zum Ausdruck kommt:

Hadhrat Abu Sa’eed Khudri (RA) berichtet, dass der Heilige Prophet (SAW) sagte:

„Es ist für den Erwachsenen zur Pflicht erklärt worden, am Freitag zu baden“. — (Sahih Muslim; zitiert aus: „Garten der Rechtschaffenen”, Hadith Nr. 255, Seite 288)

Dies führte dazu, dass auch unter den Muslime Badehäuser in großer Zahl gebaut wurden – das sog. Hammam (حَمَّام) – die schnell zu einem wichtigen Ort des gesellschaftlichen Lebens wurden. Hauptzweck des Hammams war die Bereitstellung der Möglichkeit für rituelle Waschungen und allgemeiner körperlicher Sauberkeit.

Quellen:

https://fanack.com/turkey/society-media-culture/culture/the-hammam/

https://www.qantara-med.org/public/show_document.php?do_id=547&lang=en

7.4 Gesundheitswesen

Die erste Form von Krankenhäusern, so wie wir sie heute unter diesem Begriff kennen, gehen auf das sog. „Goldene Zeitalter der Muslime“ in der Zeit vor dem ersten Jahrtausend zurück. Dass die Genesung von Patienten maßgeblich auch mit gewissen Hygienestandards zusammenhängt, war den muslimischen, christlichen und jüdischen Ärzten aus jenem Goldenen Zeitalter sehr wohl bekannt. In einem Auszug aus Prof. Jim Al-Khalilis Buch „Im Haus der Weisheit“ lesen wir eine Anekdote über den berühmten persischen Arzt al-Razi:

“Kurz nach Beginn des 10. Jahrhunderts erhielt al-Razi vom Kalifen al-Muktafi den Auftrag bei der Auswahl des Ortes für ein neues Krankenhaus mitzuwirken. Dazu ließ er in verschiedenen Bezirken Bagdads frische Fleischstücke aufhängen. Einige Tage später überprüfte er die Stücke, und dann wählte er den Bezirk, in dem das Fleisch am wenigsten verwest war – er erklärte, die „Luft“ sei dort sauberer und gesünder.“ (Quelle: Jim Al-Khalili: „Im Haus der Weisheit“ — 2. Auflage; Seite 234)

8. Sonstiges

8.2 Öffentliche Plätze

Der öffentliche Raum ist ein von allen Mitgliedern der Gesellschaft frequentierter Bereich. Hieraus ergibt sich, dass mangelnde Hygiene öffentlicher Plätze für die Gesundheit von Bewohnern und Besuchern einen abträglichen Effekt hat und sogar zu Seuchen führen kann. Deshalb sind auch öffentliche Plätze von den Sauberkeitsgeboten des Islam nicht ausgenommen. In einem Hadith lesen wir hierzu beispielsweise:

Hadhrat Abu Huraira (RA) berichtete, dass der Heilige Prophet (SAW) sagte:

„Hütet euch vor zwei verfluchten Taten.“ Die Gefährten fragten: „Welche sind die zwei verfluchten Taten?“. Er (SAW) antwortete: „In den Wegen und auf den schattenspendenden Rastplätzen, wohin sich Leute zum Ausruhen begeben, Stuhlgang zu verrichten.“ (Sahih Muslim; zitiert aus: „Garten der Rechtschaffenen“, Hadith Nr. 445, Seite 423

Auf ähnliche Standards sollten Menschen in Europa und anderen Teilen der Welt erst viel später aufmerksam werden. Nicht nur im antiken Rom, sondern auch im Mittelalter und bis die Frühe Neuzeit hinein waren Straßen, Gehwege und öffentliche Plätze mit allerlei Abfall und Unrat verdreckt. So war es beispielsweise im mittelalterlichen Europa üblich, die Notdurft auch auf der Straße zu verrichten, oder die Nachttöpfe aus dem Fenster auf offene Straßen auszuleeren. Niedrige Hygienestandards wie diese begünstigten schließlich auch Ausbruch von Infektionskrankheiten, wie die Pest.

Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Hygiene#Lebenssituation_im_Mittelalter

Auch das Beseitigen von störenden Gegenständen aus dem Gehweg gehört zum Erhalt der Sauberkeit öffentlicher Plätze und die Wichtigkeit dessen wird uns im folgenden Hadith gelehrt:

Hadhrat Abu Huraira (RA) berichtete, dass der Heilige Prophet SAW sagte:

„Der Glaube hat mehr als 60 oder 70 Teile. Darunter ist der vortrefflichste, „lā ilāha illallāhu“ (Gotteseinheit bezeugen) zu sprechen. Ein einfacher Teil ist es, störende Gegenstände aus dem Gehweg zu räumen. Das Schamgefühl ist auch ein Teil des Glaubens.“ (Sahih Muslim; zitiert aus: „Garten der Rechtschaffenen“, Hadith Nr. 826, Seite 721)

 

8.3 Seuchen

Der Heilige Prophet Muhammad (SAW) hat im Sinne der Öffentlichen Gesundheitspflege seinen Anhängern angeordnet, dass die Verbreitung einer Seuche unter allen Umständen zu unterbinden sei. So lesen wir in einem Hadith:

“[Hadhrat Abdur Rahman ibn Auf (RA) sagte], dass er sich an einen Ratschlag des Heiligen Propheten (SAW) erinnere, den dieser bei einer ähnlichen Gelegenheit erteilte: Der Heilige Prophet (SAW) hatte gesagt, dass man sich nicht in ein von Krankheit verseuchtes Gebiet begeben sollte. Und die Leute, welche sich in einem solchen Gebiet befinden, sollten nicht aus Angst diese Gegend verlassen und in andere Gegenden flüchten. (Erklärung: Da sich sonst auf diese Weise auch in diesen anderen Gegenden Angst und Unruhe verbreiten würden.).“ 

Sahih Bukhari; zitiert aus: „Garten der Rechtschaffenen“, Hadith Nr. 106, Seite 156 ff.

Dieser Ausschnitt ist Teil einer längeren Überlieferung, die eine Begebenheit von Hadhrat Umar (RA) dokumentiert:

“Hadhrat Abdullah bin Abbas (RA) berichtet, dass Hadhrat Umar bin al-Khattaab (RA) in Richtung Syrien reiste. Als er einen Ort namens Sarġa erreichte, kam der Anführer der Armeen, Abu Ubaida bin Jarah, mit seinen Begleitern. Da erreichte Hadhrat Umar (RA) die Nachricht, dass in Syrien die Pest wüte. Hadhrat ibn Abbas (RA) erzählt, dass Hadhrat Umar (RA) darum bat, nach jenen zu rufen, die als erste aus Mekka ausgewandert waren. Also versammelte ibn Abbas diese Leute, worauf Hadhrat Umar (RA) sich mit diesen gemeinsam beriet. Einige sagten, er sei gekommen, um die Armeen zu besichtigen und zu treffen. (Erklärung: Wenn er ohne diese zu treffen zurückkehrte, werde das keinen guten Eindruck hinterlassen). Einige waren anderer Meinung und sagten, er habe eine Vielzahl von Gefährten des Heiligen Propheten (SAW) mit sich. Daher sei es nicht ratsam, sich mit diesen in eine von der Pest verseuchten Gegend zu begeben. Nach dieser Kontroverse entließ Hadhrat Umar (RA) die Auswanderer und ließ jemanden nach den Helfern (anṣār) rufen, um sich von diesen beraten zu lassen. Doch auch diese hatten unterschiedliche Ansichten in dieser Angelegenheit. Hadhrat Umar (RA) hörte sich ihre Argumentationen an und entließ sie anschließend. Dann bat er Hadhrat ibn Abbas (RA), nach jenen Leuten zu rufen, die erst nach Mekkas Eroberung ausgewandert waren. Also rief Hadhrat ibn Abbas (RA) nach diesen Leuten. Sie waren einstimmig der Meinung, dass er Hadhrat Umar (RA) umkehren solle. Daraufhin hielt Hadhrat Umar (RA) diese Ansicht für ratsam und gab seinen Leuten Befehl, sich für die morgige Rückreise vorzubereiten. Als Hadhrat Abu Ubaida (RA) dies hörte, sagte er: „O Führer der Gläubigen, wenden Sie sich ab von dem Schicksal, welches Allah bestimmt hat?“ Hadhrat Umar (RA) erwiderte: „O Abu Ubaida, dies hätte jemand anders sagen sollen. (Erklärung: Von einem vernünftigen Führer wie dich sollte man so etwas nicht erwarten). Ja, ich wende mich von einem Schicksal Allahs ab, um mich einem anderen Schicksal Allahs zu stellen. Siehe, wenn du dein Kamel in eine Gegend führst, die auf einer Seite grün und fruchtbar und auf der anderen Seite trocken und wüst ist, spielt es keine Rolle, in welche Richtung du dein Kamel treibst, da Allahs Schicksal es bereits bestimmt hat. Du wirst keine Entscheidung außerhalb Allahs Schicksal treffen können.“ Hadhrat Abdur Rahman ibn Auf (RA) war bei dieser Begebenheit nicht anwesend; daher konnte er an dieser Beratung nicht teilnehmen. Als er davon erfuhr, sagte er, dass er sich an einen Ratschlag des Heiligen Propheten (SAW) erinnere, den dieser bei einer ähnlichen Gelegenheit erteilte: Der Heilige Prophet (SAW) hatte gesagt, dass man sich nicht in ein von Krankheit verseuchtes Gebiet begeben sollte. Und die Leute, welche sich in einem solchen Gebiet befinden, sollten nicht aus Angst diese Gegend verlassen und in andere Gegenden flüchten. (Erklärung: Da sich sonst auf diese Weise auch in diesen anderen Gegenden Angst und Unruhe verbreiten würden.) Als Hadhrat Umar (RA) diese Überlieferung hörte, bedankte er sich bei Allah (Erklärung: dass er die richtige Entscheidung getroffen hatte) und kehrte um.“ 

Sahih Bukhari; zitiert aus: „Garten der Rechtschaffenen“, Hadith Nr. 106, Seite 156 ff.

 

8.3.2 Corona-Pandemie 2019/2020

Angesichts der in 2019 aus China ausgehenden und 2020 von der WHO als Pandemie deklarierten Coronavirus-Erkrankung (auch COVID-19 genannt) haben viele Regierungen der Welt Maßnahmen verhängt, die die Weisheit des o.g. Hadith widerspiegeln: Ausgangssperren, die Beschränkung der Bewegungsfreiheit, Quarantänen und Isolierungen verringern die Ausbreitung des Virus. Vor dem Hintergrund der weltweiten Ausbreitung der COVID-19 hat Hadhrat Khalifat-ul-Massih V (ATBA) in seinen Freitagsansprachen die Mitglieder der Jamaat u.a. wiederholt auf Aspekte hingewiesen, die sich (im Einklang mit den Verordnungen der Regierungen und Behörden) aus dem zitierten Hadith ableiten und diese um weitere wichtige Hinweise ergänzt, die schließlich von der Jamaat Deutschland in offiziellen Empfehlungen und Infoblättern einflossen. Dazu zählt, dass man große Menschenversammlungen meiden sollte. Auch Moscheenbesuche – wie z.B. zum Freitagsgebet – seien hier keine Ausnahmen: Falls ein Gläubiger sich nicht vollkommen gesund fühle, solle dieser lieber daheim bleiben, um nicht andere Moscheenbesucher durch Ansteckung zu gefährden. Im Verlauf hat die Jamaat Deutschland gemäß den Anweisungen von Hudhur (ATBA) das gewohnte Gemeindeleben hinsichtlich der gemeinschaftlichen Gebete, sowie internen und externen Veranstaltungen vorübergehend eingeschränkt, um der Ausbreitung des Virus entgegenzuwirken. Hudhur (ATBA) sprach die Notwendigkeit von Sauberkeit von Körper und Umgebung des Muslims an und machte nicht nur auf die adäquate Hygiene von Händen und Gesicht aufmerksam sondern verwies auch darauf, dass auch hier die fünfmalig am Tag durchgeführte rituelle Waschung einen großen protektiven Wert besitzt. Auch das Händeschütteln soll in Zeiten einer Pandemie vermieden werden um die Infektionsgefahr zu minimieren. Ferner sei gemäß der Regierung darauf zu achten, dass das Niesen und Husten auf eine Weise geschieht, die das Verbreiten von Tröpfchen minimiert – also beispielsweise in ein Taschentuch oder in die Armbeuge.

Das US-Magazin „Newsweek“ veröffentlichte im Zuge der Corona-Pandemie einen Artikel, der Ratschläge und Handlungsanweisungen des Heiligen Propheten (SAW) in Zeiten von Seuchen aufführt und ihren Wert in Zeiten der Corona-Pandemie unterstreicht.

Quellen:

[https://ahmadiyya.de/news/corona/art/infoblaetter-der-ahmadiyya-muslim-jamaat/]

[https://ahmadiyya.de/fileadmin/user_upload/news/corona/2020-03-14_infoblaetter_allgemein/infoblatt_1_deutsch.pdf]

[https://ahmadiyya.de/fileadmin/user_upload/news/corona/2020-03-14_infoblaetter_allgemein/infoblatt_2_deutsch.pdf]

[https://www.youtube.com/watch?time\_continue=3&v=ZoN2Xq5aIqs&feature=emb\_logo]

[https://www.youtube.com/watch?v=YkdUUiywnHs&feature=emb\_logo]

[https://www.youtube.com/watch?v=3QamUcpD\_Vw&feature=emb\_logo]

[https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/503197/US-Magazin-beruft-sich-auf-Ratschlaege-des-Propheten-Mohammed-zur-Corona-Bekaempfung]

9 Sonstige Ahadith zum Thema

Aus „Garten der Rechtschaffenen“ — Autor: Verschiedene Autoren; Erschienen bei: Verlag der Islam

(Link: https://ahmadiyya.de/fileadmin/user_upload/bibliothek/garten_der_rechtschaffenen.pdf)

“Hadhrat Anas (RA) berichtete: „Als der Heilige Prophet (SAW) zur Toilette ging, hielten ein Junge und ich den Behälter mit Wasser und seinen Stock in der Hand. Anschließend wusch er sich (Taharat).“ — Ṣaḥīḥu l-Buḫārī; zitiert aus: „Garten der Rechtschaffenen“, Hadith Nr. 443, Seite 422

Hadhrat Aisha (RA) überlieferte, dass der Heilige Prophet (SAW) sagte: „Der miswāk (Zahnbürste aus einem Zweig) ist Reinigung für den Mund und ein Mittel zur Erlangung der Zufriedenheit Gottes.“ — Sunan an-Nasāʾī; zitiert aus: „Garten der Rechtschaffenen“, Hadith Nr. 195; Seite 247

Hadhrat Anas (RA) überliefert, dass der Heilige Prophet (SAW) sagte: „Ich fordere euch nachdrücklich auf, den miswāk zu verwenden (eure Zähne zu putzen).“ — Sahih al-Bukhari; zitiert aus: „Garten der Rechtschaffenen”, Hadith Nr. 196, S. 248

Hadhrat Abu Huraira (RA) berichtet, dass der Heilige Prophet (SAW) in einer Freitagsansprache sagte: „O ihr Gläubigen! Dieser Tag wurde euch dem ʿīd gleichgestellt. Badet an diesem Tag und putzt eure Zähne.“ (D.h. an diesem Tag solltet ihr euch waschen, gepflegte und schöne Kleider tragen und diesen Tag wie das Id mit Freude verbringen und euch gemein- sam an einem Ort versammeln, um Allah anzubeten.) — Al-Muʿǧamu s-Ṣaġīr von Imām aṭ- Ṭabarānī zitiert aus: „Garten der Rechtschaffenen”, Hadith Nr. 257, S. 288

Aus „Wisdom of the Holy Prophet (SAW)“ – Autor: Sir Muhammad Zafrullah Khan; Erschienen bei: Islam International Publications Ltd. (Link: https://www.alislam.org/library/books/Wisdom-of-Holy-Prophet.pdf)

”Sauberkeit ist der halbe Glaube.” — Wisdom of the Holy Prophet

”Haltet eure Häuser und Höfe sauber.” — Wisdom of the Holy Prophet

”Wenn ihr eure Brüder besucht, bringt eure Kleidung und euer Reittier in Ordnung, denn Allah mag keinen Schmutz und Unordentlichkeit.” — Wisdom of the Holy Prophet

”Das Zähneputzen reinigt den Mund und erfreut den Herrn” — Wisdom of the Holy Prophet

”Unter euch sind welche, die nach Frömmigkeit streben, und doch lassen sie ihre Nägel wie die Klauen eines Vogels wachsen, in denen sich allerlei Schmutz und Dreck ansammeln.” — Wisdom of the Holy Prophet

”Wer seine überflüssige Körperbehaarung nicht abrasiert und seine Fingernägel und seinen Schnurrbart nicht kürzt, gehört nicht zu uns” — Wisdom of the Holy Prophet

”Derjenige, der zu Bett geht obwohl seine Hände nach Essen riechen, darf nur sich selbst anklagen, falls ihn ein Schaden trifft”. — Wisdom of the Holy Prophet

”Ein wöchentliches Bad ist Pflicht für jeden Muslim, bei dem er seinen Kopf und den ganzen Körper waschen muss.” — Wisdom of the Holy Prophet

 

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen