Die Helfer des Königs der Feder.

SCHARIA – das islamische Recht

  1. Behauptung: Die Scharia ist das islamische Strafrecht und stellt eine große Gefahr für die Gesellschaft dar!

 

Entgegnung – Was ist die Scharia?

  • Scharia ist der gesamte islamische Weg mit all seinen Gepflogenheiten, Moralvorstellungen und ethischen Richtlinien (verbietet z.B. das Lügen, den Verzehr von Schweinefleisch, sieht das Fasten im Monat Ramadan vor, empfiehlt mit der rechten Hand zu essen)

→ Scharia kein kodifiziertes Rechtsbuch, sondern eine Richtschnur für Muslime

  • Scharia bedeutet: Der Weg zur Wassertränke.
  • Die Wassertränke ist Gott, d.h. die Scharia zeigt dem Muslim den Weg zu seinem Schöpfer und einem gottgefälligen Leben
  • Grundlagen der Scharia sind:

o    Qur‘an

o    Sunna (Praxis) des Heiligen ProphetenSAW

o    Ahadith (Aussagen) des Heiligen ProphetenSAW

  • Die Quintessenz der Scharia ist die Etablierung von Gerechtigkeit: Allah gebietet euch, dass ihr die Treuhandschaft jenen übergebt, die ihrer würdig sind; und wenn ihr zwischen Menschen richtet, dass ihr richtet nach Gerechtigkeit. Fürwahr, herrlich ist, wozu Allah euch ermahnt. Allah ist allhörend, allsehend. 4:59
  • Selbst der gerechte Umgang mit feindlichen Gesinnten ist verpflichtend: O die ihr glaubt! Seid standhaft in Allahs Sache, bezeugend in Gerechtigkeit! Und die Feindseligkeit eines Volkes soll euch nicht verleiten, anders denn gerecht zu handeln. Seid gerecht, das ist näher der Gottesfurcht. Und fürchtet Allah; wahrlich, Allah ist kundig eures Tuns. 5:9
  • Zwang steht zur Scharia im Widerspruch, d.h. die Scharia spricht sich für die Freiheit eines jeden Individuums aus. Es soll kein Zwang sein im Glauben 2:257
  • Ebenso fordert die Scharia den Menschen auf, die Rechte Gottes und die der Mitmenschen zu erfüllen: Verehrt Allah und setzet Ihm nichts zur Seite, und (erweiset) Güte den Eltern, den Verwandten, den Waisen und den Bedürftigen, dem Nachbarn, der ein Anverwandter, und dem Nachbarn, der ein Fremder ist, dem Gefährten an eurer Seite und dem Wanderer und denen, die eure Rechte besitzt. Wahrlich, Allah liebt nicht die Stolzen, die Prahler 4:37

 

  1. Behauptung: Die Scharia widerspricht diametral unserer freiheitlichen, demokratischen Verfassung und muss deshalb verboten werden!

 

Entgegnung

  • Nein, wie können Gerechtigkeit und Verbot von Zwang (d.h. Freiheit des Individuums) im Widerspruch zum Grundgesetz stehen?!
  • Artikel des GG spricht von der Unantastbarkeit der Würde des Menschen (d.h. Alle Menschen sind gleich wertvoll unabhängig von ihrer Herkunft und Nationalität.

→ Scharia sagt dazu: Es soll kein Zwang sein im Glauben. 2:257

  • Artikel des GG spricht von der Unverletzlichkeit der Freiheit des Individuums und seiner freien Entfaltung.

→ Scharia sagt: Und hätte dein Herr Seinen Willen erzwungen, wahrlich, alle, die auf der Erde sind, würden geglaubt haben insgesamt. Willst du also die Menschen dazu zwingen, dass sie Gläubige werden? 10:100

→ Gott hat dem Propheten verboten, Wächter über die Anderen zu sein: Ermahne drum; denn du bist nur ein Ermahner; du bist nicht Wächter über sie. 88:22-23

→ Der Onkel des Heiligen Propheten, Abu Talib, nahm nie den Islam an, obwohl er mit dem Heiligen Propheten lebte und von seiner Lehre aus erster Hand erfuhr. D.h. der Heilige Prophet hat die Freiheit Abu Talibs nicht eingeschränkt oder verletzt. (Sunna)

  • Artikel des GG spricht davon, dass alle Menschen gleich sind.

→ Scharia sagt: Er ist es, Der euch entstehen ließ aus einem einzigen Wesen.  6:99

D.h. die Erschaffung aller Menschen ist auf dem einen gleichen Ursprung zurückzuführen

→ Gleichstellung aller Menschen ist im Ursprung, nämlich der Erschaffung des Menschen, verankert.

→ O ihr Menschen, Wahrlich euer Gott ist einer und wahrlich eure Abstammung ist eine. Ein Araber hat keinen Vorrang vor einem Nichtaraber und auch ein Nichtaraber kann keinen Vorrang vor einem Araber haben; ein weißer Mann hat keinen Vorrang gegenüber einem Schwarzen und ein Schwarzer soll kein Privileg gegenüber einem weißen Mann haben. Musnad Ahmad

  • Artikel des GG spricht von der Freiheit des Glaubens und des religiösen sowie weltanschaulichen Bekenntnisses.

→ Scharia sagt: Lass den gläubig sein, der will, und den ungläubig sein, der will. 18:30

→ Und hätte dein Herr Seinen Willen erzwungen, wahrlich, alle, die auf der Erde sind, würden geglaubt haben insgesamt. Willst du also die Menschen dazu zwingen, dass sie Gläubige werden? 10:100

→ Euch euer Glaube, und mir mein Glaube.  109:7

 

  1. Behauptung: Der Islam ist eine politische Ideologie und hat das Ziel, die Scharia in Europa und der ganzen Welt einzuführen.

 

Entgegnung

  • Der Islam ist keine politische Ideologie, sondern eine Religion.
  • Der Qur‘an als die Grundlage des Islams enthält keine politische Theorie.
  • Der quranische Selbstanspruch ist, dass er eine Richtschnur für die Rechtschaffenen ist. (Qur‘an 2:3). Der arabische Begriff, der hier als „die Rechtschaffenen“ übersetzt wurde, wird auch als „die Gottesfürchtigen“ übersetzt (siehe Qur‘an 2:67)
  • Selbstanspruch im Qur’an fundiert auf religiösen Komponenten (Qur‘an sieht sich nicht als politische Theorieschrift)
  • Die Scharia erwähnt aber universelle Prinzipien, die u.a. auch als Grundlage für das politische Handeln dienen → Etablierung von Gerechtigkeit und die Übergabe von Verantwortung an diejenigen, die dieser würdig sind: Allah gebietet euch, dass ihr die Treuhandschaft jenen übergebt, die ihrer würdig sind; und wenn ihr zwischen Menschen richtet, dass ihr richtet nach Gerechtigkeit. 4:59
  • Ein politisches System ist in der Scharia nicht vorgeschrieben, sondern soll auf Gerechtigkeit basierend, gemäß Zeit und Situation angepasst werden.
  • So wurde der Heilige Prophet zur politischen Hoheit Medinas auserwählt und regierte dort gemäß seiner Zeit und Situation mit Gerechtigkeit.

 

  1. Behauptung: Der IS, Saudi-Arabien und Iran z.B. haben die Scharia eingeführt und berufen sich auf den Islam.

 

Entgegnung

  • Wäre der Islam die gemeinsame Grundlage, so stellt sich die Frage, weshalb sich die Gesetze, Rechtsprechung sowie die Politik so stark unterscheidet?!
  • Alle drei Komponenten haben eine unterschiedliche Grundlage. Der IS spricht von einem Kalifen als ihren Staatsführer. Saudi-Arabien von einem König/Monarchen und der Iran von dem obersten Religionsführer (rahbar) → die “Scharias” unterscheiden sich, weshalb es falsch ist von einer Einführung der Scharia zu sprechen (ganz unterschiedliche Ansätze werden vertreten)
  • Es sind viel eher Regime, die den Namen des Islam missbrauchen, um die Massen zu mobilisieren und für eigene Zwecke zu nutzen
  • Religiöse Massenmobilisierung für politische Machtzwecke ist kein neues Phänomen (siehe Kreuzzüge, Reconquista usw.)

 

  1. Behauptung: Der arabische Frühling zeigt, dass der Islam gewaltvolle politische Rebellionen herbeiführen möchte, um die Scharia einzuführen.

 

Entgegnung

  • Rebellionen sind gemäß der Scharia nicht erlaubt: Der Heilige ProphetSAW wurde gefragt, was denn der erhabenste Jihad sei. Er antwortete: Das gerechte Wort bei einem ungerechten Herrscher. an-Nisai
    → D.h. nur mit Worten, und nicht mit Gewalt, soll ein ungerechter Herrscher konfrontiert werden.
  • Auch sagte der Heilige ProphetSAW: Ihr werdet nach mir Herrscher sehen, die euch gegenüber ungerecht sind und ihr werdet bei ihnen Dinge sehen, die ihr ablehnt. Sie sagten: O Gesandter Allahs, Was befiehlst du uns, was wir machen sollen? Der Heilige Prophet antwortete: Gebt ihnen ihr Recht und bittet Allah um euer Recht. Bukhari
  • Der Mensch hat gemäß der Scharia das Recht aus dem Land auszuwandern, in dem es Schwierigkeiten ertragen muss und ein friedvolles Leben für ihn nicht möglich ist. (siehe Sunna; Auswanderung des Heiligen ProphetenSAW)
  • Wenn eine Auswanderung nicht möglich ist, dann gilt das grundlegende Prinzip der Scharia, nämlich: O die ihr glaubt, sucht Hilfe in Geduld und Gebet; Allah ist mit den Standhaften. 2:154

 

  1. Behauptung: Die heutigen muslimischen Staaten berufen sich auf die Scharia, was dazu führt, dass Unfrieden in diesen Ländern herrscht. Dazu gehören auch grausame Folter und drakonische Strafen!

 

Entgegnung

  • Sog. islamischen Staaten haben sich sehr weit von den tatsächlichen Lehren des Islam entfernt (Religion wird instrumentalisiert und für eigene Interessen missbraucht)
  • Eine Studie von Hossein Askari zeigt auf, dass folgende Länder die Scharia und die islamischen Gebote weltweit am ehesten befolgen:
  • Neuseeland, Niederlande, Schweden, Dänemark, Schweiz, Irland (Quelle: islamicity-index.org)
  • Der Qur‘an, als die Grundlage der Scharia, nennt vier Körperstrafen für folgende Verbrechen: Ehebruch, Mord, Diebstahl und Verleumdung im Falle eines Ehebruchs
  • Damit sind aber nicht alle möglichen Verbrechen abgedeckt (bspw. der Konsum von Alkohol, wofür es keine konkrete körperliche Strafe im Qur’an gibt)
  • Fazit: Die Bestrafung von Verbrechen durch körperliche Strafen können nicht Sinn und Zweck der Scharia sein
  • Viel eher geht es um den Schutz der Gesellschaft vor Verbreitung von Unsittlichkeit (Ehebruch, Verleumdung) und dem Schutz von Menschenleben (Mord) und ihrem Besitz (Diebstahl) vor Verbrechern.
  • ABER: Scharia versucht die Bestrafung so weit wie möglich zu vermeiden: Man sollte einem Muslim soweit wie möglich vor der Bestrafung beschützen. Wenn es einen Ausweg gibt, so versuche diesen Fall schnellstmöglich beizulegen. Es ist besser, wenn dem Imam bei der Vergebung ein Fehler unterläuft, als bei der Bestrafung.
    Tirmidhi
  • Die Scharia spricht von Vergebung des Verbrechers: hatten ihnen darin vorgeschrieben: Leben um Leben, Auge um Auge, Nase um Nase, Ohr um Ohr und Zahn um Zahn, und für (andere) Verletzungen billige Vergeltung. Wer aber darauf Verzicht tut, dem soll das eine Sühne sein; und wer nicht nach dem richtet, was Allah hinabgesandt hat – das sind die Ungerechten. 5:46
  • Auch Gott vergibt Verbrechen: Allahs Vergebung ist nur für jene, die unwissentlich Böses tun und bald darauf Reue zeigen. Solchen wendet Sich Allah erbarmend zu; und Allah ist allwissend, allweise. 4:18
  • Auch hat die Scharia eine strikte Beweisführung für Strafen angeführt.
  • Wäre die Scharia ein allumfassendes Strafgesetz in der es um die körperliche Bestrafung von Individuen für Verbrechen ginge, dann würde es für Shirk (d.h. das Beigesellen von Etwas oder Jemanden neben Gott), welche als größte Sünde im Islam gilt, eine drakonische körperliche Strafe geben
  • In diesem Kontext sollte stets die Eigenschaft Gottes, als der Barmherzige vor Augen gehalten werden: Ich treffe mit Meiner Strafe, wen Ich will; doch Meine Barmherzigkeit umfasst jedes Ding. 7:157

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