Die Helfer des Königs der Feder.

Thomas Cook – Das Reisebüro, mit dem ein muslimischer Kalif reiste

Der 178-jährige Reisedienstleister Thomas Cook ist am 23. September 2019 in Konkurs gegangen. Alle seine Flüge wurden eingestellt und die Passagiere waren auf den Flughäfen gestrandet.

Das Unternehmen mag zusammengebrochen sein und seine Flüge eingestellt haben, aber ein besonderes Ereignis in der Firmengeschichte wird seinen Namen nie in Vergessenheit geraten lassen und seinen Ruf für immer hochhalten.

Es wird sicherlich eine ganze Liste sehr wichtiger Persönlichkeiten geben, die in all den Jahren mit Thomas Cook gereist sind, aber hier wollen wir einen bestimmten Passagier erwähnen, der in der Geschichte des interreligiösen Friedens eine große Bedeutung einnimmt.

Als Großbritannien 1924 in London die British Empire Exhibition gründete, wurde beschlossen, eine Konferenz abzuhalten, auf der prominente religiöse Führer eingeladen werden, um über ihren Glauben zu sprechen. Bei der Auswahl großer Anführer aller Glaubensrichtungen wurden die größten Städte betrachtet. Allerdings wurde ein potentieller Gastredner entdeckt, der in einem sehr kleinen Dorf des britisch-indischen Punjab lebte.

Hadhrat Mirza Bashiruddin Mahmud AhmadRAwar damals das Oberhaupt der sich rapide verbreitenden muslimischen Gemeinschaft der Ahmadiyya. Sie hatte sich nicht nur über Indien verbreitet, sondern bis 1913 auch ihre Missionare nach London geschickt. Die School of Oriental Studies (jetzt SOAS) – der Organisator der Konferenz – lud Hadhrat Mirza Bashiruddin Mahmud AhmadRAaus Qadian ein.

Die Gemeinde hatte damals sehr begrenzte Mittel, doch erforderte es die Bedeutung der Veranstaltung, alle erdenklichen Anstrengungen zu unternehmen, damit der Kalif selbst dabei sein konnte. Fonds und Kredite wurden arrangiert und Reisevorbereitungen in kürzester Zeit getroffen. Der Kalif verließ Qadian und reiste am 14. Juli 1924 nach Bombay (heute Mumbai). Vom Bahnhof aus ging er direkt zum Reisebüro, das alle Vorbereitungen für die lange Reise nach und von London traf. Er saß bald im Büro von Thomas Cook und diskutierte und finalisierte die Pläne seiner Reise.

Warum der Kalif Thomas Cook gewählt hat, wird in der Geschichte nicht erwähnt, aber wir haben eine Annahme. Thomas Cook & Sons hatte sich bei den indischen Muslimen einen guten Ruf erworben, als sie 1886 ihr erstes Reisepaket für die Hajj anbot.

„Es gab eine Reihe von Reiseveranstaltern, die die indischen muslimischen Pilger von Bombay nach Jeddah brachten, jedoch waren die Vorbereitungen nicht auf dem neuesten Stand“, sagt Dr. John Slight – Dozent für imperiale und globale Geschichte an der Open University, Großbritannien – in einem exklusiven Interview mit Al Hakam.

„Die Pilger wurden durch das große Angebot überfordert und wesentliche Elemente wie Gesundheit und Sicherheit vernachlässigt. Die britische Regierung suchte daher die Dienste von Thomas Cook auf und beauftragte sie, der einzige Dienstleister für die indisch-muslimischen Pilger zu sein. Thomas Cook arrangierte die Reise mit Dampfschiffen, die Bahnfahrt zum Hafen und die Unterbringung in Hotels“.