Die Helfer des Königs der Feder.

Und schon wieder „Allahu Akbar“

Ein womöglich arabischer Mann, markantes Gesicht, schwarze Haare, dunkel gekleidet, nähert sich mit einem großen Koffer der Ankunftshalle des Internationalen Airports im Istanbuler Atatürk-Flughafen. Das Gesicht ist rasiert, die weiten Augen und der ihm ins Gesicht tretende Schweiß deuten auf eine gewisse Nervosität hin. Es ist Dienstag, der 28. Juni 2016, 21:52 Uhr. Später Abend, auch wenn viele Passagiere und Gäste müde wirken: Der größte internationale Flughafen der Türkei schläft nie. Die Menschen warten geduldig, manche teils ausgelaugt, darauf, ihre Reise antreten zu können. Einige sind hier, um sich von ihren Liebsten verabschieden oder sie empfangen zu können. Und dann: Ein weiterer heimtückischer Anschlag – Die Bilanz: Mindestens 45 Tote, 239 Verletzte, Unschuldige. Istanbul, Paris, Brüssel, Nizza und Ansbach sind nur die Namen einiger Städte, die jüngst Opfer grausamer Terrorakte wurden. Und nicht zu vergessen: Zahllose umkämpfte Gebiete im Nahen Osten werden überschattet von Krieg, Anschlägen, von physischer sowie auch mentaler Gewalt. Angst und Unsicherheit haben sich längst zu einem globalen Phänomen ausgeweitet. Aus jüngsten Umfragen geht hervor, dass die Angst, Opfer eines Terroranschlags zu werden, auch in Deutschland so präsent ist wie nie zuvor. Unser Lebensstil ist durch jüngste Vorfälle zwar größtenteils nicht beeinträchtigt, dennoch ist man sich im Hinterkopf stets der Tatsache bewusst, dass die eigene Sicherheit nicht mehr unbedingt garantiert ist. Der Diskurs hierüber ist immerzu begleitet von der Frage nach der Rolle der Religion, genauer, des Islam – und immer öfter fällt ein besonderer Begriff: „Allahu Akbar“.

Auch wenn es in dieser Zeit, wo „Muslim“ sukzessive mit „potentieller Terrorist“ gleichgesetzt zu werden scheint, schwer fällt, zu glauben: Richtig ist, dass keine Religion kam, um den Menschen das Töten von Menschen zu lehren. Der Versuch, eine Religion anhand der Taten ihrer Anhänger zu verstehen und zu beurteilen, wird sich heutzutage in gewissen Fällen als großer Irrtum herausstellen. Vor allem gilt dies hinsichtlich der Untaten und Praktiken des sogenannten „Islamischen“ Staates, des IS. Dass alles, was dort oder anderswo vonstattengeht, automatisch dem Islam zuzuschreiben sei, ist ein fataler Fehlschluss. Das Selbstmordattentat vor der Prophetenmoschee in Medina, dem zweitheiligsten Ort des Islam, bestätigt auf gräuliche Art und Weise, dass der Terrorismus de facto von nichts als Eigennutz und Wahn motiviert ist.

Auch interessant: Die ersten solchen „muslimischen Selbstmordattentate“ sind in den 1980ern geschehen – erst 1300 Jahre, nachdem der Islam bereits aufgekommen war. Owen Jones, britischer Journalist, folgert daraus in seinem Artikel ‚Islamophobia plays right into the hands of ISIS‘, dass es unabhängig davon, wie mörderische Extremisten wie die des IS ihre Gräueltaten zu rechtfertigen suchten, genüge, festzuhalten, dass die große Mehrheit der Muslime ihre Interpretation ablehnt: „Es mag offensichtlich klingen, aber muss unbedingt ausgesprochen werden. […] Worauf der Nachdruck gelegt werden muss, ist die Entfernung, die zwischen ISIS und einem Viertel der Weltbevölkerung, das sind die Muslime, existiert […] Doch nach jedem großen islamistischen Terrorakt wird dieser Abstand weniger und weniger hervorgehoben.“ Den Islam, und damit ein Viertel der Weltbevölkerung, schlicht mit Terror und Hass gleichzusetzen, scheint der gängigste Begründungsansatz zu sein und doch könnte er ferner von der Wahrheit nicht sein. Deswegen konstatierte Kanzlerin Merkel auch: „[…] jeder Generalverdacht gegen sie [die Muslime] verbietet sich. Wir vergessen im Übrigen auch nicht, dass die allermeisten Opfer der weltweiten Terroranschläge Muslime sind“. Auch Papst Franziskus stellte dementsprechend zuletzt klar, dass sich eine pauschale Verurteilung des Islam verbiete, denn gäbe es „islamische Gewalt“, so der Papst, müsse er auch von „christlicher Gewalt“ sprechen. Der Journalist Nicolas Hénin, der zehn Monate lang vom IS als Geisel in Syrien gehalten wurde, bestätigte nachdrücklich, dass „denen der Islam völlig egal ist“. Fest steht: Der Terrorismus hat keine Religion. Die Radikalisierung junger Menschen erfolgt multifaktoriell. Warum aber dann dieser Terror und Unfriede, der den Islam bestenfalls diskreditiert, unter dem Deckmantel der Religion?

Eine jüngste Forschungsarbeit von Dr. Craig Considine der Rice University in Houston, Texas, stellt unmissverständlich dar, dass Verfolgung wie die von Christen in dem sogenannten Islamischen Staat durch Schriftstücke des Propheten MuhammadSAW nicht legitimiert wird. Außerdem konstatiert sie, dass die Vorstellungen des ProphetenSAW von einer muslimischen Nation die eines religiösen Pluralismus und der Bürgerrechte waren. Wenn man also etwas über den Islam erfahren will, muss man auf den Ursprung zurückgehen und sich auf die Betrachtung und Auseinandersetzung mit den Quellen einlassen, in diesem Fall der Koran und die Aussprüche des Heiligen Propheten des Islam, MohammadSAW. Kaum fällt der Begriff des Korans, herrschen die unterschiedlichsten Meinungen vor, getreu dem Motto „Was kümmern die Tatsachen, wenn man eine Meinung hat?“. Es reichen schon eindeutige und allgemeingültige Verse wie „Es gibt keinen Zwang im Glauben“ (2:257) oder „lass den gläubig sein, der will und den ungläubig sein, der will“ (18:30), um die Allgemeinheit eines Besseren zu belehren und unmittelbar Klarheit darüber zu schaffen, dass der Frieden und friedensfördernde Maßnahmen im Islam die Regel sind. Es ist eben nicht die Religion, die zu Gewalt aufruft, sondern es sind Menschen, die, sich das Unwissen über die eigentliche Lehre der Religion zunutze machend, sie für ihre rein politischen Zwecke instrumentalisieren. Damit erweisen jene sich nur als ein Mittel zur Diffamierung des Islam. Der Selbstmord beispielsweise ist im Islam untersagt („und tötet euch nicht selber…“, 4:30). Selbstmordattentate unter Missbrauch des Islam sind darum an Ironie und Absurdität nicht zu übertreffen. Der Islam erklärt das Nehmen eines Menschenlebens äquivalent zu dem Mord an der gesamten Menschheit (5:33). Der Verteidigungskrieg ist die einzige Kriegsform, die der Islam kennt und zwar, weil die Bedrohung der eigenen Existenz eine Frage von Leben oder Sterben ist. Und in der Geschichte? In der Anfangsgeschichte des Islam zwangen die Unterdrücker nach 13 Jahren der unbeantworteten Torturen an Muslimen ihnen Verteidigungskriege auf. Und selbst dann war es den Muslimen durch den Propheten des Islam untersagt worden Unschuldigen, Frauen, Kindern, Alten, Behinderten, Mönchen, Priestern und Geistlichen etwas zuleide zu tun. Es sollten keine Gebetsstätten zerstört werden. Es sollten selbst keine Bäume gefällt werden. Die Taten des IS sollen also „islamisch“ sein?

Wäre es nicht in Wahrheit Ziel und Zweck des Islam wie aller Religionen, in Frieden zu leben, so würden nicht Milliarden Muslime friedlich und gesetzestreu leben und der Teil jener IS-Anhänger, die durch Anschläge Unruhe und Spaltung in der Gesellschaft herbeizuführen wünschen, bei nur 0,002 Prozent der Muslime weltweit liegen. Es verhält sich nicht etwa so, dass solche Terrorakte geschehen, weil Leute in allen Ländern über ihre eigene Religion so gut Bescheid wüssten, sondern eben das genaue Gegenteil ist der Fall: Wüssten die Muslime aus aller Welt über die Lehren des Korans und des Propheten des Islam Bescheid und würden sie praktizieren, so würde Taten wie den eingangs Erwähnten Einhalt geboten werden. Muslime müssen durch nachhaltige Aufklärung der Menschen ein klares Zeichen setzen und aktiv erklären und vorleben, was die Friedenslehre des Islam in Praxis ist. Aufklären darüber, dass Muslime wie Nicht-Muslime an einem Strang ziehen und von denselben Terrorakten und Untaten angewidert sind, ja, Muslime sogar noch mehr als andere, da sie nicht nur voll Schmerz mit ansehen müssen, wie ihre Werte und Grundüberzeugungen beschmutzt werden, sondern auch ihr Glaube, der Islam, durch dieses Blutvergießen Unschuldiger mit den Füßen getreten und diskreditiert wird.

Die Rufe nach Aufklärung werden immer lauter. Und genau dieser hat sich die 1889 in Indien gegründete islamische Reformgemeinde „Ahmadiyya Muslim Jama’at KdöR“, die weltweit größte organisierte, muslimische Gemeinde mit weltweit über mehreren 10 Millionen Anhängern in über 200 Ländern verschrieben. Sie sieht sich als keine „neue“ oder „ergänzende“ Richtung, sondern beruft sich einzig auf die islamischen Quellen, um den Islam in seiner ursprünglichen Form wiederherzustellen und von seinen Verkrustungen zu befreien. Denn wenn jemand eine Reform braucht, so ist es nicht der Islam, sondern es sind die Muslime. Ahmadi-Muslime klären deutschlandweit –aber auch weltweit– durch alljährliche Versammlungen (sog. „Jalsa Salana“), Vorträge, Ausstellungen, interreligiöse Dialoge und zahlreiche andere Projekte über die friedfertige und friedensfördernde Lehre des Islam auf, die sie allen voran selbst vorleben. Gibt es heute überhaupt ein „Vorbild“, das als Maßstab herhalten kann, weil es über die friedliche Lehre des Islam aufklärt und sie vorlebt? Ja! Was Ahmadi-Muslime vor anderen Muslimen auszeichnet, ist, dass sie weltweit durch ein rein spirituelles Oberhaupt, dem mittlerweile fünften Kalifen Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA geeint sind, der sich für den globalen Frieden einsetzt und all jene Grausamkeiten und Gewalttaten, die im Namen des Islam verübt werden, auf der Grundlage der islamischen Quellen aufs Schärfste verurteilt. Er ruft in Interviews in verschiedenen Ländern, seinen Freitagsansprachen an die Gemeinde weltweit, durch Reden im Capitol Hill in Washington, im Europäischen Parlament in Brüssel, dem Parlamentsgebäude in London, im Zentrum für Innere Führung der Bundeswehr in Koblenz, im neuseeländischen Parlament in Wellington, in Schweden, Dänemark, Japan etc. und durch Briefe an Führungspersonen von Putin bis Obama, dem Papst bis Ayatollah Khamenei, Netanyahu bis Ahmadinejad und David Cameron bis Angela Merkel, zu Gerechtigkeit und der Wahrnehmung ihrer Verantwortung zwecks Förderung der Etablierung des Weltfriedens auf.

Die Rolle der Medien und Berichterstattung darin, dass ein falsches Bild des Islam propagiert wird, ist ebenfalls nicht zu verkennen. „Während derartige Untaten unmittelbar mit dem Islam in Verbindung gebracht werden, werden die Stimmen derjenigen Leute und Gruppen, die aufrichtig bestrebt sind, die wahren und friedlichen Lehren des Islam zu verbreiten, nicht angehört und nicht weit genug publiziert“, betonte Hadhrat Mirza Masroor Ahmad in seiner Grundsatzrede zum 13. Nationalen Friedenssymposium in London. Basierend auf diesen Lehren des Islam ist das Motto der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde „Liebe für Alle, Hass für Keinen“.

Wenn Allahu Akbar also gerade das Gegenteil dessen verkörpert, was uns der Selbstmordattentäter weismachen will, wie wird dieser Ruf dann von Muslimen benutzt? Aus dem Alltag eines Muslims ist diese Lobpreisung kaum wegzudenken. So wird sie mindestens 177 Mal in den täglichen fünf Gebeten, 30 Mal zu den fünf Gebetsrufen und mitunter 34 Mal nach jedem Gebet rezitiert: Allein durch den Alltag eines Muslims macht das schon etwa 377 Male. Die Muslime sind sich darüber einig, dass Gottes Barmherzigkeit und Gnade die Menschen, auch ohne ihr Wissen, begleitet. Der Prophet des Islam hielt die Muslime dazu an, sich bei Gott und den Menschen selbst für die kleinsten Dinge erkenntlich zu zeigen. Es ist also eine Denkart des Muslims, Gott eben durch seine Lobpreisung zu danken, und nichts anderes soll „Allahu Akbar“ zum Ausdruck zu bringen. Der Muslim sieht die guten Dinge in seinem Leben nicht als selbstverständlich an und die Wertschätzung darüber gibt er Gott gegenüber z.B. durch Allahu Akbar kund. Auch über das tägliche fünfmalige Gebet hinausgehend ist die Lobpreisung Gottes im Alltag eines Muslims integriert. „Allahu Akbar“ sprechen Ahmadis etwa nach einer gemeinsamen Blutspendeaktion, um ihre Freude darüber auszudrücken, dass Allah ihnen die Möglichkeit gab, anderen Menschen zu helfen. Ein Ahmadi-Muslim und jeder andere friedliche Muslim wird in dieser Zeit der Unsicherheiten und des Kummers „Allahu Akbar“ rufen, um sich danach im Gebet vor seinem Schöpfer niederzuwerfen, für den Weltfrieden betend. Erst vor wenigen Tagen ging die traditionsreiche 41. alljährliche Versammlung der Ahmadis in Deutschland, die Jalsa Salana auf dem Messegelände in Karlsruhe mit über 38.000 Teilnehmern, friedlich zu Ende. Zehntausende Ahmadis, die sich zum Zweck der Andacht Gottes für drei Tage zusammenfanden, riefen dabei gemeinsam „Allahu Akbar“ – ein einzigartiges Echo der Liebe, Verbundenheit und des Friedens. Wenn ein wahrhafter Muslim „Allahu Akbar“ sagt, so meint er damit also, dass er durch die Unterwerfung unter dem Willen seines Schöpfers zu jemandem werden will, der inneren Frieden findet und Frieden verbreitet. Schließlich ist das die Bedeutung des Wortes „Muslim“.

 

Links/Quellen:

https://www.theguardian.com/commentisfree/2015/nov/25/islamophobia-isis-muslim-islamic-state-paris

www.khalifaofislam.de

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-08/papst-franziskus-islam

http://www.dailymail.co.uk/sciencetech/article-3493741/How-ISIS-going-against-Islam-s-teachings-Texts-suggest-Muslim-prophet-wanted-Christians-protected-defended-claims-expert.html

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/der-is-erklaert-saudi-arabien-den-krieg-14325566-p2.html

http://www.ahmadiyya.de/islam/islam-bedeutet-frieden/islam-ist-eine-friedliche-religion/ (Stand: 18.08.2016)

http://mobile2.12app.ch/articles/29796104 (Stand 14.09.16)

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