Die Helfer des Königs der Feder.

Unsachlicher Vergleich

“Unsachlicher Vergleich” (Leserbrief) –  Zum Leserbrief “Zu Mohammed gehört Gewalt” von Ferdinand Rauch aus Poppenhausen, in der Fuldaer Zeitung vom 21.01.2015, Seite 4

Die Propheten Jesus und Muhammad vergleichen zu wollen, ist nicht nur unangebracht, sondern so, wie Herr Rauch dies tat, auch ziemlich unsachlich. Aus religiöser Sicht verbietet sich mir als Muslim ohnehin die Frage einer eventuellen Wertigkeit. Kein Prophet ist besser als ein anderer, denn sie alle führten nur den Auftrag Gottes aus. Aus gesellschaftlicher Sicht lässt sich allerdings feststellen, dass die Rollen der beiden Propheten unterschiedlicher nicht hätten sein können. Muhammad war nicht nur Gründer einer neuen Religion, sondern in der Folge auch Oberhaupt eines ganzen Volkes, das von einer Übermacht polytheistischer Araber mit Waffengewalt angegriffen wurde. Jesus hingegen war weder Gründer einer Religion, sondern ein jüdischer Prophet innerhalb des mosaischen Gesetzes, noch führte er ein Volk an. Auch sorgte die Römische Besatzungsmacht dafür, dass Jesus nicht so einfach für vogelfrei erklärt werden konnte. [Hierzu bedarf es dann größeren Aufwands.] Während Jesus also lediglich Verantwortung für sich und seine Botschaft trug, war Muhammad seinem Volk verpflichtet. Und trotzdem erduldeten er und die junge muslimische Gemeinde Jahre lang verbale und körperliche Angriffe. Erst als es zu Ermordungen kam und die Muslime trotz Auswanderung aus Mekka verfolgt wurden, kam es auch seitens der Muslime zu Kampfhandlungen. Wenn man diese Verteidigung als „unmenschlich“ bezeichnet, stellt sich doch die Frage, warum alle Staaten der Welt in solchen Fällen nicht dem Vorbild Jesu folgen und die andere Wange hinhalten? Die Antwort ist eindeutig: Weil dies eine völlig andere Situation ist. Auch ist es eine Frechheit zu behaupten, Koran und Prophet dürften im Islam nicht kritisiert werden, [wo Koran- und Hadithwissenschaften, sowie die Tafsirwissenschaft schon zur Lebzeit des Propheten einsetzten und im Gegensatz dazu die Bibelexegese doch erst mit der Aufklärung einsetzte.] Verstehen Sie mich nicht falsch, ich möchte niemanden daran hindern, sich kritisch mit dem Islam auseinanderzusetzen, im Gegenteil; doch folgen Sie dabei bitte nicht nur den Argumenten anti-westlicher Extremisten.

ABGEDRUCKT in der Fuldaer Zeitung vom 29. Januar 2015 unter dem Titel “Unsachlicher Vergleich” (in leicht abgeänderter, gekürzter Form)

 

Quelle: Originalartikel lesen

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