Die Helfer des Königs der Feder.

Die Frage nach dem Kopftuch an Schulen

„Jemand mit Kopftuch kann Neutralität nicht glaubhaft vermitteln“

Leserbrief aus der Sicht eines Muslims

Nachdem der Justiz-Senator Dirk Behrendt einen Versuch wagt, das Tragen von religiöser Kleidung und Symbolen für Lehrkräfte in Berlin zu legalisieren, bekommt er starken Gegenwind von Vertretern der Interessensgemeinschaft Berliner Schulleiter (IBS) und auch parteiintern (Grüne). Karina Jehniche, Vorsitzende der IBS, plädiert für neutrales Lehrpersonal ohne Kopftücher und Einsatz für demokratische Werte an deutschen Bildungsinstitutionen. Sie fürchtet eine zukünftige Quote von Kopftuchträgerinnen in den Lehrerzimmern, eine aktive oder passive Lenkung der Kinder in Richtung des Islam und zweifelt im Wesentlichen die Kompetenz der kopftuchtragenden Frauen an, Neutralität in der Lehre zu wahren und sich von extremistischen Terrorakten zu distanzieren.

 

Dass die Schule ein neutraler Ort bleiben soll, an dem demokratische Werte gepredigt werden, ist etwas, was im Grundgesetz verankert ist. Hätte ein Lehrer oder eine Lehrerin mit einem islamischen Hintergrund ein derartiges Problem mit der Demokratie und dem Bildungssystem, würden sie nicht so weit gehen, als Lehrkörper an einer solchen Institution tätig werden zu wollen.

Die demokratische Grundordnung unseres Staates ermöglicht eine pluralistische Gesellschaft mit einer Vielzahl an Meinungen, Glaubens- und Weltvorstellung, die in Harmonie zusammen leben. Diese muss jedoch auch den Individuen ermöglicht werden. Menschen jedweder Couleur gehören zu dieser demokratischen Gesellschaft und sind auch von dergleichen geschützt. Ihre individuelle religiöse Unversehrtheit muss gewährleistet werden, so will es Art. 4 (2) des Grundgesetzes: „Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.“ Auch die Auffassung des Gerichtes ist: „Das im Berliner Neutralitätsgesetz enthaltene Verbot des Tragens religiöser Symbole im Unterricht stellt laut Gericht einen unzulässigen Eingriff in die Religionsfreiheit dar.“

Einer Frau mit Kopftuch zu verbieten, dass sie den Unterricht an einer Schule leitet, ist gleichzusetzen damit, dass man eine Frau, die sich als dem Islam zugehörig zu erkennen gibt, abspricht, demokratisch zu sein oder, dass sie durch ihre Affiliation mit der zweitgrößten Religion der Welt, mit circa 1,6 Milliarden Anhängern weltweit, nicht die Kompetenz besitzt neutral zu unterrichten. Sind nun all diese Menschen nicht in der Lage Demokratie und Islam zu vereinbaren, trotz der Tatsache, dass ein Gros der Muslime in Demokratien lebt?

Man muss erwähnen, dass das Kopftuch kein muslimisches Phänomen ist. Es ist ein viel älteres Gebot, was jüdische Frauen seit Jahrtausenden und auch orthodoxe Christen bis heute dazu veranlasst, das Haupt zu bedecken. Das Kopftuch als Zeichen einer Frau, die ihre Liebe zu ihrem Schöpfer bekundet und ihre Zugehörigkeit zu einem Glauben bekundet, stellt somit ein Merkmal verschiedener Religionen dar.

Angenommen, die These, dass eine Frau mit Kopftuch tatsächlich eine Gefahr der Neutralität und der Demokratie darstellt, würde stimmen, dann könnte man doch nicht durch das Ablegen des Kopftuchs diese Gefahr minimieren. Die Person hätte damit zwar ihr äußeres Erscheinungsbild verändert, sei innerlich aber unverändert. Wenn das tatsächlich so wäre, dann müsste man doch nicht nur den Lehrern verbieten ein Kopftuch zu tragen sondern auch den Putzfrauen in den Schulen. Bei den Putzfrauen jedoch stört es die Wenigsten, dass sie ein Kopftuch tragen. Eine Lehrerin hat eine Vorbildfunktion. Wenn man also die Vorbildfunktion für ausschließlich Frauen ohne Kopftuch oder vielleicht als Steigerung dessen, nur für Personen ohne jegliche Glaubenszugehörigkeit, reserviert, gibt man öffentlich zu Beurkundung, dass man nicht der Auffassung ist, dass Menschen mit einer religiösen Orientierung überhaupt als ein Vorbild fungieren können.

Selbst wenn man religiösen Frauen das Tragen des Kopftuches aus religiösen Gründen verbietet, so könnte man es doch einer Frau aus modischen Gründen gestatten, oder nicht? Denn genau diese Freiheit, lässt das Grundgesetz zu. Selbige Freiheit der persönlichen Entfaltung ermöglicht das Tragen von verschiedenartiger und -farbiger Kleidung, Haarfrisuren, Hüten oder Brillen. Wie weit möchte man noch in der Einschränkung der persönlichen Entfaltung gehen, dass man den Menschen nun auch nicht mehr erlaubt sich so zu kleiden, wie es ihnen gefällt? Den Hintergrund, warum sich jemand so kleidet wie er es tut, sollte auch vollständig in den Hintergrund gelangen. Wenn man den Hintergrund und die Motivation der jeweiligen Personen in den Vordergrund stellt, dann provoziert man damit ein Narrativ, welches zur Ausgrenzung, durch falsche Hypothesen der inneren Überzeugung, führt.

Die Schulen haben die Aufgabe über die Religion zu informieren aber nicht zu bewerten. Wie möchten Sie denn über Religionen informieren, wenn sie die Präsenz derer in unserer Gesellschaft vollständig neutralisieren möchten. Der beste Weg bei der Bildung ist die Präsentation von Beispielen. Im Deutschunterricht unterrichtet man grammatikalische Regeln und zeigt Beispiele dazu. Mathematische Formulierungen und Herleitung machen erst dann Sinn, wenn sie mit Beispielaufgaben untermauert werden; ebenso leben Glaubens- und Wertvorstellungen dadurch, dass sie auch praktiziert werden und man diese auch zu erkennen geben kann.

Sehr gefährlich ist die Aussage, dass pauschal jede Muslima islamistisch-extremistische Taten befürworte oder zumindest nicht verurteile. Viele islamische Gemeinden haben in Deutschland und international den Mordfall des Lehrers Samuel Paty aufs Schärfste verurteilt. Ein Beispiel dafür ist die Ahmadiyya Muslim Gemeinde, die in Teilen Deutschlands auch als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt ist und als Gesprächspartner für islamische Themen Bund und Ländern stets zu Seite steht. https://ahmadiyya.de/news/pressemitteilungen/art/extemistischer-terroranschlag-in-frankreich/. Ferner gibt es etliche friedliebende Muslime in diesem Land, die dies individuell und auch öffentlich verurteilt haben.

 

Der Islam gehört zu Deutschland, so wie jede andere Religion auch; Muslime, Christen und Atheisten, die seit Jahrzehnten friedlich in diesem schönen Land zusammenleben, beweisen dies. Es wird Zeit alle Spektren dieser Gesellschaft für ihre Vielfalt zu schätzen und ein besseres Verständnis füreinander zu entwickeln. Dialog ist die Waffe der Zeit um Vorbehalte abzubauen, daher darf jeder seine muslimische Arbeitskollegin, Mitschülerin, Nachbarin oder Freundin darauf ansprechen, warum sie dieses Kopftuch trägt. Die meisten werden antworten, dass es eine sehr individuelle Entscheidung ist und sie mit dem Kopftuch signalisieren möchte, welch eine Beziehung sie zu ihrem Gott hat. Es geht nicht darum andere zu provozieren, sondern zu signalisieren, dass man Teil dieser Gesellschaft ist und ein Leben als gut integrierte Muslima führt.

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