Die Helfer des Königs der Feder.

Wer ist ein Muslim?

Leserbrief zum Artikel „Islamische Ahmadiyya Gemeinde: Die Abtrünnigen“
Quelle http://www.mz-web.de/mitteldeutschland/islamische-ahmadiyya-gemeinde-die-abtruennigen-26688350

Um Missverständnisse zu lösen ist es die Pflicht für uns Ahmadi Muslime, das Gespräch mit unseren Mitmenschen zu suchen. Jedoch sollte es nicht nur für uns Ahmadi Muslime eine Pflicht sein, denn der Heilige Prophet, Friede und Segen Allahs seien auf Ihm, der Gründer des Islams, dessen erhabene Charaktereigenschaften wir Muslime versuchen sollten uns anzueignen, definierte einst einen Muslim allgemein wie folgt: „Ein wahrhaftiger Muslime ist jener, vor dessen Hände und Zunge die Menschen in seiner Umgebung in Sicherheit sind!“ Hieraus kann man leicht entnehmen, dass ein Mensch, der vorgibt, Muslim zu sein, aber gleichzeitig predigt, man solle die Ungläubigen töten, niemals dazu in der Lage ist, über jemanden zu urteilen, ob er oder sie gläubig, ungläubig oder, wie im Falle des Artikels, „kein Muslim“ ist, da er selbst nicht mit der Definition eines Muslimen konform ist.

Lassen Sie uns mal kurz einen Aspekt analysieren, wieso wir Ahmadis von der restlichen islamischen Welt ins Fadenkreuz genommen und für vogelfrei und todeswürdig erklärt werden:

Im Heiligen Koran finden wir für den Propheten MuhammadSAW den Begriff „Khatam-un-Nabiyin“, zu Deutsch „Siegel der Propheten“. Da Ahmadi-Muslime an die Überlieferungen des Propheten MuhammadSAW, in denen ein kommender Prophet verheißen wird, glauben und deswegen die Auffassung der Mehrheit der Muslime, der Begriff „Khatam-un-Nabiyin“ belege das Ende des Prophetentums, nicht teilen, werden sie in vielen Ländern verfolgt und als Ketzer bezeichnet. Die sogenannten muslimischen Gelehrten rufen zur Ermordung von Ahmadi-Muslimen auf und die gesamte muslimische Welt lehnt die Ahmadiyya-Gemeinde als ketzerisch, vielmehr noch unislamisch, ab.

Das ist auch der Grund, wieso dort z.B. das Rufen des Gebetsrufes und das Grüßen mit dem Friedensgruß „Assalamo Alaikum“ für Ahmadis als Todsünde gelten und wieso für sie generell das Ausüben ihres Glaubens (in Pakistan seit über 40 Jahren sogar gesetzlich legitimiert!) strafbar ist. Der Heilige Prophet MuhammadSAW aber kündigte schon damals vor 1400 Jahren an, dass die Muslime die wahren Lehren des Islams vergessen werden und die Moscheen zwar mit Menschen gefüllt sein würden, es aber an Rechtleitung fehlen würde und vom Islam nichts als der bloße Name übrig bliebe. Es würde dann notwendig sein, dass ein Reformer kommt, d.h. es wurde ein Messias verheißen, der den Islam von seinen Verkrustungen löst und die ursprünglichen friedvollen Lehren des Islam wiederbelebt – sozusagen eine Renaissance des Islam.

Hadhrat Mirza Ghulam AhmadAS aus Qadian, Indien, erhob den Anspruch, eben jener Reformer – also der Verheißene Messias – zu sein. Zahlreiche Prophezeiungen Muhammads, Friede und Segen Allahs seinen auf Ihm, wurden in seiner Person erfüllt. Diese sind unter folgendem Link nachzulesen: http://www.ahmadiyya.de/ahmadiyya/prophezeiungen-ueber-die-ahmadiyya-muslim-jamaat/prophezeiungen-ueber-den-verheissenen-messias-as/

Was Daesh angeht, so sind dessen Anhänger wohl kaum repräsentativ für die muslimische Welt. Es sind lediglich 0,002% der Muslime, die den Ruf des Islams in den Schmutz ziehen und selbst keine Verbindungen zur Religion des Islam haben. Dennoch distanziert sich die Ahmadiyya Muslim Gemeinde seit ihrer Gründung im Jahre 1889 im Sinne der islamischen Lehre von jeglichen gewalttätigen Aktivitäten. Es ist uns auch klar, dass es immer Leute geben wird, die uns beschimpfen werden. Wenn unserem Gegenüber danach ist, zu schimpfen, so soll er es tun. Wenn man allerdings eine Lösung finden möchte, so setzt eine Diskussion eine vernünftige und respektvolle Redensart voraus. Auch ist es nicht von Vorteil, wenn man jemanden aufgrund seiner Äußerlichkeiten verurteilt oder in der Öffentlichkeit schaden will.

Des Weiteren ist es wichtig klarzustellen, dass es keine Trennung zwischen dem Einen Gott in den verschiedenen Religionen gibt. Wir Muslime glauben an „Allah“, der bei den Christen „Gott“, bei den Juden „Jahwe“ und bei den Hindus „Baghwan“ genannt wird. Der Unterschied liegt lediglich im Namen. Wir beten also alle zu dem einen wahren Gott. Vorausgesetzt, man spricht von Gott im Singular (oder überhaupt von einem Gott). Bezüglich der Anerkennung des Gottes eines Andersgläubigen lehrt der Qur‘an, diesen unter keinen Umständen zu beschimpfen, da dies auf Provokation und eine gleichwertige Erwiderung aus Unwissenheit hinausliefe. Dies will keiner und ist somit islamisch gesehen nicht vertretbar.

Weiterhin steht im Heiligen Koran:

„Euch euer Glaube, und mir mein Glaube“ (Sure 109, Vers 7).

Auch hier ist es wichtig, genau darauf zu achten, wie man diesen Vers zu verstehen hat, denn die Voraussetzung hierfür ist, dass man zuvor die Botschaft des Friedens (=Islams) übermittelt hat:

„Es soll kein Zwang sein im Glauben“. (Sure 2, Vers 257)

Außerdem lehrt uns der Islam, dass wir Loyalität zum Heimatland zeigen sollen. Ein persönliches Beispiel: Meine Heimat ist Deutschland. Es ist das Land, dem ich Dankbarkeit zeige, da es meinen Eltern, die wegen unserer Religionsrichtung, der Ahmadiyyat, verfolgt wurden, Asyl gewährt hat. Es ist das Land, welches mir so Vieles ermöglicht, was andere Menschen in anderen Ländern nicht tun können. Man erlangt Bildung, medizinische Hilfe und so Vieles mehr. Da ist es allein aus moralischer Sicht die Pflicht von uns Muslimen, als Bürger des Landes, der Gesellschaft und dem Land etwas zurückzugeben. Es wird Blut gespendet, wir veranstalten den Neujahresputz, bei dem wir die Straßen nach der Silvesternacht sauberfegen und wir informieren die Bürger über die wahren, friedlichen Lehren des Islams. Denn nur der, der informiert wurde, kann sich eine fundierte Meinung bilden, wozu die radikalisierten Muslime nicht fähig sind. Zu oft noch leider sind es durch den Islam nie legitimierte Thesen über den Islam, die man aufgrund von zu viel verbrachter Zeit vor dem Fernseher im Kopf hat. So würde ich sogar so weit gehen zu behaupten, dass islamophobe Menschen insofern gleichzusetzen sind mit den Extremisten, da beide sich in dem Punkt einig sind, dass ihre radikalen Vorstellungen über den Islam der wahre Islam sind, während die Milliarden Muslime aber ihre Auffassungen ablehnen. Zusammenfassend sind wir also die Muslime, beziehungsweise die Bürger, die jede Form von Extremismus verurteilen und für ein friedliches Miteinander stehen. Daher ist unser Motto:

„Liebe für Alle, Hass für Keinen!“

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