Die Helfer des Königs der Feder.

Zwischen Dialog und Distanzierung

Eine Entgegnung der AFD-Vorwürfe gegen die Ahmadiyya Muslim Jamaat

Eine offene Debattenkultur sollte in einem demokratischen Land zur Normalität gehören. Wie sonst könne eine fundierte Meinung gebildet werden? So zumindest die Vorstellung. Die neusten Ereignisse der AFD in Rheinland-Pfalz zeigen jedoch auf, dass ein offener Umgang miteinander für die Partei ebenfalls nur eine Alternative und keine Normalität ist.

 

Was ist geschehen?

Die Ahmadiyya Muslim Jugendorganisation lädt ein zur Podiumsdiskussion in Bad Kreuznach am 30.04.2019. Unter dem Titel der Veranstaltung „Minarett, Kopftuch und Islamunterricht – Schleichende Islamisierung oder Recht auf Religionsausübung“ soll eine breite Debatte zum Islam geführt werden, um Verantwortungen, Rechte und Sorgen anzusprechen. Mit dem großen Themenspektrum der Debatte, ist auch die Hoffnung verbunden, viele unterschiedliche Meinungen an dem Abend zu hören. Während Gäste wie Herr Wolfgang Heinrich, Bürgermeister der Stadt Bad Kreuznach, Frau Dr. Anette Esser, Mitglied Bündnis 90/ Die Grünen Bad Kreuznach und Herr Maximilian Fröhlich, Mitglied der Jungen Union, an der Podiumsdiskussion teilnehmen werden, haben die Vertreter der AFD nach einer vorläufigen Zusage ihre Teilnahme plötzlich abgesagt. Verbunden mit der Absage wurde zügig eine Presserklärung des Spitzenkandidaten Herrn Thomas Wolff, mit wüsten Vorwürfen gegen die Ahmadiyya Jamaat und den Islam, veröffentlicht. Vorweg: viele dieser Vorwürfe wären schnell aus der Welt geschafft, wären die AFD-Vertreter zur Podiumsdiskussion erschienen. Nichtsdestotrotz können solche Vorwürfe nicht einfach im Raum stehen bleiben. Zumindest um der Wahrheit willen werden im Folgenden die wichtigsten Punkte der AFD aufgegriffen und beantwortet.

 

Stellungnahme zu den Vorwürfen

 

Vorwurf: Die Ahmadiyya Jamaat KdöR sei eine Sekte

Die Ahmadiyya Muslim Jamaat ist seit fast 100 Jahren in Deutschland verwurzelt, betreibt über 60 eigens finanzierte Moscheen, hat ein eigenes Imam-Ausbildungsinstitut, ist Mitglied der Deutschen Islamkonferenz und spielt eine herausragende Rolle zum islamischen Leben in Deutschland. Als bisher einzige islamische Religionsgemeinschaft hat die AMJ den Status einer Körperschaft des öffentlichen Rechts erlangt. Die Bezeichnung als Sekte ist stigmatisierend und wird ausdrücklich zurückgewiesen.

 

Vorwurf: Informationsstände nur von Männern durchgeführt

Die benannten Infostände beziehen sich auf die Aktivitäten der männlichen Ahmadiyya Jugendorganisation, die zuständig ist für die Jugendarbeit der männlichen Mitglieder. Die Frauenorganisation (Lajna Immaillah) ist ebenfalls in der Dialogarbeit vertreten mit Straßenaktionen wie „Ich bin eine Muslima. Haben Sie Fragen?“ oder zahlreichen Vortragsabenden, die selbstständig und unabhängig durch die muslimischen Frauen organisiert werden. Weitere Informationen u.a. auf dem Instagram und Twitter Account @Lajna_De.

 

Vorwurf: Der Islam ist außerhalb der freiheitlich-demokratischen Grundordnung

Die islamischen Prinzipien rufen auf zur Loyalität gegenüber dem Heimatland. Dazu zählt ebenfalls die Achtung der gesetzlichen Normen. Dass der Islam und die Lehren der Ahmadiyya Muslim Jamaat per se gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung seien, widerlegt nicht zuletzt das religions- und rechtswissenschaftliche Gutachten, das einer Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts der AMJ im Jahre 2016 zu Grunde lag.

 

Vorwurf: Der Islam teilt die Welt in Gläubige und Ungläubige ein

Die islamische Lehre leitet sich aus dem Heiligen Qur-an ab. Hier heißt es bspw. „Es soll keinen Zwang in Glaubensangelegenheiten geben“ und „Lass gläubig sein, der will; und den ungläubig sein, der will“. Es ist nicht im Sinne der islamischen Prinzipien, über die Gläubigkeit anderer Menschen zu urteilen. Dies ist dem islamischen Prinzip folgend lediglich Gott selbst überlassen.

 

Vorwurf: Der Islam bedient sich der Lüge, um wahre Absichten zu verbergen

Die Lüge wird im Islam als eine Sünde wahrgenommen, die es strikt zu unterlassen gilt. Der Vorwurf, die AMJ würde sich der sogenannten Taqiyyah bedienen, ist eine Falschinformation, da dies gegen die islamischen Grundlehren verstößt.

 

Vorwurf: Der Islam steht der Aufklärung entgegen

Im Koran heißt es unter anderem: „Und Er ist es, Der die Erde ausbreitete und Berge und Flüsse in ihr gründete. Und Früchte aller Art schuf Er auf ihr, ein Paar von jeder. Er lässt die Nacht den Tag bedecken. Hierin sind wahrlich Zeichen für ein nachdenkendes Volk“ (13:4). Der Islam steht nicht der Aufklärung entgegen, sondern fordert die Gläubigen auf ihren Verstand zu nutzen und sich zu bilden. Ein Blick in die Geschichte Europas zeigt, dass viele Errungenschaften der Medizin, Mathematik und Astronomie islamischen Forschern zu verdanken sind.

 

Eine ausführliche Abhandlung der Vorwürfe seitens der AfD finden Sie unter:

https://ahmadiyya.de/bibliothek/art/islam-fakten-argumente/#

 

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