Dialog statt Spaltung – eine Antwort aus Erfurt

Von Philip Luka Shahid

Wann immer jemand Hilfe benötigt, versprechen wir, da zu sein – um zu helfen und zu unterstützen, wo immer wir können – so Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA, das spirituelle Oberhaupt der weltweiten Ahmadiyya-Muslim Gemeinde.

Dass dies keine leeren Worte sind, sondern gelebte Realität, zeigt unser Engagement, das seit Jahrzehnten kontinuierlich besteht: ausgezeichnet unter anderem mit dem diesjährigen Deutschen Engagementpreis, hunderte Liter gespendeten Blutes, unzählige Charity-Walks, gepflanzte Bäume, Obdachlosenspeisungen, Friedenssymposien, Bürgerdialoge sowie Einsätze jüngst in Berlin beim Stromausfall oder an vorderster Front im Ahrtal.

Gesellschaftliche Herausforderungen und die Gefahr der Rhetorik

Den Islam oder Migranten als Vorwand für strukturelle Probleme im Osten Deutschlands zu benutzen – um wirtschaftliche Schwäche, demografische Herausforderungen, Abwanderung junger Fachkräfte oder angespannte Arbeitsmärkte zu vertuschen – greift sachlich zu kurz. Diese Probleme sind historisch, ökonomisch und strukturell gewachsen. Sie verpuffen nicht durch bloße Schuldzuweisungen am Islam.

Populismus und Hetze leben davon, komplexe Realitäten zu vereinfachen. Doch wissenschaftliche Untersuchungen und Studien zeigen die Gefahren einer solchen Rhetorik deutlich. Anhaltende Hassrede hat nämlich gravierende Folgen für Demokratien: Sie zerstört Vertrauen, spaltet Menschen in „Wir“ und „Die“ und macht aus Vielfalt ein Problem statt einer Stärke.

Die Eröffnung in Erfurt: Ein Sieg des Grundgesetzes

Abbildung 1: Die neu gebaute Mahmud-Moschee in der Stadt Erfurt wurde eröffnet.

Wenn von einem „Tag der großen Freude“ bei der Eröffnung der Moschee in Erfurt gesprochen wird, dann ist es die Freude über ein Grundrecht, das Artikel 4 unseres Grundgesetzes garantiert: die Freiheit, seinen Glauben frei zu wählen und auszuüben und von der jede Bürgerin und jeder Bürger in Deutschland profitiert.

Es ist die Freude darüber, dass trotz Gegenprotesten, trotz Schweinekadavern, trotz meterhoher Kreuze, die missbräuchlich instrumentalisiert wurden, trotz Morddrohungen gegen Menschen, die sich tatkräftig für den Bau eingesetzt haben, dieser Ort entstanden ist – ein Haus Gottes, ein Ort des Gebets, ein Ort des Friedens, ein Ort des Dialogs, ein Ort der Hilfe.

Wenn ein solches Gebäude nach jahrelangem Protest und Gegenwind eröffnet wird, dann ist das eben – unabhängig von Religion und Herkunft – ein Tag der Freude.

Transparenz, Spiritualität und das Angebot zum Dialog

Was die Vorwürfe einer „stillen Islamisierung“ oder der Errichtung eines politischen Kalifats betrifft, hat die Ahmadiyya Muslim Jamaat sich mehrfach und öffentlich klar distanziert: Wir haben keine territorialen oder politischen Ansprüche und unser Kalifat ist seit der Gründung der Ahmadiyya-Muslim Gemeinde rein spiritueller Natur.

Jeder Mensch mit Internetzugang kann unsere Absichten einsehen und prüfen. Unsere Freitagsansprachen sind öffentlich zugänglich und in dutzenden Sprachen übersetzt. Unsere Imame sind in Deutschland ausgebildet, in unseren Moscheen wird Deutsch gesprochen, wir stehen im offenen Austausch mit staatlichen Institutionen und verstehen den Verfassungsschutz als Freund und Partner.

Der Verheißene Messias, Hadhrat Mirza Ghulam AhmadAS trat mit dem Anspruch auf, die Menschheit mit seinem Schöpfer zu versöhnen. Er betonte ausdrücklich, dass der Jihad nicht mehr mit dem Schwert, sondern mit der Feder geführt wird – der Einsatz mit Argument, Dialog und geistiger Auseinandersetzung.

Auch das heutige spirituelle Oberhaupt der Gemeinde, Hadhrat Mirza Masroor AhmadABA betont: Äußerer Frieden kann nicht eintreten, solange es an innerem Frieden fehlt. Wenn der Mensch inneren Frieden erlangt, wird er – unabhängig von Religion, Glaubensbekenntnis oder Hautfarbe – Sympathie und Mitgefühl für andere entwickeln.

An dieser Stelle stellt sich also die Frage, ob Menschen, die gegen interreligiöses Verständnis und Akzeptanz, gegen friedvollen Dialog, gegen ein Haus Gottes – finanziert ausschließlich durch Menschen, die sich als Teil dieses Landes, dieser Demokratie und am Fortschritt dieses Landes beteiligen – und gegen Vielfalt sind, wirklich interessiert sind am Allgemeinwohl in diesem Land und am Frieden in und um sich selbst.

Gerne können wir gemeinsam ins Gespräch kommen und diese Fragen beantworten. Unsere Türen stehen jedem offen – ob in Berlin, München, Frankfurt oder seit neuestem auch in Erfurt.

Philip Luka Shahid

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