Ramadan im Stadtbild – Bekenntnis zur Verfassung statt Kulturkampf
Die Entscheidung einiger deutscher Städte, in diesem Jahr Straßenzüge anlässlich des Fastenmonats Ramadan festlich zu beleuchten, hat lebhafte und teils sehr emotionale Diskussionen ausgelöst.

Ein Zeichen der Wertschätzung und der gelebten Verfassung
Dass Städte neben der traditionellen Weihnachtsbeleuchtung oder dem jüdischen Chanukkaleuchter nun auch Grußbotschaften zum Ramadan im Stadtbild zulassen, ist kein Zeichen einer „schleichenden Islamisierung“, wie Kritiker oft behaupten. Es ist vielmehr ein starkes Bekenntnis zu Artikel 4 unseres Grundgesetzes: der ungestörten Religionsausübung. Für Millionen friedlicher Muslime in Deutschland ist dies eine Geste des Respekts und der Zugehörigkeit. Der Heilige Prophet MuhammadSAW lehrte uns: „Wer den Menschen nicht dankt, der dankt auch Gott nicht“ (Sunan At-Tirmidhi Hadith Nr. 1954). In diesem Sinne empfinden wir aufrichtige Dankbarkeit für dieses Zeichen der gesellschaftlichen Akzeptanz.
Der wahre Geist des Ramadan ist innerlich, nicht äußerlich
So schön diese äußeren Zeichen der Verbundenheit sind, so wichtig ist es jedoch zu betonen, dass der wahre Kern des Fastenmonats nicht in Festlichkeiten oder Straßenraum-Dekorationen liegt. Der Heilige Koran erklärt den Zweck des Fastens eindeutig: „O die ihr glaubt! Fasten ist euch vorgeschrieben, wie es denen vor euch vorgeschrieben war, auf dass ihr gottesfürchtig werdet“ (Sure 2, Vers 184).

Der Gründer der Ahmadiyya Muslim Jamaat, der Verheißene Messias Hadhrat Mirza Ghulam AhmadAS, hat die rein spirituelle und selbstlose Natur dieses Monats in seinen Schriften unmissverständlich dargelegt: „Der Zweck des Fastens ist nicht, dass der Mensch sich bloß hungern und dürsten lässt; vielmehr besteht seine Realität und Wirkung darin, dass der Mensch sich von niederen weltlichen Begierden zurückzieht und sich ganz Gott widmet.“ (Quelle: Malfuzat, engl. Ausgabe 2024, Bd. 9, S. 43)
Begegnung statt Spaltung
Es geht im Ramadan um Selbstreflexion, den Verzicht auf eigene Privilegien, um Mitgefühl für die Armen zu entwickeln, und um das intensive Gebet. Die Lichter in den Straßen sollten uns Muslime vielmehr daran erinnern, dass wir durch unser eigenes moralisches Handeln – durch Ehrlichkeit, Friedfertigkeit und Nächstenliebe – ein Licht für die Gesellschaft sein sollen.
Licht ist in allen Weltreligionen ein Symbol der Hoffnung, der Aufklärung und des Friedens. Wenn die Ramadan-Beleuchtung dazu führt, dass Nachbarn unterschiedlicher Glaubensrichtungen miteinander ins Gespräch kommen, gemeinsam das Fastenbrechen (Iftar) feiern und Vorurteile abbauen, dann hat sie ihren schönsten Zweck erfüllt.
Die Ahmadiyya Muslim Jamaat lebt nach dem Leitmotiv „Liebe für alle, Hass für keinen“. Die leuchtenden Schriftzüge werten keine andere Tradition ab, sondern fügen dem friedlichen Zusammenleben in unserer pluralistischen Gesellschaft lediglich eine weitere Facette hinzu. Lasst uns diese Lichter als Einladung zum Dialog verstehen – eine Einladung, die wir als Muslime mit offenen Herzen und offenen Moscheen gerne erwidern.
